Betty Dittrich: Lalala

Hätte die zwanzigjährige Berlinerin Betty Dittrich die deutsche Vorentscheidung gewonnen, dann hätte sie den Grand-Prix-Auftritt gleich mit einem Besuch ihres Elternhauses verbinden können: ist sie doch in der Nähe von Malmö geboren. Im Heimatland feierte sie auch schon Erfolge mit ihrer damaligen Mädchenband Shebang, die sich aber 2008 auflöste. Den Titel ihres Eurovisionsbeitrags lehnte das „Mädchen mit der Gitarre“ (NDR) am spanischen Siegersong von 1968 an: ‚Lalala‘ hieß der nämlich schlicht. Und ist rundweg toll: luftiger, deutsch gesungener Gitarrenpop im Sechzigerjahrestil mit einem lustigen, ein bisschen frivolen Text. Mit niedlichem schwedischen Akzent und ganz auf naiv-kokette Lolita machend, singt Betty eine fröhlich-verspielte Ode auf häufig wechselnden Geschlechtsverkehr und zählt uns ihre Sommerliebschaften auf. Mit einem ironischen Twist am Ende.

Auch visuell fabelhaft: Betty Dittrich und ihre tanzenden Schirmherren

Das war im Vorfeld mein eindeutiger Lieblingstitel bei Unser Song für Malmö! Ein wunderschön fluffiger Ohrwurm mit absolut stimmungsaufhellender Wirkung, ein musikalischer Sommertag mitten im verregneten Winter: ich liebe, liebe, liebe diesen Song! Ob die Mehrheit der Deutschen sich für ironisch-verspielten Sechziger-Schlager mit Xylophon erwärmen könnte, stand allerdings von Anfang an auf einem anderen Blatt. Zwar strahlte Betty live wie im Video einen unglaublichen Charme aus und wurde auch im Vorstellungsvideo mit dem niedlichen Mops nicht müde, zu betonen, welche Sympathiebonus-Chancen wir mit ihr als schwedische Vertreterin für Deutschland in Schweden gewönnen.

Lustig: die Drummerin trägt die selbe Perücke wie Betty

Dennoch vermochte ihr Liveauftritt nicht richtig zu zünden, was zum einen an der Reduzierung der smarten Tänzer von vier auf zwei gelegen haben mag, vor allem aber auch an der wahrnehmbaren Kurzatmigkeit der süßen Schwedin. Es bleibt dennoch empörend und unentschuldbar, dass die Jury Betty mit null Punkten bedachte. Und auch die deutschen Radiowellen-Programmmacher erwiesen sich mal wieder als extrem borniert: bis auf ein paar Einsätze auf hr3 schaffte es ‚Lalala‘ nur auf den klassischen Schlagerwellen in die Playlist. So reichte es denn leider auch nur für eine kurze Stippvisite in den unteren Charträngen. Schade!

<– Ben Ivory: The Righteous Ones

Blitzkids Movement: Heart on the Line –>

4 Kommentare zu „Betty Dittrich: Lalala

  1. Geht es in dem Lied nicht eher darum, dass Betty alle ihre Lover abgemurkst hat, sobald sie frech wurden?

  2. Ich verstehe auch, dass die Süße über ihre Leichen im Keller singt. Aner je nun. Die Tänzer MÜSSEN unbedingt mit auf die Bühne!

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