Gestern um Mitternacht endete die Bewerbungsfrist für die schweizerische Vorentscheidung. Natürlich kam auf die letzte Minute noch mal ein Schwung von Beiträgen rein: Lustiges, Hoffnungsloses, aber auch Spitzenware! Hier also noch mal eine kleine, handverlese Auswahl an Nachzüglern. Wir beginnen mit den britischen X-Factor-Zwillingen Same Difference, die mit ihrer fabelhaften Bubblegum-Popnummer ‘Music’ hier wohl so etwas wie den letzten verzweifelten Versuch unternehmen, die im Heimatland bereits tote Karriere im Fahrwasser von Jedward noch mal wiederzubeleben. Viel Glück! Es folgt der unvermeidliche deutsche Eurovisionstroll Mave O’Rick, der seit Jahren überall schlimme Beiträge abwirft, wo man ihn nur lässt. ‘My Beat’ ist eine nur auf größeren Mengen Speed goutierbare HiNRG-Tanznummer für Duracell-Discohäschen. Und wo wir schon bei den schädlichen Folgen von zu vielen Drogen sind: als Warnung vor übertriebenem Kiffen dürfte das sinnlose, nüchtern betrachtet unlustige ‘Wind-Lied’ von Uku-BangBang fungieren.
Mave O’Rick, wie immer im Flummimodus
Pittoresk: vier als Romanz antretende südafrikanische Anzugmodels versprechen uns vor einer malerischen schweizerischen Bergwiesenidylle, Rom an nur einem Tage zu erbauen. Glaub ich nicht. Leersingen vielleicht, das würd ich ihnen eher zutrauen! ◊ ‘It’s my Life’ – so ein Titel trägt schon das Versprechen an eine OTT-Musicalnummer in sich. Und genau das liefert Mike Hitz auch ab. Traaaaaagisch! Das ist aber nichts gegen das Mopsgesicht Markus Müller und seine Tochter Anastasia. ‘Face to Face’ ist das Update zu Udo Jürgens ‘Liebe ohne Leiden’ – nur in ultragrottig und fremdschämpeinlich. Mein Beileid an das arme Kind, das nun sicherlich täglich in der Schule gemobbt werden wird. Vorsicht: englischen Muttersprachlern könnte bereits bei den ersten zwei Textzeile das Gehirn explodieren! Das könnte auch beim Anschauen des Videos zu ‘Step by Step’ der, wenn ich das richtig verstanden habe, in Aserbadischan produzierten Russin Evera Djali passieren: visueller Overload! Nach so viel Trash folgt am Ende dann aber noch eine echte Empfehlung: das textlich sehr schön auf das diesjährige Gastgeberland zugeschnittene ‘Fire!’ von Danièl Harb könnte sicherlich noch mal ein etwas rockigeres Arrangement und eine etwas dreckigere Stimmfärbung vertragen. Ist aber ein eurovisionärer Rohdiamant: sofort eingängig, mit einer fabelhaften Hookline und schöner Instrumentierung. Und keine Sekunde langweilend. Aufgemerkt, Dänemark: SO geht Mainstream!
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