Luxus­lärm: Solan­ge Lie­be in mir wohnt

Als “eine in die Jah­re gekom­me­ne Schü­ler­band” bezeich­ne­ten die bös­ar­ti­gen Läs­ter­mäul­chen vom Prinz-Blog (Cha­peau!) die 2006 in Iser­lohn gegrün­de­te und zwi­schen­zeit­lich mehr­fach umbe­setz­te, eben­falls stets unter mei­nem Wahr­neh­mungs­ra­dar flie­gen­de Kapel­le. Obschon sie zwi­schen 2008 und 2012 sogar ein paar Mal in den unte­ren Rän­gen der deut­schen Sin­glecharts ver­weil­te, zuletzt mit einem Song, mit dem sie den vier­ten Platz bei Ste­fan Raabs Bun­des­vi­si­on Song Con­test beleg­te: ‘Liebt sie Dich wie ich?’, einem so net­ten wie ega­len Poprock­lied­chen mit immer­hin sehr ordent­li­chem Gitar­ren­ge­brat­ze. Sie muss­ten / soll­ten / durf­ten (nicht Zutref­fen­des bit­te strei­chen) nach län­ge­rer Flau­te ein neu­es Album pro­mo­ten und nutz­ten dafür gezwun­ger­ma­ßen / frei­wil­lig / sehr ger­ne (dito) den Rah­men der deut­schen Vor­ent­schei­dung. Streng­ge­nom­men wären Luxus­lärm sogar ein Grund gewe­sen, sich die Show live in Köln anzu­schau­en statt zuhau­se am Bild­schirm: es fan­den sich näm­lich ein paar ziem­lich schnu­cke­li­ge Jungs in der Band. Von denen wir, wie das immer so ist, natür­lich kaum etwas sahen, da sich die über­wie­gend hete­ro­se­xu­el­len Kame­ra­leu­te und TV-Regis­seu­re wie üblich nur auf die blon­de Front­frau Jani­ne Mey­er fokus­sier­ten.

Wenn man so schlim­me Schla­ger­sül­ze singt, ist ein Lyric-Video viel­leicht nicht die bes­te Idee

Was sich, wie ich wider­stre­bend zuge­ben muss, inso­fern nicht als schlech­te Ent­schei­dung ent­pupp­te, da die­se anste­ckend fröh­lich und warm­her­zig grins­te wie ein Honig­ku­chen­pferd und ‘Solan­ge Lie­be in mir wohnt’, eins der weni­gen deutsch­spra­chi­gen Ange­bo­te beim Vor­ent­scheid, sehr über­zeu­gend ver­kauf­te. Das konn­te aber nicht hun­dert­pro­zen­tig dar­über hin­weg­täu­schen, dass es sich bei ihrem Lied für Stock­holm um einen kris­tall­kla­ren, unzwei­deu­ti­gen, von sämt­li­chen auch nur im Ent­fern­tes­ten pro­gres­siv klin­gen­den kön­nen­den Ein­spreng­seln kom­plett befrei­ten deut­schen Schla­ger mit gene­ri­schem, süß­li­chem Säu­sel-Text über die all­um­fas­sen­de Macht der Lie­be han­del­te. So einen, wie ihn die Haus­frau ger­ne beim Bügeln hört. So einen, wie er auch von der stimm­lich eng mit Jani­ne Mey­er ver­wand­ten Michel­le (DE 2001), Kris­ti­na Bach oder der Men­schen­fi­sche­rin gesun­gen wer­den könn­te. So einer, der noch nicht mal auf iro­ni­sche Wei­se cool sein woll­te, son­dern sich in sei­ner belie­bi­gen Gefühls­du­se­lei nur so suhl­te. So einer, der letz­ten Endes im sel­ben, aller­dings sehr klei­nen Punk­te­teich fisch­te wie die wesent­lich glaub­wür­di­ge­re Hele­ne-Kopis­tin Ella End­lich. Und damit zu Hau­se blei­ben muss­te. Auch bes­ser so, denn auf inter­na­tio­na­ler Büh­ne wären wir mit die­sem seich­ten Schla­ger­dross, wie er nur und aus­schließ­lich in Deutsch­land ankommt, gesun­ken wie ein Stein.

