A Song for Euro­pe 1960: When the Tide turns

Um Haa­res­brei­te hät­te er es nicht ins Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le geschafft, der bri­ti­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter von 1960, Bryan John­son. Wie bereits im Vor­jahr fan­den auch heu­er zwei Semis mit jeweils sechs Titeln statt, von denen jeweils die ers­ten drei wei­ter­ka­men. John­sons am Ende sieg­rei­cher Bei­trag ‘Loo­king high, high, high’ (der im Song auf die Titel­zei­le fol­gen­den Ankün­di­gung “I shall die, die, die” leis­te­te der Sän­ger erst 35 Jah­re spä­ter Fol­ge) teil­te sich in der zwei­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de nach dem regio­na­len Jury­vo­ting noch punkt­gleich den drit­ten Rang mit dem sehe­risch benann­ten (und lei­der im Netz nicht auf­find­ba­ren) Titel ‘When the Tide turns’ der bri­ti­schen Vor­jah­res-Reprä­sen­tan­ten Pearl Carr und Ted­dy John­son. Da die BBC nicht auf einen Münz­wurf zurück­grei­fen woll­te, durf­ten bei­de Acts ins Fina­le wei­ter­zie­hen, wo der drei Jah­re älte­re Ted­dy gegen sei­nen jün­ge­ren Bru­der Bryan den Kür­ze­ren zog. Immer­hin blieb auf die­se Wei­se die Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tanz direkt in der Fami­lie.

So sehr auf Dro­ge (high, high, high) sah er jetzt nicht aus: Bryan John­son.

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Dansk Melo­di Grand Prix 1960: Oh mein Papa

Op og see Land’ (‘Schau, dass du Land siehst’), so hieß der schmis­si­ge, wenn­gleich stimm­lich etwas harsch geknö­del­te Marsch, mit dem ein gewis­ser Otto Hæn­ning im Jah­re 1960 den aus ins­ge­samt sie­ben Lie­dern bestehen­den däni­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid Dansk Melo­di Grand Prix (DMGP) eröff­ne­te. Moment mal: Hæn­ning? Ken­nen wir den Namen nicht irgend­wo­her? Und tat­säch­lich: es han­del­te sich um den im Jah­re 2004 ver­stor­be­nen Vater der inter­na­tio­na­len Schla­ger­le­gen­de und deut­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin von 1973Git­te Hæn­ning, der sich hier rund­her­aus berech­tig­te Nil Points ersang. Die für die Wer­tung ver­ant­wort­li­che Jury ver­teil­te ihre Gaben ohne­hin äußerst spär­lich, so dass auch der beim DMGP der Anfangs­jah­re nach­ge­ra­de unver­meid­li­che Gus­tav Winck­ler leer aus­ging.

Es wird Regen geben: MGP-Sie­ge­rin Kathy beim Con­test in Lon­don.

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Deut­scher Vor­ent­scheid 1960: Dal­li, dal­li!

Wyn Hoop, DE 1960
Der Lang­wei­ler

Nach­dem die Direkt­no­mi­nie­rung der inter­na­tio­nal bekann­ten Kess­ler-Zwil­lin­ge als deut­sche Ver­tre­te­rin­nen durch die ARD beim Euro­vi­si­on Song Con­test 1959 nicht das erhoff­te Ergeb­nis gebrach­te hat­te, fand in die­sem Jahr zur Ermitt­lung des hei­mi­schen Grand-Prix-Bei­trags mit der Schla­ger­pa­ra­de wie­der eine öffent­li­che Vor­ent­schei­dung statt. Für das For­mat ori­en­tier­te sich der ver­an­stal­ten­de Hes­si­sche Rund­funk (hr) vage an dem im Vor­jahr von der ältes­ten kom­mer­zi­el­len Hör­funk­sta­ti­on Euro­pas, dem Radio Luxem­burg, ins Leben geru­fe­nen Deut­schen Schla­ger-Fes­ti­val und wähl­te sogar den­sel­ben Ver­an­stal­tungs­ort, die Rhein-Main-Hal­len in der hes­si­schen Lan­des- und Rent­ner/in­nen-Haupt­stadt. Wobei der hr an die­sem Abend zumin­dest auf der Büh­ne den Alters­durch­schnitt Wies­ba­dens erheb­lich senk­te.

