UK 1960: When the Tide turns

Um Haaresbreite hätte er es nicht ins Vorentscheidungsfinale geschafft, der britische Eurovisionsvertreter von 1960, Bryan Johnson. Wie bereits im Vorjahr fanden auch heuer wieder zwei Semis mit jeweils sechs Titeln statt, von denen die ersten drei weiterkamen. Johnsons Beitrag ‚Looking high, high, high‘ (der im Song enthaltenen Textzeile „I shall die, die, die“ leistete der Sänger 1995 Folge) teilte sich in der zweiten Qualifikationsrunde nach dem regionalen Juryvoting punktgleich den dritten Rang mit dem seherisch benannten Titel ‚When the Tide turns‘ der britischen Vorjahres-Repräsentanten Pearl Carr und Teddy Johnson. Da die BBC nicht auf einen Münzwurf zurückgreifen wollte, durften beide Acts ins Finale weiterziehen, wo der drei Jahre ältere Teddy gegen seinen jüngeren Bruder Bryan den Kürzeren zog. Das Schlagerpärchen hatte zudem im ersten Semi mit dem eigentlich für das Trio Avons geschriebenen Doo-Woop-Song ‚Pickin‘ Petals‘ noch ein weiteres Eisen im Feuer gehabt, das die Zwei übernahmen, nachdem der BBC auffiel, dass die EBU beim Song Contest seinerzeit noch keine Gruppen zuließ. Sowohl Carr & Johnson als auch die Avons nahmen das Stück als Single auf, konnten jedoch keinen kommerziellen Erfolg damit zeitigen. Bryan Johnson, der später sein Auskommen als Theaterschauspieler fand, schaffte es hingegen in die britischen Top 20. Seinen ersten, noch erfolglosen Versuch wagte Ronnie Carroll, der das Königreich 1962 und 1963 vertreten sollte, und der mit dem nur 80 Sekunden dauernden ‚Girl with a Curl‘ sogar sein Semi gegen ‚Looking high, high, high‘ gewann, im Finale jedoch, wo alle Wettbewerbsbeiträge in einer längeren Fassung vorgestellt wurden, deutlich unterlag. Tja, oft liegt die Würze in der Kürze!

Sooo high sah er jetzt nicht aus: Bryan Johnson.

Vorentscheid UK 1960

Eurovision Song Contest, British Final. Samstag, 6. Februar 1960, aus dem TV-Studio der BBC in London. Sieben Teilnehmer/innen. Moderation: Pete Murray.

#Interpret/inTitelPlatz
01Pearl Carr + Teddy JohnsonWhen the Tide turns--
02Ronnie CarrollGirl with a Curl--
03Malcolm VaughanEach Tomorrow3
04David HughesMi Amor2
05Lita RozaUnexpectedly--
06Bryan JohnsonLooking high, high, high1
07Dennis LotisLove me a little--

DK 1960: Oh mein Papa

‚Op og see Land‘ (‚Schau, dass du Land siehst‘), so hieß der schmissige, wenngleich stimmlich etwas harsch geknödelte Marsch, mit dem ein gewisser Otto Hænning im Jahre 1960 den aus sieben Beiträgen bestehenden dänischen Eurovisionsvorentscheid Melodi Grand Prix eröffnete. Moment einmal: Hænning? Doch nicht etwa…? Doch, doch, genau: der im Jahre 2004 verstorbene Vater der internationalen Schlagerlegende Gitte Hænning (→ DE 1973, Vorentscheid DK 1962, 1963) ersang sich hier völlig berechtigte Nil Points von der Jury. Die verteilte ihre Gaben ohnehin nur sehr spärlich, so dass auch der scheinbar unvermeidliche Gustav Winckler (→ DK 1957, sämtliche Vorentscheidungen seither) leer ausging, ebenso wie der Schauspieler und Schlagersänger Otto Brandenburg, der mit seinem Titel ‚To Lys på et Bord‘ (eine Hommage an die erste Eurovisionssiegerin Lys Assia?) dennoch einen Top-5-Hit in der Heimat erzielen konnte. Brandenburg (†2007) veröffentlichte auch in Brandenburg Deutschland, dort unter dem Künstlernamen Ole Brandenburg (klingt gleich viel skandinavischer!), allerdings ohne Erfolg.

Es wird Regen geben: MGP-Siegerin Kathy beim Contest in London.

