Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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AL 2018: Sce­nes from a Mall

Recht früh in der Nacht zum Hei­li­gen Abend fiel in Alba­ni­en die Ent­schei­dung, und sie fiel pas­send: wie als Nach­we­he zum bis nur weni­ge Stun­den zuvor noch euro­pa­weit vor­herr­schen­den weih­nacht­li­chen Geschen­ke­be­schaf­fungs­stress han­delt der von einer Jury aus­ge­wähl­te Sie­ger­song des 56. Fes­ti­va­li i Kën­gës (FiK) von einer der typi­schen Ein­kaufs­stät­ten für die Gaben an die Lie­ben, der ‘Mall’ näm­lich. Ein dro­gen­dür­res Männ­chen mit dunk­len Knopf­au­gen und dem fan­tas­ti­schen Namen Eugent Bush­pe­pa singt das schon spek­ta­ku­lär unspek­ta­ku­lä­re Mid­tem­po-Softrock-Stück, das in Wahr­heit natür­lich kein schnö­des Shop­ping­cen­ter, son­dern die ‘Sehn­sucht’ the­ma­ti­siert und wel­ches auch bei den Zuschauer/innen im Kon­gress­pa­last zu Tira­na den lang­an­hal­tends­ten Saa­l­ap­plaus ern­ten konn­te. Nicht völ­lig unver­dient, denn obschon kei­ner der nach den bei­den vor­an­ge­gan­ge­nen Semis ver­blie­be­nen 14 FiK-Titel tat­säch­lich in irgend­ei­ner Form die Wurst von Tel­ler zu zie­hen ver­moch­te, ver­fügt ‘Mall’ wenigs­tens über eine nach­voll­zieh­ba­re Song­struk­tur und einen homöo­pa­thi­schen Schub. Sowie, als sein wuchernds­tes Pfund, einen cha­ris­ma­ti­schen Inter­pre­ten.

Der Herr Busch­pfef­fer mit sei­nem Vier­ein­halb-Minu­ten-Song, den er auch in Lis­sa­bon auf Alba­nisch sin­gen möch­te. Mal sehen, was nach der Ein­kür­zung und dem Remix davon übrig bleibt.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Histo­ry Book on the Shelf

Eine Schnei­se der Ver­wüs­tung, anders lässt es sich nicht bezeich­nen, schlug die allein ent­schei­dungs­be­rech­tig­te Jury ges­tern mit­ten in der Nacht in den alba­ni­schen Vor­ent­scheid zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2018. Seit Don­ners­tag lau­fen, wie wohl­in­for­mier­te Euro­vi­sio­nis­tas wis­sen, im Kon­gress­pa­last zu Tira­na die bei­den Vor­run­den des Fes­ti­va­li i Kën­gës, das tra­di­tio­nell die Sai­son eröff­net und heu­te Abend mit dem Fina­le sein Ende fin­det. 22 Acts tra­ten in den bei­den Semis an und stell­ten 22 Lie­der vor, von denen selbst der lei­dens­be­rei­tes­te Grand-Prix-Fan tat­säch­lich nicht ein ein­zi­ges zwin­gend ein zwei­tes Mal hören müss­te. Wahn­sin­nig zähe, schmerz­haft dis­so­nant gekri­sche­ne Bal­la­den und uner­träg­lich drö­ge Mid­tem­po-Sof­trock­stü­cke domi­nier­ten die bei­den Aben­de, nicht ein Stück fand sich dar­un­ter, das nach mensch­li­chen Maß­stä­ben als Pop durch­gin­ge. Mit viel­leicht, wenn man bei­de Ohren zudrückt, einer Aus­nah­me: ‘Bum bum’ von Ergi Bre­gu. Nun weck­te der laut­ma­le­ri­sche Song­ti­tel umge­hend Erin­ne­run­gen an einen sehr ähn­lich benann­ten arme­ni­schen ESC-Bei­trag von 2011, den sei­ne Inter­pre­tin, die pos­sier­li­che Emmi, live lei­der ziem­lich ver­kack­te. Und unse­re Ergi? Nun, hören Sie selbst:

Autschn!

