Söhne Mannheims: One Love

Die auf die kollektive Schrecksekunde ihrer Nominierung folgende gute Nachricht verbreitete sich schnell: Xavier Naidoo werde nicht dabei sein, wenn die Söhne Mannheims mit reduzierter Mitgliederzahl (nur zu sechst, wie die EBU es vorschreibt) als mutmaßliche Favoriten zum deutschen Vorentscheid 2013 antreten, so die zur allgemeinen Erleichterung beitragende Entwarnung. Die gleichzeitig erstaunte: bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Söhne immer nur als Backgroundchor und Begleitmusiker des weichgekifften Gottessäuslers wahrgenommen, wie vermutlich die meisten Deutschen. Dass der hier gerade noch mal ausgebliebene Ernstfall nur drei Jahre später in Form eines bizarren, nur 48 Stunden dauernden Spuks zurückkehren sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand vorhersehen.

Eine Sozialkitschmontage à la RTL 2: das Söhne-Video

Die schlechte Nachricht: das Fernbleiben Naidoos bedeutete nicht, dass die religiös geprägte Kapelle von ihrem heulsusigen Hosianna Abstand genommen hätte: ‚One Love‘ lautete der Titel ihres sülzigen Vorentscheidungsbeitrags (90% englisch, ein paar Sätze im Refrain auf deutsch), der klang wie eine entkoffeinierte Mischung aus Seeed, Kanye West und Tim Bendzko. Mit ganz viel Autotune. Davon war beim Liveauftritt im MoMa-Studio nicht viel zu hören, was den lahmen Song nur geringfügig besser machte. Besonders augenfällig hier: bei einem Titel, der ‚One Love‘ heißt, die drei (weißen) Leadsänger centerstage sitzend zu gruppieren und die (schwarzen) Rapper als Beiwerk auf die billigen Stehplätzen am Rande zu verbannen – hm.

Seht her, Blue: so geht man mit LED-Wänden um!

Dementsprechend vielsagend auch die Blicke untereinander auf die Frage des Morgenmagazin-Moderators, wer von den Acht denn wegen der Sechs-Personen-Regel in Hannover bzw. Malmö zu Hause bleiben müsse. Ich fürchtete dennoch, dass genau so eine beinahe schon siegeleske Pseudo-Weltverbesserungs-Sülze in Deutschland abräumen könnte und sich das Volk dann im Mai kollektiv beleidigt zeigte, wenn die gesungene Grützwurst in Malmö unweigerlich und zu Recht auf den hinteren Rängen landen würde. Dazu kam es Gott sei Dank nicht, wie wir nun wissen: die Söhne mussten sich nicht nur Cascada, sondern auch LaBrassBanda geschlagen geben.

Was, amüsante Geschichte am Rande aus der Halle in Hannover, zu herrlich indignierten Blicken bei den vier offenbar zum Mannheim-Fanclub gehörenden jungen Damen sorgte, die in letzter Sekunde vor Beginn der Live-Sendung auf die vier neben mir frei gebliebenen Plätze im ESC-Fan-Block direkt vor der Bühne geschoben worden waren. Flutete den Söhnen aus diesen ersten zehn Sitzreihen doch – von den Vieren mal abgesehen – so gar keine Liebe entgegen. Sorry, die Damen, wir haben Geschmack!

<– Saint Lu: Craving

Gesamtüberblick –>

9 Gedanken zu “Söhne Mannheims: One Love

  1. seit ihr ein satire magazin? was ihr hier schreibt ist ja der größte blödsinn, den ich je lesen musste. diese äußerungen zu xavier sind das letzte, ich glaube eher das in der redaktion weichgekiffte leute sitzen, sonst könnte man sowas gar nicht schreiben.

  2. wer so etwas schreibt ist entweder selber bekifft oder war noch nicht auf der seite, auf der der von mir hochgeschätzte autor erläutert, dass er den esc manchmal nicht so ernst nimmt. also, problem (hoffentlich) gelöst!

  3. Was genau ist denn eine Grützwurst und trotz des negatieven lustigen Textes klingt die Grützwurst doch sehr gut. Ich denke die Wurst hätte eine sehr gute Chance gehabt in Malmö

  4. Mir gefällt die Mannheimer Wurst vom Sound her 100 mal besser wie diese Mann/Frau mit Bart im Kleid Wurst. Bei allem Respekt vor ihrer/seinen Sangkünsten und der Tatsache das Österreich froh ist um auch mal was zu gewinnen. Die Frau ähm Mann mit Bart/Kleid sieht doch völlig bescheuert aus. Und sie/er/ja was denn eigentlich ? hat scheinbar einen gerade politisch angesagten Geschmack getroffen.

