Türk­vi­zyon

tuerkvizyon-logoEines der erfolg­reichs­ten Grand-Prix-Län­der der rei­nen Tele­vo­ting-Ära, die Tür­kei, nimmt seit 2013 nicht mehr am Euro­vi­si­on Song Con­test teil. Offi­zi­ell dekla­rier­te Anka­ra das Fern­blei­ben bei den euro­päi­schen Fest­spie­len als (ver­ständ­li­chen) Pro­test gegen das Big-Five-Pri­vi­leg und die Wie­der­ein­füh­rung der Jury, die von der EBU nach bestän­di­gem Gequen­gel der Westeuropäer/innen über das Block­vo­ting als Gegen­maß­nah­me zum Dia­spo­ra­stim­men­ef­fekt re-instal­liert wur­de und seit­her aus­wan­de­rungs­star­ke Natio­nen wie Alba­ni­en, Grie­chen­land oder Polen, aber eben auch die Tür­kei, vor­sätz­lich flei­ßig her­un­ter­vo­tet. Außer­dem füh­le sich das an Ein­woh­nern rei­che Land inner­halb der EBU nicht aus­rei­chend reprä­sen­tiert: unter den 300 EBU-Mit­ar­bei­ter/in­nen befin­de sich kein ein­zi­ger Tür­ke, und auch in den dor­ti­gen Gre­mi­en sei man nicht ver­tre­ten, so das Lamen­to des Staats­sen­ders TRT. Also schuf man sich einen eige­nen Spiel­platz: Ende Dezem­ber 2013 fand erst­ma­lig ein eige­ner Song Con­test des osma­ni­schen Kul­tur­krei­ses statt, die Türk­vi­zyon, ursprüng­lich kon­zi­piert als Ver­an­stal­tungs­rei­he der tür­ki­schen Kul­tur­haupt­städ­te. Wes­we­gen der ers­te Con­test, an dem 24 Län­der und Regio­nen teil­nah­men, aus dem ana­to­li­schen Eskişe­hir kam, Part­ner­ge­mein­de mei­ner Hei­mat­stadt Frank­furt am Main.

1. Türk­vi­zyon, 19. und 21.12.2013, Eskişe­hir, Tür­kei

Türk­vi­zyon 2013: die Teil­neh­mer­lis­te

1. Song Con­test des tür­ki­schen Kul­tur­rau­mes. 19. und 21.12.2013 in Eskişe­hir, Tür­kei.
Land / Repu­blikTeil vonInter­pretSongÜber­set­zung
AltaiRUArtur Mar­lu­jo­kovAltayım MeninMein Altai
Aser­bai­dschanAZFərid Həsə­novYaşaLeben
Bal­ka­ri­enRUEldar Zha­ni­ka­evAdam­dı Biz­ni AtıbızSein Name ist Adam
Basch­kor­to­stanRUDia­na Ish­ni­ya­zo­vaKuray Şar­kısıDas Qurai-Lied
Bos­ni­enBAEmir & the fro­zen CamelsTers Bosan­kaZän­ki­sche Bos­nie­rin
Cha­kas­si­enRUVla­di­mir Dor­juTus çirin­deTraum
Gag­au­si­enMDLud­mi­la TukanVer­nis Lub­ovKomm, mein Schatz
Geor­gi­enGEEynar Bala­kişi­y­ev + Afik Novru­zovKal­bi­ni Saf TutHal­te dein Herz rein
IrakIQAhmed Duz­luKerkük’ten yola ÇıkakVon Kir­kuk aus
Kasach­stanKZRin’GoBir­lik­pen AlğaGemein­sam vor­an
Keme­ro­woRUÇıl­dız Tanna­keşe­vaŞoriya’nın UnuDer Klang Berg­scho­ri­ens
Kir­gi­si­enKGÇoroKay­gır­baSei unbe­sorgt
Koso­voKO (RS)Ergin Karaha­sanŞu Priz­renNach Priz­ren
KrimUAElvi­ra Sari­ha­lilDağların EllarıBerg­pfa­de
Maze­do­ni­enMKİlkay Yus­ufDüş­ler­de Yaşa­makLeben in Träu­men
Nord­zy­pernCYGom­m­a­larHavalanıyorAuf­stei­gend
Rumä­ni­enROGeng­hiz Erhan Cut­ca­laiAy Ak ShatırWei­ße Linie
Sacha (Jaku­ti­en)RUOlga Spi­ri­do­no­vaSulus Uon­na TuunFlie­gend
Tatar­stanRUAli­na Şarip­ja­no­vaÜpkelem­imIch bin nicht nach­tra­gend
Tür­keiTRMane­v­raSen, Ben, BizDu, ich, wir
TuwaRUSai­lyk OmmunCavi­dakOhne Sat­tel
Ukrai­neUAFazi­le Ibrai­mo­vaElmalımMein Apfel
Usbe­ki­stanUZNilüfer Usma­no­vaUnut­ginVer­giss mich
Weiß­russ­landBYGunesh Aba­so­vaSon hati­ra­larLetz­te Erin­ne­run­gen

