Nica & Joe: Elevated

Veronika Belyavskaya alias Nica und Joseph Guyton alias Joe kannte der Eine oder Andere im Vorfeld der 2013er Vorentscheidung bereits aus dem Finale der Castingshow X-Factor. Das Duo macht in Popera: sie verhunzen Popklassiker mit pompöser Instrumentierung, zu denen Nica dann mit normaler und Joe mit dick auftragender Opernstimme jodelt. Wer mich ein bisschen kennt, der weiß, dass ich kaum eine Musikrichtung auf dieser Welt, noch nicht mal volkstümlichen Schlager, so sehr ästhetisch verabscheue wie diese.

Nur mal zur Vorwarnung: das haben die Zwei ‚Euphoria‘ angetan!

Gerade auch, weil so viele geschmackliche Hartz-Vier-Empfänger ernsthaft glauben, wenn sie sich durch dreieinhalb Minuten zähen Bombastpops mit Klassiksoße quälen, könnten sie so etwas wie kulturelle Bildung vorweisen. Es ist die akustische Variante des 24bändigen Brockhaus im Ledereinband, den sich manche Leute immer noch ungelesen in die rustikale Eichenschrankwand stellen, um damit die verhassten Nachbarn zu beeindrucken. Und weil sich gerade solche Geschmacksgeronten gerne vor dem Programm der ARD versammeln, bestand ja durchaus die Gefahr, das diese Akustikdiarrhöe uns in Malmö vertreten hätte.

Leider geschickt gemacht: der Wettbewerbsbeitrag ‚Elevated‘

Zumal der Vorentscheidungsbeitrag Elevated zu meiner Überraschung deutlich weniger klebrig und pompös klang als im Vorfeld erwartet. Beinahe wäre er als unterdurchschnittlicher Radiopopsong für Dudelwellen durchgegangen, wäre da nicht Joes sauer aufstoßende, weil völlig unpassende Tenorstimme. Weil das wohl auch die Plattenfirma so ähnlich empfand, mischte man diese nach der bewährten Cindy & Bert-Methode dankenswerterweise ganz weit in den Hintergrund, sowohl auf der Single als auch beim Liveauftritt bei Unser Song für Malmö. Hier half Joe noch zusätzlich, die Chancen des mit einer gar nicht so schlechten Hook ausgestatteten Songs selbst zu durchkreuzen, da er sich bereits in seine beste Ausgehhose geschmissen hatte: für den anschließenden Darkroombesuch in der schwulen Lederkneipe! Da mimten Elle & Nikki ja noch glaubwürdiger das Hetenpärchen!

Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt: Joe hat live offenbar nichts zu bieten

Und so reichte es am Ende lediglich für einen soliden Mittelfeldplatz, sowohl in der Wertung als auch in den Verkaufscharts. Puh, noch mal Glück gehabt!

<– Mobilée: Little Sister

Saint Lu: Craving –>

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