    Der Eurovision Songcontest sollte sich um die Musik/Tekste und den Sound drehen und da höre ich doch jederzeit 100 Mal lieber entweder Xavier Naidoo oder die Söhne Mannheims. Da kann man zumindest hinschauen ohne in Lachen auszubrechen über die absurden Kostüme. Der Sound und die Texte haben Stil und die Stimmen der Leuten sind Klasse.

  5. Seltsam. Das einzige, was bei mir akute Lachanfälle über die unfassbar pseudo-emotionalen Texte von Herrn Naidoo verhindert, ist die obligatorische Suche nach dem grammatischen Fehler, der sich in wirklich jedem XN/SM-Song, den ich bisher gehört habe, versteckt. Und wer einen derartigen So-bad-it’s-good-Klassiker wie „Danke“ verbricht, gehört in meinen Augen sowieso nicht zum ESC. (Bevor da jetzt jemand darauf hinweist: falsche Art von So-bad-it’s-good.)

  6. @Ospero

    Wo genau im Text von Danke oder anderen Naido/Söhne Mannheim Songs hast du Grammatik Fehler entdeckt ? Ich muss sagen dir sagen das Sprache mir sehr liegt und ich habe bisher nirgendwo irgendwelche deutlichen Fehler entdeckt. Da bin ich aber sehr neugierig 🙂

    Ich finde Danke übrigens ein super Lied. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen vom komponieren und texten her.

  7. „Wenn der Wind das Meer aufbraust“ (Dieser Weg) – bitte? Niemand verwendet „aufbrausen“ in diesem Sinne – das ist kein transitives Verb!

    „Jede deiner Bewegungen sind erstrebenswert“ (Ich kenne nichts) – Ich vermute eine wörtliche Übersetzung aus dem Englischen, wo eine Kombination von „each“ mit Pluralverben möglich ist. Im Deutschen ist diese Formulierung ungrammatisch.

    „Und einer der letzten, der um dich weint“ (Und wenn ein Lied) – Wieder ein Numerusfehler; das muss „die um dich weinen“ heißen.

    „Auf deine Tore durchzudrehen“ (Danke) – Okay, vielleicht fällt sowas unter dichterische Freiheit, aber „auf etwas durchdrehen“?

    Das war eine kurze Googlesuche nach Naidoo-Liedtexten. Wenn ich mir ein bisschen mehr Zeit nähme, könnte ich vermutlich mehr finden – schon diese kleine Probe deutet an, dass Naidoo mit Singular und Plural offenbar so seine Probleme hat und gerne sehr eigene Formulierungen verwendet, die zumindest hart an der Grenze dessen sind, was die (standard)deutsche Grammatik für zulässig befindet.

    Und ich hoffe, dass niemand Naidoo „Danke“ nachmacht. Einmal reicht für ein ganzes Leben. Es gibt Gründe, dass der Song selbst in der wahrlich nicht mit lyrischen Glanzleistungen bestückten Kategorie „Fußballsongs“ kein Dauerbrenner geworden ist. Wenn selbst Oliver Pocher sowas besser hinbekommt („Schwarz und Weiß“ hört man zu Fußball-Großereignissen immer mal wieder, „Danke“ nicht), sollte man das Konzept vielleicht nochmal überdenken.

  8. Ospero: „Wenn mann Lust hat um zu meckern wird man egal wie – immer irgend etwas finden….über das man meckern kann.“ Ich denke mal es ist eine Sache von: Gefallen einem die Musik und Texte oder nicht? Mir gefällt Danke wahnsinnig gut und „Schwarz und Weiss“ von Pocher kenne ich gar nicht. Werde mir das nachher mal anschauen auf You Tube. Ich finde es ist mit der dichterischen Freiheit in einem Lied so ähnlich wie mit einem Gemälde. Man mag das Ding oder eben nicht. Ich habe übrigens mindestens 2 sehr deutliche Rechtschreibefehler in meinen eigenen Texten gefunden. Und einmal fehlerhaft versendeter Kommentar lässt sich hier leider nicht mehr veränderen – oder ich müsste den ganzen Kommentar löschen. 🙂 Ich kann es gar nicht leiden wenn ich Rechtschreibefehler in meinen eigenen Texten finde. Wie gesagt finden kann man immer irgend was.

Oder was denkst Du?