IT 1963: A Cock in a Frock on a Rock

Ita­li­ens berühm­tes­ter TV-Mode­ra­tor, der Game­show-Gast­ge­ber Mike Bon­gior­no (nein, kein Künst­ler­na­me, der hieß wirk­lich so!), über­nahm 1963 für eine kom­plet­te Deka­de die Auf­ga­be des Con­fe­ren­ciers des glanz­vol­len San-Remo-Fes­ti­vals. Lus­ti­ger Wiki­pe­dia-Fakt am Ran­de: der Autor Umber­to Eco sah in Signor Guten­mor­gen, der schon 1954 beim Sen­de­start der RAI mit an Bord war und bis zu sei­nem Tode im Jah­re 2009 im TV auf­trat, das “Abbild der Beschränk­heit” der Zuschauer/innen, der sei­nen Erfolg allei­ne der Tat­sa­che ver­dan­ke, “dass aus jeder Hand­lung und jedem Wort eine abso­lu­te Mit­tel­mä­ßig­keit spricht”. War­um nur muss ich spon­tan an Jörg Pila­wa den­ken und an Mar­kus Lanz? Bon­gior­no jeden­falls, des­sen Lei­che andert­halb Jah­re nach sei­ner Bei­set­zung aus dem Grab geraubt (!), aber spä­ter wie­der­ge­fun­den wur­de, soll sich 1963 wenig erfreut dar­über gezeigt haben, dass die RAI erneut ledig­lich den Final­abend des mehr­tä­gi­gen San-Remo-Fes­ti­vals über­trug und ihm nur wenig Raum für sein Geplap­per ließ. Dass er hier so aus­führ­lich Erwäh­nung fin­det, weist bereits dar­auf hin, dass die Lied­bei­trä­ge die­ses Jahr­gangs wenig Anlass zu umfang­rei­cher Bericht­erstat­tung lie­fer­ten. Ledig­lich die Hälf­te der zehn in einem Anfall von Rück­wärts­ge­wandt­heit nicht mehr wie in den Jah­ren zuvor vom Publi­kum, son­dern wie­der von Jurys aus­ge­wähl­ten Final­ti­tel konn­ten in den Charts reüs­sie­ren – aus heu­ti­ger Sicht eine Traum­quo­te, für dama­li­ge ita­lie­ni­sche Ver­hält­nis­se ein ver­hält­nis­mä­ßig mage­res Ergeb­nis.

Die Sech­zi­ger­jah­re-Vari­an­te des Twerking, damals kul­tu­rell sehr viel umstrit­te­ner: Pino tanzt den Twist.

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CH 1963: Water­loo und Robin­son

Zwei Unver­dros­se­ne, ein Unbe­kann­ter und ein wer­den­der Welt­star – das Line-up der hel­ve­ti­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung von 1963 könn­te nicht gro­tes­ker aus­fal­len. So bewar­ben sich – erneut erfolg­los – die bei­den Dauerteilnehmer/innen Jo Roland und Ani­ta Tra­ver­si (→ CH 1960, 1964), Letz­te­re gar mit gleich drei Bei­trä­gen. Doch nicht ein­mal das angeb­lich ‘Schöns­te Lied der Welt’ nutz­te ihr hier etwas. Denn neben einer Figur mit dem anonymstmög­li­chen Künst­ler­na­men Wil­ly Schmid, der mit ‘Ein­mal in Mexi­co’ den Ver­an­stal­tungs­ort des dies­jäh­ri­gen Con­tests um meh­re­re Kon­ti­nen­te ver­fehl­te, war es dem Schwei­zer Fern­se­hen gelun­gen, eine jun­ge, viel­sei­tig begab­te Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin israe­li­scher Her­kunft auf­zu­bie­ten, für wel­che sich hier die Türen zu einer inter­na­tio­na­len Chan­son­kar­rie­re weit öff­nen soll­ten. Esther Ofa­rim, die in den bei­den Vor­jah­ren bei Gesangs­wett­be­wer­ben in ihrer Hei­mat und in Polen jeweils Gold geholt hat­te, ver­moch­te mit der zart-melan­cho­li­schen, exzel­lent inter­pre­tier­ten Bal­la­de ‘T’en vas pas’ (aus der Feder des auch für den Sie­ger­ti­tel von 1956, ‘Refrain’, ver­ant­wort­li­chen Kom­po­nis­ten­ge­spanns) die 27 Juro­ren zu über­zeu­gen und gewann den eid­ge­nös­si­schen Vor­ent­scheid.