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DE 1960: Bei der großen Fiesta

Wyn Hoop, DE 1960
Der Langweiler

Nachdem die Direktnominierung der Kessler-Zwillinge 1959 nicht das erhoffte Ergebnis gebrachte hatte, fand in diesem Jahr wieder eine öffentliche Vorentscheidung statt. Für die jüngere Generation wählte die ARD die Schlagerikone Ludwig Hirtreiter alias Sex Dildo Rex Gildo (→ Vorentscheid 1969) aus, zu jener Zeit das offiziell beliebteste Jugendidol der Deutschen und mehrfacher Bravo-Otto-Preisträger. Sexy Rexy legte gemeinsam mit der belgischen Sängerin Angèle Durand (→ Vorentscheid 1956) das ‚Abitur der Liebe‘ ab. Vor Zuschauern, und das noch vor 22 Uhr! Sodom und Gomorrha mal wieder im deutschen Fernsehen! Für die ältere Generation ging erneut Gerhard Wendland (→ Vorentscheid 1956, 1964) an den Start, der auf den dritten Rang kam. Generationenübergreifend geschätzt wurde hingegen Heidi Brühl. Die durch ihre Hauptrolle in der harmlos-heiteren Immenhof-Trilogie zur beliebtesten Filmschauspielerin Deutschlands Avancierte versuchte hier, ungeachtet ihres nur mäßigen stimmlichen Talents, ihre immense Popularität durch Plattenverkäufe zu versilbern.

Sagt die Nonne zu ihren Schenkeln: wir wollen niemals auseinandergehn!

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SE 1960: Zweimal Unrecht macht kein Recht

Experimentierunfreudigkeit kann man den Schweden in Sachen Eurovision nun wahrlich nicht vorwerfen. Wie bereits 1959 fanden vor dem eigentlichen Melodifestivalen wiederum acht Radio-Vorrunden statt, aus denen sich mit Hilfe des Publikums eigentlich je ein Titel fürs Finale qualifizieren sollte. Mitten im laufenden Verfahren entschied der Sender STV jedoch, dem Beispiel Italiens folgend, alle Finalbeiträge in zwei unterschiedlich orchestrierten Versionen von jeweils anderen Interpret/innen singen zu lassen. Da man aber die Sendezeit nicht verdoppeln wollte, reduzierte eine flugs einberufene Jury die Anzahl der Lieder auf vier, wodurch beispielsweise ‚En kyss‘ von Lill-Babs (→ SE 1961) auf der Strecke blieb. Das Finale, das per Nordvision auch in den skandinavischen Nachbarländern Dänemark und Norwegen ausgestrahlt wurde, dominierten dann schwerpunktmäßig optimistisch swingende Nummern, was insbesondere beim siegreichen Titel ‚Alla andra får varann‘ (‚Alle anderen haben einander‘) einen besonders reizvollen Kontrast zum traurigen Thema des Liedes bildete, der Klage eines alleine sein Dasein fristenden Mauerblümchens nämlich, das unter dem Anblick von frisch verliebten Pärchen ringsumher besonders stark leidet. Der mehrfache Melodifestivalen-Teilnehmer Östen Warnerbring (→ SE 1967) löste diese Text-Musik-Schere mit einer hörbar zurückgenommenen, angemessen melancholischen Interpretation deutlich eleganter als seine Konkurrentin Inger Berggren (→ SE 1962).

Im Östen nichts Neues: Warnerbring mit der Gewinnerperformance.

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IT 1960: Love is the Drug

Ich weiß nicht genau, welche Drogen beim San Remo Festival von 1960 backstage so im Umlauf waren. Beziehungsweise beim Dreh des Schlagerfilms San Remo – die große Herausforderung, aus dem die im Netz verfügbaren Youtubeclips mit den Auftritten der Teilnehmer/innen stammen und von dem mir nicht hundertprozentig klar ist, ob er digital (dann allerdings sehr gut) aufgearbeitetes Originalmaterial verwendet oder mit den echten Interpreten nachgestellte Szenen. So oder so – die Drogen müssen gut gewesen sein! Denn zwar neigt der Italiener bekanntermaßen generell zur großen Geste, aber das, was insbesondere die männlichen Kombattanten des zehnten Jahrgangs des Liederwettstreits vollführten, das schlägt selbst der abgebrühtesten Drag Queen die Tiara vom Kopf. Zum Beispiel in Form des San-Remo-Newcomers Joe Sentieri (weitere Teilnahmen 1961, 1962, 1963, †2007), der 1961 der Welt eines der schönsten Lieder aller Zeiten schenkte, nämlich das fantastische ‚Uno di Tanti‘, ungefähr tausend Mal gecovert als ‚I (who have nothing)‘ und in der Version der großen Shirley Bassey mein absolutes, unübertreffliches Lieblings-Pop-Drama. Hier hangelte er sich mit den mediterranen Popschlagern ‚Quando vien la Sera‘ und ‚Mezzanotte‘ vom Abend bis zur Mitternacht durch und belegte damit die Ränge 3 und 5 im Wettbewerb sowie die Plätze 2 und 8 in den erstmalig in diesem Jahr ermittelten Single-Charts. Sentieri stand mit fest zusammengekniffenen Äuglein und hochgradig verklärtem Gesichtsausdruck auf der Bühne, so als habe er gerade eben sehr gutes Ecstasy eingeworfen. Dementsprechend energiegeladen fielen auch seine Auftritte aus.

