Schlagwort: Albanien

Beim Fes­ti­va­li i Kën­gës, dem tra­di­ti­ons­rei­chen alba­ni­schen Lie­der-Fes­ti­val mit fest­li­chen Roben, gro­ßem Orches­ter und ver­dienst­vol­ler Jury bestimmt das Land der Ski­pe­ta­ren stets schon Ende Dezem­ber sei­nen Euro­vi­si­ons­bei­trag, der anschlie­ßend fast immer musi­ka­lisch kom­plett umge­krem­pelt und angli­fi­ziert wird. Es domi­niert die dis­so­nant krei­schen­de ein­zel­ne Frau.
Dabei seit: 2004; ESC-Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: kei­ne.

2020, Die Zwanzigzwanziger, Diese Welt, Jurys sind Wichser

Dis­kus­si­on: Ent­zieht den Völ­kern das Stimm­recht!

Noch keine zwei Tage ist die Eurovisionssaison 2020 alt und wird bereits vom ersten Voting-Skandal überschattet. Bekanntlich zog im gestrigen Finale des albanischen Festivali i Këngës das von vielen Fans favorisierte Pop-Sternchen Elvana Gjata mit ihrem hervorragend inszenierten Uptempo-Knaller 'Me tana' knapp den Kürzeren im hochspannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrer einzigen ernst zu nehmenden Herausforderin, der Kosovarin Arilena Ara und ihrer erkennbar auf eine möglichst hohe Jury-Punktzahl hin optimierten Ballade 'Shaj'. Der Clou dabei: die alleine abstimmungsberechtigte, fünfköpfige FiK-Jury bestand diesmal aus drei internationalen Juroren (ja, alles Männer) und zwei skipetarischen Jurorinnen (ja, beides Frauen). Und die drei Herren - der Schwede Christer Björkman, der Grieche Dimi...
Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Lie­be
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Lie­be

'Shaj' ('Schrei'), so heißt der albanische Eurovisionsbeitrag für den Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam. Und genau so klingt er. Dass man in Tirana nach dem letztjährigen, zaghaften Experiment mit einem moderat aufgefrischten Festivali i Këngës wieder zum klassischen Format mit verpflichtender Orchesterbegleitung und ausschließlichem Juryentscheid zurückkehrte, wies bereits den Weg: folgerichtig wählte man auch beim Beitrag ein altbekanntes Konzept, nämlich das der dissonant kreischenden Frau. Die heißt heuer Arilena Ara, stammt (wie Rona Nishliu) gebürtig aus dem Kosovo und gewann 2013 die Castingshow X-Factor. Die dort gelernten Lektionen beherzigte sie denn auch bei ihrem siegreichen FiK-Auftritt: es kommt nicht darauf an, sauber zu intonieren oder sich emotional involviert zu z...
Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2019
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2019

Nichts geht doch über das lieb gewonnene Vorweihnachtsritual des Festivali i Këngës (FiK)! Bereits zum 58. Mal findet das traditionsreiche, wie der Eurovision Song Contest selbst am Vorbild des italienischen San-Remo-Festival geschulte Liederfest heuer statt und dient erneut als Vorentscheid für Rotterdam. Nach einem ebenso halbherzigen wie umstrittenen Modernisierungsversuch mittels einer Halbplaybackrunde kehrte der albanische Sender RTSH diesmal flugs zur altgewohnten Ausrichtungsform mit klassischem, großem Rundfunkorchester und zwei Qualifikationsrunden zu je zehn Kombattant/innen zurück. Ebenso traditionell auch die jeweils (!) fünfundvierzigminütige (!!) Verspätung, mit der beide (!!!) Semis sowohl am Donnerstag als auch am Freitag starteten und die RTSH mit einer Endlosschleife des...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Schwules