Noch einen Zen­ti­me­ter näher ran und es gibt einen Fett­fle­cken auf der Lin­se: die äthe­ri­sche Esther Ofa­rim beim Flirt mit der Kame­ra.

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NL 1963: Die Spiel­do­se steht still, wenn Dein star­ker Arm es will

Null Punk­te beim Euro­vi­si­on Song Con­test von 1962 für die per Vor­ent­scheid aus­ge­wähl­ten Speelbrekers: das nie­der­län­di­sche Fern­se­hen reagier­te prompt und ver­leg­te sich für 1963 auf eine intern aus­ge­such­te Inter­pre­tin und eine jury­ge­stütz­te Song­aus­wahl. Annie Pal­men begann ihre Kar­rie­re einst als Sän­ge­rin ver­schie­de­ner Tanz­or­ches­ter, die vom Süd­see­schla­ger bis zum Coun­try alle mög­li­chen Sti­le abdeck­ten. 1948 gewann sie einen Talent­wett­be­werb eines hol­län­di­schen Radio­sen­ders, kam dort öfters zum Ein­satz und konn­te in der Fol­ge ers­te Hits erzie­len. 1960 trat sie beim nie­der­län­di­schen Vor­ent­scheid an und sang dort das Sie­ger­lied ‘Wat een Geluk’, wel­ches die Jury aber lie­ber in die Hän­de des zwei­ten Inter­pre­ten Rudi Car­rell (ja, genau der!) leg­te. Dies­mal buch­te der Sen­der NTS sie zur Ent­schä­di­gung fix als Reprä­sen­tan­tin und such­te ihr drei Lie­der aus, die sie eigent­lich in einem bereits für den 23. Janu­ar 1963 im Tivo­li zu Utrecht ter­mi­nier­ten TV-Vor­ent­scheid zu Gehör brin­gen soll­te. Doch dann tra­ten jus­ta­ment zum Natio­naal Song­fes­ti­val die Mit­glie­der des NTS-Rund­funk­or­ches­ters in den Streik, um höhe­re Gehalts­for­de­run­gen durch­zu­set­zen (oder gaben etwa doch geschmack­li­che Grün­de den Aus­schlag für die Arbeits­ver­wei­ge­rung?). Und so fand not­ge­drun­gen auch die Aus­wahl des Bei­trags unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit durch eine sen­der­in­ter­ne Jury statt. ‘Geen ander’ hieß die dort bestimm­te, extrem bedäch­ti­ge Bal­la­de ursprüng­lich, deren Titel man dann aber noch in ‘Een Speel­doos’ ver­schlimm­bes­ser­te. Am 8. Febru­ar 1963 stell­te Annie Pal­men das Lied schließ­lich den mit atem­lo­ser Span­nung war­ten­den TV-Zuschau­er/in­nen vor, und zwar – man kann es sich nicht schö­ner aus­den­ken! – in der Rudi-Car­rell-Show. Da das Orches­ter sich noch immer im Aus­stand befand, muss­te sie hier aller­dings zum Voll­play­back mimen. Auch nach Lon­don zum Euro­vi­si­on Song Con­test reis­te sie dank der Macht der Gewerk­schaf­ten (lebens­äl­te­ren SPD-Wäh­lern unter mei­nen Leser/innen stei­gen jetzt ver­mut­lich nost­al­gi­sche Trä­nen in die Augen!) ohne den damals übli­chen eige­nen Diri­gen­ten an. Liegt hier eine der Ursa­chen für die sich hart­nä­ckig hal­ten­den Gerüch­te, es wäre nicht alles live gewe­sen beim ESC 1963? Wie auch immer sich die Din­ge zutru­gen, eines ist sicher: das neue Ver­fah­ren zahl­te sich für die Nie­der­lan­de nicht aus. Auch Annie Pal­men (†2000) kehr­te mit → Nul Points vom Grand Prix nach Hau­se zurück, und das mit Recht!

Annie Pal­men beim Besuch in der Echo­kam­mer.

