Deutsch­land 2018: You let me walk alo­ne

Nein, “kan­tig” ist das Ergeb­nis der dies­jäh­ri­gen deut­schen Song­su­che nun ganz gewiss nicht. Aber herz­er­grei­fend.

11. Micha­el Schul­te – You let me walk alo­ne (Du lie­ßest mich allei­ne lau­fen)

In zwei Sät­zen: Ich kann so eds­heera­nes­kes Gewim­mer ja übli­cher­wei­se auf den Tod nicht ab. Der sym­pa­thi­sche Rot­schopf Schul­te kriegt mich aber über die Hin­ter­grund­ge­schich­te: ich kann sei­ne Ode an den früh ver­stor­be­nen Vater nicht anhö­ren, ohne dass mir das Pipi in den Augen steht.

We were three Kids and ele­ven Mums”? Die Stu­dio­fas­sung kann nicht ganz mit der emo­tio­na­len Dich­te der Live-Per­for­mance mit­hal­ten.

Insze­nie­rung: Extrem gelun­gen! Micha­el hat das zu sei­ner sehr per­sön­li­chen Geschich­te pas­sen­de, recht inti­me Set­ting des deut­schen Vor­ent­scheids im Wesent­li­chen bei­be­hal­ten, aller­dings den eher alber­nen Lap­top weg­ge­las­sen und durch eine (hören Sie schon die ent­rüs­te­ten Schreie der Puris­ten?) LED-Wand ersetzt. Auch die Vater-Sohn-Fotos wur­den auf ein mini­ma­les Maß redu­ziert. Dafür gibt es nun eine psy­che­de­li­sche, schwarz-wei­ße Schat­ten­spi­ra­le, die sei­ne Hin­ter­grund­ge­schich­te (Abschieds­lied für den früh ver­stor­be­nen Vater > Micha­el wird selbst im August Papa > Tod und Geburt als Zir­kel des Lebens) vor­treff­lich illus­triert und dem Lied nach Blog­ger­be­rich­ten neue Fans beschert hat. Auch Micha­els manch­mal etwas brü­chi­ge Stim­me unter­stützt das Fra­gi­le sei­nes Lie­des und die Kraft der dar­in lie­gen­den Emo­tio­nen.

aufrechtgehn.de-Erstwertung: ♥♥♥ 3 von 5 Her­zen.

Vor­her­sa­ge: Platz 13. Micha­el wird mit sei­ner per­sön­li­chen Gesich­te sicher­lich auch euro­pa­weit das ein oder ande­re Herz berüh­ren und daher hier und da Punk­te ein­sam­meln. Im bes­ten Fal­le könn­te das sogar ganz, ganz knapp für die lin­ke Tabel­len­hälf­te rei­chen, wie der NDR es ver­sprach. Für die Top Ten ist die Num­mer aber nicht “kan­tig” genug. Wäre übri­gens kei­nes der Unser Lied für Lis­sa­bon-Lie­der gewe­sen, viel­leicht bis auf ‘I mog di so’ – das aber wirk­te nicht authen­tisch. Ist ja auch egal: einen Platz am Tabel­len­en­de müs­sen wir dies­mal nicht fürch­ten. Und dass nicht sofort ein neu­er Höhen­flug folgt, bewahrt uns davor, gleich wie­der ins Grö­ßen­wahn­sin­ni­ge abzu­drif­ten.

Ergeb­nis: Platz 4. Wow.

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