Faun

Ich gebe es gerne zu: solche Acts wie das selbsternannte „Pagan-Folk“-Sextett Faun lösen in mir so eine Art innere Schizophrenie aus. Die kulturell breit aufgestellten Bajuwaren kreuzen traditionelle Instrumente wie Harfe, Laute, Drehleier und Dudelsack mit moderner Bearbeitung: träten sie beispielsweise bei der Eesti Laul an und sängen sie ihren 2015er Vorentscheidungsbeitrag ‚Hörst Du die Trommeln‘ in einer Sprache, die ich nicht verstehe, hätte ich sie vermutlich abgefeiert. Aber sie wollten Deutschland vertreten, und da gelten andere Maßstäbe. Zudem verbreiten die Spielleute ihre mystischen Texte über germanische Heldensagen und Artverwandtes aus dem Mittelalter in meiner Muttersprache: da krieg ich dann ganz schnell ästhetischen Herpes. Schließlich begeisterten sich in unserer finstersten Vergangenheit bereits die falschen Leute für Odin und Konsorten – und damit ist diese Thematik und alles, was auch nur im entferntesten Sinne damit zu tun haben könnte, schlichtweg für immer verbrannt. Jedenfalls nach meinem persönlichen Empfinden.

Es ist mir wichtig, nicht missverstanden zu werden: ich unterstelle den Minnesängerinnen und Musikanten (und ihren Fans) natürlich keine wie immer geartete Nähe zum braunen Mob! Zumal ihre beiden Vorentscheidungsbeiträge ‚Hörst Du die Trommeln‘ und ‚Abschied‘ (den sie nicht mehr zum Vortrage bringen konnten, da sie bereits in der ersten Runde von Unser Song für Österreich ausschieden) inhaltlich keinerlei Anlass zum Anstoß nehmen gaben und ihr musikalischer Horizont fraglos breiter ist als meiner. Dennoch leide ich persönlich an ihrem Sound dieselben Qualen wie schon bei den im Vorjahr vertretenen Seeräubern von Santiano, mit denen Faun folgerichtig bereits zusammenarbeiteten. Auch zu einem anderen Vorjahresteilnehmer, nämlich Unheilig, bestehen Parallelen: wie schon der Graf feierten Faun erste Erfolge in der sogenannten „schwarzen Szene“. Und wie er mussten sie sich nach ihrem kommerziellen Erfolg mit dem Top-Ten-Album ‚Von den Elben‘ und einem TV-Auftritt bei Carmen Nebel von eben diesen Fans der ersten Stunde des Ausverkaufs zeihen lassen. Ob sie mit dem USFÖ-Auftritt neue gewannen? Ich zähle jedenfalls nicht dazu.

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6 Gedanken zu “Faun

  1. Die älteren Sachen von Faun waren richtig geil (siehe z.B. Egil Saga), aber seit den letzten beiden Alben haben sie sich an den Mainstream verkauft und sind nun in die Santiano-Seicht-Ecke gerutscht. Leider haben sie mit dieser Grütze auch noch kommerziellen Erfolg… Ihre ursprünglichen Fans dürften sie wohl schon längst vergrault haben.

    Und mit dem Mittelalter hat das natürlich nicht mehr im geringsten etwas zu tun.

  2. Huch! Das Videostandbild sieht aus wie aus „walking dead“
    Mögen Faun den Weg von Santiago nehmen

  3. Da im Impressum auch ausdrücklich zu Beschimpfungen und Korrekturhinweisen aufgerufen wird…auf geht’s 😉

    Wie kann man nur einen solchen irreführenden, unreflektierten und schlichtweg falschen Unsinn verbreiten!!! OK, diese Seite soll eine satirische Homepage sein aber ich war immer der Annahme, zur Satire gehöre auch ein kleines Bisschen Sachkenntnis und Hintergrundwissen…

    Hier sind nur einige Dinge, die mich an diesem Beitrag verärgern:

    1. Es ist einfach nur unverantwortlich, wie hier behauptet wird, Faun würden den „Soundtrack“ für unsere „düsteren Zeiten“ liefern. Es wird ein indirekter Zusammenhang zwischen den Ereignissen in Paris oder der PEGIDA Bewegung mit Fauns Musik hergestellt. Die engagierte Band steht im Gegenteil für Weltoffenheit und kulturübergreifende Musik.

    2. „Ich will den Minnesängerinnen und Musikanten daher keinesfalls eine Nähe zum braunen Mob unterstellen.“
    Und schon hast du es unterstellt! Das ist so, als würde man sagen: „Ich hab ja nix gegen Ausländer, aber…“

    3. „Heißt heutzutage Halloween: Fauns ‘Walpurgisnacht’“
    Ähmm, lass mich kurz überlegen: Nein! Die Walpurgisnacht geht auf das keltische Fruchtbarkeitsfest Beltane zurück und hat weder mit Hexenverbrennung noch mit Halloween etwas zu tun.