Vor­ent­scheid NL 1963

Rudi-Car­rell-Show. Frei­tag, 8. Febru­ar 1963. Eine Teil­neh­me­rin (Lied­vor­stel­lung im Rah­men der Show nach vor­he­ri­ger Jur­y­aus­wahl).
#Interpret/inTitelPlatz
01Annie Pal­menKijk, daar is de Zon-
02Annie Pal­menGeen ander1
03Annie Pal­menHoor je mij-

BE 1963: Stell Dir vor, Sizi­li­en 1936…

Was ist das nur mit den Bel­gi­ern und ihren ita­lio­phi­len Con­nec­tions? Das Gast­ar­bei­ter­kind Roc­co Gra­na­ta (→ Vor­ent­scheid IT 1961) schaff­te sei­nen euro­pa­wei­ten Durch­bruch mit dem selbst geschrie­be­nen Mil­lio­nen­sel­ler ‘Mari­na’ von sei­ner dama­li­gen Hei­mat Bel­gi­en aus; die bis zum heu­ti­gen Tage ein­zi­ge Grand-Prix-Sie­ge­rin des Pom­mes-Fri­tes-Staat, San­dra Kim (→ BE 1986), ver­fügt eben­falls über Vor­fah­ren aus dem Piz­za-und-Pas­ta-Land; und der letzt­plat­zier­te Titel der Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung von 1963, bizar­r­er­wei­se ver­an­stal­tet unter dem Titel Can­zo­nis­si­ma (den eigent­lich die RAI für eine in ihrem Pro­gramm jahr­zehn­te­lang lau­fen­de, sehr belieb­te Revue­show ver­wen­de­te), hieß ‘Con Amo­re’, gesun­gen von einer Dame namens Lie­ve Olga (klingt nach einer ukrai­ni­schen Puff­mut­ter), die mit ihrer sen­sa­tio­nel­len Hoch­fri­sur nicht nur Mar­ge Simp­son Kon­kur­renz mach­te, son­dern auch dem Turm von Pisa.

Hat nicht nur eine Vogel­nest­fri­sur, son­dern auch einen eige­nen Vogel: die lie­be Olga.

wei­ter­le­senBE 1963: Stell Dir vor, Sizi­li­en 1936…

YU 1963: Hüpf auf mein Schiff, Baby

Zeigt sich die Daten­la­ge bezüg­lich der Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen im sei­ner­zeit noch ver­ein­ten Jugo­sla­wi­en der Sech­zi­ger­jah­re gene­rell als ziem­lich bruch­stück­haft, so klafft im Jah­re 1963 ein kra­ter­gro­ßes schwar­zes Loch. Es gilt zwar als gesi­chert, dass eine sol­che statt­fand und dass die ins­ge­samt acht Regio­nen des Viel­völ­ker­staa­tes hier­für jeweils einen musi­ka­li­schen Reprä­sen­tan­ten und einen Juro­ren nach Bel­grad ent­sand­ten. Das genaue Aus­tra­gungs­da­tum der Jugo­vi­zi­ja 1963 und ihre Lie­der sind aller­dings im Nebel der Geschich­te ver­sun­ken. Die bos­ni­sche Aus­ga­be der Wiki­pe­dia benennt Ljil­ja­na Petro­vić (→ YU 1961), Maj­da SepeSaba­hu­din Kurt (→ YU 1964), Đorđe Mar­ja­no­vić und Ani­ca Zubo­vić als Teilnehmer/innen die­ses Jahr­gangs. Zwei­fels­frei über­lie­fert ist jedoch allei­ne der Sie­ger­ti­tel von Vice Vukov (→ YU 1965). Der schmach­te­te in sei­ner Bal­la­de ‘Bro­do­vi’ mit sicht­ba­rem Kloß im Hals die Schif­fe an, wel­che für das Küs­ten­land Kroa­ti­en, aus dem er stamm­te, von beson­de­rer Bedeu­tung sei­en. Im Hin­blick auf die sub­ti­le sexu­el­le Kon­no­ta­ti­on des The­mas (vgl. “Das Schiff sticht in See heu­te Nacht”, DK 1957 oder “Mein Schiff ist aus Hoff­nung gemacht, es sucht Dei­nen Hafen”, TR 2012) lässt sich sei­ne lei­den­schaft­li­che Lie­bes­er­klä­rung an die phal­li­schen See­be­pflü­ger aber natür­lich auch ero­tisch deu­ten, wenn man will. Vukov jeden­falls, der sich stets für die Unab­hän­gig­keit sei­ner Repu­blik ein­setz­te und daher zu Zei­ten des Tito-Regimes poli­tisch in Ungna­de fiel, floh 1972 zeit­wei­lig ins Exil nach Paris und unter­lag dar­auf­hin bis zur Abspal­tung sei­nes Lan­des zu Hau­se einem Auf­tritts­ver­bot. 2003 konn­te er sich als Ver­tre­ter der Sozi­al­de­mo­kra­ten einen Sitz im Par­la­ment sichern, wo er sich 2005 bei einem Trep­pen­sturz so schwe­re Kopf­ver­let­zun­gen zuzog, dass er sich nicht mehr davon erhol­te und schließ­lich 2008 nach lang­jäh­ri­gem Koma ver­starb.

