lil­ly among clouds

Die Künst­le­rin:

Eli­sa­beth Brüch­ner, eine Sin­ger-Song­wri­te­rin aus der Nähe von Würz­burg, tritt unter ihrem Künst­le­rin­nen­na­men lil­ly among clouds auf. Sie gehört zu den­je­ni­gen, die sich bis zur Bekannt­ga­be der UlfI-Finalist/innen im Vor­ent­schei­dungs­ren­nen Anony­mi­tät bedun­gen hat­ten, so als habe sie im Fal­le eines vor­zei­ti­gen Aus­schei­dens einen Namen zu ver­lie­ren. Dabei gehört die 28jährige trotz des flei­ßi­gen Bespie­lens von Nach­wuchs­büh­nen im In- und Aus­land bis dato noch nicht unbe­dingt zu den Eta­blier­ten in der Bran­che. Das könn­te (und soll­te) sich mit der ULfI-Teil­nah­me ändern: zwar erscheint ihr leicht wol­ken­ver­han­gen-düs­te­rer Indie-Pop nur ein­ge­schränkt mas­sen­taug­lich, ist aber gleich­zei­tig viel zu gut, um nicht einer grö­ße­ren Anhän­ger­schaft zuge­führt zu wer­den. Zumal lil­lys durch­drin­gen­de Stim­me über eine sel­ten zu hören­de, sper­ri­ge Ver­letz­lich­keit ver­fügt, die sich unmit­tel­bar in den Gehirn­win­dun­gen fest­setzt und den Wunsch nach mehr aus­löst. Da die Baye­rin ihre Songs selbst schreibt, kön­nen wir hier auf den Vor­ent­schei­dungs­bei­trag beson­ders gespannt sein.

Als habe sich Lena May­er-Land­rut auf einen LSD-Trip bege­ben und von Björks See­le Besitz ergrif­fen: lil­ly among clouds (Reper­toire­bei­spiel).

Der Vor­ent­schei­dungs­bei­trag:

Sper­rig, intro­ver­tiert, düs­ter, bal­la­desk und strei­cher­durch­wo­ben: mit ‘Sur­pri­se’ ist sich die zier­li­che Baye­rin künst­le­risch abso­lut treu geblie­ben und prä­sen­tiert einen nicht auf die Radio­ro­ta­ti­on oder, schlim­mer noch, spe­zi­ell auf den Euro­vi­si­on Song Con­test hin kon­zi­pier­ten Song, der einen gera­de des­halb ums so stär­ker unmit­tel­bar in sei­nen Bann zieht. Und natür­lich wegen Lil­lys fas­zi­nie­ren­der Stim­me, die hier alle ihre Qua­li­tä­ten aus­spie­len kann. Alle mög­li­chen Ver­glei­che, von Björk über Kate Bush bis zu Lana del Ray, wur­den hier­für schon gezo­gen, und kei­ner davon kann ihr gerecht wer­den. ‘Sur­pri­se’ ist so ein biss­chen das gute Sonn­tags­ge­schirr unter den Vor­ent­schei­dungs­songs: nichts, das zum täg­li­chen Gebrauch tau­gen wür­de. Aber um so fest­lich strah­len­der, wenn man es zu beson­de­ren Gele­gen­hei­ten mal her­aus­holt.

Der ULfI-Auf­tritt:

Ein wenig hei­se­rer als in der Stu­dio­auf­nah­me klang Frau Brüch­ner beim Live-Auf­tritt, und Peter Urban ent­schul­dig­te es rasch mit einer Erkäl­tung. Dabei bedurf­te es gar kei­ner Ent­schul­di­gung, füg­te gera­de das Krat­zi­ge dem Song eine zusätz­li­che, inti­me Qua­li­tät hin­zu. Das gro­ße Streich­or­ches­ter aus dem offi­zi­el­len Video­clip durf­te Lil­ly nicht nach Ber­lin mit­brin­gen, dafür über­nahm sie das rote, bauch­freie Ober­teil und ergänz­te es durch ein boden­lan­gen Rock in sel­bi­ger Far­be, aus dem die nack­ten Füße San­die-Shaw-gleich her­vor­lug­ten. Zu Feu­er­ani­ma­tio­nen auf dem Büh­nen­hin­ter­grund tanz­te die elfen­glei­che Sän­ge­rin dann noch ihren Namen. Das hat­te viel Schö­nes.

Das Ergeb­nis:

Rang zwei im Tele­vo­ting, Rang drei bei der deut­schen Fan-Jury und Rang vier beim inter­na­tio­na­len Panel: ein durch­aus vor­zeig­ba­res Ergeb­nis für einen der­art nicht-main­strea­m­i­gen Song. Neue Fan­krei­se dürf­te sich lil­ly among the clouds mit die­sem Gig sicher­lich erschlos­sen haben.

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