Joco: Full Moon

Joco, das sind, wie der NDR informiert, die beiden aus Ostfriesland stammenden Schwestern Josepha und Cosima Carl. Die machen zusammen Musik, die Kollegen und Kritiker in Begeisterung versetzt (jedenfalls, wenn man der PR-Prosa Glauben schenken will) und das Publikum eher verwirren dürfte. Akustikgitarren, vertrackte Elektrobeats, Moll-Harmonien: alles mäandert vor sich hin, stolpert hie und da mal übereinander, wirkt gleichzeitig jungmädchenhaft naiv und clever konstruiert. Und weiß nie so genau, wo es hin will. Die erst im Sommer 2015 von Sony Music gesignten Carl-Schwestern vermutlich schon: sie dürften mit der Vorentscheidungsteilnahme vor allem das Ziel verfolgt haben, einen höheren Bekanntheitsgrad zu erreichen und noch ein paar Stücke ihres Erstlingsalbums ‚Horizon‘ an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Ihr (nur auf der Deluxe-Edition des besagten Albums enthaltener) Wettbewerbsbeitrag ‚Full Moon‘ entsprach denn auch musikalisch ihrem bisherigen Repertoire, kam allerdings einen Tick eingängiger daher.

Doch irgendwie schien mir der hier erkennbare Versuch, einen Kompromiss zu finden zwischen der Joco-üblichen Verspieltheit und der wettbewerbsbedingten Notwendigkeit, eine straighte Hookline einzubauen, nicht ganz gelungen. Fürs Formatradio wäre ‚Full Moon‘ perfekt, für die entspannende Hintergrundberieselung bei der Hausarbeit oder beim Einkaufen eignet sich das sehr gut, ebenso als Stimmungsaufheller bei einer Geburtstagsparty in den gentrifizierten Gegenden unserer Großstädte, wo man bei Roibostee und Mineralwasserschorle feiert. Bei einem gesamteuropäischen Contest, wo es um ein Lied geht, das Millionen von Zuschauer/innen auf dem ganzen Kontinent im Gedächtnis bleiben soll, wirkte es aber vielleicht ein wenig fehl am Platz. Ihre Live-Performance bei ULFS, wo sie sich unglücklich hinter ihren massiven Musikinstrumenten verschanzten, verstärkte den Eindruck: joah, ganz nett, und in dieser glaubhaft mädchenhaften Vortragsweise auch durchaus sympathisch. Allerdings fehlte ein wenig der Schub, und so zogen sich die drei Minuten vor dem billigen Pappmond ein bisschen. Klassisches Füllmaterial für den Vorentscheid also: tut niemandem weh, hat aber auch keine Chance. Aber das wussten die beiden Schwestern wohl vorher schon.

(Da das Video vom Liveauftritt Jocos bei ULFS durch die elenden Brainpool-Schergen unfassbarerweise gesperrt wurde, hier ersatzweise ein anderer Liveauftritt. Denkt Euch den Pappmond selbst dazu)

Joco Full Moon
In einem Satz: Müde machende Mondschein-Melodie.
aufrechtgehn.de-Bewertung: 4/12 Punkten.
Prognose: Siegeschancen bei ULFS? 15%
Ergebnis bei ULFS 9. Platz mit 2,9%

Ist 'Full Moon' die richtige Wahl für Deutschland?

  • Nein. Das plätschert so vor sich hin. Tödliches Mittelmaß. (69%, 27 Votes)
  • Ja. Hübsche, sympathische Mädels, toller Song, guter Refrain: besser geht's nicht. (31%, 12 Votes)

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<– Gregorian

Keøma –>

1 Gedanke zu “Joco: Full Moon

  1. Bin ich eigentlich die einzige, die bei Joco aufgrund des Live-Videos ein gewisses Carcrash-Potenzial sieht? Ich hoffe, dass ich mich irre und dass nur das Video total irreführend ist.

Oder was denkst Du?