Wenn dir dein Hin­ter­mann kom­plett die Show stiehlt: der milch­büb­chen­haf­te Sie­ger der Türk­vi­zyons-Pre­miè­re von 2013, Fərid Həsə­nov (AZ), und sein voll­bär­ti­ger Begleit­tän­zer, sei­nes Zei­chens Sie­ger in der Kate­go­rie “ang­st­ein­flö­ßen­ds­ter Mas­sen­mör­der-Blick bei einem Musik­wett­be­werb”.

Die Pre­miè­re des Turk­völ­ker-ESCs, bei dem alle Staa­ten, (Teil-)Republiken und Regio­nen mit­ma­chen dür­fen, in denen osma­nisch­stäm­mi­ge Men­schen leben, und sei es in noch so klei­ner Min­der­heit, unter­hielt mit einem herr­lich bizar­ren Mix aus ellen­lan­gen Funk­tio­närs­an­spra­chen, patrio­ti­schen Trou­ba­dou­ren, Kehl­ge­sang, asia­ti­schen Boy­bands und einer völ­lig undurch­schau­ba­ren Jury-Wer­tung, aus wel­cher Aser­bai­dschan als Sie­ger her­vor­ging. Was ange­sichts der aus­ge­spro­chen brü­der­li­chen Ban­de der bei­den Natio­nen, des Invol­viert­seins aser­bai­dscha­ni­scher Eurovisionsteilnehmer/innen in die Orga­ni­sa­ti­on und Prä­sen­ta­ti­on der Sen­dung sowie des eher durch­schnitt­li­chen Songs und der ziem­lich unter­durch­schnitt­li­chen voka­len Fähig­kei­ten des Inter­pre­ten Fərid Həsə­nov ein, um es mal vor­sich­tig aus­zu­drü­cken, klei­nes Geschmäck­le hat­te. Den­noch ging es 2014 nicht nach Baku: anders als beim ESC ver­knüpft sich wegen der Bin­dung an die Kul­tur­haupt­stadt­rei­he mit dem Sieg kei­ne Gast­ge­ber­pflicht im Fol­ge­jahr. Als Aus­tra­gungs­ort des zwei­ten Wett­be­werbs fun­gier­te daher die tata­ri­sche Metro­po­le Kasan. Vier der Erst­teil­neh­mer­län­der kehr­ten der Ver­an­stal­tung den Rücken, näm­lich die rus­si­schen Repu­bli­ken Altai (die angeb­lich kei­ne neu­er­li­che Ein­la­dung erhal­ten haben will) und Keme­ro­wo, das Koso­vo und Weiß­russ­land. Nord­zy­pern schei­ter­te an der Büro­kra­tie: Russ­land – und damit auch Tatar­stan – erkennt die de-fac­to-Repu­blik im tür­kisch besetz­ten Nord­teil der Mit­tel­meer­in­sel nicht an, daher durf­te die bereits aus­ge­wähl­te Ver­tre­te­rin İpek Amber nicht ein­rei­sen.

