Cascada: Glorious

Cascada? Die gewinnen das doch sicher?“, so reagierten englischsprachige ESC-Seiten im Dezember 2012 unisono, als die Namen der USFM-Teilnehmer/innen bekanntgegeben wurden. Kein Wunder: hierzulande schon mal gerne als „Bauerndisco“ geschmäht, wird dem Bonner Dance-Project vor allem jenseits der deutschen Landesgrenzen seit jeher die berechtigte Wertschätzung als erfolgreicher Act entgegengebracht. Und zu Recht: weltweit mehr als 30 Millionen verkaufter Tonträger sowie einen Top-Ten-Hit in den USA1)‚Every Time we touch‘, auch im ESC-Land Schweden ein großer Hit. können wohl die wenigsten deutschen Teilnehmer der letzten 56 Jahre vorweisen. Bis auf die deutschen Discoköniginnen Silver Convention, die 1977 mit einem US-Nummer-Eins-Hit im Rücken von der ARD direkt nominiert wurden (und beim ESC einen damals enttäuschenden siebten Platz holten).

Natalie könnte auch ein Dirndl ganz gut ausfüllen.

Entsprechend hoch war meine Erwartung – und entsprechend tief die Enttäuschung, als ich ‚Glorious‘ dann das erste Mal hörte: ein zwar solide gemachter Mainstream-Dancesong, der umgehend auf Rotation in meinem Lieblings-Dance-Radio Sunshine Live ging, allerdings ganz sicher keinen Innovationspreis gewinnt. Ärgerlich und überflüssig der massive Autotune-Einsatz auf Platte, verfügt Frontsängerin Natalie Horler doch über eine starke Stimme, wie sie beim Unplugged-Liveauftritt im ARD-Morgenmagazin bewies. So hielt ich den Song zwar für bestens geeignet für die Großraumdisco, für den Wettbewerb aber für ein bisschen zu platt. Und hegte ob der bekannten Abneigung eines Großteils gerade der älteren ARD-Zuschauer gegen Dancemusic Zweifel am möglichen Sieg Cascadas gegen die bei der breiten Massen beliebten Säusler Mannheims.

„Bulettenbratendes Vollweib“: Natalie auf Stimmenjagd

Nun, wie wir wissen, kam es anders: mit der Spitzenwertung bei den TV-Zuschauern, dem zweiten Rang im Internetvoting der Radiostationen und Platz drei bei den Juroren setzte sich Natalie souverän gegen die Konkurrenz durch. Und das in einem, nennen wir es mal: mutigen Minirock mit No-Angels-Gedächtnisschleppe und einem, nennen wir es mal: etwas press sitzendem Alu-Bustier. Sowie mit einer leider ein wenig an Hautausschlag gemahnenden Glitzerkruste auf den Bauarbeiter-Oberarmen. Respekt!

Bonner Donnerschenkel, leicht geschürzt: das USFM-Outfit bot Optimierungsspielräume

Selbst ein von der skandalinteressierten Bild herbeidelirierter Plagiatsskandal wegen der engen musikalischen Verwandschaft des Songs mit dem Vorjahressiegertitel ‚Euphoria‘ tat dem Erfolg der Single keinen Abbruch: Rang 6 in der Verkaufshitparade ist zwar weniger stark als die stets auf dem Spitzenplatz chartenden Siegertitel der Vorjahre, für eine großraumdiscotaugliche Clubnummer aber immer noch sehr, sehr gut. Und im Radio lief der Song ebenfalls in Rotation – und zwar überall. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu ‚Miss Kiss Kiss Bang‘, dem ebenfalls aus dem Dance-Sektor kommenden deutschen Beitrag von 2009.

Lachflash: Natalie bei der Killerkaraoke eines Landjugendsenders

<– Blitzkids Mvt: Heart on the Line

Die Priester + Mojca Erdmann: Ave Maris Stella –>

Fußnote(n)   [ + ]

1. ‚Every Time we touch‘, auch im ESC-Land Schweden ein großer Hit.