Wo ist der Abend nur hin? Tja, wie die Zeit verfliegt, wenn man Spaß hat!

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BE 1960: Und immer lockt der Fud

Wie immer in den geraden Jahren, wenn die Wallonen an der Reihe sind, den belgischen Eurovisionsbeitrag zu bestimmen, fallen die im Internet auffindbaren Informationen eher spärlich aus. So auch 1960. Hier die bekannten Fakten: es fand eine Vorentscheidung mit fünf Teilnehmer/innen statt, darunter die heimische Sängerin Solange Berry, deren bekanntester (um nicht zu sagen: einzig bekannter) Titel das Lied ‚Dis-moi quelque chose de gentil‘ ist, das sie zum Soundtrack des 1956er Skandalstreifens Und immer lockt das Weib mit Brigitte Bardot beisteuerte, und die 1958 mit dem luxemburgischen Grand-Prix-Beitrag ‚Un grand Amour‘ die Rote Laterne erntete. Am Start fand sich auch die berühmte Mary, also The Mary – oh, Moment, wie ich sehe, hieß die Dame Mary The. Sorry für das superschlechte Wortspiel, aber irgendwie muss ich ja Zeilen schinden… Vermutlich entschied eine Jury – Genaueres weiß man aber nicht. Wie immer in den geraden Jahren zwischen 1956 und 1962 siegte am Ende der in Frankreich geborene Belgier Ferdinand Urbain Dominic oder kurz Fud Leclerc, der sich somit den Rekord der meisten Eurovisionsteilnahmen mit dem schweizerischen Trio Peter, Sue & Marc (→ CH 1971, 1976, 1979, 1981) und der Siegelschen Facebook-Maid Valentina Monetta (→ SM 2012, 2013, 2014, 2017) teilt, und der wie immer mit einer langweiligen Liebesschnulze antrat. Wie Wikipedia weiß, machte er nach dem Ende seiner Grand-Prix-Karriere und einer Zeit als Weltreisender noch etwas gesellschaftlich Nutzbringendes, er wurde nämlich Bauunternehmer. Fud starb 2010.

Will ich nicht geschenkt: Fuds Liebe.

Vorentscheid BE 1960

Finale belge pour le Grand Prix Eurovision. Sonntag, 24. Januar 1960. Fünf Teilnehmer/innen.

#InterpretTitelPlatz
01Mary TheA plein Coeur--
02Lily VincentIl y a bien longtemps--
03Fud LeclercMon Amour por toi01
04Solange BerryOn m'attend--
05Ferry DevosVieux Carnet--

ESC 1959: Mancher jodelt noch im Schlaf

Logo des Eurovision Song Contest 1959
1959: Das Jahr der Revuen

Nein, eine Vorentscheidung hätten sie nicht mitgemacht, die zu diesem Zeitpunkt bereits international umjubelten Synchrontänzerinnen und -ausseherinnen Alice und Ellen Kessler, also gab es 1959 keine: der Hessische Rundfunk bestimmte sie direkt zu unseren Vertreterinnen in Cannes. Deutschlands bekannteste eineiige Zwillinge, die in einem NDR-Interview später die Schutzbehauptung aufstellten, zu diesem Auftritt vertraglich gezwungen worden zu sein, stellten aber noch weitere Bedingungen: ‚Heute möcht‘ ich bummeln‘, wie das Lied zunächst heißen sollte, erschien ihnen als Titel zu brav, die naheliegende Abwandlung ‚Heute möcht’ ich fummeln‘ hingegen vielleicht doch etwas zu direkt, also frisierte ihre Textdichterin Astrid Voltmann den Song in ‚Heut‘ Abend möcht‘ ich tanzen gehn‘ um. Trotz all der Änderungen empfanden die Beiden die Nummer aber als „nicht gut“. Da muss ich doch entschieden widersprechen!

Da wackeln die Wände: die Kesslers rocken das Haus! (DE)

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CH 1959: Die Lys ist weg!

