Unhei­lig

Als kla­re Favo­ri­ten gin­gen sie ins Ren­nen um die Fahr­kar­te nach Kopen­ha­gen: Unhei­lig, die “Band” (eher: wech­seln­de Ansamm­lung ange­heu­er­ter Musi­ker) um den krea­ti­ven Kopf und Sän­ger Der Graf. Ihre Bilanz: zwei Num­mer-Eins-Alben, vier Top-Ten-Sin­gles, der Erd­rutsch­sieg beim Bun­des­vi­si­on Song Con­test 2010 mit dem amt­li­chen Heint­je-Updateschla­ger ‘Unter Dei­ner Flag­ge’ und die Gol­de­ne Kame­ra 2013 aus der Hand von Hele­ne Fischer, die trotz ihrer von Schla­ger­fans bewein­ten Abwe­sen­heit von die­sem Vor­ent­scheid im Geis­te doch prä­sent zu sein schien. Der Graf initi­ier­te im Vor­feld eine faden­schei­ni­ge Abstim­mung unter sei­nen Anhän­gern, die er um die Erlaub­nis zur “Ver­wirk­li­chung mei­nes Traums” ansäu­sel­te – natür­lich, wie wäre es anders zu erwar­ten gewe­sen, mit Erfolg. Er sang als ein­zi­ger Teil­neh­mer sei­ne bei­den Bei­trä­ge auf deutsch, was für sei­nen Befind­lich­keits­kitsch sicher­lich die rich­ti­ge Wahl war.

Beim ers­ten Mal tat’s noch weh: Unhei­lig

Ende Janu­ar 2014 prä­sen­tier­te die Plat­ten­fir­ma des Gra­fen einen ers­ten, ein­mi­nü­ti­gen Aus­schnitt sei­nes ers­ten Vor­ent­schei­dungs­bei­trags ‘Als wär’s das ers­te Mal’, der Vor­ab­sin­gle aus sei­nem Best-of-Album, das er mit sei­ner USDF-Teil­nah­me bewarb. Natür­lich nicht, ohne “Gren­zen, Mau­ern und Sprach­bar­rie­ren” zu spren­gen, wie es des Gra­fen Art ist. Unhei­lig-Fans der ers­ten Stun­de spra­chen ange­sichts des Titels statt­des­sen von “Schla­ger” – in mei­nen Augen natür­lich eher ein Güte­sie­gel und eine Aus­zeich­nung, und tat­säch­lich ent­pupp­te sich der durch Instant Appeal und Ein­gän­gig­keit über­zeu­gen­de Song umge­hend als mein Lieb­lings­bei­trag im USFD-Feld. Er arbei­te­te lyrisch mit schö­nen Bil­dern – Kli­schees alle­samt, den­noch klangt es nicht so auf­ge­setzt und ste­ril wie bei­spiels­wei­se eine Hele­ne-Fischer-Pro­duk­ti­on. Das Ende Febru­ar 2014 erst­mals prä­sen­tier­te Video zum Song drück­te noch ein Spur här­ter auf die Trä­nen­drü­se, erzählt es doch die Geschich­te eines an Alz­hei­mer lei­den­den Man­nes, für den jede Begeg­nung mit sei­ner Frau so ist, ‘als wär’s das ers­te Mal’. Gän­se­haut und Trä­nen­fluss – Cha­peau!

Ohne Ker­zen kann er nicht” (B. Schö­ne­ber­ger): Der Graf beim Ers­ten Mal (USFD-Video ist dank der Cont­ent­wich­ser von Brain­pool nicht ein­bind­bar.)

Dass der – wie nach­mit­tags vor der Köln­are­na zu beob­ach­ten war, sich übri­gens rüh­rend um sei­ne Fans küm­mern­de – Graf in die zwei­te Run­de kam, über­rasch­te wohl nie­man­den. Dort prä­sen­tier­te er dann einen musi­ka­lisch recht ähn­lich klin­gen­den Song, den er nach eige­ner Aus­sa­ge eigens für den Grand Prix geschrie­ben habe. Was man lei­der auch hör­te, denn ‘Wir sind alle wie Eins’ ver­sam­mel­te exakt jene abge­lutsch­ten, hoh­len Welt­frie­dens­kli­schees, mit denen Bernd Mei­nun­ger uns im Ver­bund mit Ralph Sie­gel jahr­zehn­te­lang heim­such­te und von denen ich immer hoff­te, dass sie seit dem Neu­start mit Guil­do Horn (DE 1998) end­lich aus­ge­stor­ben sein mögen. Aber nein, selbst vor dem Beschrei­ten der “Brü­cke” schreck­te der Graf, der den Titel extra bis zum Don­ners­tag vor der Öffent­lich­keit fern­hielt, nicht zurück. Selbst­re­dend per­form­te er die­sen geschmack­li­chen Rück­schritt in die über­wun­den geglaub­te Grand-Prix-Ver­gan­gen­heit mit deut­lich grö­ße­rer Hin­ga­be als das ‘ers­te Mal’, und so wähl­ten sei­ne Fans natür­lich die­sen Song ins Super­fi­na­le.

Vom Kon­ti­nent, inkon­ti­nent: Der Graf hat Kli­schee­durch­fall

Dass die Stim­mung in der Köln­are­na an die­ser Stel­le kipp­te, lag aller­dings nicht an dem schlim­men Song­text von ‘Wir sind alle wie Eins’, son­dern an dem sich abzeich­nen­den (und ledig­lich von ein­zel­nen Grand-Prix-Fans im Wege einer plötz­li­chen “Visi­on” vor­aus­ge­se­he­nen) Zwei­kampf des Gra­fen mit den Wild­card-Gewin­ne­rin­nen und völ­li­gen New­co­me­rin­nen Elai­za. David gegen Goli­ath mit­hin – und die Sym­pa­thi­en des Publi­kums lagen klar auf­sei­ten der Under­dogs, wie man auch an den ers­ten Buh­ru­fen (schämt Euch!) gegen den Gra­fen hören konn­te. Der bewies nach sei­nem über­ra­schen­den Unter­lie­gen gegen die drei Mädels aller­dings mensch­li­che Grö­ße, herz­te die Damen noch auf der Büh­ne und zeig­te sich so als wür­de­vol­ler Ver­lie­rer. Hut ab!

<– The Base­balls

Ers­tes Semi­fi­na­le 2014 –>

1 Gedanke zu “Unhei­lig

  1. Also ich bin froh, das Unhei­lig mit­ma­chen. Mir gefällt die Musik. Sind zwar die Favo­ri­ten, aber gewon­nen haben sie noch nicht. Die gro­ße Unbe­kann­te ist die­ser Online-Nach­wuchs­wett­be­werb. Da bin ich echt gespannt, was da raus­kommt.

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