Kannst Du Beef­steak machen / Streu­sel­ku­chen backen?”: Sexy Rexy pfleg­te arg kon­ven­tio­nel­le Vor­stel­lun­gen von der Rol­len­ver­tei­lung in der Ehe. Mit die­ser komö­di­an­ti­schen Num­mer hat­ten er und Con­ny Fro­boess Anfang 1960 einen Top-20-Hit (Reper­toire­bei­spiel).

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Melo­di­fes­ti­va­len 1960: Zwei­mal Unrecht macht kein Recht

© SVT

Expe­ri­men­tier­un­freu­dig­keit kann man dem schwe­di­schen Fern­se­hen in Sachen Euro­vi­si­on nun wahr­lich nicht vor­wer­fen. Wie bereits 1959 fan­den auch 1960 vor dem eigent­li­chen Melo­di­fes­ti­va­len wie­der­um acht Radio-Vor­run­den statt, aus denen sich mit Hil­fe des Publi­kums jeweils ein Titel fürs Fina­le qua­li­fi­zie­ren soll­te. Mit­ten im lau­fen­den Ver­fah­ren schmiss der ver­ant­wort­li­che Sen­der SVT jedoch alles um und ent­scheid, dem Bei­spiel Ita­li­ens fol­gend, alle Final­bei­trä­ge in zwei unter­schied­lich orches­trier­ten Ver­sio­nen von jeweils zwei Interpret/innen sin­gen zu las­sen. Da man die Sen­de­zeit nicht ver­dop­peln woll­te, redu­zier­te eine flugs ein­be­ru­fe­ne Jury dar­auf­hin die Anzahl der Lie­der auf vier, wodurch bei­spiels­wei­se das in der Vor­run­de gewähl­te ‘En kyss’ von Lill-Babs auf der Stre­cke blieb.

Erstaun­lich ele­gant: die Jagd nach den Euro­vi­si­ons­schla­gern von 1960 (das voll­stän­di­ge Melo­di­fes­ti­va­len).

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San-Remo-Fes­ti­val 1960: Love is the Drug

Ich weiß nicht, wel­che Dro­gen beim San-Remo-Fes­ti­val von 1960 back­stage so im Umlauf waren. Bezie­hungs­wei­se beim Dreh des Schla­ger­films San Remo – die gro­ße Her­aus­for­de­rung, aus dem die im Netz ver­füg­ba­ren You­tube­clips mit den Auf­trit­ten der Teilnehmer/innen stam­men und von dem mir nicht hun­dert­pro­zen­tig klar ist, ob er digi­tal (dann aller­dings sehr gut) auf­ge­ar­bei­te­tes Ori­gi­nal­ma­te­ri­al ver­wen­det oder mit den ech­ten Interpret/innen eigens nach­ge­stell­te Sze­nen. So oder so: die Sub­stan­zen müs­sen von her­vor­ra­gen­der Qua­li­tät gewe­sen sein! Zwar neigt bekannt­lich, wenn wir mal kurz Ste­reo­ty­pe bemü­hen wol­len, der typi­sche Ita­lie­ner gene­rell zur gro­ßen Ges­te. Aber das, was ins­be­son­de­re die männ­li­chen Kom­bat­tan­ten des zehn­ten Jahr­gangs des ligu­ri­schen Lie­der­wett­streits auf der Büh­ne voll­führ­ten, das schlägt selbst der abge­brüh­tes­ten Drag Queen die Tia­ra vom Kopf!

Wo ist der Abend nur hin? Tja, wie die Zeit ver­fliegt, wenn man Spaß hat! Rick Ast­ley Joe Sen­tie­ri beim San-Remo-Fes­ti­val.

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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1960: und immer lockt der Fud