5 Gedanken zu “Cascada: Glorious

  1. Ich bin der Meinung das Cascada gewinnen sollte und auch große Chancen hat zu gewinnen weil sie einfach außergewöhnlich Musik machen es hört sich nicht an wie alles andere was man immer so hört . Natalie hat einen tolle stimme die man in den unpluggt Versionen besonders gut hört es ist ganz beeindruckend was sie alleine mit ihrer stimme macht . Auch der Sound der Lieder ist Spitze bei Cascada ist man gleich in Party Stimmung und die bühnen Performance ist auch Hammer die Tänzer und Natalie machen immer eine Super Show . Und das alles ganz abgesehen von Natalie mit ihreren Ausstrahlung und ihrere art die ich persönlich auch Super finde.
    Das ist meine Meinung zu Cascada .

  2. Hm. Zwei nahezu identische Kommentare, nah an der Unlesbarkeit (schon mal von Zeichensetzung oder den deutschen Regeln zur Groß- und Kleinschreibung gehört?). Zufall?

    On-topic: Sorry, aber nur weil ein Name bekannt ist, kann und darf das kein Freibrief sein. Silver Convention haben es nicht umsonst bei einem meiner Lieblings-Internet-Reviewer auf die Liste der zehn schlimmsten Hits 1976 geschafft (mit „Get Up and Boogie“, um Missverständnissen vorzubeugen). Wenn die Song-Qualität nicht stimmt, dürfen Cascada gerne im Vorentscheid auf die Nase fliegen – genau wie die Söhne Mannheims oder jeder andere Teilnehmer. Nightwish haben es 2000 in Finnland auch nicht geschafft (um mich mal aus dem Handbuch des Hausherrn zu bedienen: Jurys sind Wichser! 😉 ).

    Können wir uns überhaupt noch blamieren? Nach den Super-Resultaten von Gracia und den No Angels (und den dazugehörigen Auftritten) sollte dieser spezielle Brunnen doch langsam versiegt sein.

  3. In Slowenien wird das Lied schon als Einspielmusik für deren Casting-Show eingespielt, ich denke das sollte Beweis genug sein, dass Cascada im Ausland mit der Nummer punkten kann!

    Wo die meisten Leute nach einer Ähnlichkeit in dem Song Euphoria suchen frag ich mich soweiso, nur weil ein paar instrumentale Dinge dem gleichen.
    Euphoria hat seinen ganz eigenen Style, so wie Cascada den auch hat!

    Ich hoffe das Cascada sich im Vorentscheid gut verkaufen kann und auch dort die meisten Stimmen erlangt um nach Malmöö zu fahren!

    Ist man mal ehrlich: Die anderen Acs würden uns auf die letzten Plätze wieder verschlagen, die Söhne Mannheims ohne Xavier und noch mit dem enttäuschenden Song kann man vergessen. Cascadas Song ist jetzt auch nicht vergleichbar mit evacuate the dancefloor aber für das Niveau beim ESC auf jeden Fall ausreichend!!!

  4. Gerade die Big Four sind mit Durchschnittsware aus diesem Genre schon mehr als einmal kräftig auf die Nase geflogen. Erinnert sich noch jemand an solche Juwelen wie „Touch My Fire“, „Un Bloodymary“, „Chacun pense à soi“, „La noche es para mi“ oder gar (schauder) „Cry Baby“? Und was bitte soll das heißen, „für das Niveau beim ESC auf jeden Fall ausreichend“? Ist das, was in den Charts läuft, wirklich so viel besser? Da habe ich bei Schrott wie „Scream and Shout“ oder „Diamonds“ doch ernste Zweifel.

    Und solche Sprüche wie der erste Satz des letzten Abschnitts kamen zuhauf über beide Songs von Lena und über Roman Lob – ebenso wie über Alex Swings Oscar Sings, Gracia oder die No Angels. „Vorhersagen sind immer schwierig, besonders, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen“ (Niels Bohr). Man darf Cascada gut finden, aber alle anderen Acts in Bausch und Bogen als unfähig und zu letzten Plätzen verdammt darzustellen wird ihnen meines Erachtens nicht gerecht.

Oder was denkst Du?