Dansk Melo­di Grand Prix 1957: Die Pär­chen­lü­ge

Dansk Melo­di Grand Prix (DMGP), so hieß der däni­sche Vor­ent­scheid bei sei­ner Pre­miè­re im Jah­re 1957, und so heißt er noch immer. Damals wie heu­te bevöl­ker­te fast aus­schließ­lich Supers­eich­tes den skan­di­na­vi­schen Wett­be­werb, denn wie ihre süd­li­chen Nach­barn, die Deut­schen, mögen es auch die Dänen, jeden­falls in ihrer brei­ten Mas­se, musi­ka­lisch eher kan­ten­los und weich­ge­spült. Wäh­rend sich die Ein­falls­lo­sig­keit heut­zu­ta­ge meist auf zehn mehr oder min­der uni­for­me Bei­trä­ge und zehn Interpret/innen ver­teilt, wähl­te der ver­an­stal­ten­de Sen­der Dansk Radio (DR) sei­ner­zeit ledig­lich zwei Künstler/innen aus, die sowohl gegen- als auch mit­ein­an­der antra­ten. Die jun­ge Kopen­ha­ge­ne­rin Bir­t­he Wil­ke stell­te solo zwei Titel vor, konn­te mit dem belieb­ten Schla­ger­the­ma “Früh­ling” aber eben­so wenig die Jury becir­cen wie mit dem ‘Gewöhn­li­chen Lied’, dem ‘Chan­son ordinaire’. Auch ihr rund zehn Jah­re älte­rer und 1979 bei einem Auto­un­fall ums Leben gekom­me­ne Kon­kur­rent Gus­tav Winck­ler, der für lan­ge Jah­re – wie Bir­t­he – zur Grund­aus­stat­tung des DMGP gehö­ren soll­te, blieb mit sei­nen Solo­num­mern über eine ‘Fata Mor­ga­na’ und die ‘Stra­ße der Sehn­sucht’ erfolg­los.

Für die deut­sche Ein­spie­lung des däni­schen ESC-Bei­trags ersetz­te die Schwe­din Bibi Johns die Ori­gi­nal­in­ter­pre­tin.

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Deut­scher Vor­ent­scheid 1957: Wenn Dein Ruf erklingt

Margot Hielscher, DE 1957
Das Fräu­lein vom Amt

1957, im zwei­ten Jahr sei­nes Bestehens (und zehn Jah­re vor mei­ner Geburt), soll­te der Grand Prix in mei­ner herr­li­chen Hei­mat­stadt gas­tie­ren, in Frank­furt am Main! Im pracht­vol­len gro­ßen Sen­de­saal des häss­li­chen Hes­si­schen Rund­funks, nach Kriegs­en­de ursprüng­lich mal als geplan­tes Domi­zil für den Deut­schen Bun­des­tag errich­tet, bevor ein rhein­län­di­sches Kaff namens Bonn auf heim­tü­cki­sches Hin­ter­trei­ben von Erst­kanz­ler Kon­rad Ade­nau­er absur­der­wei­se den Haupt­stadt-Zuschlag bekam, traf die euro­päi­sche Chan­son-Éli­te (*hüs­tel*) zusam­men. Und auch der deut­sche Vor­ent­scheid fand an sel­bi­ger gehei­lig­ter Stät­te statt, inte­griert aller­dings in eine ARD-Unter­hal­tungs­show mit dem belieb­ten Show­mas­ter Hans-Joa­chim “Kuli” Kulen­kampff.

Zur Punk­te­ver­ga­be brau­chen wir den Appa­rat aber wie­der, gel­le, Frau Hiel­scher!

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A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt

1956, im ers­ten Jahr des von der BBC mit­in­iti­ier­ten Euro­vi­si­on Song Con­tests, hat­ten die Bri­ten bizar­rer­wei­se nicht an den euro­päi­schen Fest­spie­len teil­ge­nom­men. Zwar orga­ni­sier­ten auch sie einen am Vor­bild des ita­lie­ni­schen San-Remo-Fes­ti­vals ori­en­tier­ten Lie­der­wett­be­werb. Doch das mit zahl­rei­chen Vor­run­den ver­se­he­ne Fes­ti­val of Bri­tish popu­lar Songs ging erst am 22. Okto­ber 1956 – mit­hin fünf Mona­te zu spät für den ESC – zu Ende. Und obschon mit Petu­la Clark ein bekann­ter Kin­der­star dar­an teil­nahm, brach­te es nicht einen ein­zi­gen Chart-Hit her­vor. Nur drei Mona­te spä­ter, am 22. Janu­ar 1957, star­te­te die BBC den­noch die zwei­te Aus­ga­be des For­ma­tes, wel­ches dies­mal auch zur Ermitt­lung des bri­ti­schen Grand-Prix-Bei­trags dien­te, denn die selbst emp­fun­de­ne Pop-Nati­on woll­te das euro­vi­sio­nä­re Feld den Brü­dern und Schwes­tern vom Fest­land kei­nes­falls allei­ne über­las­sen.

Ein “welt­frem­des, jun­ges Geschöpf” – so die Eigen­be­schrei­bung der Sän­ge­rin Patri­cia Bre­din.

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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1957: Für zwei Gro­schen Musik

Wie in den Nie­der­lan­den setz­te man in den spä­ten Fünf­zi­ger­jah­ren auch in der Eid­ge­nos­sen­schaft auf Kon­ti­nui­tät beim Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid. Wie bereits 1956 tra­ten erneut drei Künstler/innen (je eine/r pro Lan­des­teil) mit ins­ge­samt elf Titeln zum Vor­sin­gen an. Dabei schick­te die Roman­die, wie noch so oft, erneut Jo Roland, der ‘Avec vingt Sous’, mit 20 Pfen­ni­gen also, im Hoch­preis­land Schweiz nicht sehr weit kam. In Deutsch­land hät­te das zumin­dest für einen Wunsch­ti­tel in der Juke­box (‘Für zwei Gro­schen Musik’, DE 1958) gereicht! Der Sen­der des deutsch­spra­chi­gen Teils dele­gier­te wie­der­um die Vor­jah­res­sie­ge­rin Lys Assia, die mit gan­zen fünf Bei­trä­gen den Abend kom­plett domi­nier­te. Dar­un­ter fan­den sich nicht nur aus heu­ti­ger Sicht schon vom Lied­ti­tel her extrem ver­staubt wir­ken­de Volks­mu­sik­ka­mel­len wie ‘Ein trau­tes Lied vom Turm her­ab’ (was streng­ge­nom­men auch den Ruf des Muez­zins aus dem Moschee-Laut­spre­cher beschrei­ben könn­te), aber auch das kecke ‘Der­riè­re la Cathe­dra­le’ (‘Hin­ter der Kathe­dra­le’: doch nicht etwa ein hei­ßes Stell­dich­ein mit dem Pfar­rer nach Art der Dor­nen­vö­gel?).

War als Kind bestimmt nicht so lang­wei­lig wie ihr Lied: die Assia.

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Natio­naal Song­fes­ti­val 1957: Iwan, der Mes­ser­wer­fer

Busi­ness as usu­al bereits im zwei­ten Jahr des nie­der­län­di­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­des, dem Natio­naal Song­fes­ti­val: erneut tra­ten vier Künstler/innen gegen­ein­an­der an, die jeweils zwei Lie­der vor­tra­gen durf­ten, erneut stimm­te in vor­bild­lich demo­kra­ti­scher Wei­se das Publi­kum per Post­kar­ten­zu­schrift ab, erneut kam die Sen­dung aus den AVRO-Stu­di­os in Hil­ver­sum und erneut führ­te Karin Kraay­kamp durch den Abend. Mit Cor­ry Brok­ken fand sich sogar eine der Teilnehmer/innen des Vor­jah­res erneut im Line-up, und erneut mach­te die­se das Ren­nen. Und zwar mit der so geschmack- wie dezent schwung­vol­len Bal­la­de ‘Net als toen’, die in Frank­furt am Main, wo der Grand Prix 1957 statt­fand, sogar die Kro­ne holen soll­te.

Zwei Minu­ten tun es auch: Cor­ry mit einer gekürz­ten Ver­si­on ihres Sie­ger­lie­des bei einem TV-Auf­tritt in Frank­reich.