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Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsi­che­rer die Zei­ten, um so mehr suchen die Men­schen fröh­lich stim­men­de Ablen­kung und Zer­streu­ung, so jeden­falls sug­ge­riert es das Ergeb­nis der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de des Euro­vi­si­on Song Con­tests 2017, das am gest­ri­gen Diens­tag­abend im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum zu Kiew über die Büh­ne ging. Bestimm­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs noch die schänd­li­chen Rän­ke­spie­le um das vom Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ver­häng­te Ein­rei­se­ver­bot gegen die rus­si­sche Reprä­sen­tan­tin Julia Samo­yl­o­va sowie die deut­lich ver­schärf­ten Sicher­heits­maß­nah­men rund um die Ver­an­stal­tung die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Wett­be­werbs und schu­fen damit ein mul­mi­ges Kli­ma, so setz­ten sich im gest­ri­gen Semi größ­ten­teils die­je­ni­gen Bei­trä­ge durch, die sich an eher uptem­po­rä­ren, aktu­el­len Sounds ori­en­tier­ten und show­tech­nisch alten Wein in neue Schläu­che gos­sen. Also irgend­wie beru­hi­gend Ver­trau­tes und Bewähr­tes boten. Von fast aus­nahms­los allen Teilnehmer/innen ein­heit­lich befolg­te Trends ver­stärk­ten dabei den uni­for­men Ein­druck die­ses Abends: so das bedau­er­li­cher­wei­se fast durch­gän­gig prak­ti­zier­te Ver­ste­cken der Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne; die Domi­nanz der Unschuld und Rein­heit sug­ge­rie­ren­den Far­be Weiß für die Gar­de­ro­be; das ger­ne genom­me­ne Ein­blen­den von Aus­schnit­ten der pro­fes­sio­nel­len Musik­vi­de­os oder von über­le­bens­gro­ßen Por­trät­fo­tos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hin­ter­grund sowie der gera­de­zu skla­visch befolg­te Mode­trend des Flan­king (die Kom­bi­na­ti­on von unsicht­ba­ren Snea­ker­so­cken und Hoch­was­ser­ho­sen zum Zwe­cke des kecken Her­zei­gens eines Strei­fens Bein­flei­sches in Höhe der Fes­seln).

Zwei­ein­vier­tel Stun­den vol­ler hoch­pro­fes­sio­nel­ler TV-Unter­hal­tung: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le 2017

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Euro­vi­si­on Death­match #5: Cry me a River

Im fünf­ten Zwei­kampf unse­res Leser/in­nen-Spiels wid­men wir uns einer bei vie­len Fans äußerst belieb­ten Spe­zi­es: der schrei­en­den Frau. Laut­stär­ke und lang­ge­zo­ge­ne Töne brin­gen nicht nur vie­le Juro­ren­her­zen zum Schmel­zen, son­dern sor­gen auch bei etli­chen Euro­vi­sio­nis­tas für Ohr­gas­men. Eine Tech­nik, die gera­de die Alba­ne­rin­nen beson­ders gut beherr­schen, und so soll­te es nicht ver­wun­dern, dass unse­re ers­te heu­ti­ge Kämp­fe­rin für das Land der Ski­pe­ta­ren antritt. Die in den USA leben­de Koso­va­rin behaup­tet in ihrer eth­no-ange­hauch­ten, hoch­dra­ma­ti­schen Bal­la­de ‘World’ zwar, des Kamp­fes müde zu sein und stellt die nicht ganz neue und nicht ganz unbe­rech­tig­te Fra­ge: “What’s this fight all for”? Doch so ganz möch­te man der 28jährigen die­se Anti­kriegs-Atti­tü­de nicht abneh­men. Wür­de sie sonst mit­ten im Song zu einem über zwan­zigs­ekün­di­gen, tech­nisch ein­wand­frei abge­lie­fer­ten Schrei anset­zen, bei dem man im Geis­te förm­lich erspü­ren kann, wie sich im Hin­ter­grund die Jury-Punk­te auf­ad­die­ren? Und auch den Spa­gat zwi­schen ihren unbe­lehr­bar auf das ver­meint­lich wett­be­werbs­fä­hi­ge­re Eng­lisch fixier­ten Lands­leu­ten und den Jahr für Jahr um Lan­des­sprach­lich­keit bet­teln­den inter­na­tio­na­len Grand-Prix-Fans meis­tert sie gran­di­os, in dem sie den angli­fi­zier­ten Text ein­fach mit alba­ni­schem Zun­gen­schlag into­niert und so bei­den Sei­ten ent­ge­gen­kommt. Cle­ver!

Schwebt stets im Abend­kleid durch die koso­va­ri­schen Wäl­der: Lin­di­ta (AL)

