Unser Lied für Tel Aviv

Als Erfolg kann man das im ver­gan­ge­nen Jahr rund­erneu­er­te deut­sche Vor­ent­schei­dungs­ver­fah­ren zwei­fels­oh­ne bezeich­nen. Zumin­dest, was das Ergeb­nis angeht: einen vier­ten Platz für die Bun­des­re­pu­blik beim euro­päi­schen Wett­sin­gen hät­te – nach meh­re­ren roten Later­nen in Fol­ge – wohl kaum jemand erwar­tet. Kein Wun­der, dass der NDR am kom­pli­zier­ten Kon­zept fest­hält und die Vor­auswahl für Unser Lied für Tel Aviv erneut in die Hän­de einer hun­dert­köp­fi­gen, hand­ver­le­se­nen Fan-Jury leg­te. Die besteht zur Hälf­te aus Men­schen, die das schon bei der Pre­miè­re des neu­en For­mats taten, und zur ande­ren Hälf­te aus fri­schem Blut, wobei die beauf­trag­te Fir­ma Simon Kucher, wie die Prin­zen zu berich­ten wuss­ten, dies­mal eine etwas jün­ge­re und weib­li­che­re Mischung zusam­men­stell­te. Die­se gehei­lig­ten Hun­dert haben ihren Job bereits ver­rich­tet und aus den 198 vom NDR aus 465 Bewer­bun­gen und eben­so vie­len eige­nen Favo­ri­ten vor­ge­sieb­ten Vor­schlä­gen 50 aus­ge­wählt. Ihnen folg­te die inter­na­tio­na­le Jury aus ehe­ma­li­gen ESC-Teil­neh­mer/in­nen und -Juror/innen, die den Kreis auf zwan­zig Kandidat/innen ein­dampf­te, die eine Ein­la­dung zu den ab Ende Sep­tem­ber 2018 in Köln statt­fin­den­den NDR-Work­shops erhiel­ten. Bis Weih­nach­ten 2018, so das ehr­gei­zi­ge Ziel, sol­len die ULfTA-Teilnehmer/innen und ihre Lie­der fest­ste­hen.

Sol­len gerüch­te­hal­ber zum Kreis der Bewerber/innen gehö­ren (oder ist das pures Wunsch­den­ken?): die fan­tas­ti­schen Laing (Reper­toire­bei­spiel).

Bab­si is back

Ein kom­mu­ni­zier­tes Datum für ULfTA gibt es noch nicht, obschon die­ses intern bereits fest­ste­hen muss, denn nach ihrer ter­min­be­ding­ten Unpäss­lich­keit bei Unser Lied für Lis­sa­bon ist die ARD-All­zweck­waf­fe und rund­her­um fabel­haf­te Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger dies­mal wie­der als Mode­ra­to­rin des Vor­ent­scheids gesetzt. Und ehr­lich: allei­ne für den Umstand, den kom­plett unlus­ti­gen Elton nicht erneut ertra­gen zu müs­sen, möch­te ich Herrn Schrei­bers Haupt mit Öl sal­ben und mit Lor­beer umkrän­zen! Nach den eher mau­en Zuschau­er­zah­len für ULfL wird die Show wohl auch 2019 an einem Werk­tag statt­fin­den. Das kann man scha­de fin­den, doch rea­lis­ti­scher­wei­se könn­te die ARD im Hin­blick auf den lei­der selbst ver­ord­ne­ten Quo­ten­druck die Sen­dung nur dann auf den Sams­tag­abend legen, wenn der sin­gen­de Höl­len­fisch oder irgend­ein volks­tüm­li­cher Schla­ger­fuz­zi am Vor­ent­scheid teil­näh­me. Und selbst bei nur 33% Publi­kums­stimm­kraft (die ande­ren zwei Drit­tel steu­ern erneut die bei­den oben genann­ten Jurys bei) hie­ße das, dass irgend­ein Act gewön­ne, der haupt­säch­lich bei der Genera­ti­on 50+, also der Stamm­zu­schau­er­schaft des Geron­ten­sen­ders ARD, ankommt. Zu die­ser gehö­re ich zwar mitt­ler­wei­le selbst; im Hin­blick auf unse­re Chan­cen beim Haupt­wett­be­werb ist es mir den­noch lie­ber, wenn die pop­mu­si­ka­lisch rele­van­te jün­ge­re Ziel­grup­pe maß­geb­lich mit­be­stimmt.

Hirn aus – Beat an: der Hell­Fisch beim Gene­ral­an­griff auf Sinn und Ver­stand. Und nein, die deut­sche Brit­ney Spears wird sich auch 2019 nicht dem Wett­be­werb stel­len (Reper­toire­bei­spiel).