Die liebs­ten Spiel­zeu­ge der böses­ten Jungs” sei­en die Schif­fe, so Vice. Was Du nicht sagst!

ESC 1962: Ring a tipi tii ding

Logo des Eurovision Song Contest 1962
Das Jahr des Schlag­zeugs

Luxem­burg gilt im All­ge­mei­nen als finan­zi­ell wohl­si­tu­ier­te euro­päi­sche Steu­er­flucht­oase. Um so merk­wür­di­ger mute­ten die anhal­ten­den Strom­schwan­kun­gen und mehr­fa­chen Licht­aus­fäl­le im RTL-Audi­to­ri­um wäh­rend der Grand-Prix-Über­tra­gung von 1962 an, die den Zuschauer/innen infra­struk­tu­rell eher den Ein­druck eines Drit­te-Welt-Lan­des (oder der heu­ti­gen USA) ver­mit­tel­ten. Wohl auch, um Kos­ten zu spa­ren, gestal­te­te der Sen­der des Groß­her­zog­tums den Ablauf der Show ziem­lich zügig, die Lie­der folg­ten fast naht­los auf­ein­an­der. Das Anzie­hen des Tem­pos über­trug sich in wohl­tu­en­der Wei­se eben­falls auf das sen­der­sei­tig gestell­te, erstaun­lich druck­voll und prä­zi­se auf­spie­len­de Orches­ter. Fast konn­te man den Ein­druck gewin­nen, Rhyth­mus­in­stru­men­te wie das Schlag­zeug sei­en in die­sem Jahr erst erfun­den wor­den. Jeden­falls kamen sie erst­mals bei einer Viel­zahl der Wett­be­werbs­bei­trä­ge deut­lich hör­bar zum Ein­satz – und das tat dem Musik­me­nü sehr, sehr gut.

Auf­ge­trie­delt: Mari­on Rung (FI).

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NL 1962: Kat­in­ka lacht und fällt bei Nacht in die Gracht

Gesell­schaft­li­che Fort­schritt­lich­keit, wie wir sie typi­scher­wei­se mit den Nie­der­lan­den ver­bin­den, setzt immer auch eine gewis­se Expe­ri­men­tier­freu­dig­keit vor­aus. Und die kann man den Hol­län­dern nun wirk­lich nicht abspre­chen, auch nicht beim Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid. Nach­dem das bis dahin übli­che Natio­naal Song­fes­ti­val 1960 mit Rudi Car­rells ‘Wat een Geluck’ dem Land einen vor­letz­ten Platz beim euro­päi­schen Wett­sin­gen beschert hat­te, ver­such­te man es 1961 mit einer Direkt­no­mi­nie­rung. Die Jazz-Chan­teu­se Greet­je Kauf­feld moch­te ihren (beim ESC zehnt­plat­zier­ten) Bei­trag ‘Wat een Tag’ aller­dings berech­tig­ter­wei­se selbst so wenig lei­den, dass sie ihn nicht auf Plat­te auf­nahm. So kehr­te man 1962 wie­der zu einer offe­nen, wenn­gleich deut­lich ent­schlack­ten Vor­ent­schei­dung zurück. Anders als in den meis­ten Mit­be­wer­ber­län­dern, wo man nach ita­lie­ni­schem Vor­bild alle Lie­der in zwei Ver­sio­nen von unter­schied­li­chen Künstler/innen vor­tra­gen ließ, galt in den Nie­der­lan­den in die­sem Jahr: ein Mann (eine Frau), ein Lied. Den Auf­takt mach­te die Stim­mungs­sän­ge­rin Hen­dri­ka Sturm (†1998) ali­as Rita Cori­ta, die 1958 im Lan­de einen Hit mit dem iko­ni­schen Schun­kel­schla­ger ‘Kof­fie, Kof­fie, lek­ker bak­kie Kof­fie’ hat­te, und lie­fer­te mit dem schmis­si­gen, selbst­er­klä­ren­den ‘Car­na­val’ sogleich den unüber­treff­li­chen Kultauf­tritt des Abends ab. Die fül­li­ge Sän­ge­rin über­zeug­te mit enga­gier­tem Kör­per­ein­satz, fan­tas­ti­scher Hand­ar­beit und einer her­aus­ra­gen­den Mimik – gäbe es Zeit­rei­sen, wür­de ich Stein und Bein schwö­ren, dass sich hier der begna­de­te Hape Ker­ke­ling mit einer mehr als gelun­ge­nen Hel­la-von-Sin­nen-Par­odie ins Natio­naal Song­fes­ti­val ein­ge­schli­chen hat. Hel­las, Ver­zei­hung, Ritas auch im Voll­suff noch pro­blem­los mit­sing­ba­rer Faschings­schla­ger lan­de­te in der Abstim­mung jedoch lei­der nur auf dem vier­ten Rang.

