DE 1978: Heut will ich’s wis­sen

Ireen Sheer, DE 1978
Die Strip­pe­rin

Im Jahr Eins nach Grü­ne­feldt herrsch­te bei der ARD in Sachen Grand Prix heil­lo­se Kon­fu­si­on. Der Hes­si­sche Rund­funk gab die Zustän­dig­keit für den Euro­vi­si­on Song Con­test ab, und nie­mand woll­te sie haben. Gegen sei­nen erklär­ten Wil­len erhielt der Süd­west­funk in Baden-Baden die Ver­ant­wor­tung zuge­scho­ben. Der ver­leg­te die Vor­ent­schei­dung ins Radio, nach dem man die ein­ge­reich­ten Songs als zu niveau­los für ein TV-Fina­le emp­fand. Und tat­säch­lich las­sen solch klin­gen­de Künst­ler­na­men wie die inter­na­tio­nal renom­mier­ten Brun­hil­de Lam­ber­ty, Alba­tros (mit dem Bei­schlaf­schla­ger ‘Bleib die Nacht bei mir und komm’) oder das deutsch-öster­rei­chi­sche Schla­ger­pär­chen Freya & Bernd Wip­pich (‘Ich tra­ge [schwer an] Dei­nem Namen’) hin­sicht­lich der Bei­trä­ge nichts Gutes erah­nen.

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ESC 1977: Kojak, Hijack, me and you

Logo des Eurovision Song Contest 1977
Das Jahr der Kult­knal­ler

Der die­sen Wett­be­werb aus­rich­ten­de bri­ti­sche Sen­der hat­te in die­sem Jahr kein glück­li­ches Händ­chen: nur zwei Stun­den vor der geplan­ten Aus­strah­lung sei­ner Vor­ent­schei­dung A Song for Euro­pe tra­ten die Kame­ra­leu­te der BBC in einen unbe­fris­te­ten Streik, wes­we­gen auch der ursprüng­lich für den 2. April 1977 ter­mi­nier­te Song Con­test ver­scho­ben wer­den muss­te. Dann fie­len die Post­kar­ten zwi­schen den Songs, die – wie schon 1970 – in den jewei­li­gen Teil­neh­mer­län­dern auf­ge­zeich­net wer­den soll­ten, Bud­get­kür­zun­gen zum Opfer. Zwar dreh­te die BBC statt­des­sen mit den ange­reis­ten Dele­ga­tio­nen in einem Lon­do­ner Restau­rant, ent­schloss sich dann aber, das Film­ma­te­ri­al nicht ein­zu­set­zen: Bil­der von den Sänger/innen, wie sie auf Kos­ten der Gebüh­ren­zah­ler spei­sen, kämen viel­leicht nicht so gut, fiel den Machern erst in letz­ter Minu­te ein. So muss­ten Kame­ra­schwenks auf das Publi­kum im Kon­fe­renz­zen­trum der Ten­nis­hoch­burg Wim­ble­don die Zeit zwi­schen den Bei­trä­gen über­brü­cken.

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DE 1977: My Mes­sa­ge will not be too late

Silver Convention, DE 1977
Die Dis­co­kö­ni­gin­nen

1977 fei­er­te die welt­wei­te, aus dem schwu­len Unter­grund her­vor­ge­gan­ge­ne Dis­co­wel­le ihren kom­mer­zi­el­len wie künst­le­ri­schen Höhe­punkt. Fil­me wie Satur­day Night Fever mit John Tra­vol­ta push­ten die Hits der Bee Gees, Don­na Sum­mer stöhn­te sich mit ‘I feel Love’ durch alle Hit­pa­ra­den und deut­sche Kom­po­nis­ten wie Frank Fari­an (Boney M), Rolf Soja (Bac­ca­ra [LU 1978, Melo­di­fes­ti­va­len 2004]) oder Syl­ves­ter Levay, die zu den Pio­nie­ren der fröh­li­chen Revo­lu­ti­on zähl­ten, erziel­ten Welt­hits. Letz­te­rer belie­fer­te das von Micha­el Kun­ze pro­du­zier­te Mäd­chen­trio Sil­ver Con­ven­ti­on, des­sen genia­ler, ledig­lich auf einem süch­tig machen­den Bass­lauf, har­ten Dis­cog­ei­gen und sechs Wor­ten Text (“Fly Robin fly, up up to the Sky”) basie­ren­der Koka­in­ver­herr­li­chungs­song bereits 1975 Club­gän­ger auf dem gan­zen Glo­bus in eksta­ti­sche Ver­zü­ckung getrie­ben hat­te. Und sogar den ers­ten Platz der US-Charts erreich­te!

