They can’t stop the Springbrunnen: 1. Probe Irland

Und damit endlich zum letzten Act des – mittlerweile gestrigen – Probentages: den irischen AHDS-Zwillingen Jedward. Die exakt das Gleiche liefern wie schon im Vorjahr: infantiles Rumgehüpfe, auffällige Einhornfrisuren, gigantische Schulterpolster und schwache stimmliche Leistungen, die vom vierköpfigen Chor gekonnt aufgefangen werden. Der sich an einer Stelle gar rund um den in Bühnenmitte aufgestellten Altar hinkniet, um die Jedgötter anzubeten – steigt den blutjungen Teenieschwärmen der Ruhm mittlerweile doch etwas arg zu Kopf? Nämlicher Altar verwandelt sich später dann, passend zum Songtitel ‘Waterline’, in einen Zimmerspringbrunnen. Was ja vielleicht 1956 ein atemberaubender Showeffekt gewesen wäre, für heutige Verhältnisse aber ziemlich armselig wirkt, auch wenn wir heute “noch nicht alles gesehen” haben sollen, wie es später hieß. Hm, was soll da noch kommen? Säure statt Wasser, so dass Jedward sich auflösen? Singt der Brunnen an ihrer Stelle den Song? Natursektduschen? Ich bin gespannt! Alles in allem ein arg lauer Aufguss ihres Vorjahresauftritts, der nicht zu überzeugen vermag. Ins Finale kommen die Jungs natürlich trotzdem – da werden schon genügend hysterische Dreizehnjährige anrufen. Leider.


This ain’t the big one: Jedward (IE)

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How looks the Trumpet: 1. Probe Moldawien

3 Minuten Spaß nonstop. So lässt sich die Show von Pasha Parfeny kurz zusammenfassen. Was er da mit seinen drei Tänzerinnen (unter gelegentlicher Hinzuziehung der zwei Chorsängerinnen) an campen Choreografien abzieht, von der Choo-Choo-Train-Reise nach Transsylvanien über Hoppe-Hoppe-Reiter – mal sehen, ob es hier nicht zum Aufschrei empörter Feministinnen kommt – bis hin zum schwulen Fäustchenkurbeln, ist ein echter Knaller. Und lenkt so erfolgreich vom allerdings deutlich verständlicher als noch in der Vorentscheidung artikulierten Pidgin-Englisch des wunderbar doppeldeutigen Textes ab, das man sich dem Balkandiscosound und der Lobpreisung seiner Trompete (auf der auch ich natürlich nur zu gerne bliese) wehrlos hingibt! Da zu befürchten steht, dass sich in diesem Spaßbeitrags-Overkill-Semi die Nummern aus Österreich, Irland, Moldawien und Russland gegenseitig die Stimmen wegnehmen, ist es schwer, vorher zu sagen, wer weiterkommt. Ich würde es dem moldawischen Colin Farell aber von Herzen gönnen.


Nix gegen Dreiviertelhosen, aber enger sitzen dürften sie schon. Denn wie sollen wir sonst wissen, wie die Trompete aussieht, Pasha? (MD)

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Voll für’n Arsch: 1. Probe Österreich

Von Ungarn direkt zum Nachbarland Österreich, für welches bekanntlich die Bauerndiscoburschen Trackshittaz antreten – die übrigens in allen Interviews als rundweg sympathische, zur Eigenironie fähige und im Direktvergleich beispielsweise mit Geistesgranaten wie der belgischen Iris sogar richtig reflektiert wirkende Charmebolzen rüberkommen. Sie brachten natürlich ihre Stripclubtanzstangen mit, sowie die dazu gehörenden Stripclubschuppentänzerinnen. Die jedoch tauschten ihre leuchtfarbenbemalten Badeanzüge aus der Vorentscheidung gegen deutlicher auf Burlesque getrimmte Ensembles mit Rüschenverzierung aus, denn den Knalleffekt der Wiener Show (Licht aus, UV-Beleuchtung an: tanzende Körperbemalung) kann in Baku nicht reproduziert werden. Stattdessen arbeiten die Trackshittaz mit den schon von Alex Sparrow und Danny Saucedo bekannten, auf die Kleidung genähten LED-Streifen, die allerdings bei der heutigen Probe noch nicht zum Einsatz kamen. Was die Show etwas müde wirken ließ. Fraglich ist auch, ob der etwas spezielle Humor der Buam über den deutschsprachigen Raum hinaus ankommt. Ich würde es mir und ihnen wünschen!