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San-Remo-Fes­ti­val 1957: Kein Ent­kom­men

Rin in die Kar­tof­feln – raus aus die Kar­tof­feln: hat­te man 1956 beim San-Remo-Fes­ti­val (SRF), dem als ita­lie­ni­schem Vor­ent­scheid genutz­ten ligu­ri­schen Musik­fes­ti­val, die gro­ßen Namen raus­ge­wor­fen, um dem Nach­wuchs eine Chan­ce zu geben, so erklär­te der ver­ant­wort­li­che Sen­der Rai die­ses Expe­ri­ment auf­grund des gerin­gen öffent­li­chen Zuspruchs schnell als geschei­tert und hol­te bereits 1957 die Stars wie­der zurück. Es gab zwei Semi­fi­na­le mit jeweils zehn Titeln, die Hälf­te davon kam ins sams­täg­li­che Fina­le (das Kon­zept kommt uns heu­te sehr bekannt vor, nicht wahr?). Aller­dings wur­de jedes Lied gleich zwei Mal von ver­schie­de­nen Künstler/innen unter­schied­lich inter­pre­tiert, eine in den Anfangs­jah­ren des Wett­be­werbs weit ver­brei­te­te und auch von ande­ren Län­dern kopier­te Her­an­ge­hens­wei­se. Den­noch bewer­te­ten die Jurys in der End­ab­stim­mung nur den Song und nicht den Sän­ger.

Da läuft der Schmalz liter­wei­se aus dem Laut­spre­cher: Clau­dio Vil­la mit dem San-Remo-Sie­ger­lied.

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ESC 1956: Da hilft auch kein Flat­ti­ern

Logo des Eurovision Song Contest 1956
Das Jahr des Anfangs

Wer hat’s erfun­den?”: der bekann­te Wer­be­c­laim eines schwei­ze­ri­schen Hus­ten­pas­til­len­her­stel­lers bil­det die per­fek­te Über­schrift zur Illus­tra­ti­on des Dis­pu­tes um die Urhe­ber­schaft des belieb­tes­ten und erfolg­reichs­ten Unter­hal­tungs­events der Welt, des Euro­vi­si­on Song Con­test. Gilt nach all­ge­mei­ner Über­ein­kunft und offi­zi­el­ler Geschichts­schrei­bung der sei­ner­zei­ti­ge eid­ge­nös­si­sche TV-Gene­ral­di­rek­tor und ver­ant­wort­li­che Pro­gramm­be­auf­trag­te der Euro­päi­schen Rund­funk­uni­on (EBU), Mar­cel Bezençon, als geis­ti­ger Vater des pan­eu­ro­päi­schen Events, so rekla­miert der bri­ti­sche Buch­au­tor Gor­don Rox­burgh in sei­ner 2012 erschie­ne­nen Fibel Songs for Euro­pe, Volu­me 1, zumin­dest eine Mit­tä­ter­schaft des hei­mi­schen Schau­spie­lers Micha­el Brenn­an und des dama­li­gen BBC-Gene­ral­di­rek­tors Sir Ian Jacob an der Ein­füh­rung des euro­päi­schen Gesangs­wett­be­werbs.

Nur als Audio­mit­schnitt erhält­lich: der Pre­mie­ren­con­test von 1956.

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Deut­scher Vor­ent­scheid 1956: Ach die armen, armen Leu­te

Walter Andreas Schwarz, DE 1956
Die Win­sel­stu­te

Zuge­ge­ben: 1956, als der Euro­vi­si­on Song Con­test zum ers­ten Mal statt­fand, damals im schwei­ze­ri­schen Luga­no, weil­te ich noch nicht auf die­sem Pla­ne­ten – da war ich noch nicht mal in der Pla­nung. Der ers­te Grand Prix, den ich mit Sicher­heit live (vor dem Fern­se­her) sah, war der von 1979. Für die Zeit davor kann ich mich nur auf Video­auf­zeich­nun­gen stüt­zen, wobei für 1956 aller­dings kei­ne sol­che exis­tiert. Oder wie­der­ge­ben, was ande­re Quel­len offen­ba­ren, ins­be­son­de­re Jan Fed­der­sens kom­pe­ten­te (und sehr emp­feh­lens­wer­te) Euro­vi­si­ons­bi­bel ‘Ein Lied kann eine Brü­cke sein’. Doch für das Grün­dungs­jahr des Grand Prix Euro­vi­si­on de la Chan­son sto­chern auch die­se ziem­lich im Nebel.

