Deut­scher Vor­ent­scheid 1956: Ach die armen, armen Leu­te

Walter Andreas Schwarz, DE 1956
Die Win­sel­stu­te

Zuge­ge­ben: 1956, als der Euro­vi­si­on Song Con­test zum ers­ten Mal statt­fand, damals im schwei­ze­ri­schen Luga­no, weil­te ich noch nicht auf die­sem Pla­ne­ten – da war ich noch nicht mal in der Pla­nung. Der ers­te Grand Prix, den ich mit Sicher­heit live (vor dem Fern­se­her) sah, war der von 1979. Für die Zeit davor kann ich mich nur auf Video­auf­zeich­nun­gen stüt­zen, wobei für 1956 aller­dings kei­ne sol­che exis­tiert. Oder wie­der­ge­ben, was ande­re Quel­len offen­ba­ren, ins­be­son­de­re Jan Fed­der­sens kom­pe­ten­te (und sehr emp­feh­lens­wer­te) Euro­vi­si­ons­bi­bel ‘Ein Lied kann eine Brü­cke sein’. Doch für das Grün­dungs­jahr des Grand Prix Euro­vi­si­on de la Chan­son sto­chern auch die­se ziem­lich im Nebel.

Süd­ame­ri­ka­ni­sche Rhyth­men vor süd­deut­scher Knei­pen­ku­lis­se: auch die Schla­ger­film-Iko­ne Mar­got Hiel­scher nahm am ers­ten deut­schen Vor­ent­scheid teil (Reper­toire­bei­spiel).

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Schwei­zer Vor­ent­scheid 1956: Auf­tritt einer Legen­de

Die Schweiz beher­bergt in ihrer zweit­größ­ten Gemein­de Genf den Haupt­sitz der euro­päi­schen Rund­funk­uni­on EBU, wel­che bekannt­lich 1955 den Euro­vi­si­on Song Con­test aus der Tau­fe hob. Des­sen Pre­miè­re ging 1956 eben­falls in der Eid­ge­nos­sen­schaft über die Büh­ne, und zwar in Luga­no im male­ri­schen Tes­sin. Man kann das Land also mit Fug und Recht als ide­el­le Hei­mat des Grand Prix bezeich­nen. Um so erstaun­li­cher, dass die Geschichts­schrei­bung hin­sicht­lich der Details der hel­ve­ti­schen Vor­ent­schei­dun­gen der Fünf­zi­ger­jah­re ziem­lich im Trü­ben fischt. Für die Erst­ver­an­stal­tung ist immer­hin soviel bekannt, dass die Vor­auswahl weni­ge Wochen vor dem inter­na­tio­na­len Wett­be­werb in Lau­sanne statt­fand. Drei Künstler/innen nah­men teil: aus jeder der drei maß­geb­li­chen eid­ge­nös­si­schen Sprach­re­gio­nen eine/r. Wie das in einem kul­tu­rell dis­pa­ra­ten Land nun mal so ist, wo man auf den Pro­porz noch pein­lich genau­er ach­tet als inner­halb poli­ti­scher Par­tei­en oder bei deut­schen Rund­funk­rä­ten.

1963 konn­te sich die Schwei­ze­rin Ani­ta Tra­ver­si den zwei­ten Platz bei den Deut­schen Schla­ger­fest­spie­len sichern. Den kom­mer­zi­el­len Erfolg mit ihrem Lied mach­te aller­dings Mar­got Eskens, deren Plat­ten­fir­ma die Sin­gle schnel­ler ver­öf­fent­lich­te (Reper­toire­bei­spiel).

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Natio­naal Song­fes­ti­val 1956: Tüde­lü­delü

Für gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät sind die Nie­der­lan­de nicht erst seit der Insti­tu­tio­na­li­sie­rung von Cof­fee­shops und der damit ein­her­ge­hen­den Teil­le­ga­li­sie­rung von Mari­hua­na oder seit der Ein­füh­rung der Homo-Ehe im Jah­re 2001, damals als ers­ter Staat welt­weit, bekannt. So nimmt es wenig Wun­der, dass es dem hol­län­di­schen Sen­der NTS als ein­zi­ger der sie­ben an der Erst­aus­ga­be des Euro­vi­si­on Song Con­tests teil­neh­men­den TV-Sta­tio­nen vor­be­hal­ten blieb, sei­nen Vor­ent­scheid, das Natio­naal Song­fes­ti­val (NSF), nach demo­kra­ti­schen Maß­stä­ben zu orga­ni­sie­ren und dem Publi­kum als maß­geb­li­chem Rich­ter die Ent­schei­dung zu über­las­sen, welche/n der drei ange­tre­te­nen Künstler/innen und ihrer ins­ge­samt acht Lie­der es nach Luga­no dele­gie­ren woll­te. Genau­er gesagt: wel­che zwei, denn auf­grund des begrenz­ten Krei­ses an teil­neh­men­den Natio­nen muss­te ein jedes Land gleich zwei “Schla­ger und Chan­sons” (so der Titel des deut­schen Vor­ent­scheids) in die Schweiz ent­sen­den. Natür­lich ging das sei­ner­zeit noch nicht per Tele­fon oder gar per App, son­dern noch mit­tels der guten alten Post­kar­te (fragt Eure Eltern!), von denen nach der an einem Diens­tag (!) aus­ge­strahl­ten Show rund 6.500 Exem­pla­re beim Sen­der ein­tru­del­ten.

Für immer vor­bei war es für Cor­ry noch lan­ge nicht, im Gegen­teil, es ging erst rich­tig los!

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San-Remo-Fes­ti­val 1956: Die Wur­zel alles Guten

Als Mut­ter des Euro­vi­si­on Song Con­tests gilt es nach herr­schen­der Leh­re: das Fes­ti­val del­la Can­zo­ne ita­lia­na, hier­zu­lan­de nach sei­nem Ver­an­stal­tungs­ort eher bekannt unter dem Namen San-Remo-Fes­ti­val (SRF). Der erst­ma­lig im Febru­ar 1951 in der ligu­ri­schen Kur­stadt aus­ge­tra­ge­ne Lie­der­wett­streit dien­te der nur ein Jahr zuvor in Genf gegrün­de­ten European Broad­cas­ting Uni­on (EBU), dem Zusam­men­schluss der euro­päi­schen Rund­funk­an­stal­ten, als Blau­pau­se bei ihrer Suche nach einem Zuschau­er­kö­der für das damals noch ver­hält­nis­mä­ßig neue Medi­um Fern­se­hen. Anfäng­lich nur im Radio über­tra­gen, brach­te der ita­lie­ni­sche Staats­sen­der Rai die Lie­der­ga­la 1955 mit ihrer fünf­ten Aus­ga­be erst­ma­lig auf die Bild­schir­me. Und das gleich euro­pa­weit: mit Aus­nah­me Luxem­burgs über­tru­gen sämt­li­che Teil­neh­mer­län­der des ers­ten Grand Prix von 1956, gewis­ser­ma­ßen als Übung, das SRF als Euro­vi­si­ons­sen­dung in ihren Pro­gram­men. Den­noch rich­te­te sich die Show musi­ka­lisch natür­lich in ers­ter Linie an das Publi­kum auf der stie­fel­för­mi­gen Halb­in­sel.

I got it bad / You don’t know how bad I got it: Vil­la mit dem San-Remo-Sie­ger­song 1955.

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