So, nun haben Sie aber lange genug durchgehalten (großes Lob!) – oder sind doch einfach vorgesprungen (Sie Doof!
). Zum Abschluß nun als Belohnung meine beiden persönlichen Lieblingsideen, die uns aus dem tiefen Jammertal in eine helle, goldene Zukunft führen und alle Probleme mit einem Schlag lösen. Ohne mich jetzt selbst all zu sehr loben zu wollen *hüstel*…
Jeder nur ein Kreuz!
Die erste davon hat die EBU sogar schon umgesetzt – allerdings leider erst zur Hälfte, nämlich in den beiden Qualifikationsrunden. Dort dürfen nämlich nur diejenigen Länder mitstimmen, die auch jeweils teilnehmen. Was sich als hervorragend wirksame Maßnahme zur Eingrenzung des Nachbarschaftsvoting herausstellte. Seither liegt die Westquote in beiden Semis deutlich höher und es werden nicht mehr, wie noch 2007, auf Teufel komm raus Beiträge aus dem Balkan und der GUS durchgewunken. Bis zur Wiedereinführung der Jurys, die seither Jahr für Jahr unweigerlich die besten Nummern rauskanten, entsprachen die Semi-Wertungen dann auch im Großen und Ganzen den gezeigten musikalischen Leistungen. Nur im Finale bricht sich (trotz Jury!) noch immer übertrieben nationalistisches Abstimmungsverhalten freie Bahn. Denn dort dürfen nach wie vor alle mitstimmen, auch die bereits Ausgeschiedenen. Warum also nicht die Mitmachregel auch auf das Finale anwenden und so die Auswüchse erfolgreich eindämmen? Die Einschaltquoten taugen nicht als Gegenargument: in den ausgeschiedenen Ländern schauen erfahrungsgemäß ohnehin fast nur noch die Migranten zu (und rufen für ihr Herkunftsland an). Falls es um die Einnahmen aus dem Telefonvoting geht, könnte man die Anrufe all dieser Staaten zu einer sechsundzwanzigsten Gesamtstimme (“Resteuropa”) zusammenfassen, von mir aus sogar mit doppelter Punktezahl, und am Ende der Wertung verlesen. Damit käme diesen Ländern die Funktion des Zünglein an der Waage zu: ein hervorragender Anreiz, zuzuschauen und mitzustimmen, auch für die Nichtmigranten!
Ach ja, mal wieder mit Spannung auf das letzte Ergebnis warten, das wäre schön!
Ja, ich weiß: Dima Bilan hätte 2008 nach obiger Methode auch gewonnen. Hab ich auch gar nix gegen. Mir geht’s um die Platzierungen Islands und Portugals – und da ist mir diese Tabelle von Stefan Niggemeier (Wertungen 2008 ohne Ostländer) sehr viel sympathischer als das amtliche Endergebnis. Bis auf die unverdient hohen Ergebnisse für die griechische Helium-Shakira und die türkischen Politrocker, die überproportional vom Diasporavoting der in Westeuropa lebenden Immigranten profitierten. Auch das ließe sich jedoch auf ein vertretbares Maß zurückführen: in dem Digame künftig pro Anschluß nur noch einen Anruf pro Land zählt. Ein Mann – eine Stimme: eigentlich eine urdemokratische Regelung. Ich sitze selbst regelmäßig bei Bundestags- und ähnlichen Wahlen als Helfer an der Urne. Da darf jeder nur einen Stimmzettel reinwerfen, darauf achte ich peinlich genau. Beim Song Contest dagegen kann ich für einen Beitrag so viele Stimmen abgeben, wie ich innerhalb von zehn Minuten an Anrufen schaffe. Und, ja: natürlich rufe auch ich für meine Lieblinge meist mehrfach an. Fair aber ist das nicht. Also: nur noch den ersten Anruf für ein bestimmtes Land zählen, und schon ergibt sich eine wesentliche Entzerrung. Davon bin und bleibe ich so lange felsenfest überzeugt, bis ein tatsächlich durchgeführter Lauf unter diesen Bedingungen beim Grand Prix mir das Gegenteil beweist.
Jurysieger und auf Platz 2 im Gesamtklassement hochgejazzt: der Italomops (IT 2011)
Natürlich wird das nicht passieren: denn die EBU refinanziert mit den Telefongebühren in Teilen den Contest und lässt sich diese sprudelnde Einnahmequelle sicher nicht beschneiden. Und so dürfte sich wenig ändern. Also geht das Jammern und Wehklagen weiter – und auch ich werde, so mir das Ergebnis nicht passt, kräftig darin einstimmen. Zumal jetzt, wo die diabolischen Jurys erneut mitmischen und es schon wieder absurde Züge annimmt, wie der Beinahesieg Italiens mit unverkäuflichem Bar-Jazz 2011 belegt. Ob ich dabei nun einem “Wahrnehmungsfehler” (Stefan Niggemeier) unterliege oder nicht, ist dabei völlig irrelevant. Wahrnehmung ist immer subjektiv, insbesondere wenn es um so etwas wie Musik geht, wo nun schlichtweg immer nur der persönliche Geschmack zählt. Genau so wie das Gerechtigkeitsemfinden, denn ein Empfinden, also ein Gefühl, muss zwingend subjektiv sein. Und so verlaufen auch die Grenzen zwischen Jurybefürwortern und -gegner erkennbar eng an gegensätzlichen Geschmäckern entlangt: wer auf dröges Gesülze vom Schlage Isis Gee, Niamh Kavanagh oder Tom Dice steht, das beim Televoting zu Recht ganz weit hinten landet, der ist natürlich über die Manipulation durch die Geschmacksgeronten der Jurys froh. Wer Uptemponummern mit spektakulärer Choreografie bevorzugt, ist für hundertprozentiges Televoting. Nur wer wie ich auf futtigen Eurodancetrash vom Schlage Anzej Dejan, DQ, Euroband, Morena oder Miro steht, findet sich ohne Lobby. Ich bin daher für die Einführung einer gleichberechtigten zweiten Jury, bestehend aus – mir!
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