Seit Anbeginn der Grand-Prix-Zeitrechnung (sprich: 1956 und 1957, für 1958 liegen leider keine Informationen über das helvetische Auswahlverfahren vor) teilten sich beim schweizerischen Vorentscheid stets drei Künstler/innen die Bühne, jeweils entsandt aus den drei verschiedenen Sprachregionen der Eidgenossenschaft. 1959 hingegen fand sich nicht ein einziges italienischsprachiges Canzone im Aufgebot, aus irgendeinem Grunde fehlte das Tessin. Und auch die ansonsten für die Deutschschweiz verlässlich parat stehende und stets siegreiche Lys Assia (→ CH 195619571958) blieb dem Bewerb unerklärlicherweise fern. Es musste etwas Ungeheuerliches geschehen sein. Stand die helvetische Konföderation vor einer inneren Zerreißprobe? Nichts Genaues weiß man nicht, angeblich sollen jedoch drei regionale Jurys abgestimmt haben. Jedenfalls füllte man den freien Tessin-Slot mit einer zweiten Vertreterin für die französischsprachige Romandie auf: neben dem bereits seit 1956 durchgängig an allen schweizerischen Vorentscheidungen teilnehmenden und dabei stets erfolglosen Jo Roland trällerte auch die in Paris als Marie-Thérèse Altare geborene Chansonnière Mathé Altéry (→ FR 1956) zwei Liedlein. Roland hingegen sang neben seinen Solotiteln (darunter das auf einen problematischen Schnapskonsum schließen lassende ‚Ein kleines Schiff in einer alten Branntweinflasche‘) auch zwei Duette mit der Siegerin dieses Bewerbs, der deutschen Schlagersängerin Christa Williams. Mit dem entsetzlich süßlichen, mit nervtötend hoher Stimme gejaulten und in Schmalzgeigen förmlich ersaufenden ‚Irgendwoher‘ erreichte die gebürtige Ostpreußin in Cannes einen erstaunlichen vierten Rang. Kommerziell floppte die Nummer komplett, dafür landete die jazzbegeisterte Christa, die einst Ella Fitzgerald als Vorbild nannte, mit ausgesprochen flachen Schlagerduetten (‚My Happiness‘, ‚Pilou-Pilou‘) bis 1961 noch ein paar kleinere Hits in Deutschland. Später betrieb sie mit ihrem Mann zusammen in München eine Musikschule, wie Wikipedia weiß. Williams verstarb 2012.

Immerhin rollt sie das „R“ wunderbar preußisch-hart: Christa Williams.

Vorentscheid CH 1959

Sonntag, 22. Februar 1959, aus Lausanne. Drei Teilnehmer/innen

#Interpret/inTitelErgebnis
01Jo RolandEin kleines Schiff in einer alten Branntweinflasche--
02Mathé AltéryMarie toi, Marie, Marie toi--
03Christa WilliamsIrgendwoher01
04Jo RolandAdieu Madeleine--
05Christa Williams + Jo RolandDie Spieldose--
06Mathé AltéryFallait pas faire ça--
07Christa WilliamsMit Küssen fängt die Liebe an--
08Jo RolandSire, le Roi--
09Christa William + Jo RolandMein kleines Lied--

NL 1959: Ein bisschen siegen

In den Niederlanden nahm man nach dem letzten Platz beim Eurovision Song Contest 1958 einige Veränderungen am Nationaal Songfestival vor: dem Vorbild Italiens folgend, präsentierte man die acht Wettbewerbsbeiträge in jeweils zwei unterschiedlichen Versionen, davon eine mit großem Orchester und eine in einer etwas zurückgenommeneren Variante. Die bisherige Postkartenabstimmung ersetzte der Sender durch eine frühe Art des Televotings: in zwölf Gemeinden der Tulpennation stimmten jeweils zehn Zuschauer/innen telefonisch ab, deren Ergebnisse man als regionale Jury zusammenfasste. Bei den Künstler/innen hingegen griff man auf Bewährtes zurück: von Greetje Kauffeld (→ NL 1961) über Bruce Low (→ Vorentscheid 1958) bis hin zur dreimaligen holländischen Repräsentantin Corry Brokken (→ NL 1956, 1957, 1958) fanden sich lauter Wiederkehrer/innen im Bewerb. Frau Brokken, der Eurovisionssiegerin von 1957, nahm das Publikum offenbar jedoch die schlechte Grand-Prix-Platzierung vom Vorjahr übel: sie kam über einen dritten Rang nicht hinaus. Die beiden ersten Plätze belegte die bereits seit den Vierzigern als Sängerin tätige, aber heuer erstmals beim Nationaal Songfestival in Erscheinung getretene Teddy Scholten (†2010). Dabei erzielte sie für das harmlos-heitere ‚N beetje‘ (gemeint war damit keine schmale Anbaufläche für Gemüse oder Blumen im heimischen Garten) nicht nur ‚ein bisschen‘ mehr Stimmen als für das thematisch deprimierende, wenngleich musikalisch fröhliche ‚De Regen‘, sondern gleich anderthalb mal so viele. Die geringfügig peppigere Variante des Gewinner-Liedchens trug John de Mol (→ Vorentscheid 1958) vor, eine sendereigene Jury entschied sich jedoch, Teddy mit der bräsigeren Breitwandvariante nach Cannes zu schicken. Und bewies mit dieser Entscheidung ein gutes Händchen: Frau Scholten siegte auch beim Hauptwettbewerb. Von ihrem Titel spielte sie daraufhin unter anderem eine sehr fluide deutsche Version ein (‚Sei ehrlich‘) sowie eine italienische (‚Un poco‘), die tatsächlich chartete (Rang #17 IT).