Immer in den gera­den Jah­ren, wenn es den fran­ko­pho­nen Wal­lo­nen obliegt, den bel­gi­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag zu bestim­men, fal­len die im Netz zum Vor­ent­scheid auf­find­ba­ren Infor­ma­tio­nen eher spär­lich aus. So auch 1960. Was wir wis­sen, ist, dass fünf Interpret/innen teil­nah­men, dar­un­ter die 1958 als Grand-Prix-Reprä­sen­tan­tin Luxem­burgs aus­ge­wähl­te bel­gi­sche Sän­ge­rin Solan­ge Ber­ry. Deren bekann­tes­ter (um nicht zu sagen: ein­zi­ger bekann­ter) Hit ist das Lied ‘Dis-moi quel­que cho­se de gen­til’, wel­ches sie zum Sound­track des 1956er Skan­dal­strei­fens Und immer lockt das Weib (Et Dieu… créa la femme) bei­steu­er­te, einem von der Kri­tik als “gei­ler Gro­schen­ro­man” bezeich­ne­ten und von der Zen­sur mas­siv beschnit­te­nen Kino­film, mit dem der jun­gen fran­zö­si­schen Schau­spie­le­rin Bri­git­te Bar­dot der inter­na­tio­na­le Durch­bruch gelang, wes­we­gen Solan­ges Signa­tur-Song oft­mals der Bar­dot zuge­schrie­ben wird. Wie zum Bei­spiel im nach­ste­hen­den You­tube-Video.

Von der Bar­dot groß gemacht, gesun­gen von Solan­ge (Reper­toire­bei­spiel).

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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1960: Ich bau Dir kein Schloss

Das fran­zö­si­sche Fern­se­hen neigt in Sachen Euro­vi­si­on Song Con­test seit jeher zur inter­nen Aus­wahl sei­ner Repräsentant/innen. So ver­hielt es sich bereits im Jah­re 1959, wo der dama­li­ge Sen­der TF1 (heu­te: Fran­ce 1) den Wett­be­werb selbst in Can­nes orga­ni­sier­te, für das aller­dings sämt­li­che Infor­ma­tio­nen zum Vor­ent­scheid feh­len. Für 1960 liegt hin­ge­gen eine 38 Lied­vor­schlä­ge umfas­sen­de Lis­te vor, aus wel­cher TF1 den Bei­trag für Lon­don aus­wähl­te. Dar­un­ter befan­den sich so hüb­sche Titel wie ‚Made­moi­sel­le Tour Eif­fel‘ oder das beschwingt-laut­ma­le­ri­sche ‚Tique taque‘ der von der Pres­se ger­ne als “die nächs­te Edith Piaf” apo­stro­phier­ten Pia Colom­bo (†1986). Gene­rell lesen sich die Namen der ange­dach­ten Interpret/innen wie das Who is Who der dama­li­gen fran­ko­phi­len Grand-Prix-Welt. Wobei das nicht zwin­gend etwas zu sagen hat: wie in auch Deutsch­land reich­ten zwar bei unse­ren gal­li­schen Nach­barn die Kom­po­nis­ten ihre Lied­vor­schlä­ge unter Anga­be der Wunsch-Inter­pre­t/in­nen ein. Die wur­den jedoch vom Sen­der nicht zwin­gend berück­sich­tigt – oder woll­ten teils sel­ber gar nicht!

Zu intel­lek­tu­ell für den Mas­sen­ge­schmack” (Wiki­pe­dia): Pia Colom­bo inter­pre­tier­te vor allem Wer­ke ihres Ehe­manns Mau­rice Fanon, sowie Lie­der von Ser­ge Gains­bourg, Jac­ques Brel und Kurt Weill.

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ESC 1959: Man­cher jodelt noch im Schlaf

Logo des Eurovision Song Contest 1959
1959: Das Jahr der Revu­en

Nein, eine Vor­ent­schei­dung hät­ten sie nicht mit­ge­macht, die inter­na­tio­nal umju­bel­ten Syn­chron­tän­ze­rin­nen und -aus­se­he­rin­nen Ali­ce und Ellen Kess­ler, also gab es kei­ne: der damals für den deut­schen Grand-Prix-Bei­trag zustän­di­ge Hes­si­sche Rund­funk bestimm­te sie direkt zu den ger­ma­ni­schen Ver­tre­te­rin­nen in Can­nes. Deutsch­lands bekann­tes­te ein­ei­ige Zwil­lin­ge, die in einem NDR-Inter­view spä­ter behaup­te­ten, zu die­sem Auf­tritt ver­trag­lich gezwun­gen wor­den zu sein, stell­ten aber noch wei­te­re Bedin­gun­gen: ‘Heu­te möcht’ ich bum­meln’, wie das Lied zunächst hei­ßen soll­te, erschien ihnen als Titel zu brav, die nahe­lie­gen­de Abwand­lung ‘Heu­te möcht’ ich fum­meln’ hin­ge­gen viel­leicht doch etwas zu direkt, also fri­sier­te ihre Text­dich­te­rin Astrid Volt­mann den Song in ‘Heut’ Abend möcht’ ich tan­zen gehn’ um. Trotz der Ände­rung emp­fan­den die Bei­den die Num­mer aber als “nicht gut”. Da muss ich doch ent­schie­den wider­spre­chen!