Luxus­lärm Solan­ge Lie­be in mir wohnt
In einem Satz: Die­ser Traum darf nie­mals ster­ben.
aufrechtgehn.de-Wertung: 2/12 Punk­ten.
Pro­gno­se: Sie­ges­chan­cen bei ULFS? 5%
Ergeb­nis bei ULFS 6. Platz mit 5,5%

Ist ‘Solan­ge Lie­be in mir wohnt’ die rich­ti­ge Wahl für Deutsch­land?

  • Nein. Das ist ja noch nicht mal inter­es­sant, wenn man die Spra­che ver­steht. Null-Punk­te-Kan­di­dat. (39%, 7 Votes)
  • Ach je, es ist ganz nett, aber es gibt Bes­se­res im Vor­ent­scheid. (33%, 6 Votes)
  • Ja. Ein gefühl­vol­les, wun­der­schö­nes, trotz­dem moder­nes Lied. Bes­ser geht es kaum. (28%, 5 Votes)

Total Voters: 18

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<– Jamie Lee Krie­witz

Lau­ra Pin­ski –>

4 Gedanken zu “Luxus­lärm: Solan­ge Lie­be in mir wohnt

  1. Die letz­te bei­den Alben von Luxus­lärm waren auf Platz 4 bzw. 6 der deut­schen Alben-Charts. Und der letz­te Long­play­er ist vor gera­de mal zwei Jah­ren erschie­nen. Soviel zum The­ma “knapp vier­jäh­ri­ge Flau­te” und “unte­re Rän­ge der deut­schen Ver­kaufs­charts”. Da waren pole­misch-abfäl­li­ge Kom­men­ta­re dir wohl wich­ti­ger als ein kur­zer Fak­ten­check bei Wiki­pe­dia?!

  2. Nee, ich hab schon die Fak­ten gecheckt, mei­ne Inter­pre­ta­ti­on ist nur anders. Ich bin Ein­zel­track-Hörer, für mich sind immer nur die Sin­gle-Charts rele­vant, die Alben­charts befin­den sich völ­lig außer­halb mei­nes Wahr­neh­mungs­ra­di­us. Acts und Künstler/innen, die nur oder fast nur in den Album-Charts statt­fin­den, sind für mich prak­tisch nicht exis­tent. Dar­auf bezo­gen sich mei­ne Anmer­kun­gen “unte­re Regio­nen” (denn die Sin­gles sind nie über Rang 40 hin­aus­ge­kom­men) und “knapp vier­jäh­ri­ge Flau­te” (weil in den für mich rele­van­ten Charts waren sie seit 2012 nicht mehr ver­tre­ten). Das ist, bezieht man die Album-Charts mit ein, natür­lich unsau­ber, da hast Du inso­fern Recht. Dan­ke für den Hin­weis, ich hab’s im Text umfor­mu­liert.

  3. Wie muss man denn aus­se­hen um zwi­schen den Zei­len über die Optik der drei “neu­en” Band­mit­glie­der nega­tiv urtei­len zu kön­nen??

  4. Ist nicht fürch­ter­lich?
    Es wird grund­sätz­lich alles was in deutsch gesun­gen wird von irgend­wel­chen selbst­er­nann­ten “Musik­fach­leu­ten” mies gemacht!.
    Wenn ich die­sen Lärm von soge­nann­ten ange­sag­ten Bands höre wir mir übel. Die Haupt­sa­che ist es doch, das in einer Fremd­spra­che gesun­gen wird (“das ist tol­le Unter­hal­tung” Weil ich den ‘Text nicht ver­ste­he?).

Oder was denkst Du?