LaBrass­Ban­da: Nackert

Jo mei: durch so ein Wech­sel­bad der Gefüh­le wie mit LaBrass­Ban­da ging ich bei einer deut­schen Vor­ent­schei­dung noch nie! Män­ner in Leder­ho­sen, Gesang in baye­ri­scher Mund­art, Posau­ne und Trom­pe­te als maß­geb­li­che Musik­in­stru­men­te. Ein Alp­traum aus dem Mutan­ten­stadl? Kei­nes­falls! Die stets nur bar­fuß auf­tre­ten­den Jungs aus dem Chiem­gau um Band­lea­der Ste­fan Dettl spie­len atem­be­rau­bend schnell, ohren­be­täu­bend laut und mit schweiß­trei­ben­dem Kör­per­ein­satz und mischen Tech­no, Reg­gae, Funk und Ska mit druck­vol­ler Per­cus­sion zu einem mit­rei­ßen­den Gesamt­er­leb­nis, bei dem es kei­ne Rol­le mehr spielt, dass man nörd­lich des Weiß­wur­st­äqua­tors kein Wort von dem ver­steht, was sie da rap­pen. Das Goe­the-Insti­tut schick­te sie schon als deut­schen Kul­tur­ex­port nach Russ­land, auch im öster­rei­chisch-unga­ri­schen Raum spiel­ten sie auf gro­ßen Fes­ti­vals vor fre­ne­ti­schem Publi­kum. Und nach Sich­tung der ers­ten You­tube-Vide­os, lan­ge vor Bekannt­ga­be des Vor­ent­schei­dungs­songs, sag­te nicht nur der Fuß­fe­ti­schist in mir: Mann, sind die geil! 1983 schäm­te ich mich noch in Grund und Boden, als der Baye­ri­sche Rund­funk im Ein­stim­mungs­film zum Grand Prix aus der Mün­che­ner Rudi-Sedl­mey­er-Hal­le gran­teln­de Zau­sel­bär­te und Schuh­platt­ler prä­sen­tier­te. Von die­sen Bazis wür­de ich mich aber jeder­zeit euro­pa­weit reprä­sen­tie­ren las­sen. Der ver­dammt cools­te Act der dies­jäh­ri­gen Vor­ent­schei­dung!

Schub in den Stro­phen, Brä­sig­keit im Refrain: das offi­zi­el­le Video

Für die Bay­ern erwirk­te NDR-Mann Tho­mas Schrei­ber, selbst Fan der Kap­pel­le, wohl sogar eigens eine Aus­nah­me­re­ge­lung bei der EBU. Denn die Band, so hat­te sie es auf Face­book sogleich kate­go­risch ver­kün­det, trä­te nur an, wenn sie auch die Instru­men­te live spie­len darf. Beim Vor­ent­scheid, wo die ARD allei­ne das Sagen hat, kein Pro­blem; beim Haupt­wett­be­werb ist Halb­play­back jedoch vor­ge­schrie­ben. Doch für ein Big-Five-Land gel­ten natür­lich ande­re Geset­ze. In die­sem Fal­le: gut! Von allen Teil­neh­mern lie­ßen sich die Bay­ern­buam am längs­ten Zeit mit der Ver­öf­fent­li­chung der Con­test­fas­sung und scho­ben, auch eine eher unge­wöhn­li­che Her­an­ge­hens­wei­se, vor­her noch einen Remix-Con­test für ihren bis dahin nur als Aca­pel­la-Ton­spur erhält­li­chen Bei­trag ‘Nackert’ ein, einer lus­ti­gen Wei­se über die Freu­den des FKK-Badens und heim­li­cher Bezie­hun­gen (glau­be ich, so rich­tig ver­ste­he ich die Spra­che nicht, selbst in der Tran­skrip­ti­on).

Der Band­auf­ruf für den Remix-Con­test

Anfang Febru­ar prä­sen­tier­te die Band dann end­lich die Radio­fas­sung, von der mir aller­dings, mit Ver­laub, die Füße ein­schlie­fen. Da hat­te ich noch die Hoff­nung, dass ‘Nackert’ live viel­leicht mehr Druck bekä­me, was ganz drin­gend erfor­der­lich gewe­sen wäre. Doch größ­te Schwach­stel­le des Songs war bereits der äußerst behä­bi­ge Ein­stieg: erst nach über 20 Sekun­den kommt ein biss­chen Tem­po in die Num­mer. Ein gro­ber Ver­stoß gegen die gol­de­ne Grand-Prix-Regel, ja eigent­lich die gol­de­ne Pop­re­gel, nach der ein Song den Hörer in den ers­ten 15 Sekun­den packen muss, da bereits dort die meist irrever­si­ble Ent­schei­dung über Sym­pa­thie oder Anti­pa­thie für den Titel fällt. So erwar­te­te ich den Auf­tritt in Han­no­ver mit gemisch­ten Gefüh­len: ich fand die Band geil, den Song aber schwach.

Ein etwas rocki­ge­rer Remix, den ich eher wegen des Vide­os mag

Han­no­ver bestä­tig­te dann, dass die tat­säch­lich live spie­len­den Bay­ern­bu­ben ihren Charme nur schwer­lich inner­halb von drei Minu­ten ganz ent­fal­ten kön­nen: ihre Dar­bie­tung kam nicht aus dem Quark und ver­sank nach knapp zwei Minu­ten im völ­li­gen Cha­os, weil Band­lea­der Ste­fan Dettl schein­bar kei­nen Bock mehr hat­te, zu sin­gen, son­dern lie­ber mit der Trom­pe­te frei impro­vi­sier­te. Den­noch tob­te die Hal­le, und als bei der Ver­le­sung der Inter­net­abstim­mung durch die Mode­ra­to­ren der ARD-Pop­wel­len immer kla­rer wur­de, dass LBB sou­ve­rän führ­ten, freu­te ich mich schon wie ein Keks dar­auf, Euro­pa mit ker­nig baju­wa­ri­schen Sounds zu über­ra­schen. Dann kam das nas­se Hand­tuch in Form der Jury, wel­che für die Bazis nur einen ein­zi­gen Punkt übrig hat­ten. Gut, dass der lie­bens­wer­ten Mary Roos das wenigs­tens pein­lich zu sein schien, sonst wäre es in der Hal­le wohl zu Aus­schrei­tun­gen gekom­men!

Chao­tisch: die Ban­d­as beim Vor­ent­scheid

Nach­dem dann das Tel­e­vo­ting die Ent­schei­dung zuguns­ten von Cas­ca­da fes­tig­te, ver­moch­te ich aber, Frie­den mit dem Aus­gang des Vor­ent­scheids zu schlie­ßen. LaBrass­Ban­da konn­ten sich als ein­zi­ger USFM-Teil­neh­mer neben Cas­ca­da län­ge­re Zeit in den Charts hal­ten und kün­dig­ten an, es 2014 wie­der ver­su­chen zu wol­len. Was sie dann aber doch nicht taten, denn – so hör­te man – inner­halb der Com­bo soll die Euro­vi­si­ons­teil­nah­me wohl nicht ganz unum­strit­ten gewe­sen sein. Scha­de, denn mit einem stär­ke­ren Song wür­de ich die Jungs noch immer ger­ne unse­re Flag­ge ver­tre­ten sehen!

<– Finn Mar­tin: Chan­ge

Mia Die­kow: Lieb­lings­lied –>

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