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ESC 1976: Die Par­ty ist vor­bei

Logo des Eurovision Song Contest 1976
Das zir­zen­si­sche Jahr

Vor ihrer Grand-Prix-Teil­nah­me kann­te man die Les Hum­phries Sin­gers euro­pa­weit als erfolg­rei­che, mul­ti­kul­tu­rel­le Hip­pie­grup­pe, die mit ‘Mama­loo’ oder ‘Mexi­ko’ und ähn­li­chen Titeln eine Lat­te respek­ta­bler Hits vor­wei­sen konn­te. Hin­ter­her ver­schwan­den sie in der Ver­sen­kung. In Den Haag durf­te die übli­cher­wei­se bis zu 16 Mann star­ke Kapel­le aller­dings auch nur in deut­lich dezi­mier­ter Zahl auf die Büh­ne. Zu sechst näm­lich, dar­un­ter Jür­gen Drews (DVE 1990), wäh­rend ihr Band­lea­der am Diri­gen­ten­pult stand, was ihrer Büh­nen­prä­senz gar nicht gut tat. Dazu kam der len­den­lah­me Sie­gel-‘Sing Sang Song’, sein ers­ter Grand-Prix-Bei­trag fürs Hei­mat­land und ein wahr­lich miss­ra­te­ner Auf­takt. So reich­te es wie­der nur für einen, dies­mal berech­tig­ten, hin­te­ren Platz.

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DE 1976: Auf Dir Pur­zel­bäu­me machen

Les Humphries Singers, DE 1976
Die Rein­ge­sie­gel­ten

Zum zwei­ten Mal nach 1963 ver­such­te es der sei­ner­zeit feder­füh­ren­de Hes­si­sche Rund­funk beim hei­mi­schen Vor­ent­scheid mit Demo­kra­tie: genervt vom nie­mals ver­stum­men­den Publi­kums­ge­me­cker und dem unver­dient kata­stro­pha­len Abschnei­den Joy Fle­mings im Vor­jahr beschloss man, die Ver­ant­wor­tung für das deut­sche Schei­tern auf die All­ge­mein­heit abzu­schie­ben. Abstim­men durf­ten die Zuschauer/innen per Post­kar­te, die sei­ner­zeit noch nied­li­che 40 Pfen­ni­ge (21 Cent) Por­to kos­te­te. Als Anreiz zum Mit­ma­chen griff der hr ganz tief in die Gewinn­spiel­kas­se und ver­los­te unter allen Einsender/innen sage und schrei­be zwölf Farb­fern­seh­ge­rä­te (mit atem­be­rau­ben­der 36-cm-Bild­röh­re!) und 120 Lang­spiel­plat­ten. Und das von unse­ren TV-Gebüh­ren!

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ESC 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

Logo des Eurovision Song Contest 1975
Das Jahr des dösen­den Orches­ters

Nach jah­re­lan­gen Dis­kus­sio­nen und etli­chen Fehl­ver­su­chen setz­te die EBU 1975 ein kom­plett neu­es Wer­tungs­ver­fah­ren für den belieb­tes­ten Musik­wett­be­werb der Welt in Kraft. Ein so erfolg­rei­ches, dass es sich bis heu­te hält: dass näm­lich aus jedem Land die zehn belieb­tes­ten Titel in auf­stei­gen­der Rei­hen­fol­ge Punk­te erhal­ten; die bei­den Lieb­lings­lie­der sogar noch einen Bonus, um einen mög­lichst ein­deu­ti­gen Sie­ger zu ermit­teln. 1–2‑3–4‑5–6‑7–8‑10–12, so lau­tet seit­her die magi­sche For­mel, “Dou­ze Points” das Maß aller Din­ge. Für Deutsch­land, das ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Initi­ie­rung die­ses Stan­dards hat­te, führ­te er bei sei­ner Pre­miè­re zu einem höchst ver­drieß­li­chen Ergeb­nis.

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DE 1975: Jeder Ton ist wie ein Stein

Joy Fleming, DE 1975
Die Bes­te. Auf ewig.