Süd­ame­ri­ka­ni­sche Rhyth­men vor süd­deut­scher Knei­pen­ku­lis­se: auch die Schla­ger­film-Iko­ne Mar­got Hiel­scher nahm am ers­ten deut­schen Vor­ent­scheid teil (Reper­toire­bei­spiel).

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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1956: Auf­tritt einer Legen­de

Die Schweiz beher­bergt als ide­el­le Hei­mat des Euro­vi­si­on Song Con­test in ihrer Gemein­de Genf den Haupt­sitz der euro­päi­schen Rund­funk­uni­on EBU, wel­che bekannt­lich den Wett­be­werb 1955 aus der Tau­fe hob und seit 1956 jähr­lich ver­an­stal­tet. Und sie fun­gier­te zugleich als Aus­tra­gungs­land der ers­ten Show in Luga­no. Doch hin­sicht­lich der Details der hel­ve­ti­schen Vor­ent­schei­dun­gen der Fünf­zi­ger­jah­re fischt die Grand-Prix-Geschichts­for­schung ziem­lich im Trü­ben. Für das Pre­mie­ren­jahr ist immer­hin soviel bekannt, dass die Vor­auswahl weni­ge Wochen vor dem inter­na­tio­na­len Wett­be­werb in Lau­sanne statt­fand. Drei Künstler/innen nah­men teil: aus jeder der drei maß­geb­li­chen eid­ge­nös­si­schen Sprach­re­gio­nen eine/r. Wie das in einem kul­tu­rell dis­pa­ra­ten Land nun mal so ist, wo man auf den Pro­porz noch pein­lich genau­er ach­tet als inner­halb poli­ti­scher Par­tei­en oder bei Rund­funk­rä­ten.

1963 konn­te sich die Schwei­ze­rin Ani­ta Tra­ver­si den zwei­ten Platz bei den Deut­schen Schla­ger­fest­spie­len sichern. Den kom­mer­zi­el­len Erfolg mit ihrem Lied mach­te aller­dings Mar­got Eskens, deren Plat­ten­fir­ma die Sin­gle schnel­ler ver­öf­fent­lich­te (Reper­toire­bei­spiel).

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Natio­naal Song­fes­ti­val 1956: Tüde­lü­delü

Für gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät sind die Nie­der­lan­de nicht erst seit der Insti­tu­tio­na­li­sie­rung von Cof­fee­shops und der damit ein­her­ge­hen­den Teil­le­ga­li­sie­rung von Mari­hua­na oder seit der Ein­füh­rung der Homo-Ehe im Jah­re 2001, damals als ers­ter Staat welt­weit, bekannt. So nimmt es wenig Wun­der, dass es dem hol­län­di­schen Sen­der NTS als ein­zi­ger der sie­ben an der Erst­aus­ga­be des Euro­vi­si­on Song Con­tests teil­neh­men­den TV-Sta­tio­nen vor­be­hal­ten blieb, sei­nen Vor­ent­scheid, das Natio­naal Song­fes­ti­val (NSF), nach demo­kra­ti­schen Maß­stä­ben zu orga­ni­sie­ren und dem Publi­kum als maß­geb­li­chem Rich­ter die Ent­schei­dung zu über­las­sen, welche/n der drei ange­tre­te­nen Künstler/innen und ihrer ins­ge­samt acht Lie­der es nach Luga­no dele­gie­ren woll­te. Genau­er gesagt: wel­che zwei, denn auf­grund des begrenz­ten Krei­ses an teil­neh­men­den Natio­nen muss­te ein jedes Land gleich zwei “Schla­ger und Chan­sons” (so der Titel des deut­schen Vor­ent­scheids) in die Schweiz ent­sen­den. Natür­lich ging das sei­ner­zeit noch nicht per Tele­fon oder gar per App, son­dern noch mit­tels der guten alten Post­kar­te (fragt Eure Eltern!), von denen nach der an einem Diens­tag (!) aus­ge­strahl­ten Show rund 6.500 Exem­pla­re beim Sen­der ein­tru­del­ten.

Für immer vor­bei war es für Cor­ry noch lan­ge nicht, im Gegen­teil, es ging erst rich­tig los!

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