2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madonna wird am Samstag im Finale des Eurovision Song Contest 2019 auftreten. Die seit Monaten als Gerücht gestreute, in den letzten Tagen mit einem entweder unnötigen oder gefakten Drama um nicht unterschriebene Verträge gehypte und gestern bestätigte Nachricht, dass die EBU der amerikanischen Großmutter des Pop, die hierfür sogar noch eine von einem israelischen Industriellen finanzierte Millionengage einstreicht, in der zuschauerstärksten TV-Show der Welt kostenlos die Möglichkeit zur Bewerbung ihres neuesten Albums einräumt, nahm am gestrigen Donnerstagabend gefühlt ein Viertel der Sendezeit, mindestens jedoch der Moderation ein und degradierte die achtzehn im Kampf um den Finaleinzug angetretenen Acts zur bloßen Staffage. Vertraut die EBU der Strahlkraft ihrer eigenen Vorzeigesendung ...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 11 – Kthe­ju Tokës

Sollte es im Mai 2019 zu einem außergewöhnlichen Anstieg des Meeresspiegels kommen, trifft daran nicht alleine die Klimaerwärmung die Schuld: Millionen von Exil-Albaner/innen dürften während des Eurovision Song Contests zuhause vor den Geräten sturzbachartige Tränenströme vergießen. Platz 11: Albanien - Jonida Maliqi: Ktheju Tokës (Kehre zurück) Denn das Land der Skipetaren setzt erneut auf Bewährtes: die traditionell bereits an Weihnachten 2018 beim FiK ausgewählte Jonida präsentiert sich als besonders goldglänzendes Exemplar der bereits vielfach erprobten Gattung der wehklagenden Witwe. Nur, dass sie keinen toten Gatten betrauert, sondern den zum Studieren und / oder Geldverdienen ins europäische Ausland abgewanderten Mann, den sie mit herzzerreißenden Textzeilen wieder nach Hause lo...
Fes­ti­va­li i Kën­gës 2019: heim ins Reich
2019, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2019: heim ins Reich

Das erste Lied für den Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv steht fest, traditionellerweise bestimmt beim vorweihnachtlichen Festivali i Këngës. Und es stammt mal wieder von einer kreischenden Frau, nichts Ungewöhnliches also für Albanien. Allerdings singt Jonida Maliqi mit zwar kräftiger, aber keinesfalls dissonanter Stimme, so wie man es von den Skipetarinnen sonst gewohnt ist. Die 36jährige, die erstmalig im zarten Alter von 13 beim albanischen Liederfestival auftrat (das damals noch nicht als Vorentscheid fungierte, da das Land seinerzeit noch nicht an der Eurovision teilnahm), überzeugte optisch mit vorzüglichen Simone-Thomalla-Lippen, einer Mireille-Mathieu-Perücke und der anmutig aristokratischen Ausstrahlung einer ägyptischen Pharaonin. Den Ohren schmeichelt ihr Beitrag mit sei...
Stö­run­gen im Betriebs­ab­lauf: die FiK-Semis 2019
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Schwules

Stö­run­gen im Betriebs­ab­lauf: die FiK-Semis 2019

Die Deutsche Bahn hat offenbar heimlich, still und leise das Management des albanischen Staatssenders Radio Televizione Shqiptar (RTSH) übernommen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass das gestrige zweite Semifinale des traditionsreichen Festivali i Këngës (FiK) aufgrund nicht näher spezifizierter "technischer Schwierigkeiten" mit einer satten dreiviertel Stunde Verspätung startete, die RTSH zur besonderen Freude der erwartungsfroh sich vor den Bildschirmen und Internetbrowsern Europas versammelt habenden Vorentscheidungsfans mit einer Dauerschleife der immergleichen fünf Programmtrailer überbrückte. Der animierte Tannenzapfen aus dem "Frohes Fest"-Spot wird nicht nur mich noch die nächsten Jahre in meinen Alpträumen verfolgen! Doch dem passionierten Eurovisionsenthusiasten ist keine ...
2018, ESC Finale