Da wackeln die Wän­de: die Kess­lers rocken das Haus! (DE)

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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1959: Die Lys ist weg!

Seit Anbe­ginn der Grand-Prix-Zeit­rech­nung (sprich: in den Jah­ren 1956 und 1957, für 1958 lie­gen lei­der kei­ner­lei Infor­ma­tio­nen über das hel­ve­ti­sche Aus­wahl­ver­fah­ren vor) teil­ten sich beim schwei­ze­ri­schen Vor­ent­scheid stets drei Künstler/innen die Büh­ne, jeweils ent­sandt aus den drei ver­schie­de­nen Sprach­re­gio­nen der Eid­ge­nos­sen­schaft. 1959 hin­ge­gen fand sich nicht ein ein­zi­ges ita­lie­nisch­spra­chi­ges Can­zo­ne im Auf­ge­bot, aus irgend­ei­nem Grun­de fehl­te das Tes­sin. Und auch die für die Deutsch­schweiz bis dato immer ver­läss­lich parat ste­hen­de und stets sieg­rei­che Lys Assia blieb dem Bewerb uner­klär­li­cher­wei­se fern. Es muss­te etwas Unge­heu­er­li­ches gesche­hen sein. Stand die hel­ve­ti­sche Kon­fö­de­ra­ti­on vor einer inne­ren Zer­reiß­pro­be? Nichts Genau­es weiß man nicht, angeb­lich sol­len jedoch drei regio­na­le Jurys abge­stimmt haben. Jeden­falls füll­te man den frei­en Tes­sin-Slot mit einer zwei­ten Ver­tre­te­rin für die fran­zö­sisch­spra­chi­ge Roman­die auf.

Sang fast aus­schließ­lich Ope­ret­ten- und Musci­al-Num­mern: Frank­reichs Pre­mie­ren­ver­tre­te­rin Mathé Alté­ry, die 1959 einen Abste­cher in die Schweiz mach­te (Reper­toire­bei­spiel).

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Natio­naal Song­fes­ti­val 1959: Ein biss­chen sie­gen

Das nie­der­län­di­sche Fern­se­hen nahm nach dem (ver­dien­ten) letz­ten Platz beim Euro­vi­si­on Song Con­test 1958 eini­ge Ver­än­de­run­gen am hei­mi­schen Vor­ent­scheid, dem Natio­naal Song­fes­ti­val (NSF), vor: dem Vor­bild Ita­li­ens fol­gend, prä­sen­tier­te man die acht Wett­be­werbs­bei­trä­ge in jeweils zwei unter­schied­li­chen Ver­sio­nen, davon eine mit gro­ßem Orches­ter und eine in einer etwas zurück­ge­nom­me­ne­ren Vari­an­te. Die bis­he­ri­ge Post­kar­ten­ab­stim­mung ersetz­te der Sen­der durch eine frü­he Art des Tele­vo­tings: in zwölf Gemein­den der Tul­pen­na­ti­on stimm­ten jeweils zehn Zuschauer/innen tele­fo­nisch ab, deren Ergeb­nis­se man als regio­na­le Jurys zusam­men­fass­te. Bei den Künstler/innen hin­ge­gen griff man auf Bewähr­tes zurück: von Greet­je Kauf­feld über Bruce Low bis hin zur bis­he­ri­gen hol­län­di­schen Dau­er­re­prä­sen­tan­tin Cor­ry Brok­ken fan­den sich lau­ter Wiederkehrer/innen im Bewerb. Der Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin von 1957 nahm das Publi­kum jedoch die schlech­te Grand-Prix-Plat­zie­rung vom Vor­jahr übel: sie kam über einen drit­ten Rang nicht hin­aus.

Cor­rys klei­ner Sil­ber­stern, ihr zwei­ter Song, muss­te sich gar mit dem letz­ten Platz begnü­gen. Kein Wun­der, wenn man das Publi­kum ins Wach­ko­ma singt.

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