Videosperre

„Leider ist dieses Video, das Musik von [Plattenfirma] enthält, in Deutschland nicht verfügbar, da die GEMA die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt hat“. Dieser oder ein ähnlicher Text taucht immer öfter auf, wenn man ein Youtube-Video anklickt, leider gelegentlich auch hier. Grund dafür ist ein andauernder Streit zwischen Youtube und der raffgierigen GEMA, die in Deutschland im Auftrag der Rechteinhaber sofort den Klingelbeutel hinhält, sobald Musik irgendwo öffentlich zur Aufführung gelangt und die sich mit Youtube-Inhaber Google nicht über ein Modell für die Lizenzgebühren einigen kann. Leider ist ein Ausweichen auf andere Videoplattformen wie Vimeo oder Dailymotion nicht immer möglich, denn oftmals gibt es das Wunschvideo eben nur auf Youtube oder lassen sich andere Plattformen nicht so gut einbinden.

Dieses Problem existiert übrigens nur in Deutschland, da nur hierzulande ein dergestalt verbraucherunfreundliches, überzogenes Urheberrecht besteht bzw. nur hierzulande eine derart halsstarrige Rechteverwertungsgesellschaft wie die GEMA am Werke ist, die nunmehr beschlossen hat, neben den Youtube-Benutzern auch noch den Diskothekenbesitzern das Leben schwer zu machen und mit irrsinnigen Tariferhöhungen die Clubs in die Pleite zu treiben. Daher ein kleiner, unverbindlicher Tipp am Rande, für alle, die von diesem obskuren aber machtvollen, demokratisch nicht legitimierten Verein ebenso genervt sind wie ich: bei der nächsten Bundestagswahl die Piraten wählen (ist überhaupt im Hinblick auf die George-Orwell-artige Vorratsdatenspeicherung, das Datenabschnorcheln durch diverse Geheimdienste und die immer raumgreifendere Videoüberwachung des öffentlichen Raumes zu empfehlen)!


Sobald der direkte Rechteinhaber sperren lässt, hilft allerdings nur noch Kaufboykott.

Mittlerweile existieren für die gängigen Internetbrowser jedoch eine Reihe von Add-ons zum anonymen Surfen, mit denen man den eigenen Standort virtuell verändern und sich eine anonyme IP-Adresse aus den USA oder anderen Ländern zuweisen lassen kann. Damit macht man es den kommerziellen und staatlichen Datenschnüfflern etwas schwerer und bleibt zudem von der nur in Deutschland geltenden GEMA-Sperre unbehelligt. Zu den bekanntesten und meistgenutzen Programmen zählen Tor (funktioniert mit eigenem Firefox-Browser), CyberGhost und das von mir verwendete ZenMate (für Chrome), das eine Verschlüsselung des gesamten Browserverkehrs verspricht und mit dem man sehr bequem und reibungslos den Standort jederzeit beliebig verändern kann. Kleiner Nachteil: durch das Umleiten auf anonyme Server sinkt gelegentlich die Geschwindigkeit. ZenMate lässt sich aber auch ebenso reibungslos wieder abschalten, ohne dass man die laufende Sitzung neu aufbauen muss.

Wer solche Add-Ons nicht installieren möchte oder kann (beispielsweise beim Surfen vom Arbeitsplatzrechner aus), für den verbleibt die etwas umständlichere Option, eine Anonymisierungswebsite zu nutzen, mit der man sich ebenfalls eine nichtdeutsche IP-Adresse zulegen kann. Hier bietet sich die Seite hidemyass.com an. Wie das im Einzelnen funktioniert, wird im folgenden Video anschaulich erläutert.

Und für diejenigen, denen das zu schnell oder zu genuschelt war, hier noch mal die Schritt-für-Schritt-Anleitung (für Windows-User. Apple-Fanboys werden wohl selbst wissen, wie es geht).

  • Sobald die Sperrmeldung auftaucht, mit der Maus in das Youtube-Fenster gehen und einen (einfachen) Rechtsklick machen.
  • Im Kontextmenü „Video-URL kopieren“ wählen und per (einfachem) Linksklick bestätigen.

    Gesperrtes Youtubevideo mit Infotext und Kontextmenü
    So sieht es auf aufrechtgehn.de aus, wenn ein Video gesperrt ist.
  • In einem neuen Browserfenster die Seite www.hidemyass.com öffnen.
  • Mit der Maus in das Eingabefeld gehen, den dortigen voreingestellten Text (http://google.com) markieren und mit der Tastenkombination Strg und V überschreiben. Alternativ geht natürlich auch einfacher Rechtsklick – im Kontextmenü „Einfügen“auswählen – per einfachem Linksklick bestätigen.

    Eingabefeld auf hidemyass.com
    So sieht das Eingabefeld auf hidemyass.com aus.
  • Jetzt sollte die Internetadresse des Videos im Eingabefeld stehen. Auf den Button „Hide my Ass!“ klicken. Fertig.

Und schon kann man das Video genießen. Natürlich, wie immer, auf eigene Verantwortung: über die juristische Bewertung dieses Verfahrens kann ich nichts Verbindliches sagen. Persönlich kann ich jedoch nicht erkennen, was daran problematisch sein sollte, sich via anonymer IP-Adresse ein – wie im obigen Fall sogar vom Künstler selbst ins Netz gestelltes – Video anzuschauen.

Und hier, zum Üben, das obige Video von Alf Poier.

5 Gedanken zu “Videosperre

  1. Ich soll eine Linksaußenpartei wählen, die keinerlei Antworten auf die existenziellen Fragen hat und wenn, dann von Grünen oder Linken geguttenbergt hat? Nein danke! Da gibt es genug andere Parteien, bei denen ich ein stimmiges Paket bekomme.

    Hidemyass habe ich früher auch benutzt. Ist aber sehr fehleranfällig und insgesamt etwas unschön zu bedienen. Gibt eine einfachere Lösung: Proxtube runterladen. Wenn man danach googelt, findet man es. Gibt es z.B. bei Chip.de (auch für Chrome) oder als Firefox-AddOn.

  2. Die Tipps sind ok und deine Website sehr unterhaltsam. Nur wer sich ernsthaft zu hause nicht auf einen anderen Browser als den InternetExplorer einlassen will, der sollte sich mit Wahlvorschlägen ein wenig zurückhalten. Find ich so.. (Nix für ungut)

  3. Mh. Was die Wahl meines Browers mit meiner politischen Einstellung zu tun haben soll, erschließt sich mir zwar nicht so auf Anhieb. Aber ich gebe ja hier nur meine Meinung kund, der muss sich ja niemand anschließen. Dennoch freut es mich natürlich sehr, dass Du meine Seite unterhaltsam findest, vielen Dank! 🙂

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