NO 2018: Alexander ist Ry-back!

Zum Schluss musste man wirklich fürchten, er würde vor lauter Aufregung auf der Bühne des Osloer Spektrum gleich einen Schlaganfall erleiden. Vier Abstimmungen brauchte es, bis der Eurovisionssieger von 2009, Alexander Rybak, heute Abend beim MGP als neuerlicher Vertreter Norwegens beim Grand Prix 2018 in Lissabon feststand. ‚That’s how you write a Song‘ hieß sein selbstkomponierter Titel, und dass der Geigentroll wahrlich noch immer weiß, wie das geht, stellte er mit seinem erfrischend altmodischen, aber hochgradig ansteckenden Gute-Laune-Song und einer perfekt darauf abgestimmten Choreografie unter Beweis, die auf spielerisch-lässige Weise Zeichentrickelemente einband. Rybak, der den erneuten Sieg sehr, sehr erkennbar sehr, sehr stark wollte und dann, als er sich bestätigte, sein Glück kaum fassen wollte, führte bereits in der ersten Abstimmungsrunde bei den elf internationalen Jurys, von denen ihm vier ihre Höchstwertung gaben. Und auch das in den beiden letzten Voting-Runden des Super- und Super-Super-Finales (mit jeweils vier bzw. zwei Titeln) alleine abstimmungsberechtigte Publikum konnte er überzeugen.

Macht kleine Noten groß: der putzige Alexander.

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PT 2018: Dans les Jardins du Lisboa

Bevor heute Abend mit dem norwegischen Melodi Grand Prix und dem Finale des schwedischen Melodifestivalen zwei der drei letzten nationalen Vorentscheide der Eurovisionssaison 2018 über die Bühne gehen, gilt es noch ein Ergebnis des zurückliegenden Wochenendes nachzureichen, das mir bislang durchgerutscht ist. Nämlich das des Gastgeberlandes Portugal. Dort setzte sich vergangenen Sonntag im Finale des traditionsreichen Festival da Canção die 23jährige, bereits über mannigfache Casting-Show-Erfahrung verfügende Cláudia Pascoal durch. Und zwar mit dem Titel ‚O Jardim‘ (‚Der Garten‘), einer fragilen Trauerballade, von der pinkhaarigen Interpretin mit passgenauer, zurückhaltender Hingabe und zum Schluss hin fast brüchiger Stimme gesungen. Dabei erfuhr die in einem schwarzen Negligé auftretende Cláudia Unterstützung durch die Komponistin ihres Titels, die tomboyhafte Isaura, die anfänglich mit dem Rücken zum Publikum auf einem Hocker saß und dabei aussah wie das Michelin-Männchen. Was der gesamten Darbietung einen subtilen lesbischen Unterton verlieh.

„Ich gieße Deinen Garten“: singt Cláudia hier von der Grabpflege oder ist das ein lesbischer Code für bestimmte Stimulationstechniken?

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IE 2018: Einmal wie immer

Heimlich, still und leise veröffentlichte am heutigen Freitag der irische Sender RTÉ sein Lied für Lissabon. Ohne große vorhergehende Ankündigung oder gar – wie beim österreichischen Kollegen – im Nachgang zu einer Pressekonferenz. So, als wolle man gar nicht, dass die Öffentlichkeit weiter Notiz davon nimmt. Und so klingt auch der Song: der ebenfalls bereits seit Monaten feststehende Ryan O’Shaugnessy intoniert mit enervierend weinerlicher, hoher Stimme eine bereits tausend Mal gehörte Midtempoballade namens ‚Together‘. An der ist das Interessanteste noch der dazugehörige Videoclip, in dem zwei junge Männer völlig selbstverständlich verliebt und Händchen haltend durch die Straßen Dublins tanzen. Das erwärmt natürlich des Rezensenten Herz, macht aus dem lahmen Liedlein aber leider dennoch nichts, das man noch einmal wiederhören möchte. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, die finanziell gebeutelten Iren wollen gar nicht mehr ins Eurovisionsfinale und melden sich nur noch aus Tradition regelmäßig zur Teilnahme an. ‚Together‘ jedenfalls ist als Wettbewerbsbeitrag eine Kapitulationserklärung.

Bonuspunkte für den Clip (gesponsert offensichtlich von Spar), der Song aber bleibt ein Rohrkrepierer.

AT 2018: Jeanny, quit livin‘ on Dreams

Zunächst einmal: Hut ab, ORF! Der österreichische Sender schaffte es tatsächlich, den Beitrag des bereits vor geraumer Zeit intern ausgewählten Cesár Sampson für den Eurovision Song Contest 2018 bis zum gewünschten Veröffentlichtungstermin, nämlich heute, strikt unter Verschluss zu halten. Das gelingt selten! Hat sich das lange Warten denn auch gelohnt? Unbedingt: ‚Nobody but you‘, so der Titel, überzeugt qualitativ auf ganzer Linie. Feine Gospelelemente mischen sich mit druckvollem Pop und abwechslungsreichen gesanglichen Verzierungen. „Rag ’n‘ Bone Man trifft Hozier trifft Justin Timberlake,“ so ein Youtube-Kommentar. Das lässt sich hören! Dazu erzählt Cesár eine etwas düstere Geschichte, die sich je nach Blickwinkel als Liebeslied, Trennungsschmerzballade, aber auch als Stalker-Song interpretieren lässt. Denn klar ist, dass der Protagonist sich rettungslos in ein Mädchen verliebt hat – ob diese die Gefühle jedoch überhaupt bzw. nicht mehr erwidert, bleibt ein wenig im Dunkeln.