2. Türk­vi­zyon, 19. und 21.11.2014, Kasan, Tatar­stan

Türk­vi­zyon 2014: die Teil­neh­mer­lis­te

2. Song Con­test des tür­ki­schen Kul­tur­rau­mes. 19. und 21.11.2014 in Kasan, Tatar­stan (Auto­no­me rus­si­sche Repu­blik).
Land / Repu­blikTeil vonInter­pretSongÜber­set­zung
Alba­ni­enALXho­ana Bej­koZjarr dhe AjërFeu­er und Luft
Aser­bai­dschanAZElvin Ordubad­liDivlə­rin yal­qız­lığıEin­sam­keit der Rie­sen
Bal­ka­ri­enRUEldar Zha­ni­ka­evBara­maGeh
Basch­kor­to­stanRUZamanKubairEpos
Bos­ni­enBAMen­sur Sal­kićŠutimIch bin still
Bul­ga­ri­enBGİsmail MatevYol­la­ra, Taşla­raStra­ßen, Stei­ne
Cha­kas­si­enRUDmi­triy Saf’yanov + Saya­na Sobi­ro­vaOshik­baFeh­ler
Deutsch­landDEFah­ret­tin GüneşSev­diğimMei­ne Gelieb­te
Gag­au­si­enMDMari­ya TopalAala­dımIch wein­te
Geor­gi­enGEAysel Məm­mədo­va + Ayla Şiri­y­e­vaTen­ha­yamIch bin allein
IrakIQAhmet Duz­luCal Kal­bi­miMein Herz gestoh­len
IranIRBarışHeydar BabaVater Heydar
Kasach­stanKZZha­nar Dugal­o­vaІzіn kөremIch sehe sei­ne Spur
Kir­gi­si­enKGNon-StopSeze BilRhyth­mus der Jah­res­zei­ten
KrimUADar­i­na Sin­içki­naSuya giderWenn sie gehen
Maze­do­ni­enMKKaan Maz­harYolu­mu BulurumIch fin­de mei­nen Weg
Rumä­ni­enROCen­giz Erhan + Gafar Alev SibelGen­clik basa bir gelirMan ist nur ein­mal jung
Russ­landRUKazan WorldSon kөtəmAuf dich zu war­ten
Sacha (Jaku­ti­en)RUVlad­le­na Iva­no­vaKynTag
Tatar­stanRUAydar Suley­ma­novAtlar Cha­baRen­nen­de Pfer­de
Tür­keiTRFun­da KılıçHop­paLeicht­fer­tig
Turk­me­ni­stanTMZüleyha Kakay­e­vaShik­ga-Shik­ga biler­zikSchütt­le das Arm­band
TuwaRUAyas Kul­larSub­e­deiSub­u­t­ei
Ukrai­neUANata­li DenizSän BenimDu bist mein
Usbe­ki­stanUZAzi­za Niz­amo­vaDun­yo bol­sin OmonWelt sei unser

Feu­ri­ges Fun­ken­ma­rie­chen: die Sie­ge­rin der zwei­ten Aus­ga­be von 2014, Zha­nar Dugal­o­va (KZ).