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheimvertrag mit dem Karma? Oder wie schafft Israel es sonst, seine Eurovisionssiege mit einer derartigen mathematischen Präzision in Abständen von jeweils exakt 20 Jahren über die Grand-Prix-Geschichte zu verteilen? Und das auch noch mit einem jeweils ziemlich ähnlichen Konzept: 1978 schaffte es Izhar Cohen auf dem Höhepunkt der Discowelle mit einem tanzbaren, von der universalen Liebe unter den Menschen handelnden Kinderlied namens 'A Ba Ni Bi' und einer sensationellen Marge-Simpson-Frisur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämpferischen Transsexuellen Dana International mit dem Tanzflächenfüller 'Diva' der bis heute wichtigste, weil ein unübersehbares, die gesellschaftliche Liberalität beflügelndes Zeichen für Toleranz und Respekt gegenüber dem...
<span class="caps">AL</span> 2018: Sce­nes from a Mall
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

AL 2018: Sce­nes from a Mall

Recht früh in der Nacht zum Heiligen Abend fiel in Albanien die Entscheidung, und sie fiel passend: wie als Nachwehe zum bis nur wenige Stunden zuvor noch europaweit vorherrschenden weihnachtlichen Geschenkebeschaffungsstress handelt der von einer Jury ausgewählte Siegersong des 56. Festivali i Këngës (FiK) von einer der typischen Einkaufsstätten für die Gaben an die Lieben, der 'Mall' nämlich. Ein drogendürres Männchen mit dunklen Knopfaugen und dem fantastischen Namen Eugent Bushpepa singt das schon spektakulär unspektakuläre Midtempo-Softrock-Stück, das in Wahrheit natürlich kein schnödes Shoppingcenter, sondern die 'Sehnsucht' thematisiert und welches auch bei den Zuschauer/innen im Kongresspalast zu Tirana den langanhaltendsten Saalapplaus ernten konnte. Nicht völlig unverdient, denn ...
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Histo­ry Book on the Shelf
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Histo­ry Book on the Shelf

Eine Schneise der Verwüstung, anders lässt es sich nicht bezeichnen, schlug die allein entscheidungsberechtigte Jury gestern mitten in der Nacht in den albanischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2018. Seit Donnerstag laufen, wie wohlinformierte Eurovisionistas wissen, im Kongresspalast zu Tirana die beiden Vorrunden des Festivali i Këngës, das traditionell die Saison eröffnet und heute Abend mit dem Finale sein Ende findet. 22 Acts traten in den beiden Semis an und stellten 22 Lieder vor, von denen selbst der leidensbereiteste Grand-Prix-Fan tatsächlich nicht ein einziges zwingend ein zweites Mal hören müsste. Wahnsinnig zähe, schmerzhaft dissonant gekrischene Balladen und unerträglich dröge Midtempo-Softrockstücke dominierten die beiden Abende, nicht ein Stück fand sich darunter...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Unsere Lieblinge

Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsicherer die Zeiten, um so mehr suchen die Menschen fröhlich stimmende Ablenkung und Zerstreuung, so jedenfalls suggeriert es das Ergebnis der ersten Qualifikationsrunde des Eurovision Song Contests 2017, das am gestrigen Dienstagabend im Internationalen Ausstellungszentrum zu Kiew über die Bühne ging. Bestimmten im Vorfeld dieses Jahrgangs noch die schändlichen Ränkespiele um das vom Gastgeberland Ukraine verhängte Einreiseverbot gegen die russische Repräsentantin Julia Samoylova sowie die deutlich verschärften Sicherheitsmaßnahmen rund um die Veranstaltung die öffentliche Wahrnehmung des Wettbewerbs und schufen damit ein mulmiges Klima, so setzten sich im gestrigen Semi größtenteils diejenigen Beiträge durch, die sich an eher uptemporären, aktuellen Sounds orientierten und showtechn...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #5: Cry me a River