Nach dem Kata­stro­phen­er­geb­nis der haus­in­ter­nen Aus­wahl im Abbajahr 1974 (ein geteil­ter letz­ter Platz für den deut­schen Bei­trag von Cin­dy & Bert) besann sich sich der sei­ner­zeit ver­ant­wort­li­che Hes­si­sche Rund­funk dar­auf, dass er bereits 1970 und (in Zusam­men­ar­beit mit dem Sen­der Frei­es Ber­lin) 1972 glanz­vol­le öffent­li­che Vor­ent­schei­dun­gen auf die Bei­ne gestellt hat­te – und mit der dort jeweils aus­ge­wähl­ten Künst­le­rin einen nicht min­der glanz­vol­len Medail­len­platz beim euro­päi­schen Wett­sin­gen erziel­te. Mit die­sem Wis­sen im Rücken ging es in Frank­furt am Main frisch ans Werk: her­aus kam eine der bes­ten Ver­an­stal­tun­gen in der deut­schen Grand-Prix-Geschich­te! Zunächst ein­mal ver­zich­te­te man (die EBU tat das erst 1999) auf das anti­quier­te Orches­ter und griff auf das aus der ZDF-Hit­pa­ra­de bewähr­te Halb­play­back zurück: Musik vom Band, Gesang live. Das ein­ge­spar­te Geld inves­tier­te der hr in eine annehm­ba­re Stu­di­ode­ko­ra­ti­on. Außer­dem hol­te der Sen­der die Plat­ten­fir­men mit ins Boot. So dass es gelang, neben eini­gen No-Names hoff­nungs­vol­len Nach­wuchs­ta­len­ten auch zahl­rei­che Schlagersänger/innen von der aktu­el­len A‑Liste anzu­lo­cken. 15 Künstler/innen tra­ten an, dar­un­ter Ver­zicht­ba­res und Füll­stoff, aber auch etli­che High­lights.

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ESC 1974: Could­n’t escape if I wan­ted to

Logo des Eurovision Song Contest 1974
Das Jahr des Schwe­den­pop

Grün ist ja bekannt­lich die Far­be der Hoff­nung. Beson­ders opti­mis­tisch erschie­nen also die deut­schen Ver­tre­ter Cin­dy & Bert (DVE 1972, 1973, 1978) zu die­sem Grand Prix: Cin­dy in einem lind­grü­nen Maxik­leid, Bert im popel­grü­nen Anzug mit gift­grün leuch­ten­dem Som­mer­schal. Half aber nichts: die von einer ARD-Jury hin­ter ver­schlos­se­nen Türen aus­ge­wähl­te, schwäch­li­che ‘Som­mer­me­lo­die’ ver­en­de­te auf dem letz­ten Platz. Auf­grund der feh­len­den öffent­li­chen Vor­ent­schei­dung und des dar­aus fol­gen­den man­geln­den Inter­es­ses am inter­na­tio­na­len Wett­be­werb sahen das nur 28 % der deut­schen TV-Zuschau­er. Was man inso­fern bedau­ern muss, da auf die­se Art und Wei­se vie­le Deut­sche den his­to­ri­schen Con­test schlecht­hin ver­pass­ten.

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DE 1974: Das darf doch nicht sein

Cindy & Bert, DE 1974
Die Pro­te­gier­ten

Stän­dig das Geme­cker von Pres­se und Öffent­lich­keit über die Abstim­mungs­er­geb­nis­se bei den Vor­ent­schei­dun­gen: der deut­sche Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che Hans-Otto Grü­ne­feldt hat­te die Schnau­ze gestri­chen voll! Er ver­zich­te­te auf eine öffent­li­che Aus­wahl und nomi­nier­te statt­des­sen sei­ne Pro­te­gés Cin­dy & Bert direkt für die haus­in­ter­ne Ent­schei­dung. Die waren 1972 mit ihrem bes­ten Titel ‘Geh die Stra­ße’ arsch­knapp an der Jury geschei­tert. 1973 und 1978 ver­such­ten sie es mit jeweils gleich zwei (schreck­li­chen) Schla­gern, blei­ben aber erfolg­los. Und auch auch solo soll­te Cin­dy Ber­ger bei ihren erneu­ten Anläu­fen 1988 und 1991 kein Glück beschie­den sein. In die­sem Jahr schlug das saar­län­di­sche Schla­ger­pär­chen der Legen­de nach unter ande­rem einen Titel namens ‘Spa­ni­ens Gitar­ren’ vor.

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ESC 1973: Du sagst nie­mals nein

Logo des Eurovision Song Contest 1973
Das Jahr des Dober­manns

Die Lust­lo­sig­keit der deut­schen Vor­ent­schei­dung räch­te sich für uns. Die Prot­ago­nis­tin ahn­te es bereits im Vor­feld: “Bringst Du Trä­nen von ges­tern zurück?”, so eine der Fra­gen aus ihrer wun­der­ba­ren, im Ver­gleich mit den eher Auf­bruchs­stim­mung ver­brei­ten­den Bei­trä­gen der letz­ten Jah­re jedoch etwas ver­zagt wir­ken­den Hym­ne ‘Jun­ger Tag’, wel­che die Juro­ren mit einem kla­ren und ein­deu­ti­gen “Ja!” beant­wor­te­ten. Nach drei drit­ten Rän­gen in Fol­ge konn­te der nun­meh­ri­ge (rech­ne­risch kor­rek­te) neun­te Platz nur als ech­te Ent­täu­schung gel­ten. Oder lag es an dem Spon­tan­au­gen­krebs ver­ur­sa­chen­den, grell­gel­ben Folk­lo­refum­mel, den die für Deutsch­land star­ten­de Dänin Git­te Hæn­ning in Luxem­burg trug?

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