Lau­ra Pin­ski: Under the Sun we are One

Eine wei­te­re ehe­ma­li­ge Cas­ting-Teil­neh­me­rin beim deut­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid 2016: vor vier Jah­ren erreich­te die damals 16jährige Lau­ra Pin­ski bei der RTL-Show Das Super­ta­lent den fünf­ten Platz im Fina­le. Musik habe ihr die Kraft gege­ben, so erzähl­te sie damals, die sie brauch­te, um als Neun­jäh­ri­ge den Kno­chen­mark­krebs zu über­ste­hen: genau der Trä­nen­drü­sen-Stoff, aus dem die­se wider­wär­ti­gen Sozi­al­por­no-Sen­dun­gen aus der Boh­len-Schmie­de gemacht sind. Nun erwisch­te es die bedau­erns­wer­te Düs­sel­dor­fe­rin gar noch schlim­mer: sie hat sich Sie­gel ein­ge­fan­gen. Jawohl, unser Onkel Ralph, seit 2006 eigent­lich Per­so­na non gra­ta beim deut­schen Vor­ent­scheid, schrieb ihren Bei­trag. Des­sen Titel allei­ne ver­sprach bereits ein Fest der Scha­den­freu­de: ‘Under the Sun we are One’. Was soll­te uns da wohl erwar­ten? Der übli­che kal­ku­lier­te Welt­frie­dens­quark, auf­ge­peppt mit etwas son­ni­gem Ibi­za-Hou­se? Natür­lich nicht: es han­del­te sich viel­mehr um einen klas­si­schen Hym­nen­sie­gel von der ers­ten bis zur letz­ten Sekun­de. Mit allen bekann­ten und bewähr­ten Zuta­ten, inklu­si­ve der unver­meid­li­chen Rückung. Ent­täu­schend aller­dings der Refrain, in glanz­vol­le­ren Zei­ten des Meis­ters Vor­zei­ge­fach. Bei einem Wer­be­lied für Face­book (SM 2012) mag ein simp­les “Oh-oh-oh” ja noch als Hook­li­ne durch­ge­hen, bei einem Welt­frie­dens­schla­ger aber nicht. A pro­pos Wer­bung: das offi­zi­el­le Musik­vi­deo für ‘Under the Sun we are One’ ähnelt in frap­pie­ren­der Wei­se einer drei­mi­nü­ti­gen Rekla­me für Sci­en­to­lo­gy oder einer ähn­li­chen Gehirn­wä­sche-Ver­ei­ni­gung. Müs­sen wir uns Sor­gen machen, Herr Sie­gel?

Ich weiß nicht, ob der NDR den erst am 19. Febru­ar 2016 ver­öf­fent­lich­ten Titel bereits vor­ab kann­te. Dies wür­de jeden­falls sei­ne Zulas­sung zu ULFS erklä­ren: anders als noch vor zehn Jah­ren, als stets imma­nent die Gefahr dräu­te, die Nico­le-seli­gen ARD-Zuschau­er/in­nen jen­seits der Sech­zig könn­ten schon aus alter Ver­bun­den­heit für den Sie­gel-Song stim­men, konn­te sich der NDR hier pro­blem­los groß­her­zig zei­gen und den Alt­meis­ter mit­spie­len las­sen, ohne schlim­me Fol­gen befürch­ten zu müs­sen. Denn ‘Under the Sun we are One’ war trotz erstaun­lich pro­fes­sio­nel­ler Prä­sen­ta­ti­on im Alio­na-Moon-Gedächt­nis­kleid so weit weg vom aktu­el­len Musik­ge­sche­hen, dass man es bes­ten­falls als wit­zig-nost­al­gi­sche Erin­ne­rungs­er­in­ne­rung wahr­nahm, schlimms­ten­falls als vom Meis­ter auf sich selbst ver­fass­te Par­odie, aber kei­nes­falls als ernst gemein­ten Wett­be­werbs­bei­trag, für den man anruft. Dach­te ich jeden­falls. Rund 85.000 Men­schen belehr­ten mich eines Bes­se­ren und taten genau das: sie rie­fen für Lau­ra Pin­ski an, was für einen vier­ten Platz im Gesamt­klas­se­ment reich­te. Eine gro­ße Ent­täu­schung sicher den­noch für Onkel Ralph, der wie ein fah­les Phan­tom der Oper durch die Sen­dung geis­ter­te und jedes von Bab­si Schö­ne­ber­ger unvor­si­chi­ger­wei­se hin­ge­hal­te­ne Mikro­fon mit bei­den Hän­den fest ergriff, um, vor Rüh­rung in eige­ner Sache mit den Trä­nen kämp­fend, schwall­ar­tig hin­ein­zu­pa­thos­sen. Wie schon tau­send­fach zuvor schwor er auch heu­er im Vor­feld, mit dem Schrei­ben auf­zu­hö­ren, wenn man ihn ein letz­tes Mal zum Song Con­test las­se. Freu­en wir uns also schon jetzt auf sein Lied für Kiew beim Vor­ent­scheid 2017.

