Woods of Birnam: Lift me up (from the Underground)

Uh-huh: Indie-Pop mit Wumms! So jedenfalls würde ich den Woods-of-Birnam-Titel ‚I’ll call thee Hamlet‘ klassifizieren, den der eine oder andere Kinogänger vielleicht schon mal gehört haben könnte, war er doch Teil des Soundtracks zu Til Schweigers erfolgreicher Tragikomödie ‚Honig im Kopf‘. Eindrucksvoll depressiver Gesang, wehmütige Melodien, treibender Beat: so ein kleines bisschen Placebo, ein kleines bisschen Polarkreis 18. Was nicht verwundert, besteht das vom Theater- und Filmschauspieler Christian Friedel gegründete Kunstprojekt neben ihrem Mastermind doch aus vier Musikern der 2012 aufgelösten Band, die 2008 mit ‚Allein, allein‘ einen veritablen Nummer-Eins-Hit hatte. Woran ich mich noch gut erinnern kann, weil es eines der raren Musikstücke abseits des Eurovision Song Contests war, die ich in den letzten Jahren selbst kaufte. Benannt nach einer Szene aus Macbeth, möchte das dem Schauspiel ebenso wie der Musik verhaftete Quintett nach eigener Aussage „als Dresdner Band ein anderes, positives und vor allem tolerantes und weltoffenes Zeichen in die Welt schicken.“ Mit anderen Worten: sie wollen in Stockholm keine Flüchtlingsheime anzünden und auf Fragen der Journalisten auch nicht mit einem gebrüllten „Lügenpresse!“ reagieren. Finde ich prima!

Und prima war auch ihr Wettbewerbsbeitrag ‚Lift me up (from the Underground)‘, der durchaus hielt, was der Titel versprach, jedenfalls in der Studiofassung. Uplifting, also stimmungsaufhellend, wirkte die temporeiche, eingängige und mitreißende Nummer auf jeden Fall, blieb dabei aber durch den leicht wehmütig gefärbten Gesang, der den euphorischen Text auf das Wunderbarste mild konterkarierte, spirituell mit dem musikalischen Untergrund verbunden. Oder, weniger feierlich gesprochen: der Song war catchy, aber nicht platt. Die Plattenfirma bescheinigte ihm „eine universelle, lebensbejahende Botschaft, (…) musikalisch in ein selbstbewusstes, überbordendes Popgewand verpackt“. Erinnerte ein bisschen an die Lobgesänge für Das Gezeichnete Ich von vor zwei Jahren, bei dem das Ganze live dann leider in die Hose ging. Und exakt dasselbe passierte auch bei Woods of Birnam. Frontmann Christian Friedel, der bei den Proben am Mittwoch noch eine sehr unglückliche Schwuler-Adolf-Frisur trug, hoppelte in direkt aus den Achtzigerjahren importierten Tanzschritten über die Bühne und erinnerte im Gesamtbild frappierend an Hape Kerkeling, der versucht, ein sich selbst für cool haltendes Junge-Union-Mitglied beim Besuch in der Ü-30-Disco zu karikieren. Leider wirkte Friedel aber nicht, als wolle er sich selbst auf die Schippe nehmen, sondern als halte er sich persönlich für ganz, ganz toll. Als Einziger. Auch vom Wumms der Studiofassung blieb in der ULFS-Livevariante nichts übrig, es klang, als habe jemand vergessen, den Bass reinzudrehen. Und so liftete der Titel leider niemanden up, was sich in der Platzierung niederschlug. Deutlich. Kleiner Trost für die heldenhaften Sachsen (eine Million Karmapunkte für die Postkarte!): mit über 12.000 Anrufen stimmten immerhin fast tausend Mal so viele Menschen für sie wie für die moldawischen Vorentscheidungskollegen Priza.

Den Auftritt wollen Euch die elenden Brainpool-Schergen leider vorenthalten (skandalös, dass das geht!), aber die legendäre Postkarte ist immerhin verfügbar. Danke, oder so…

Woods of Birnam Lift me up (from the Underground)
In einem Satz: The History Book on the Shelf / is always re-drawing itself.
aufrechtgehn.de-Wertung 8/12 Punkten.
Prognose: Siegeschancen bei ULFS? 35%
Ergebnis bei ULFS 10. Platz mit 1,6%

Wäre 'Lift me up' die richtige Wahl für Deutschland?

  • Und wie! Gutgelaunt, mitreißend, frisch, Qualitätspop vom Feinsten: ein Knaller! (41%, 7 Votes)
  • Bitte nicht! Mit diesem seichten Bar-Gedudel gewinnen wir keinen Blumentopf. (29%, 5 Votes)
  • Ich mag das sehr, bezweifle aber, dass das beim ESC überzeugend genug käme. (29%, 5 Votes)

Total Voters: 17

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<– Laura Pinski

Avantasia –>

8 thoughts on “Woods of Birnam: Lift me up (from the Underground)

  1. Ich empfinde das Lied als total belanglosen Radio-Seichtpop, der sofort nach dem ersten Hören wieder vergessen wird. Damit ist beim ESC nichts zu holen. Schade. Leider hat man im Wald von Birnham nicht noch etwas vom Kaliber „I call the Hamlet“ auf der Pfanne.

  2. „*mit Evelyn-Hamann-Stimme* Hetzt! Mich! Nicht!“. Könnte ich mir alternativ auch gut mit der Stimme der Puppen „Josi“ (Grammel) oder „de Maulwurfn“ (Marik) vorstellen 🙂

Oder was denkst Du?