voXX­club: I mog Di so

Die Künst­ler:

Kon­tro­ver­se, “kan­ti­ge” Acts woll­te der NDR für den deut­schen Vor­ent­scheid 2018 fin­den, wie Tho­mas Schrei­ber auf der Road­show ver­kün­de­te. Bei voXX­club ist ihm dies frag­los gelun­gen, dürf­te es sich doch um den kon­tro­ver­ses­ten Act im dies­jäh­ri­gen Line-up han­deln: eine seit 2012 bestehen­de, aus Musci­al­dar­stel­lern und Schau­spie­lern (dar­un­ter mit Chris­ti­an Schild auch einem offe­nen Schwu­len) zusam­men­ge­setz­te Boy­band, die durch selbst insze­nier­te Flashm­obs Bekannt­schaft erlang­te und auf volks­tüm­li­chen Melo­di­en basie­ren­de Aprés-Ski-Hits im Schla­ger­stampfsound per­formt. Also etwas, das bei vie­len Men­schen auto­ma­tisch einen mas­si­ven ästhe­ti­schen Her­pes aus­löst. Die Tat­sa­che aber, dass die seit Kur­zem nur noch fünf aus­ge­spro­chen schmuck anzu­schau­en­den Manns­bil­der – der tuck­igs­te von ihnen, Juli­an David, stieg im Som­mer 2017 nach inter­nen Zicke­rei­en aus – stets in kur­zen Krach­le­der­nen wun­der­bar syn­chro­ne Boy­band-Cho­reo­gra­fi­en tan­zen, erleich­tert es unge­mein, ihren bol­le­ri­gen Tes­to­ste­ron-Pop mit dem nöti­gen Augen­zwin­kern zu genie­ßen. Und emp­fiehlt die Neu­en Volks­mu­si­kan­ten als beson­ders geeig­ne­te Ver­tre­ter auf inter­na­tio­na­ler Büh­ne: ihre Show blie­be mit gro­ßer Sicher­heit in Erin­ne­rung und näh­me gleich­zei­tig alle teu­to­ni­schen Kli­schees selbst­iro­nisch auf die Schip­pe. Per­fekt!

Schmerz­haft mit­an­zu­schau­en: für eine Gau­di schre­cken die Buben nicht ein­mal vor der Selbst­ver­stüm­me­lung zurück (Reper­toire­bei­spiel).

Der Vor­ent­schei­dungs­bei­trag:

Wie die – ohne­hin für ihre Infor­ma­ti­ons­ver­sor­gung rund um die fan­tas­ti­schen Fünf, ins­be­son­de­re aber für die aus­führ­li­chen Bild­zi­ta­te aus dem aktu­el­len voXX­club-Kalen­der sehr zu loben­den – Prin­zen dank inten­si­ver Recher­che­ar­beit her­aus­fan­den, han­delt es sich bei dem Euro­vi­si­ons­bei­trag der Krach­le­der­nen um eine Neu­be­ar­bei­tung ihres Album­ti­tels ‘Spit­zen­madl’, der ergänzt um das “ein oder ande­re Volks­mu­sik­ele­ment, eine ener­gie­ge­la­de­ne Liveper­for­mance mit neu­er Instru­men­tie­rung, neue Song­parts” sowie einer text­li­chen Anpas­sung “an aktu­el­le Ent­wick­lun­gen” unter der auf­ge­frisch­ten Lead-Zei­le ‘I mog Di so’ für eine Gau­di sor­gen soll­te. Und an die Ziel­grup­pe dach­te man auch, wie VoXX­club-Mana­ger Mar­tin Sim­ma gegen­über dem Prinz-Blog erklär­te: “Es geht dar­um, die Men­schen zu akzep­tie­ren, wie sie sind, egal woher sie kom­men oder wel­chen Lebens­ent­wurf sie leben. Wir in unse­rem Land haben das Glück, die­se Frei­heit zu haben und leben zu dür­fen. Dar­um wird in dem Song auch für die­je­ni­gen getanzt, die nicht in die­ser Frei­heit tan­zen kön­nen.” Eine schuh­plat­teln­de Schwu­len­hym­ne also? Da dürf­te der desi­gnier­te neue CSU-Hei­mat­mi­nis­ter aber vor Zorn plat­zen! Und allei­ne schon des­we­gen mog i die so!

Der Song:

Der ULfL-Auf­tritt:

Stimm­lich erstaun­lich stark, die fünf feschen Buam, dafür, dass sie gleich­zei­tig eine zünf­ti­ge Syn­chron-Tanz­cho­reo­gra­fie hin­leg­ten zu ihrem Bier­zelt­stamp­fer. Auch wenn die ver­hält­nis­mä­ßi­ge klei­ne Büh­ne im TV-Stu­dio zu Ber­lin-Adlers­hof die insze­na­to­ri­schen Mög­lich­kei­ten begrenz­te: es war stän­dig etwas los bei ‘I mog di so’. Und auch mit der Kame­ra wur­de genü­gend geflir­tet, wobei das auf dem sehr schma­len Grad zwi­schen Enga­ge­ment mit dem Zuschau­er und Ver­zweif­lung manch­mal schon knapp an die Gren­ze stieß. Den­noch: das mach­te Spaß!

Das Ergeb­nis:

Die baju­wa­ri­sche Boy­band dürf­te sicher nicht zu den Fans der Jury zäh­len: ein ange­mes­se­ner zwei­ter Rang im Publi­kums­vo­ting, aber tota­le Ableh­nung bei den bei­den Punk­te­gre­mi­en reich­ten ins­ge­samt nur für den vor­letz­ten Platz. Buh!

< Ryk

> Xavier Dar­cy

Oder was denkst Du?