Elaiza

Elaiza waren die Überraschungssiegerinnen von Unser Song für Dänemark – wohl auch, weil ihre Geschichte ein so wunderschönes Eurovisionsmärchen erzählte. Sie kamen über den Nachwuchswettbewerb zum deutschen Vorentscheid: beim Clubkonzert am 27. Februar 2014 im Hamburger Edelfettwerk errangen sie die meisten Zuschauerstimmen und „schossen“ damit die Wildcard für Unser Song für Dänemark, wie Moderatorin Barbara Schöneberger es so eloquent ausdrückte. Das Damentrio besteht aus der in der Ukraine geborenen und ebenfalls über polnische Wurzeln verfügenden, aber im Saarland aufgewachsenen blonden Elżbieta Steinmetz (alias Ela, 21) als Leadsängerin, der das für den Neo-Folk-Sound der Band charakteristische Akkordeon spielenden 29jährigen Yvonne Grünwald, die Ela laut NDR bei einer Schnapsverkostung kennen lernte (Nastrowje!), und der Kontrabassistin Natalie Plöger (28). Mit ihrem selbst geschriebenen Wettbewerbsbeitrag ‚Is it right?‘ gelang es ihnen, sich aus der amorphen Masse der absolut gleich gepflegt langweilig klingenden Konkurrenztitel des Vor-Vorentscheids ein kleines bisschen herauszuheben – das reichte dort für den Sieg.

Is it right? Quite so! Elaizas Präsentationsvideo

Die herzerwärmende und den Welpenschutzmodus auslösende Szene, als Ela nach dem Sieg gefragt wurde, wen sie jetzt als erstes anrufen wolle und mit „die Mama!“ antwortete, zeigte der NDR auch im Präsentationsvideo bei Unser Song für Dänemark. So flogen ihnen die Herzen der Fans in der Kölnarena zu, die sie – wie schon in der Generalprobe am Nachmittag, als die Drei ob der Größe der Halle und der Mächtigkeit der Konkurrenz noch etwas eingeschüchtert wirkten – mit frenetischem Mutmachapplaus anfeuerten und auf einer gigantischen, hochgradig ansteckenden Sympathiewelle durch den Abend trugen. Elaiza konnten ihr Glück kaum richtig fassen und zeigten sich authentisch überwältigt – was sie erst recht für die Rolle des Davids, der gegen einen etablierten Branchen-Goliath wie Unheilig zu kämpfen hat, prädestinierte. Und da die Deutschen mit ihrem (auch in mir vorhandenen) Hang zur Sozialromantik so gerne den Underdog gewinnen sehen, ließen sie das Märchen wahr werden.

Mit Herzblut dabei: Elaiza

Drei weitere Faktoren trugen zu ihrem Sieg bei: der geschickte Regie-Einfall, den Refrain ihres melancholischen Liedes ‚Is it right?‘ mit dem Abfeuern gigantischer Lamettastreifenejakulationen optisch aufzuwerten, sowie die Tatsache, dass ihr zweiter Wettbewerbsbeitrag ‚Fight against myself‘ mit dieser Nummer bei Weitem nicht mithalten konnte. Denn so konzentrierten sich die Stimmen der Televoter im USFD-Semifinale, als es darum ging, aus den acht Songs der vier übrig gebliebenen Teilnehmer die beiden beliebtesten Acts herauszufiltern, klar auf ‚Is it right?‘, während Konkurrenten wie Santiano oder MarieMarie wohl auch deswegen den Kürzeren zogen, weil sich bei ihnen die Anrufe gleichmäßiger auf beide Beiträge verteilten. Und es kam hinzu, dass sie im Superfinale gegen den Grafen von Unheilig antreten mussten – einen Mann mit Spaltpotenzial, wie sich an den (unfairen!) Buhrufen in der Kölnarena feststellen ließ. Nicht wenige Zuschauer dürften in der letzten Abstimmung des Abends, welche die meisten Anrufer verzeichnete, wohl nur deswegen für Elaiza gestimmt haben, um Unheilig (der übrigens als gentlemanliker Verlierer die Mädels auf der Bühne herzte und damit einen Respektbonus sammelte) als deutschen Vertreter zu verhindern.

Die zweite Wahl: Fight against myself

Was ihren verdienten Sieg nicht schmälern soll. Den Spagat zwischen den hohen Erwartungen und dem Ergebnis bekamen Elaiza dann aber nicht hin, auch wenn im Präsentationsvideo ankündigten, „alles geben“ zu wollen, damit „Europa 2015 vor dem Brandenburger Tor feiert“ (habt ihr das gehört, NDR? Das nächste Mal also Berlin und nicht wieder Düsseldorf!). Und auch die Hoffnungen vieler Zuschauer dürften auf eine Wiederholung des Sommermärchens von 2010, als die Newcomerin Lena Meyer-Landrut Europa verzauberte, gerichtet gewesen sein. Allerdings war die traumhafte Erzählung des deutschen Vorentscheids 2014, wie zu erwarten, den Zuschauern in Europa herzlich egal – sie bewerteten nur den Song und die Präsentation. Und auch, wenn wir uns mit dem im Trend der Zeit liegenden Neo-Folk von Elaiza weder verstecken mussten noch blamierten, erwies das unentschieden vor sich hin mäandernde ‚Is it right?‘ dann tatsächlich nicht als der Knallertitel, auf den sich alle einigen konnten.

<– Das Gezeichnete Ich

Madeline Juno –>

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