Dafür gin­gen in Kasan gleich sechs neue (Teil-)Nationen an den Start: Alba­ni­en, Bul­ga­ri­en, der Iran, der “Stadt­kreis Mos­kau” (was auch immer das sein soll), Turk­me­ni­stan – und, als größ­tes tür­ki­sches Sied­lungs­ge­biet außer­halb des Mut­ter­lan­des nur fol­ge­rich­tig, Deutsch­landWäh­rend unser Ver­tre­ter Fah­ret­tin Güneş, aus­ge­wählt von einem Köl­ner Satel­li­ten­sen­der, mit einem aus­ge­spro­chen faden Bei­trag im Semi­fi­na­le zu Recht schei­ter­te, gewann dort der Inter­pret des Heim­bei­trags, Aydar Sue­ly­ma­nov, mit einer mit­rei­ßen­den, packend prä­sen­tier­ten Num­mer über ‘Ren­nen­de Pfer­de’. Über­ra­schen­der­wei­se – in bei­den Sen­dun­gen stimm­ten die sel­ben 25 Juro­ren ab – reich­te es für ihn im Fina­le aber nur für den zwei­ten Platz, es sieg­te Zha­nar Dugal­o­va aus Kasach­stan, die ihren nicht min­der fan­tas­ti­schen Titel ‘Izin kөrem’ eben­falls mit einer spek­ta­ku­lä­ren und hoch pro­fes­sio­nel­len Show unter­stütz­te. Über­haupt ließ sich in der zwei­ten Aus­ga­be des Wett­be­werbs eine deut­li­che Ver­bes­se­rung des musi­ka­li­schen und tech­ni­schen Niveaus fest­stel­len. Nur am Abstim­mungs­ver­fah­ren hak­te es deut­lich: nicht nur, dass man das voll­mun­dig ange­kün­dig­te Tele­vo­ting aus tech­ni­schen Grün­den kurz­fris­tig can­cel­te. Hin­zu kamen Addi­ti­ons­feh­ler und Unge­reimt­hei­ten bei der Jury­ab­stim­mung im Semi sowie offen­sicht­li­che Rache­wer­tun­gen im Fina­le, denen bei­spiels­wei­se der tür­ki­sche Bei­trag ‘Hop­pa’ von Fun­da Kılıç (Zwei­te im Semi, Letz­te im Fina­le) zum Opfer fiel.

Tra­di­ti­on ohne Moder­ne: der deut­sche Türk­vi­zyons-Bei­trag von 2014 unter­strich die kon­ser­va­ti­ve Grund­hal­tung der meis­ten hier­zu­lan­de leben­den tür­kisch­stäm­mi­gen Mitbürger/innen.

Die drit­te (und bis dato letz­te) Aus­ga­be der Türk­vi­zyon wur­de über­schat­tet von einem poli­ti­schen Kon­flikt zwi­schen Russ­land und der Tür­kei, der sich am Abschuss eines rus­si­schen Kampf­jets über tür­ki­schem Hoheits­ge­biet ent­zün­de­te. Der erbos­te Des­pot Putin ver­häng­te nicht nur Wirt­schafts­sank­tio­nen, son­dern wies sämt­li­che Teil­re­pu­bli­ken und Oblas­ten sei­nes Rei­ches an, der Ver­an­stal­tung im ver­fein­de­ten Istan­bul fern­zu­blei­ben. Elf Regio­nen stor­nier­ten dar­auf­hin ihren Auf­tritt. Die boy­kott­be­dingt redu­zier­te Teil­neh­mer­zahl dien­te den Ver­an­stal­tern als will­kom­me­ne Aus­re­de für den Aus­fall der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de: wie Dr. Irving Wol­ther, als Teil der deut­schen Dele­ga­ti­on vor Ort, berich­te­te, schraub­ten die Tür­ken an dem Don­ners­tag, an dem das Semi statt­fin­den soll­te, noch immer hek­tisch am Büh­nen­auf­bau. Das orga­ni­sa­to­ri­sche Cha­os folg­te einer kurz­fris­ti­gen Ver­le­gung: denn nach der ursprüng­li­chen Logik, dass die jewei­li­ge aktu­el­le Kul­tur­haupt­stadt der tür­ki­schen Welt die Türk­vi­zyon beher­bergt, wäre die­se Ehre eigent­lich dem turk­me­ni­schen Städt­chen Mary zuge­fal­len. Dort ließ sich aller­dings angeb­lich kei­ne geeig­ne­te Hal­le fin­den, so dass der Wett­be­werb zunächst in die Haupt­stadt Aşga­bat ver­legt wer­den soll­te. So jeden­falls der Wunsch der dor­ti­gen Macht­ha­ber. Turks­oy, den Aus­rich­tern der Ver­an­stal­tung, schmeck­te das nicht: flugs ent­schied man im August 2015, das Gan­ze nun in der tür­ki­schen Metro­po­le statt­fin­den zu las­sen, prak­ti­scher­wei­se die offi­zi­el­le Part­ner­stadt von Mary.