    4. „Nur leide ich persönlich an ihrem rückwärtsgewandten Sound…“
    Das ist natürlich deine Meinung aber warum ist es rückwärtsgerichtet, akustiche und z.T. alte Instrumente mit modernen Sounds und Beats eines DJ zu mixen? Das ist Fusion im besten und modernsten Sinne! 😉 Und was soll an der millionsten Pop-Liebesschnulze moderner oder höherwertiger sein als an einem guten alten Minnesang? Im Mittelalter liegen nun mal die Wurzeln unserer Musikkultur und ich finde es durchaus spannend, sich mit dem Thema mittelalterlicher und traditioneller Musik auseinanderzusetzen. Faun würden dem Wettbewerb in dieser Hinsicht zumindest eine gewisse kulturelle Identität verleihen.

    5. „Da sich nach meinem Empfinden das Mittelalter vor allem mit geistiger Dumpfheit, roher Gewalt und Hexenverbrennung verbindet…“
    Das Mittelalter erstreckt sich über einen höchst komplexen Zeitraum von über 1000 Jahren, in denen es zu unglaublichen kulturhistorischen und technologischen Neuerungen kam. Kein angesehener Gelehrter würde heute das Mittelalter noch als „dunkles Zeitalter“ beschreiben. Dieses Zeitalter als „dumpf“ zu pauschalisieren entspricht wohl eher der argumentativen Eindimensionalität von PEGIDA und zeigt, dass der Horizont des Autors – und nun muss ich dann doch noch mal die eingeforderte Beschimpfung bemühen – nicht viel weiter als über Hollywood-Filme hinauszureichen scheint

    So…schon während ich dies schreibe, empfinde ich es als sinnlose Verkürzung meiner Lebenszeit. Darum höre ich an dieser Stelle einfach mal auf…

  4. Herzlichen Dank für diesen umfassenden und profunden Kommentar! Ich gebe gerne zu, mich mit der Band Faun, die mir bis zu der Verkündung ihrer Teilnahme am deutschen Vorentscheid durch den NDR nicht bekannt waren, in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit nicht umfassend befasst zu haben. Meine obige Einschätzung mag daher in der Tat verkürzt und unreflektiert sein, daher bin ich für Gegenreden dankbar.

    Dass Faun über einen „deutlich breiteren kulturellen Horizont als die eingangs beschriebenen Extremisten“, sprich die PEGIDA-Leute und die in Paris Beteiligten, verfügen, habe ich ja bereits im Text geschrieben. Dass ich der Band keine Nähe zu den Braunen unterstelle, meine ich tatsächlich ganz ernsthaft so, dass ist nicht als rhetorische Doppeldeutigkeit gemeint. Aber ich verstehe, dass das so ankommen muss.

    Ich bin bei solcher Art von Musik (wie auch schon im Vorjahr bei Santiano, deswegen hab ich auf die auch Bezug genommen) innerlich hin- und hergerissen: mein Verstand sagt mir, dass das handwerklich gut gemachte, vom kulturellen Aspekt her ganz sicher auseinandersetzungswürdige Musik ist. Gerade Dein Hinweis auf das Stichwort „Fusion“ ist da ein sehr wichtiger Aspekt, denn das Mischen von folkloristischen mit modernen Elementen finde ich ja eigentlich super. Jedenfalls ist das schon mal eine wesentlich bessere Begründung, warum man Faun gut finden kann, als meine, warum nicht.

    Leider geht bei mir nach drei Sekunden Anhören dennoch der ästhetische Warnmelder an. Hängt bestimmt auch mit meiner möglicherweise verkürzten Sicht auf das Mittelalter zusammen, auch die entspringt eher einem inneren Gefühl als einer profunden Auseinandersetzung. Ich könnte es auch in fünf Worten zusammenfassen: „ich mag das einfach nicht“. Das wär halt nur ein bisschen arg kurz für so einen Blogeintrag. 🙂

    Danke für den Hinweis auf den Fehler mit der Walpurgisnacht. Ich werde in den nächsten Tagen, sobald ich die Zeit finde, den Eintrag noch mal überarbeiten und versuchen, ein etwas ausgewogeneres Bild zu zeichnen, in dem Zuge wird’s mit korrigiert.

  5. Ich mag keine Mittelalterliche Musik. Ich mag keine Volksmusik.
    Warum höre ich mir „Abschied“ dann mehrere male hinter einander an?
    Es macht mich ruhig und irgendwie frei. Obwohl weder das Mittelalter noch die Volksmusikanten ruhig und frei machen.
    „Abschied“, höre es Dir unvoreingenommen an , es wird die ESC Überraschung.

Oder was denkst Du?