Unter deut­schen Tönen soll Euro­pa stöh­nen

Ähn­lich ver­hält es sich bei einer vor allem von älte­ren Fans ger­ne erho­be­nen For­de­rung, die aktu­ell – wen wun­dert es in hei­mat­tü­meln­den Zei­ten wie die­sen – Unter­stüt­zung aus der Poli­tik erhielt: so mein­te die kul­tur­po­li­ti­sche Spre­che­rin der CDU, Eli­sa­beth Mot­sch­mann, anläss­lich des Tags der deut­schen Spra­che (doch, so etwas gibt es!) am 8. Sep­tem­ber 2018, dass der hei­mi­sche Euro­vi­si­ons­bei­trag im hei­mi­schen Idi­om gesun­gen wer­de müs­se. “Unse­re Spra­che ist wesent­li­ches Ele­ment einer gewach­se­nen deut­schen Kul­tur”, so die Poli­ti­ke­rin in der Pres­se. Der NDR parier­te das nüch­tern und sach­lich kor­rekt: “Die Teil­nah­me­be­din­gun­gen (…) machen dazu kei­ne Vor­ga­ben”. Und das ist auch gut so! Die Sen­dung wird laut Herrn Schrei­ber ent­we­der wie­der aus Ber­lin oder aus Köln kom­men, aus Kos­ten­grün­den erneut aus einem TV-Stu­dio. Nach der berech­tig­ten Fan-Kri­tik an der fit­ze­li­gen Büh­ne von 2018, auf der bei­spiels­wei­se die voXX­club-Buben kom­plett ver­san­de­ten, wol­le man jedoch “ver­su­chen, grö­ßer zu wer­den”. Ja, bit­te! Wenn der NDR dann noch die Län­ge der Ein­spie­ler und die Anzahl der Schnell­durch­läu­fe deut­lich (!) redu­ziert und den Super-GAU der kom­plett span­nungs­frei­en Ergeb­nis­ver­kün­dung ver­mei­det (das schwe­di­sche Melo­di­fes­ti­va­len lie­fert hier eine copy-and-pas­te-fähi­ge Vor­la­ge, wie man es bes­ser macht), sind schon mal die Zuta­ten für eine poten­ti­ell gute Show zusam­men. Jetzt noch eins, zwei tat­säch­lich “kan­ti­ge” Acts, und ich bin glück­lich.

Indie-Pop­per Drang­sal woll­te bei ULfTA mit­ma­chen, schaff­te es aber nicht durch die Vor­auswahl – und zeig­te sich dar­ob öffent­lich sehr ver­schnupft. (Reper­toire­bei­spiel).

Die The-Voice-Wie­der­auf­be­rei­tungs­an­la­ge

Seit dem 28. Sep­tem­ber 2018 lau­fen die Euro­vi­si­ons-Work­shops in einem Köl­ner Stu­dio, zu denen jeweils vier Acts pro Tag ein­ge­la­den wur­den, um ihre poten­ti­el­len Vor­ent­schei­dungs­bei­trä­ge vor­zu­stel­len, mit Hil­fe eines Vocal Coachs dar­un­ter den opti­ma­len zu fin­den und damit einen neun­zigs­ekün­di­gen Pro­mo-Clip zu dre­hen, der aus­schließ­lich für die Augen der bei­den Jurys bestimmt ist. Denn die­se wäh­len schließ­lich aus den 20 übrig­ge­blie­be­nen Bewerber/innen die nach frü­he­ren Ankün­di­gun­gen noch acht bis zehn, einer aktu­el­len Äuße­rung von Tho­mas Schrei­ber zufol­ge jedoch – abhän­gig von “den not­wen­di­gen Pro­ben­ta­gen”“vor­aus­sicht­lich 6 bis 8” Finalist/innen für die TV-Sen­dung aus. Eini­ge der an den Work­shops teil­neh­men­den Acts haben sich zum der­zei­ti­gen Zeit­punkt Dis­kre­ti­on erbe­ten, so dass der NDR und die als Exklu­siv­be­richt­erstat­ter zuge­las­se­nen Prin­zen nur einen Teil der Namen ver­öf­fent­li­chen kön­nen. Und zwar bis dato:

  • Bar­na, drei­köp­fi­ge Pop-Rock-Band, Sie­ger bei The Band von 2015 (Pro 7).
  • Thi­lo Berndt (20), gos­pel­stim­mi­ger Sin­ger-Song­wri­ter aus Bochum, Sie­ger beim Teena­ge Rock­star Sum­mer­camp von 2010 (Super RTL).
  • Nico­le Cross (25), pop­stim­mi­ges You­tube-Stern­chen aus Nürn­berg, DSDS-Vor­run­den­teil­neh­me­rin von 2011 (RTL).
  • Gre­gor Häge­le (18), hell­stim­mi­ges Milch­büb­chen aus Stutt­gart, The-Voice-Fina­list von 2017 (Pro 7 / Sat 1).
  • Nina Kut­sche­ra, ver­sa­til­stim­mi­ge Vlog­ge­rin aus Offen­bach, The-Voice-Teil­neh­me­rin von 2011 (Pro 7 / Sat 1).
  • Dimi Rom­pos, soul­stim­mi­ges Stern­chen aus Aschaf­fen­burg, The-Voice-Fina­lis­tin von 2015 (Pro 7 / Sat 1).
  • Aly Ryan (21), indie-pop-stim­mi­ge Wel­ten­bumm­le­rin aus Ober­ur­sel, ohne Cas­ting­show-Ver­gan­gen­heit.
  • Dia­na Schnei­der, soul­stim­mi­ges Trash-TV-Stern­chen (Köln 50667), ESC-Work­shop-Teil­neh­me­rin von 2017.
  • Sebas­ti­an Schub (21), blues­stim­mi­ger Sin­ger-Song­wri­ter aus Ham­burg, ohne Cas­ting­show-Ver­gan­gen­heit.
  • Dani­el Schuh­ma­cher (31), leicht­stim­mi­ger Pop-Schnu­ckel, DSDS-Sie­ger von 2009 (RTL).
  • BB Tho­maz (34), soul­stim­mi­ge Vlog­ge­rin aus Düs­sel­dorf, The-Voice-Fina­lis­tin von 2017 (Pro 7 / Sat 1).

Der tat­säch­lich kan­ti­ge Sebas­ti­an Schub schaff­te es zwar unter die letz­ten Zwan­zig, hat zwi­schen­zeit­lich aller­dings schon ande­re Ter­mi­ne aus­ge­macht und dem NDR nun abge­sagt. Scha­de. Viel­leicht 2020? (Reper­toire­bei­spiel)

Stand: 23.10.2018