Im fünften Zweikampf unseres Leser/innen-Spiels widmen wir uns einer bei vielen Fans äußerst beliebten Spezies: der schreienden Frau. Lautstärke und langgezogene Töne bringen nicht nur viele Jurorenherzen zum Schmelzen, sondern sorgen auch bei etlichen Eurovisionistas für Ohrgasmen. Eine Technik, die gerade die Albanerinnen besonders gut beherrschen, und so sollte es nicht verwundern, dass unsere erste heutige Kämpferin für das Land der Skipetaren antritt. Die in den USA lebende Kosovarin behauptet in ihrer ethno-angehauchten, hochdramatischen Ballade 'World' zwar, des Kampfes müde zu sein und stellt die nicht ganz neue und nicht ganz unberechtigte Frage: "What’s this fight all for"? Doch so ganz möchte man der 28jährigen diese Antikriegs-Attitüde nicht abnehmen. Würde sie sonst mitten im ...
2017, Die Zwanzigzehner, Remixe

Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Nachdem in den vergangenen Monaten innerhalb der nunmehr abgeschlossenen Vorentscheidungssaison 2017 nach und nach alle 43 Beiträge für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew ausgewählt wurden, trafen in der vergangenen Woche, rund um die Deadline für das Einreichen der Lieder bei der EBU, diverse Remixe der bereits feststehenden Titel ein, die es hier noch zu besprechen gilt. Dazu zählt natürlich in erster Linie die unvermeidliche Überarbeitung des albanischen Songs. Der hieß, als er Ende Dezember 2016 das heimische Festivali i Kënges gewann, noch 'Botë': eine hochdramatische, verschwenderisch orchestrierte Grand-Prix-Ballade in Landessprache, die von dem stimmsicher, präzise und mit Hingabe dargebotenen Gekreische seiner Interpretin lebt, sowie von den sehr präsenten und eindrucksvolle...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Alba­ni­ens Euro­vi­si­ons-Bote heißt Lin­di­ta

Knappe vier Stunden Sendezeit für 14 Wettbewerbsbeiträge, unzählige Pausenacts, endloses Gesabbel, gefühlt vierhundert Werbeunterbrechungen und technische Pannen bis zum Abwinken: das albanische Fernsehen RT.SH erinnerte uns heute Abend mit der 55. Ausgabe des Festivali i Kënges, der skipetarischen Variante des San Remo Festival und ersten Grand-Prix-Vorauswahl der laufenden Saison mal wieder daran, warum die Vorentscheidungen von jenseits des früheren Eisernen Vorhangs einen derart legendären Ruf genießen. Hier bildeten Geduldsproben und unfreiwillige Lacher, Freud und Leid ein untrennbares Konglomerat, eine wunderbare Tortur, die ich um keinen Preis der Welt hätte vermissen wollen. Und am Ende gewann mal wieder eine sich leidenschaftlich verausgabende Sängerin mit einer starken (und star...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

EBU lässt Vor­ent­schei­dungs­fans im Regen ste­hen

Vorgestern begannen mit dem Festivali i Kënges die für Eurovionsfans sowohl schönsten als auch anstrengendsten zwölf Wochen des Jahres, die der Vorentscheidungssaison nämlich, da verdirbt uns die EBU die festlich-erwartungsvolle Stimmung. Anders als in den Vorjahren wolle man nämlich, so auf eurovision.tv in einem Nebensatz zu lesen, die diversen nationalen Vorentscheidungen nicht mehr auf der eigenen Seite streamen - ein Angebot, das von vielen Fans in der Vergangenheit sehr gerne genutzt wurde, um die Shows bequem und weitgehend ruckelfrei mitverfolgen zu können. Begründung für die massive Serviceverschlechterung: fast alle nationalen Sender würden ihren Vorentscheid mittlerweile selbst im Netz streamen oder hierfür Drittanbieter wie Youtube nutzen. Man wolle sich daher darauf beschränke...
2017, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen, Türkvizyon

