Mia Diekow: Lieblingslied

Mit einer Verspätung von einigen Tagen gab der NDR ihre Kandidatur als zwölfte und letzte Finalistin der deutschen Vorentscheidung 2013 bekannt. Ungewöhnlich für einen solchen Newcomer und ein Hinweis, dass vermutlich Verhandlungen mit einem prominenteren Namen in letzter Minute scheiterten. Macht aber gar nichts, denn mit der Hamburger Singer-Songwriterin Mia Diekow hatte der NDR keine schlechte Alternative gefunden. Die vor ihrer Musikkarriere hauptsächlich als Synchronsprecherin Aktive ist laut Pressemitteilung eine “Gesamtkunstwerklerin: sie schreibt ihre Songs selbst, produziert sie mit und entwirft auch die Ausstattung ihrer Videos.“ Mia singt auf deutsch: “Ich liebe die deutsche Sprache wegen ihrer Genauigkeit, ihrer auffallend präzisen und überaus direkten Worte”.

Alles so schön bunt hier: der offizielle Clip.

Die wählte sie auch in ihrem Vorentscheidungsbeitrag ‚Lieblingslied‘, in dem sie von den den Hormonaufwallungen zu berichteten wusste, die eine neue Liebe verursacht: “Für guten Sex geh’ ich zu Dir,” besang die Hamburgerin mit der niedlichen Zahnlücke den Ohrgasmusfaktor eines guten Popsongs. Fröhlich, unbeschwert, frühlingshaft kam der ihrige, zwischen Folk und Elektro possierlich mäandernde, daher.

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Und landete mit mageren drei Pünktchen unsanft auf dem letzten Platz. Was natürlich eine himmelschreiende Ungerechtigkeit darstellt, denn es gab wesentlich schlechtere Beiträge an diesem Abend und wesentlich grottigere Performances. Andererseits kam die sympathische Hamburgerin auf dem Bildschirm auch ein bisschen rüber wie die verhärmte Großtante von Stargast Lena Meyer-Landrut, und für eine Mainstreamveranstaltung wie den Grand Prix war ihr Titel dann vielleicht doch auch ein wenig zu versponnen. Immerhin: mit Rang 94 in den Verkaufscharts erzielte Mia ein besseres kommerzielles Ergebnis als Mekado anno 1994, deren weniger anspruchsvolles ‚Wir geben ’ne Party‘ sechs Plätze tiefer landete (beide Titel jeweils nur für eine Woche).

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