3. Türk­vi­zyon, 19. Dezem­ber 2015, Istan­bul, Tür­kei

Türk­vi­zyon 2015: die Teil­neh­mer­lis­te

3. Song Con­test des tür­ki­schen Kul­tur­rau­mes. Sams­tag, 19.12.2015, 15:30 Uhr MEZ, in Istan­bul, Tür­kei.
Land / Repu­blikTeil vonInter­pretSongÜber­set­zung
Alba­ni­enALXho­ana Bej­ko (Xhoi) + Visar Rex­h­epiAdi Has­retGemein­sa­mer Wunsch
Aser­bai­dschanAZMeh­man Tagi­y­evIstan­bulIstan­bul
Bos­ni­enBAAdis Škal­joPa štaNa und?
Bul­ga­ri­enBGBig Star LifeIstan­bul­dayızWir sind Istan­bul
Deutsch­landDEDer­ya Kap­tanSes­siz ÇığlıkStil­ler Schrei
Gag­au­si­enMDValen­tin Orman­jiSev beni sevLie­be mich, Lie­be
Geor­gi­enGEAnar AskerovTen­ha yürekEin­sa­mes Herz
IrakIQOğuz Sır­malıSere­natStänd­chen
IranIRReza Esbi­la­niMənim arzumMein Traum
Kasach­stanKZOrdaOla­ya Eme­saSo nicht
Kir­gi­si­enKGJii­desh İdir­i­so­vaKim biletWer weiß
Koso­voKO (RS)Tol­ga KazazSev­mek Gün­ah mıdır?Ist Lie­be eine Sün­de?
Maze­do­ni­enMKKaan Maz­harBöyle Olm­amalıy­dıEs hät­te so nicht sein sol­len
Nord­zy­pernCYİpek AmberSes­siz GidişStil­ler Abschied
Rumä­ni­enROEdvin Rad­cifSevi­yo­rum, Anlas­a­naIch lie­be Anlas­a­na
San­džakRSAlme­din Varoša­ninTragSpur
Syri­enSYAdil ŞanGelişAnkunft
Tür­keiTRGör­kem DurmazHırcın SularZäh­mung des Was­sers
Ukrai­neUAAnna Mitio­gloBaaş­la banaVer­zei­he mir
Usbe­ki­stanUZKaa­Plya + Hur­do­naAzad­lıqFrei­heit
Weiß­russ­landBYAlek­san­dra Kazi­mo­vaAzad­lıqFrei­heit

Ita­li­en ist über­all: lecke­re ‘Pa šta’ gibt es auch in Bos­ni­en, wie uns Adis Škal­jo im Auf­trag des hei­mi­schen Tou­ris­mus-Minis­te­ri­ums infor­miert.

Die deut­sche Ver­tre­te­rin Der­ya Kap­tan (Schwes­ter der tol­len Come­di­en­ne Mel­tem Kap­tan) erhielt für ihre außer­ge­wöhn­li­che Bal­la­de mit wenig Text und viel Aus­drucks­tanz, die sie den Opfern eines Bom­ben­an­schlags auf eine Demons­tra­ti­on in Anka­ra im Okto­ber 2015 wid­me­te, den Son­der­preis der Jury für den “anspruchs­volls­ten Bei­trag”. Die glei­che Jury wer­te­te sie jedoch nur auf Rang 11 im Wett­be­werb und demons­trier­te so, wel­chen Stel­len­wert der “Anspruch” bei der Türk­vi­zyon ein­nimmt: kei­nen all­zu gro­ßen offen­bar. Erneut sieg­te ein zen­tral­asia­ti­sches Land: nach den Vor­jah­res­sie­gern Kasach­stan, die mit per­fekt prä­sen­tier­tem Boy­band-Pop dies­mal die Sil­ber­me­dail­le hol­ten, ging die Kro­ne heu­er an die Nach­barn aus Kir­gi­si­en: Jii­desh İdir­i­so­va, eine der weni­gen Türk­vi­zyons-Teil­neh­me­rin­nen, die sich über einen Vor­ent­scheid qua­li­fi­zier­te, konn­te mit einem Rus­la­na-Gedächt­nis-Act die Trau­ben ern­ten. Ins­ge­samt lag durch das Feh­len der rus­si­schen Regio­nen das musi­ka­li­sche Niveau etwas nied­ri­ger als 2014, und die Gast­ge­ber­schaft der Tür­kei mach­te sich erneut durch über­lan­ge Anspra­chen zahl­lo­ser Funk­tio­nä­re bemerk­bar. Der Boy­kott Putins ermög­lich­te aller­dings auch die Teil­nah­me völ­ker­recht­lich umstrit­te­ner Gebie­te wie dem Koso­vo oder Nord­zy­pern.