Fes­ti­va­li i Kën­gës: mehr Demo­kra­tie wagen

Wie Eurovoix heute berichtet, soll das Publikum beim albanischen Eurovisionsvorentscheid erstmalig ein Mitspracherecht erhalten. Das seit 2008 als nationales Finale genutzte, seit 55 Jahren bestehende und in Anlehnung an das italienische San-Remo-Festival gegründete Festivali i Këngës, bei dem bislang eine mit verdienten Künstler/innen des Volkes und Funktionären besetzte Jury das alleinige Sagen hatte, öffnet sich damit erstmalig der Vox populi. Wenn auch mit ganz behutsamen Babyschritten: in den beiden Semis des FiK, in denen insgesamt 24 Acts antreten, bestimmt ein aus handverlesenen Zuschauer/innen zusammengesetztes Panel drei Titel, die ins Finale einziehen dürfen. Eine Pressejury wählt weitere drei Finalisten, die eingangs erwähnte Senderjury hingegen ganze acht. Schon klar, wer hier...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

"Måns ist sehr enttäuscht": das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte - im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper möglichst textilfrei der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und wie...
2016, Die Zwanzigzehner, Diese Welt

Alba­ni­en mas­sa­kriert sein Mär­chen

Kaum tadele ich die Albaner, dass sie noch immer nicht die angloterrifizierte Fassung ihres Eurovisionsbeitrags abgeliefert haben, da kommt der Sender mit dem Video von 'Fairytale' um die Ecke. So heißt die ehemals ergreifend schöne Balkanballade 'Përrallë' jetzt, und das Adria-Land investierte erkennbar viel Mühe und Geld, aus dem stolzen Songschwan ein billiges Plastikentchen zu machen. Es gelang: alles, was 'Përrallë' groß und edel machte - die schwelgerischen Geigen, der dramatische Liedaufbau, Eneda Tarifas geschmackvolles Abendkleid vom FiK-Auftritt - wurde herausoperiert und durch Talmi ersetzt. Sei es die beinahe quäkige Instrumentierung, der durchlaufende und äußerst unpassende Plastikbeat oder die Flurschäden, die das (immerhin recht tadellose) Englisch anrichtete. Im Clip setzte...
2016, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen

Von blon­dier­ten Bar­bies und toten Schla­ger­di­ven

So, ein verregneter Sonntagnachmittag, noch ein paar Minuten bis zum Beginn des rumänischen Vorentscheidungsfinales: kurz Zeit also, über einige Phänomene der letzten Tage zu sinnieren. Beginnen wir zunächst mit dem scheinbar merkwürdigen Abstimmungsverhalten in einigen Ländern und den dazugehörigen Hintergründen. Da ist das allgemein unerwartete und schockierende Ergebnis in Polen, wo die Zuschauer/innen eine zottelige Jack-Sparrow-Kopie wählten und den von vielen Fans bereits als möglichen Siegertitel des ESC 2016 gehandelten Song 'Cool me down' von Margaret verschmähten. Was vielleicht weniger verwundert, wenn man sich vor Augen führt, dass der Sender TVP beim gestrigen Televoting pro Anschluss lediglich einen Anruf wertete. Sicherlich fairer im Hinblick auf ein repräsentatives, weniger...
2016, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen, Schwules, Unsere Lieblinge

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: mund­ge­schäl­te Bana­nen aus Isra­el

Früher einmal stand das englische Wörtchen "gay" sowohl für "schwul", als auch - im Originalsinne - für "fröhlich". Das scheint lange her: mittlerweile hat sich bei vielen Berufshomos leider eine nervtötende Humorlosigkeit breit gemacht, wie sich am Beispiel der gerade laufenden israelischen Vorentscheidung Rising Star zeigt. Dort kam der junge Künstler Maor Gamliel eine Runde weiter, mit einem Song, der sich nach meinem Empfinden in freundschaftlich-neckender Weise über einen Schrankschwulen lustig macht. 'Moshiko', so der Name des titelgebenden Homos, "liebt Ärsche", "treibt keinen Sport", hält sich aber ständig im Umkleideraum auf, "lässt die Seife fallen", "schält Bananen mit dem Mund" und sollte sich endlich outen, fordert Maor. Denn, auch so heißt es im Songtext, "schwul ist cool" un...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Alba­ni­en 2016: Angriff der James-Bond-Borgs