Wenigstens ist nicht vom Rotzgör, dem „Rozengeur“, die Rede wie in der holländischen Originalfassung: Teddy Scholten mit der deutschen Fassung ihres Grand-Prix-Siegerliedes.

Vorentscheid NL 1959

Nationaal Songfestival. Dienstag, 17. Februar 1959, aus dem AVRO-Studio in Hilversum. Sieben Teilnehmer/innen. Moderation: Karin Kraaykamp.

#Interpret/inInterpret/inTitelPunktePlatz
01Corry Brokken + Bruce LowGreetje Kauffeld + John de MolMijn Hart en ik1103
02Greetje KauffeldDick DoornAls ik denk aan Geluk0387
03Tonny van HulstCorry BrokkenKleine zilv'ren Ster0358
04John de MolGreetje KauffeldOp het Plein0485
05Corry BrokkenBruce LowIedere Dag met jou0436
06Dick DoornTeddy ScholtenDe Regen1482
07Bruce LowTonny van HulstAngelina0534
08Teddy ScholtenJohn de MolEen beetje2351

BE 1959: Piep piep piep, bitte hab mich lieb

Es ist oft ein ziemliches Stochern im historischen Nebel der Fünfzigerjahre: während sämtliche Details über die wallonische Vorentscheidung des Vorjahres bis heute im Dunkeln liegen (außer dem Umstand, dass eine stattfand und Fud Leclerc [→ BE 1956, 1958, 1960, 1962] diese gewann), ist über die flämische Vorauswahl des Jahres 1959 immerhin so viel bekannt, dass es zwei im Wochenabstand abgehaltene Vorrunden mit jeweils neun (vollständig verschollenen) Titeln gab, aus denen nur die beiden Siegersongs ins Finale gelangten. Bei dem einen handelte es sich um die ‚Levenssymphonie‘ der ansonsten nicht weiter groß in Erscheinung getretenen „flämischen Doris Day“, Josephine Leemans-Verbustel (oder kürzer Jo Leemans), die im Jahre 1956 mit einer niederländischen Coverversion von ‚Que sera, sera‘ einen Top-Hit im Lande erzielen konnte. Sie unterlag im Wertungsverfahren (wie immer das auch ausgesehen haben mag) dem Musicalsänger Emilius Wagemans alias Bob Benny mit seinem superschmalzigen, aufgesetzt wirkenden Liebesflehen ‚Hou toch von mij‘ (‚Liebe mich doch‘). Der 2011 in einem belgischen Pflegeheim verstorbene Benny, der sich zehn Jahre zuvor im Alter von 74 Jahren noch als schwul geoutet hatte, erreichte in Cannes den sechsten Platz im internationalen Wettbewerb. 1961, als der Grand Prix erneut in dem noblen südfranzösischen Küstenstädtchen gastierte und, wie es der Zufall wollte, die Zuständigkeit für die Auswahl des belgischen Vertreters wieder beim flämischen Sender lag, kehrte er dorthin zurück, machte allerdings den letzten Platz.

Ein bisschen theatralisch trägt er sein Lied ja schon vor: Bob Benny

Vorentscheid BE 1959

Wedstrijd voor het beste Lied. Sonntag, 15. Februar 1959, aus dem INR-Studio in Brüssel. Zwei Teilnehmer.

#InterpretTitelPlatz
01Jo LeemansLevenssymphonie02
02Bob BennyHou touch van mij01