Wild Dan­ces: die Sie­ge­rin der drit­ten Aus­ga­be von 2015 (KG).

Aus und vor­bei?

Im Anschluss ver­ab­schie­de­te man sich auch offi­zi­ell von der Ver­knüp­fung der Türk­vi­zyon mit dem jähr­lich ver­lie­he­nen Ehren­ti­tel der Kul­tur­haupt­stadt der tür­ki­schen Welt, der in die­sem Jahr an das aser­bai­dscha­ni­sche Städt­chen Şəki (64.000 Ein­woh­ner) ging. Trotz der engen Bin­dung der bei­den Län­der gab der nun­mehr wohl dau­er­haft ver­ant­wort­li­che Musik­sen­der TMB im April 2016 bekannt, dass die vier­te Aus­ga­be der Türk­vi­zyon im Dezem­ber des glei­chen Jah­res in der Tür­kei statt­fin­den sol­le. Anfang Juli 2016 mel­de­ten sich die rus­si­schen Teil­re­pu­bli­ken (von den Fans lie­be­voll “die -stans” genannt) zurück, nach dem sich der von meh­re­ren Anschlä­gen und dem Zusam­men­bruch des für das Bos­po­rus-Land wirt­schaft­lich wich­ti­gen Tou­ris­mus gebeu­tel­te Sul­tan von Istan­bul wider­wil­lig bei Putin für den Kampf­jet-Abschuss ent­schul­dig­te. Im Zei­chen der innen­po­li­ti­schen Dau­er­kri­se rund um den fehl­ge­schla­ge­nen Putsch­ver­such gegen Erdoğan im Som­mer 2016 gin­gen die Ver­an­stal­ter aller­dings auf Tauch­sta­ti­on und das Jahr ver­strich ohne jeg­li­ches Lebens­zei­chen von Türks­oy gegen­über der Öffent­lich­keit oder den Dele­ga­tio­nen, so dass die ers­ten Län­der ihre Teil­nah­me wie­der stor­nier­ten. Lan­ge Zeit war vage vom “Früh­ling 2017” die Rede, im Febru­ar 2017 hieß es dann, dass der Wett­be­werb nun­mehr nach Kasach­stan ver­legt wer­de, wo er als Begleit­pro­gramm der im Som­mer in der dor­ti­gen Reiß­brett-Haupt­stadt Asta­na statt­fin­den­den Welt­aus­stel­lung Expo 2017 über die Büh­ne gehen soll­te.

Das Bür­ger­kriegs­land Syri­en über­zeug­te bei sei­nem Türk­vi­zyons-Debüt mit einer fan­tas­ti­schen Kos­tü­mie­rung und einem mit­rei­ßen­den Song.