Drei Abende, dreißig Songs, gefühlte dreihundert Stunden voll zäher Moderation, zäherer Lieder und zähester Interval-Acts sowie ungefähr dreitausend Wiederholungen der selben drei Werbeclips liegen hinter uns. Mit anderen Worten: ein ganz normales Festivali i Këngës! Und auch wenn man gegen Ende des dreieinhalbstündigen Finales schon alle Hoffnungen hatte fahren lassen: zuletzt schaffte es die (nach wie vor allein abstimmungsberechtigte) albanische Jury doch, eine Siegerin zu küren und uns damit das erste Lied für den Eurovision Song Contest 2016 zu schenken! 'Përrallë' heißt es, - jawohl, mit gleich zwei Diakrit-ës, wir sind schließlich in Tirana! - was sich mit 'Märchen' übersetzt. Und es klingt wie die Titelmusik einer albanischen Sci-Fi-Action-Parodie, in der James Bond auf kriegerisch...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Ret­tet eine Dis­qua­li­fi­ka­ti­on die Schweiz?

Unerhörtes trug sich heute in der Schweiz zu. Dort hatte, so viel kurz zur Vorgeschichte, am 6. Dezember 2015 die senderinterne Jury des deutschschweizerischen Senders SRF aus den wenigen Vorschlägen, welche die Internet-Vorrunde des dortigen Auswahlverfahrens überlebt hatten, die sechs Untauglichsten für das Finale am 13. Februar 2016 in Kreuzlingen herausgesucht. 'Holz vor dr Hüttn' von Platzhirsch, der einzige Song mit guten Chancen im internationalen Wettbewerb, blieb dabei natürlich auf der Strecke. Heute aber mussten die Züricher einen der ausgewählten Beiträge, 'Perché mi guardi cosi?' von Stéphanie Palazzo, disqualifizieren - die Dame hatte das Lied vor zwei Jahren bereits in einer französischen Fassung veröffentlicht. Ups! Das multikulturell aufgestellte Quintett Kaceo aus Bern rü...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

A Touch too much: das Fina­le 2015

Okay, ich geb's zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen ("Dreieinhalb", wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanim...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Punk is dead: ers­tes Semi 2015

Gleich vorneweg ein Wort der Vorwarnung: vermutlich sehe ich dieses Jahr einen komplett anderen Contest als ein Großteil meiner Leser/innen. Denn ich bin seit langem erstmals wieder vor Ort, und bekanntlich sind die Eindrücke in der Halle stets völlig andere als die zu Hause an den Flachbildschirmen. So hörte ich, zumindest schon mal heute im ersten Semifinale, beispielsweise nur satten, vollen Sound und weitestgehend fehlerfreien Gesang - dies also zur Erklärung, falls das an den Rundfunkempfängern anders herüberkam. Dann ein weiteres Wort der Vorwarnung: ich bin stocksauer! Auf Europa! Und zwar, weil die fantastischen Finnen nicht weiterkamen. Nein, 'Aina Mun Pitää' wird als Song vermutlich keine Aufnahme in die Playlist meiner zehn Lieblingstitel aller Zeiten finden. Aber der Mut der Fi...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben, Schwules

Die Vil­la­ge Peop­le sind in Wien: ers­te Pro­ben ers­tes Semi 2015

Seit Montag Mittag sind die Spiele offiziell eröffnet: in der Wiener Stadthalle probten gestern und heute die 16 Teilnehmer/innen des ersten Semifinales am kommenden Dienstag. Und obgleich es sich um den allerersten, technischen Durchlauf handelte, der hauptsächlich zum Finden der richtigen Kameraeinstellungen und Beleuchtung diente, berichteten die zahlreich in Wien bereits aufgeschlagenen Schwurnalisten natürlich ausführlich über jedes noch so kleine Detail und erstellten umgehend neue Prognosen. Wenn nicht gerade kontrovers über den Aufreger des Tages debattiert wurde: so rüstet die Wiener Stadtverwaltung derzeit 120 Fußgängerampeln mit mit neuen Symbolen aus: händchenhaltend gemeinsam wartende bzw. laufende Pärchen - darunter auch gleichgeschlechtliche - sollen für höhere eine Aufmerks...