Geil: sogar mit Schuhplattler (bei 2:21 Min)! Die ‘shittaz (AT)

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Die toten Augen von Budapest: 1. Probe Ungarn

Tja, dumm gelaufen für Compact Disco. Obwohl der Leadsänger der ungarischen Band, Csaba Walkó, bei der heutigen Probe – im Gegensatz zur seinerzeitigen Vorentscheidung – eine überzeugende stimmliche Leistung darbot, wird das den Magyaren nicht viel nützen. Dürften sich die meisten Zuschauer während ihrer drei Minuten doch noch über diese putzigen russischen Omis unterhalten, die direkt vor ihnen kommen… Da hilft es auch nicht, dass besagter Walkó, der namensaffin als erster Teilnehmer den Catwalk nutzte, mit neuem Haarschnitt direkt sexy aussieht (ein bisschen erinnert er an Bushido, der zwar eine hohle Nuß ist, aber auch leider geil) und die schnickschnackfreie Performance von ‘Sound of our Hearts’ zum authentischen “Echte Musik”-Vibe des Songs passt. Und selbst die Achtzigerjahre-Laserprojektionsshow im Hintergrund, in der sich Herzen in Europakarten verwandeln, uncheesy und stimmig wirkt. Denn der Song klingt coldplayhaft steril und berührt nicht. Das wird untergehen.


Der Mann mit den toten Augen: Csaba Walkó (HU)

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Frauen an den Herd: 1. Probe Russland

Es folgt der nächste heiße Anwärter auf die Eurovisionskrone 2012: die russischen Großmütterchen aka Buranovskiye Babushki. Nun lüftet sich auch endlich das Geheimnis, was es mit der komischen riesigen Holzkiste auf sich hat, die bei der Moskauer Vorentscheidung noch so sinnlos im Bühnenhintergrund stand. Es handelt sich nämlich um einen Holzofen, in welchem die sorgenden Ammen leckere Kekse für ihre Enkel, die sie zur ‘Party for Everybody’ erwarten, backen. Natürlich tragen die kreglen Seniorinnen wieder ihre udmurtischen Trachten. Und natürlich präsentiert die knuffigste und kleinste von ihnen, die auch in Baku fast Alle in ihr Herz geschlossen haben, wieder eine tapsige Extra-Tanzeinlage. Als sie es vor zwei Jahren zum ersten mal bei der russischen Vorentscheidung versuchten, gab es wohl Vorbehalte, das Land könne sich mit ihnen als rückständig präsentieren. Dabei ist es gerade das romantisiert ländliche Bild, das beispielsweise auch den Verkaufserfolg von Zeitschriften wie Landlust befeuert, welches die heimlichen Sehnsüchte vieler Zuschauer nach dem einfachen Leben bedient. Und Russland zur Abwechslung mal wieder Sympathien bringen könnte.


Ich hoffe nur, sie backen keine Blinis: BB (RU)

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Käpt’n Iglo sinkt: 1. Probe Dänemark

Die schlechte Nachricht vorneweg: auch in Baku trägt Soluna Samay die aus der dänischen Vorentscheidung bekannte, fremdschämpeinliche Kapitänsuniform mit Seemannsmütze und Epauletten in solch einer Überbreite, wie noch nicht mal Alexis Colby sie in den schlimmsten Achtzigern sich zu tragen getraut hätte. Sie singt, begleitet unter anderem von einer üppig bebusten Cellistin Kontrabassistin, mit der Klampfe in der Hand und mit etwa dem gleichen Stimmunfang gesegnet wie ihre schwedische Vorgängerin Anna Bergendahl, ihr superseichtes ‘Should’ve known better’, während auf dem Bühnenhintergrund ein Potpourri der Osloer Eurovisionsbälle und Moskauer Unterwasser-Sauerstoffblasen läuft. ‘Beg, steal and borrow’, Soluna? Nach wie vor hasse ich es von der ersten bis zur letzten Sekunde, zumal sie mit genau diesem Seich in diesem Jahr den Gesamtsieg davontragen könnte. Im Finale ist sie jetzt schon sicher.


In die Sahara würd ich sie gerne schicken: Soluna (DK)

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Don’t jugdge a Book by it’s Cover: 1. Probe Zypern

Kommen wir zum heutigen Musterbeispiel einer positiven Erwartungs-Ergebnis-Schere. Sowohl in der zypriotischen Vorentscheidung wie auch bei den bisherigen zahlreichen Gastauftritten mimte Ivi Adamou zum Vollplaypack ihres fluffig leichten, aber heftig stimmsynthetisierten Sommerhits ‘La la love’. Allgemein erwarteten die Fans live ein Desaster. Das trat aber heute nicht ein: im Gegensatz zur griechischen Kollegin Eleftheria, der Ivi nun brandgefährlich werden könnte, meisterte sie ihren Gesangspart heute recht ordentlich. Wozu – neben den Backings – wohl auch beitrug, dass sie sich des Tanzens weitestgehend enthielt, was ihre vier Begleiterinnen mit einer sehr geschickten Choreografie hervorragend auffingen. Verwunderlich einzigst, was der gigantische Büchertisch symbolisieren sollte, auf den sie die zierliche Zypriotin hievten: den Niedergang der einstigen europäischen Hochkultur, auf dessen geschundenem Altar die sorglose Jugend, wie zum Hohne fröhlich ‘La La Love’ trällernd, in den Abgrund tanzt?


