Die Priester mit Mojca Erdmann: Ave Maris Stella

Nachdem die Schweiz mit christlich inspirierter Popmusik beim ESC in Schwulitäten geriet, durfte ein solcher Act natürlich auch in der deutschen Vorentscheidung nicht fehlen. Die Priester nennen sich nicht nur so, sondern sind tatsächlich welche: praktizierende Pfaffen, die mit mittelalterlichen Chorgesängen in teilweise moderner Bearbeitung auf den Spuren von Enigma wandeln und bereits Goldstatus erreichten. Mit ihrem Vorentscheidungsoeuvre ‚Ave Maris Stella‘ vertonten sie einen lateinischen Text aus dem achten Jahrhundert (bedeutet angeblich ‚Meerstern, sei gegrüßt‘; wie man die Kirche kennt, aber wohl eher so was wie: „Ertrinke in der See, räudige Abtreibungssünderin“), unterstützt von der Opernsängerin Mojca Erdmann.

Kaum singen Priester beim Grand Prix, tritt der Papst zurück!

Die wiederum griff das nautische Thema des Songs auf, in dem sie sich beim Singen gebärdete wie ein Kugelfisch mit Schnappatmung. Spannend wäre es geworden, hätten die Priester tatsächlich gewonnen: ob ihnen die EBU das Tragen ihrer Priestertracht oder des Kruzifixes auf der Bühne ebenso verboten hätte wie den Schweizer Heilsarmisten das Tragen ihrer Uniform? Ich tippe mal nein, schließlich sind wir als Big-Five-Land gleicher als gleich. Aus dem zu 95% von schwulen Männern besetzten Fanblock in der Hannoveraner Arena gab es denn auch einige Buhrufe (ja, auch von mir), womit wohl weniger der Song gemeint war als die Priester als Vertreter der schwulenfeindlichsten Organisation der Welt: der Kirche.

Der Kugelfisch & die Pressköpfe

Die Jury ließ die Pfaffen ebenfalls liegen, so dass sie trotz eines vierten Ranges im Televoting (gregorianisches Gegrunze zieht halt hierzulande) unter ferner liefen landeten. Auf eine Singleveröffentlichung verzichtete der Chor dann auch.

<– Cascada: Glorious

Finn Martin: Change –>

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