Und erneut spielt das österreichische Präsentationsvideo im tief verschneiten Winterwald. Sieht ja auch einfach gut aus.

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AU, HR, BE 2018: Und ich spür das Adrenalin

Gleich mehrere Nationen, deren jeweilige/r Eurovisionsvertreter/in bereits seit längerem feststehen, haben in den letzten Tagen endlich die dazugehörigen Songs gedroppt. Oder das eigentlich zu einem späteren Datum vorgehabt, was allerdings in Zeiten, da Leaken als Volkssport betrieben wird, zum Scheitern verurteilt ist. So tröpfelte beispielsweise der Beitrag Australiens bereits durch. Für Down Under tritt bekanntlich das Castingsternchen Jessica Mauboy an, die 2014 in Kopenhagen den Pausenact gab, der nach offizieller Geschichtsschreibung seitens der EBU als erfolgreiche Teilnahmebewerbung der Australier akzeptiert wurde. Seither hänge ihr Herz am ESC, so Jessica bei der diesjährigen Direktnominierung durch den Sender SBS. Ihr Lied ‚We got Love‘ entstand laut Eurofire als Gemeinschaftsproduktion der Interpretin mit den Komponisten Anthony Egizii und David Musumeci, die bereits die Beiträge von Dami Im (→ AU 2016) und Isiah Firebrace (→ AU 2017) verbrachen. Merkt man leider: gegen den aus belanglosen Textklischees und tausend Mal gehörten Pop-Fragmenten lieblos zusammengeschusterten Midtemposong wirkt sogar Ella Endlichs ‚Atemlos‘-Abklatsch ‚Adrenalin‘ (→ Vorentscheid DE 2016), an dessen stumpfen Schlagerbeat es stellenweise erinnert, wie ein Feuerwerk der Originalität.

So, nach viel Hin und Her wurde das offizielle Video nun am Donnerstag doch veröffentlicht. Enjoy. (AU).

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Geldsorgen: ukrainische Teilnahme 2018 ist in Gefahr

Das kurzfristige Wackeln von Eurovisionsteilnahmen aus pekuniären Gründen scheint sich zu einem wiederkehrenden Thema zu entwickeln, an das wir uns wohl oder übel gewöhnen müssen. Wie die EBU heute morgen in einer Presseerklärung verlautbarte, ist der ukrainische Sender UA:PBC aufgrund chronischer Unterfinanzierung unmittelbar in seinem Bestand gefährdet. Bereits Ende April 2018, also in wenigen Wochen, könnte das öffentlich-rechtliche Fernsehen gezwungen sein, den Sendebetrieb einzustellen, da der sich in einem massiven Umstrukturierungsprozess befindliche Sender derzeit nur die Hälfte der benötigten Mittel erhalte. Muss das EBU-Mitglied wirklich dicht machen, kann auch der für den Eurovision Song Contest 2018 ausgewählte Emo-Boy Melóvin nicht am Wettbewerb teilnehmen. Was man natürlich als Glück im Unglück bezeichnen könnte, da so den europäischen Zuschauer/innen zumindest die musikalische Monstrosität ‚Under the Ladder‘ erspart bliebe. Im Hinblick auf die Medienvielfalt und Pressefreiheit in der Ukraine würde der Crash von UA:PBC aber natürlich ein verheerendes Zeichen setzen.

Erleidet Melóvin dasselbe Schicksal wie sein rumänischer Kollege Ovidiu Anton 2016?

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AZ 2018: der Hackerangriff

Viel war in den zurückliegenden Monaten in den Medien die Rede von russischen Hackerangriffen auf den Westen. Sei es ein mögliches Eindringen ins Regierungsnetz, wie vom Spiegel vor wenigen Tagen gemeldet, oder die viel ernstere Manipulation der US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen Ende 2017, mit denen Putin, so die Theorie, den ihm wohlgesonnenen (weil finanziell mit ihm verstrickten) Geschäftsmann Donald Trump im Weißen Haus installierte, um die letzten Reste der westlichen Demokratie zu untergraben. Was das alles mit dem Eurovision Song Contest zu tun hat? Nun, auch die russlandfreundliche Diktatur der Əliyevs am Kaspischen Meer benennt nun ganz offen ihre kriminellen Ziele: „I tear down the Firewalls“ droht die vom aserbaidschanischen Fernsehen intern ausgewählte Aysel Mammadova alias Aisel neben allerlei harmlosem linguistischen Unfug in ihrem heute vorgestellten Grand-Prix-Lied ‚X my Heart‘. Gewissermaßen als musikalischer Virus in Form eines Ohrwurms will sie also über uns kommen, die kaukasische Killerin, unsere Schutzsysteme lahmlegen und uns so verwundbar machen.