Den düsteren Bühnenhintergrund aber bitte noch in etwas Fröhliches, Helles ändern! Danke! (CY)

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iTrash: 1. Probe San Marino

Und hier ist er nun, der Beitrag, auf den wir uns doch alle heimlich gefreut haben: Ralph Siegels camptastischer Facebook-Song! Oh, sorry, darf ja nicht mehr so heißen – Schleichwerbung, Sie verstehen. Bitte? Warum dann das Apfellogo auf Frau Monettas Notebook nicht abgeklebt ist, das als Pièce de résistance bühnenmittig auf einen Plexiglasständer drapiert auf seinen Einsatz wartet? Tja, fragen Sie das mal die EBU! Eine siegeltypisch bunt zusammengewürfelte Truppe von fünf Backings begleitet Valentina, die outfittechnisch mit ihrem klassischen Hetenpornopferdeschwanz, Jeans, einem Drei-Euro-T-Shirt und Birkenstocksandalen glänzt. Sie tanzt mit den Backings, darunter eine Cheerleaderin mit Puscheln und eine Gitarristin[1], eine einigermaßen synchrone Choreografie – synchron bis auf den Typen in der weißen Hose, der keinen einzigen Schritt drauf hat. Stimmlich, auch wenn das im Probenvideo anders klingt, scheint sie aber nach übereinstimmenden Berichten aus Baku ihr Metier zu beherrschen. Und Ohrwurmqualität hat die Nummer, das muss man dem Mann, der die anschließende Pressekonferenz natürlich zu einer einzigen Ralph-Siegel-Show machte, lassen. Alles in allem ein klassischer Carcrash: und genau dafür liebe ich ja den Contest!


Auch hübsch: die Matrix-für-Grundschüler-Animation im Hintergrund!

  1. [1] Bitte? Wo in dem Song die Gitarre vorkommt? Fragen Sie das mal Ralph Siegel!
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Wie schnell die Zeit vergeht: 1. Probe Israel

Heute berufsbedingt leider mit deutlicher zeitlicher Verzögerung die Videos vom zweiten Probentag. Los ging’s mit Izabo aus Israel, die für das indiepoppige ‘Time’ den perfekten Bühnenhintergrund präsentierten: eine Collage aus animierten Uhren jeder Art, vom riesigen Wecker bis zu lustig auf- und abspringenden Dalì-Taschenuhren. Dafür verzichtete man glücklicherweise auf die Zirkusleute aus dem Vorschauvideo: die vier Bandmitglieder spielten einfach ihre Instrumente und sangen, verstärkt durch einen männlichen und eine weibliche Backing, die mit hübschem Synchronarmschwingen und einem finalen Kuss für die nötigen Showeffekte sorgten. Das fließt alles wunderbar rund zusammen, wirkt weder kitschig noch langweilig und unterstützt den lässig swingenden Vibe des Songs. Wenn sich die Bildregie mit all zu vielen Close-ups des weniger telegenen Leadsängers zurückhält, sollte das ins Finale kommen!


Guter Start in den Probentag: Izabo liefern (IL)

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Well, would you? 1. Probe Schweiz, Belgien, Finnland

Und zum Schluß des heutigen ersten Probentages noch das Ödnis-Trio im Dreierpack. Es beginnt mit den beiden Pseudorockbrüdern aus dem schweizerischen Tessin, SinPlus, die zwischenzeitlich erstaunlicherweise gelernt haben, nicht mehr “swiem agänst ze Strimm” zu singen. Sondern “swimm against de Strimm”. Ist ja schon mal ein Fortschritt. Einer der Beiden trat bei der Probe in engen Lederjeans an – leider der Falsche, nämlich der Leadsänger. Der verfügt immer noch über so viel Charisma wie ein Aufbackbrötchen, und selbst wenn man hoch repetitiven Rockpop mag: hinter dem rumänischen Sommerhit ist diese dröge Nummer verloren. Zu Recht.


Ein echter Rockschuppen-Auftritt. Wie langweilig! (CH)

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