Ivy Quainoo: House on Fire

Die Künstlerin:

Neben Schlagerbooms und Volksmusikscheunen sind Castingshows aktuell so ziemlich die einzigen Präsentationsflächen für Popmusik im deutschen Fernsehen, und so nimmt es nicht weiter Wunder, dass der Großteil der deutschen Vorentscheidungsfinalist/innen schon mal an einem dieser Formate teilnahm. So wie Ivy Quainoo, die 2012 die allererste Staffel von The Voice of Germany gewann. Die Hauptstadtpflanze, deren Eltern ghanaische Wurzeln haben, wuchs auf hartem Pflaster auf, in Neukölln nämlich, wo sie eine gewisse Durchsetzungsstärke gelernt haben dürfte. Sie veröffentlichte nach ihrem The-Voice-Sieg kurz hintereinander zwei Alben und mehrere Singles mit, wie das bei Castingshow-Kindern so üblich ist, stetig nachlassendem kommerziellen Erfolg. Derzeit arbeitet sie an ihrem Comeback: im November 2017 ging sie auf eine kleine Tournee und stellte ihre neue Single ‚My own Terms‘ vor: ein sehr feines, so sphärisches wie druckvolles Stück Radiopop, das vor allem vom Charisma seiner Interpretin lebt, allerdings nicht ihr Lied für Lissabon darstellt.

Ivy singt das Hohelied der Eigenständigkeit (Repertoirebeispiel).

Der Vorentscheidungsbeitrag:

Das nämlich heißt ‚House on Fire‘ und stammt aus der Feder des Hitschreibers Ali Tamposi und des Produzenten und Komponisten Jörgen Elofsson, der allerdings auch für den wenig erfolgreichen Eurovisionsbeitrag ‚Dying to try‘ von Brendan Murray (→ IE 2017) verantwortlich zeichnet. Auch die Hörprobe enttäuscht ein wenig, hätte ich mir von der charismatischen Ivy, offen gestanden, doch ein bisschen mehr erhofft. Dem ersten Eindruck nach präsentiert sich ‚House on Fire‘ als ein nettes Stück Radiopop, das sich wunderbar weghören lässt und bei dem die Berlinerin auch ihre versatile Stimme bestens präsentieren kann. Was mir allerdings ziemlich fehlt, ist die Leidenschaft: davon, dass das „Haus in Flammen“ stehen soll, lässt sich in Ivys Gesang leider nicht wirklich etwas vernehmen.

Das Lied:

Der ULfL-Auftritt:

Großzügig mit Goldpaste bestrichen, lieferte Ivy eine stimmlich sehr saubere und professionelle Performance ab. Es gelang ihr aber nicht, eine Verbindung zu den Zuschauer/innen aufzubauen. Auch die Inszenierung vermochten nicht so recht zu überzeugen: ein brennendes Haus zu zeigen, liegt bei einem Titel namens ‚House on Fire‘ ja nun mal nahe. Das hier auf die Bühne geschobene und mit Brennpaste eingeriebene Haus vom Nikolaus, das nach Ivys Auftritt übrigens von mehreren Helfern mit riesigen Löschdecken und einem Handfeuerlöscher erstickt werden musste, jedoch wirkte ein wenig gewollt.

Das Ergebnis:

Mit dem dritten Platz bei den Zuschauer/innen und #4 im Gesamtranking wurde Ivy mehr als angemessen entlohnt.

< Xavier Darcy

> Michael Schulte

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