Doch auch dar­aus wur­de nichts: ein bizar­rer Namens­rechts­streit zwi­schen dem tür­ki­schen Fern­se­hen und einem obsku­ren Sän­ger, der (juris­tisch erfolg­reich) behaup­te­te, die ide­el­len Rech­te an dem Wett­be­werb zu besit­zen und der offen­bar Geld dar­aus schla­gen woll­te, sorg­te für einen kom­plet­ten Still­stand und die Absa­ge des Wett­be­werbs in Asta­na. Zwi­schen­zeit­lich kün­dig­te man die Wie­der­auf­nah­me der Rei­he für den “Okto­ber 2018” an; nach­dem die­ser ergeb­nis­los ver­strich, für “Dezem­ber”. Mit einer neu­en Rekord­zahl an Partizipant/innen, dar­un­ter die alba­ni­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin von 2016, Ene­da Tarifa, einem grie­chi­schen (!) Quar­tett und dem ehe­ma­li­gen Pop­stars-Cas­ting­stern­chen Elvi­ra Michie­va, 2007 ein Drit­tel der extrem kurz­le­bi­gen, von Bushi­do gecas­te­ten Girl­group Bis­ou, die es 2010 solo ver­geb­lich beim ESC-Vor­ent­scheid in ihrem Geburts­land Aser­bai­dschan ver­such­te und nun bei der Türk­vi­zyon für das erst­ma­lig teil­neh­men­de Öster­reich an den Start gehen möch­te. Aber das glau­be ich erst, wenn ich es mit eige­nen Augen sehe. Wobei es mich erfreu­te, wenn es tat­säch­lich dazu käme, denn in der Ver­gan­gen­heit bot die Show zumin­dest eine inter­es­san­te musi­ka­li­sche Hori­zont­er­wei­te­rung und eine wun­der­ba­re Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit in der ESC-Neben­sai­son.

Wird sie die ers­te ehe­ma­li­ge ESC-Reprä­sen­tan­tin bei der Türk­vi­y­zon? Ene­da Tarifa soll 2018 angeb­lich dabei sein.

Türk­vi­zyon 2018: die Teil­neh­mer­lis­te

Geplan­ter 4. Song Con­test des tür­ki­schen Kul­tur­rau­mes im Okto­ber 2018.
Land / Repu­blikTeil vonInterpret/inSongÜber­set­zung
Alba­ni­enALEna­da Tarifa
AltaiRU
Aser­bai­dschanAZAydan İlchas­zade
Bal­ka­ri­enRUAris Appa­jevUnut­ma meniVer­giss mich nicht
Basch­kor­to­stanRUZilia Bakhtie­va
Bel­gi­enBE
Bos­ni­enBADžen­an Jahić
Bul­ga­ri­enBGBam­ze
Cha­kas­si­enRUOlga Vasil­je­va + Saya­na Kara­ço­wa
Dage­stanRU
Deutsch­landDESey­ran Ismay­ilkha­nov
Gag­au­si­enMDJulia ArnautKemençäLau­te
Geor­gi­enGEMilan Saviç
Grie­chen­landGRAlpe­ren Hacı İbra­him, Nuri­ye Cam­baz, Gönen Mol­la + Toğanç Osman
IrakIQ
IranIR
Kasach­stanKZSerik Gam­za-zade
Kir­gi­si­enKGZaman Group
Koso­voKO (RS)Leo­no­ra Jaku­pi
Lett­landLVOks­a­na Bile­raYakışıyor bize bu sev­giDie­se Lie­be passt zu uns
Maze­do­ni­enMKSüley­man Sai­dov
Mol­da­wi­enMDPoli­na Ste­fo­gloYal­lah yal­lahLos, los!
Nie­der­lan­deNLElcan Rzay­evAna vətənMein Vater­land
Nord­zy­pernCY
Öster­reichATElvi­ra Michie­va
PolenPLOlga Shi­m­ans­ka­yaMasal gibi bu dünyaDie Welt ist eine Erzäh­lung
Rumä­ni­enRUSun­ay Ses
Russ­landRUAida
Sacha (Jaku­ti­en)RU
San­džakRS
Schwe­denSEArg­ha­vanDir­çə­lişWie­der­be­le­bung
Staw­ro­pol (Nogai­er)RUIslam Saty­rovTugan erHei­mat­land
Syri­enSY
Tadschi­ki­stanTJTahmi­na Niya­zo­va
Tatar­stanRUYam­le Group
Tschu­wa­schienRU
Tür­keiTR
Turk­me­ni­stanTM
TuwaRU
Ukrai­neUANata­lia Papa­zoğlu
UngarnHU
Usbe­ki­stanUZ
Weiß­russ­landBYSvet­la­na Agar­valMeni anlaVer­ste­he mich
Xin­jiangCN

Stand: 30.10.2018

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