Eine Meis­ter­leis­tung in sub­ti­lem les­bi­schem Mimi­kri: schau­en Sie mal, wo sich bei der Erwäh­nung des dama­li­gen Sex­sym­bols Bri­git­te Bar­dot im Song­text Hel­las Ritas Hän­de befin­den, und wel­che sti­mu­lie­ren­de Beschäf­ti­gung sie gera­de andeu­ten…

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BE 1962: Vier mal eins macht null

Immer das glei­che Spiel in den gera­den Jah­ren beim bel­gi­schen Euro­vi­si­ons-Vor­ent­scheid: sobald die Wal­lo­nen dran sind mit dem Bei­trag des sprach­lich und kul­tu­rell gespal­te­nen Lan­des, las­sen sich – außer der schlich­ten Tat­sa­che, dass es eine Aus­wahl mit ins­ge­samt fünf Künstler/innen gab, dar­un­ter eine Dame namens Any Godet mit einer Hom­mage an die deut­sche Hafen­stadt ‘Ham­bourg’ – nur sehr spär­li­che Infor­ma­tio­nen recher­chie­ren. Und wie immer, wenn die Wal­lo­nen dran waren in den Anfangs­jah­ren, gewann Fud Leclerc (→ BE 1956, 1958, 1960) die­se Aus­wahl, nun schon zum vier­ten Male. Das macht ihn zum ein­zi­gen Grand-Prix-Ver­tre­ter, der sein Land so oft in der sel­ben Spra­che reprä­sen­tier­te, näm­lich auf Fran­zö­sisch. Es soll­te im benach­bar­ten Luxem­burg aller­dings sei­ne letz­te Teil­nah­me wer­den: mit dem leid­lich mid­tem­po­rä­ren Slow Fox ‘Ton Nom’ lie­fer­te er zwar das bes­te sei­ner vier Lie­der ab (oder, prä­zi­ser gesagt, das am wenigs­ten ein­schlä­fern­de), was ihm die ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Juro­ren jedoch mit → null Punk­ten heim­zahl­ten. Auch wenn in Fol­ge eines beson­ders unge­eig­ne­ten neu­en Wer­tungs­sys­tems noch drei wei­te­re Kolleg/innen an die­sem Abend das Schick­sal der völ­li­gen Punk­te­frei­heit mit Fud tei­len soll­ten, so bleibt er auf­grund der Auf­tritts­rei­hen­fol­ge doch der­je­ni­ge, der als aller­ers­ter Euro­vi­si­ons­künst­ler die gefürch­te­ten Nil Points erhielt.

Dein Name ist Cäptn Zero: Fud Leclerc.

Vor­ent­scheid BE 1962

Fina­le bel­ge du Grand Prix Euro­vi­si­on. Mon­tag, 19. Februr­ar 1962. Fünf Teilnehmer/innen.
#Inter­pretTitelPlatz
01Fud LeclercTon Nom1
02Robert Charles Lan­sonToi, mon Copain
03Any GodetHam­bourg
04Fer­ry DevosN’oubliez jamais
05Eric Chan­neToi, la Femme

