Blitzkids mvt.: Heart on the Line

In Richtung des schwedischen Melodifestivalen wollte der NDR angeblich den Vorentscheid bewegen – tatsächlich ging es stärker in die Richtung des Eesti Laul. Und das ist sehr gut! Starke elektronische Tanzmusik kam vom Berliner Künstlerkollektiv Blitzkids mvt. (Abkürzung für Movement), deren Frontfrau Nomi sich von dem 1983 in New York City an den Folgen von Aids verstorbenen deutschen Opernsänger und New-Wave-Vorreiter Klaus Nomi (‚Total Eclipse‘) nicht nur zum Namen, sondern auch zum Styling inspirieren ließ. Auch der Name der Band knüpft an die frühen Achtziger an: da war die Londoner Disco Blitz Treffpunkt der New-Romantic-Kids wie z.B. Boy George. Dennoch klingen die Songs der Blitzkids kein bisschen retro, sondern frisch.

Modisch vorneweg: das Federball-Top finde ich besonders hübsch!

Von Youtube-Nörglern als „marktkonform“ verschmäht, ist dies in meinen Augen ein Gütesiegel, das für die Kommerzialität (in meinem Sprachschatz ebenfalls etwas Positives) ihrer Musik spricht. Das hätte tatsächlich auf den vorderen Rängen mitmischen können beim Song Contest – wenn sich die Deutschen denn hätten überwinden können, etwas Elektronisches zu entsenden. Also etwas aus einer Musiksparte, in der wir seit Kraftwerk anerkanntermaßen gut sind und weltweite Standards setzen. Auch die Jury schien dieser Meinung zu sein und gab in einem lichten Moment seltener Geschmackssicherheit ihre Douze Points an die Berliner. Doch das stumpfe ARD-Publikum machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung und verwies die Blitzkids auf die Ränge. Lag es an der (wie ich finde, fabelhaften) Verkleidung von Nomi als singende Discokugel in Seitenspoilerhosen?

MC Hammer würde sicher grün vor Neid

An der Liveperformance kann es jedenfalls nicht gelegen haben, denn die war fulminant und sogar noch stärker als die Studiofassung von ‚Heart on the Line‘. Nein, es ist das Genre, das hierzulande scheinbar nur eine feine ausgewählte Minderheit zu begeistern vermag. Und so reichte es auch in den Charts leider nur für untere Ränge. Immerhin: auf elektronischer Musik verpflichteten Radiowellen lief der Song noch lange Zeit nach dem Vorentscheid in Rotation. Und auch das: völlig zu Recht.

<– Betty Dittrich: Lalala

Cascada: Glorious –>

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