Ann Sophie Dürmeyer

24 Jahre jung, in London geboren, in New York an die Schauspielschule gegangen und in Hamburg aufgewachsen. Und, nach Eigendarstellung, eine „Rampensau“. Das ist Ann Sophie Dürmeyer, die beim Clubkonzert die Wildcard für den deutschen Vorentscheid gewann. Mit Nervenstärke, Professionalität, einem rückenfreien, roten Hosenanzug als Hingucker und einem herzhaften Rülpser zum Songauftakt sicherte sie sich dort den Sieg. ‚Jump the Gun‘ hieß ihr Song, so wie die Band, die 1988 Irland beim Song Contest vertrat. Das tat Ann Sophie 2015 auch für Deutschland, obwohl sie im Superfinale von Unser Song für Österreich mit lediglich knapp 22% der Anrufer klar gegen Andreas Kümmert unterlag. Doch dem fiebergeschwächten Franken flatterten dermaßen die Nerven, dass er das Ticket nach Wien an Frau Dürmeyer weitergab. Die behielt im Gegensatz zu Kümmert die Contenance und performte trotz der hochnotpeinlichen Situation – buhende Fans in der Halle, eine drängelnde Moderatorin, welche die Sendung mit einem offiziellen Ergebnis abschließen wollte, und ein geschenkter Sieg – ihren Titel mit absoluter Präzision.

Ann Sophie und der Gili-Moment

Und so vertrat bereits zum zweiten Mal die Nachwuchskünstlerin die deutsche Flagge, und nicht einer der von Plattenfirmen entsandten Acts. Anders als Elaiza tat Ann Sophie dies allerdings nicht mit ihrem Clubkonzert-Siegertitel ‚Jump the Gun‘, sondern mit dem sehr beliebigen Soulrockpopirgendwaskonglomerat ‚Black Smoke‘. Ursprünglich hatte sich Frau Dürmeyer, tatsächlich keine echte Newcomerin, sondern schon länger musikalisch unterwegs, mit dem selbstverfassten, zwei Jahre alten Titel ‚Get over yourself‘ für USFÖ beworben. Da dieser wegen der Stichtagsregelung (keine Veröffentlichung vor dem 01.09.2014) nicht genommen werden konnte, spendierte ihr die Industrie hierfür ‚Jump the Gun‘ (böse Zungen lästerten, vermutlich aus dem einstmals für Elaiza vorgesehenen Songpool). Schon da hätte sie lieber ‚Black Smoke‘ gesungen.

Hoch professionell: Fräulein Rottenmeier, äh, Dürmeyer

Doch die Komponisten des nunmehr offiziellen deutschen Eurovisionsbeitrags wollten den Song keiner Namenlosen überantworten. Erst Ann Sophies Sieg beim Clubkonzert konnte sie umstimmen, und so durfte die aufgrund ihres klar erkennbaren Brennens für den Wettbewerb gerne mit Lena Meyer-Landrut verglichene Ann den zumindest nicht einschläfernden Titel beim Vorentscheid als ihren zweiten Beitrag vortragen. Sie tat das so überzeugend, dass sie mit ihm gegen Andreas Kümmert ins Superfinale kam: der Rest ist Geschichte. Dass seither dennoch kaum über sie berichtet wurde, hängt auch damit zusammen, dass von Frau Dürmeyer im Gegensatz zu Frau Meyer-Landrut keine feenhafte Verzauberung ausgeht und ihr Song formatradiotaugliche Dutzendware ist. Etwas, nach dem ich mir beim ESC in den Neunzigern die Finger geleckt hätte, das heute aber nicht viel mehr als wohlwollendes Schulterzucken hervorruft. Und niemanden zum Anrufen verführt, wie das konsternierende Null-Punkte-Ergebnis in Wien eindrucksvoll belegte. Ann Sophie ging auf die einzig richtige Weise damit um: Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Und zu Recht, denn blamabel war ihre Performance nicht im Geringsten. Was für eine coole Sau sie ist, bewies sie, als sie nach dem Xavier-NaidooDebakel beim Vorentscheid 2016 postete:

Xavier Naidoo wurde abgesagt ….

….ja gut. Dann fahr ich halt wieder. ?

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