NO 1962: Auf den Hund gekom­men

Am bes­ten wäre es, sie schick­ten den Hund,” mit die­ser har­schen Kri­tik am nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix (MGP) 1962 bezog sich die däni­sche Tages­zei­tung Ver­dens Gang auf die Jazz­sän­ge­rin Lai­la Dalseth, eine von zwei Inter­pre­tin­nen des Sie­ger­songs die­ser Vor­ent­schei­dung, die bei ihrem Auf­tritt einen nied­li­chen Wel­pen im Arm trug. Eine sym­pa­thie­punk­te­för­der­li­che Stra­te­gie, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test selbst bekann­ter­ma­ßen streng ver­bo­ten ist. Und so durf­te dann auch statt der für ihre Ver­diens­te ums nor­we­gi­sche Jazz­we­sen mehr­fach preis­ge­krön­ten Dalseth die Ope­ret­tensän­ge­rin und Schau­spie­le­rin Inger Jacob­sen nach Luxem­burg fah­ren, wo sie mit ledig­lich zwei Pünkt­chen unter “fer­ner lie­fen” lan­de­te. Jacob­sen hat­te bereits 1960 beim ers­ten MGP sämt­li­che Wett­be­werbs­ti­tel im Radio-Halb­fi­na­le inter­pre­tiert. 1964 und 1971 ver­such­te sie noch­mals, das Euro­vi­si­onsti­cket zu ergat­tern, aller­dings ohne Erfolg. In Nor­we­gen trat sie bis ins hohe Alter in Revu­en, Fil­men und Büh­nen­stü­cken auf und war fes­tes Ensem­ble­mit­glied des Reichs­thea­ters. Sie starb 1996 im Alter von 72 Jah­ren an Krebs. ‘Kom Sol, kom Regn’ blieb denn auch einer von ledig­lich zwei der ins­ge­samt sie­ben Wett­be­werbs­bei­trä­ge, die man über­haupt auf Plat­te auf­nahm, nach­dem die vom NRK aus 121 Ein­rei­chun­gen vor­ge­nom­me­ne Vor­auswahl auf all­ge­mei­nes Mur­ren stieß. Und zwar nicht nur bei den Zuschauer/innen, son­dern – da der Sen­der im Rah­men der Nord­vi­si­on die Show in ganz Skan­di­na­vi­en aus­strahl­te – auch in den Nach­bar­län­dern. “Die Songs sind so schlecht, dass [die Orches­ter­mit­glie­der] ris­kie­ren, schla­fend zwi­schen den Noten­stän­dern hin­durch­zu­plump­sen,” so herr­lich bös­ar­tig häm­te der schwe­di­sche Aften­pos­ten am Tag nach der Sen­dung über das musi­ka­li­sche Niveau der Show.

Eine ele­gan­te Bal­la­de mit dezen­ten jaz­zi­gen Ver­zie­run­gen: Ingers Bei­trag muss sich nicht wirk­lich ver­ste­cken. Man will ihn aber auch nicht unbe­dingt in Dau­er­schlei­fe hören.

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DE 1962: Der Weg des Was­sers wird es uns wei­sen

Conny Froboess, DE 1962
Die Mul­ti­kul­tu­rel­le

Nicht nur für den Euro­vi­si­on Song Con­test bil­de­te das im ligu­ri­schen Kur­ort San Remo statt­fin­den­de Fes­ti­val del­la Can­zo­ne Ita­lia­na einst das Vor­bild. Wie in vie­len ande­ren euro­päi­schen Natio­nen, die sich eben­falls von den Ita­lie­nern für eige­ne Schla­ger­fes­ti­vals inspi­rie­ren lie­ßen, fan­den in den Sech­zi­ger­jah­ren auch in deut­schen Kur­städ­ten gedie­ge­ne Wett­be­wer­be der leich­ten Muse statt. So hat­te das von Radio Luxem­burg gegrün­de­te Deut­sche Schla­ger­fes­ti­val im hes­si­schen Wies­ba­den bereits 1960 als Vor­ent­scheid gedient, aller­dings nur ein­ma­lig. 1961 hob der Süd­west­funk in Kon­kur­renz hier­zu die Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le aus der Tau­fe, an deren Erst­aus­ga­be unter ande­rem Lys Assia (→ Vor­ent­scheid DE 1956, CH 1956, 1957, 1958, Vor­ent­scheid CH 2012, 2013), Nora Nova (→ DE 1964) und Inge Brück (→ DE 1967) teil­nah­men. Die zwei­te Aus­ga­be die­ser Ver­an­stal­tung soll­te nun 1962 wie­der­um als Grand-Prix-Vor­ent­scheid fun­gie­ren. Ent­spre­chend groß zog die ARD die Show auf: in vier TV-Vor­run­den mit ins­ge­samt 24 Bei­trä­gen qua­li­fi­zier­ten sich jeweils drei Sänger/innen für die End­run­de im mon­dä­nen Baden-Baden.

Herr­lichs­ter Schla­ger­kitsch, lei­der nur in der Audio­fas­sung: der wun­der­bar weh­lei­dig into­nie­ren­de Jim­my Maku­lis.

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