Vielen Dank für die Blumen: Aisel beschenkt ihr Kindheits-Ich.

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EE 2018: Ein Furz, ja?

Sie ist eingetreten, die einerseits erwartete und andererseits undenkbare Katastrophe. Mit, wie man hört, 70% der Anrufe und der vollen Jury-Unterstützung schickt mein einstmals geliebtes Estland, der kleine, heldenhafte Baltenstaat, die Nation des unnachahmlichen „Estonian Cool das vielleicht schlimmste Machwerk aus der furchtbarsten Musikgattung der Welt zum Eurovision Song Contest 2018. Die Sopranistin Elina Netšajeva (englische Schreibweise: Nechayeva), im Vorjahr noch Moderatorin des Eesti-Laul-Semis, gewann gestern mit dem pompösen Popera-Stück ‚La Forza‘ den Vorentscheid ihres Heimatlandes und spaltet nun die Fan-Nation in zwei erbittert sich gegenüberstehende Lager: während (erstaunlich viele) Menschen mit einer chronischen Geschmacksbehinderung bereits die Hotelzimmer für Tallinn im Mai 2019 reservieren, winden sich andere, so wie der Rezensent, mit krampfenden Eingeweiden auf dem Boden und hoffen auf die Gnade eines Hörsturzes. Denn natürlich, langjährigen Leser/innen dieses Blogs muss ich es nicht erläutern, ist Popera des Teufels, außer, sie kommt als selbstironischer, augenzwinkernder Trash daher wie bei ‚La Voix‘ (→ SE 2009) oder ‚Cvet z Juga‘ (→ SI 2007). Die ehemalige Estland-sucht-den-Superstar-Absolventin liefert ihre lose Auflistung zusammenhangsloser italienischer Opernzitate jedoch mit heiligem Ernst ab.

Verpasste vor ihrem Auftritt anscheinend schnell noch Disco Stu einen Handjob: Elina.

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SM 2018: Zwei zum Preis von 8.000 €

Mit einem unrühmlichen Ergebnis ging gestern Abend in der slowakischen Metropole Bratislava das undurchsichtigste und fischigste Vorentscheidungsverfahren der Saison 2018 zu Ende, das (rein spekulativ) womöglich vor allem den Zweck verfolgte, die Taschen der österreichischen Eurovisionsteilnehmerin von 2016, Zoë Straub, zu füllen. Beziehungsweise die ihres Vaters Christof, dem Produzenten der Show. Immerhin einen gewissermaßen mildtätigen Zweck erfüllte 1in360: die bereits siebenfach (!) beim Vorentscheid in ihrer Heimat Malta gescheiterte Jessika Muscat konnte sich zum günstigen Schnäppchenpreis von nur 8.000 € (plus Juryspesen) nun endlich ihre lang ersehnte Eurovisionsteilnahme erkaufen. Dafür erhielt sie aus dem Hause Straub einen horriblen, billigen ‚Heroes‘-Abklatsch namens ‚Who we are‘, den sie sich allerdings mit der Deutschen Jenifer Brening teilen muss, welche in dem Song die ursprünglich dem per Wildcard hinzugelosten, einzigen sanmarinesischen 1in360-Teilnehmer Irol zugedachten Rap-Parts übernahm. Und dabei übrigens hervorragend ablieferte!

Die derzeit grassierende Erkältungswelle scheint auch Jessica erwischt zu haben. Oder tropfte der Schweiß bis zur Lippe?

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PL 2018: Zwei zum Preis von einem

Ein schwacher Silberstreif in der endlosen Düsternis: so könnte man die gestrige polnische Vorentscheidung Krajowe Eliminacje bezeichnen. Zehn fast durchgängig okaye, also ohne größere Schmerzen anhörbare Popsongs mit einer ansehnlichen stilistischen Bandbreite fuhr der Sender TVP in Warschau auf. Und das reichte an diesem Superkatastrophensamstag der eurovisionären Schrecknisse bereits, sich positiv herausheben aus der unendlichen europaweiten Finsternis. Dank der klugen Wahl der polnischen Televoter/innen – auch nichts, das man zwangsläufig voraussetzen kann – siegte mit dem passend betitelten ‚Light me up‘ eine Art von Liedkonglomerat. Anfänglich noch ein hundsordinärer, radiokompatibler Poprocksong, von dem langhaarigen, spindeldürren, knopfäugigen Schweden Lukas Meijer ein wenig winselig vorgetragen, ändert sich im direkten Anschluss an den ersten Refrain die musikalische Marschrichtung. Der bislang abseits der Kamera verharrende polnische DJ und Komponist Andrzej Gromala alias Gromee kam ins Bild – und ab geht die Luzie: mittels ordentlicher Beats und elektronischer Sounds wird aus ‚Light me up‘ ab dieser Stelle ein passabler Tanzflächenfüller.

Hoch die Hände, Wochenende: auch Lukas ist ein Fan der Ganzkörper-Bauernmalerei.

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