(Hier war ursprüng­lich mal das Video vom Live­auf­tritt Lau­ra Pin­kis bei ULFS zu sehen. Das haben die elen­den, offen­bar intel­li­genz­mi­ni­mier­ten Brain­pool-Scher­gen unfass­ba­rer­wei­se sper­ren las­sen. Als Gebüh­ren­zah­ler, der den deut­schen Vor­ent­scheid mit­fi­nan­ziert, emp­fin­de ich das als Raub am Gemein­schafts­ei­gen­tum. Ich habe das bereits bezahlt, jetzt will ich es auch nut­zen! Pein­lich ist das für den NDR: ande­re Sen­der schaf­fen es pro­blem­los, sämt­li­che Vor­ent­schei­dungs­auf­trit­te in ihrem You­tube-Kanal der inter­es­sier­ten All­ge­mein­heit zur Ver­fü­gung zu stel­len. Nur das deut­sche Fern­se­hen lebt noch tief in der digi­ta­len Stein­zeit. Lie­ber NDR, ein Vor­schlag: falls ihr wei­ter mit Brain­pool zusam­men­ar­bei­tet [war­um eigent­lich?], schreibt es bit­te künf­tig in den Ver­trag, dass die Vide­os aller Live-Auf­trit­te vom Vor­ent­scheid von Euch zeit­lich unbe­grenzt in You­tube ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen. Kann doch nicht so schwer sein!)

Lau­ra Pin­ski Under the Sun we are One
In einem Satz: Wenn’s mit Stock­holm nicht klappt: Sci­en­to­lo­gy kauft die Num­mer bestimmt ger­ne.
aufrechtgehn.de-Wertung: 5/12 Punk­ten.
Pro­gno­se: Sie­ges­chan­cen bei ULFS? 15%
Ergeb­nis bei ULFS 4. Platz mit 11,1%

Ist ‘Under the Sun we are One’ die rich­ti­ge Wahl für Deutsch­land?

  • Das ist ein Witz, oder? Damit wür­den wir uns bis auf die Kno­chen bla­mie­ren. (39%, 30 Votes)
  • Ach Gott, wie süß. Irgend­wie muss man Mr. Uner­müd­lich gern haben. Das ist natür­lich hoff­nungs­los, aber ich mag es. (36%, 27 Votes)
  • Unbe­dingt. Kei­ner kann es so gut wie Ralph, das ist eine ergrei­fen­de Bal­la­de mit wich­ti­ger Bot­schaft. (25%, 19 Votes)

Total Voters: 76

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6 Gedanken zu “Lau­ra Pin­ski: Under the Sun we are One

  1. Also für mich ist “Under the sun we are one” der 3 bes­te Song des Vor­ent­scheids (knapp vor Jamie Lee, weil ich Lau­ras Song etwas flot­ter fin­de)

    Mein Per­sön­li­ches Ran­king : 1 Avan­ta­sia, 2 Gre­go­ri­an, 3 Lau­ra Pin­ski

  2. Bei mir löst der Song, beson­ders in Ver­bin­dung mit dem uner­träg­li­chen Video, aku­ten Brech­reiz aus. Ich kann sowas nicht (mehr) hören… Mein Platz 10 bei “ULFS”, noch hin­ter Herrn Diehl.

  3. Das Voting ist irgend­wie sinn­los. Man kann das Lied nicht ein­fach nur gut fin­den:
    Der Vote: “Unbe­dingt …” ist ja wohl iro­nisch gemeint.
    Ich fin­de das Lied aber über­haupt nicht iro­nisch gut son­der echt gut.

  4. @Marianne: Nein, das “unbe­dingt” ist nicht iro­nisch gemeint. Ich mache mich hier zwar (ger­ne) über das Lied lus­tig, aber ich respek­tie­re natür­lich, dass es auch ande­re Geschmä­cker und Mei­nun­gen geben kann und ver­su­che, die im Voting mit abzu­bil­den. Falls mir das hier nicht gelun­gen sein soll­te, dann tut es mir leid.

  5. Ein gelun­ge­ner Song, wenn wir das Jahr 1984 hät­ten. Für 2016 ein­fach nur pein­lich.… Sor­ry.

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