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Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Nach­dem in den ver­gan­ge­nen Mona­ten inner­halb der nun­mehr abge­schlos­se­nen Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2017 nach und nach alle 43 Bei­trä­ge für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew aus­ge­wählt wur­den, tra­fen in der ver­gan­ge­nen Woche, rund um die Dead­line für das Ein­rei­chen der Lie­der bei der EBU, diver­se Remi­xe der bereits fest­ste­hen­den Titel ein, die es hier noch zu bespre­chen gilt. Dazu zählt natür­lich in ers­ter Linie die unver­meid­li­che Über­ar­bei­tung des alba­ni­schen Songs. Der hieß, als er Ende Dezem­ber 2016 das hei­mi­sche Fes­ti­va­li i Kën­ges gewann, noch ‘Botë’: eine hoch­dra­ma­ti­sche, ver­schwen­de­risch orches­trier­te Grand-Prix-Bal­la­de in Lan­des­spra­che, die von dem stimm­si­cher, prä­zi­se und mit Hin­ga­be dar­ge­bo­te­nen Gekrei­sche sei­ner Inter­pre­tin lebt, sowie von den sehr prä­sen­ten und ein­drucks­vol­len Chor­sän­ge­rin­nen, die Lin­di­tas laut­star­kes Kla­gen mit einer Art schmerz­voll-dunk­lem Grund­brum­men aufs Wun­der­bars­te kom­bi­nie­ren. Der nun prä­sen­tier­te, unver­meid­li­cher­wei­se ent­täu­schen­de ESC-Remix mischt letz­te­res bis an die unte­re Gren­ze der Wahr­nehm­bar­keit her­un­ter, hallt und don­nert dafür die Lead­stim­me gigan­tisch auf, was dem Lied ein wenig die Balan­ce nimmt. Als viel schlim­mer erweist sich jedoch die Sprach­wahl: wäh­rend Instru­men­tie­rung und Län­ge prak­tisch unver­än­dert blei­ben (‘Botë’ beach­te­te, extrem unge­wöhn­lich für einen alba­ni­schen Song, bereits in der FiK-Fas­sung die magi­sche → Drei-Minu­ten-Gren­ze), singt Frau Hami­li den Bei­trag in Kiew, wie üblich und wie bereits ange­kün­digt, unter dem neu­en Titel ‘World’ auf Eng­lisch.

Gleicht ertrinkt sie in ihrem eige­nen Echo: Lin­di­ta (AL)

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Alba­ni­ens Euro­vi­si­ons-Bote heißt Lin­di­ta

Knap­pe vier Stun­den Sen­de­zeit für 14 Wett­be­werbs­bei­trä­ge, unzäh­li­ge Pau­sen­acts, end­lo­ses Ges­ab­bel, gefühlt vier­hun­dert Wer­be­un­ter­bre­chun­gen und tech­ni­sche Pan­nen bis zum Abwin­ken: das alba­ni­sche Fern­se­hen RT.SH erin­ner­te uns heu­te Abend mit der 55. Aus­ga­be des Fes­ti­va­li i Kën­ges, der ski­pe­ta­ri­schen Vari­an­te des San Remo Fes­ti­val und ers­ten Grand-Prix-Vor­auswahl der lau­fen­den Sai­son mal wie­der dar­an, war­um die Vor­ent­schei­dun­gen von jen­seits des frü­he­ren Eiser­nen Vor­hangs einen der­art legen­dä­ren Ruf genie­ßen. Hier bil­de­ten Gedulds­pro­ben und unfrei­wil­li­ge Lacher, Freud und Leid ein untrenn­ba­res Kon­glo­me­rat, eine wun­der­ba­re Tor­tur, die ich um kei­nen Preis der Welt hät­te ver­mis­sen wol­len. Und am Ende gewann mal wie­der eine sich lei­den­schaft­lich ver­aus­ga­ben­de Sän­ge­rin mit einer star­ken (und stark hall­un­ter­füt­ter­ten) Stim­me und einer hoch­dra­ma­ti­schen Bal­la­de. Nicht zu Unrecht übri­gens! Lin­di­ta Hali­mi heißt die 27jährige gebür­ti­ge Koso­va­rin, die 2006 den alba­ni­schen Wett­be­werb Top Fest gewann und dadurch in der Hei­mat zum Star wur­de, 2013 in die USA aus­wan­der­te, vor zwei Jah­ren den drit­ten Platz beim FiK beleg­te und 2016 an der aktu­el­len Staf­fel von Ame­ri­can Idol teil­nahm. Ihr Song ‘Botë’ (‘Welt’) beginnt ver­hal­ten, stei­gert sich aber rasch zu einem gei­gen­ge­schwän­ger­ten, von mäch­ti­gen Drum­beats auf­ge­peitsch­ten und im Refrain haupt­säch­lich vom Chor getra­ge­nen Schmacht­fet­zen, zu dem sich die zier­li­che Lin­di­ta in einem kur­ven­be­to­nen­den Kleid die See­le aus dem zar­ten Leib schreit. Aber nicht so ohren­be­täu­bend schrill, wie vie­le ihrer Vor­gän­ge­rin­nen das taten, son­dern durch­aus hand­werk­lich fili­gran. Ein viel­ver­spre­chen­der Sai­son­auf­takt also, auch wenn nun zu befürch­ten steht sicher ist, dass die Alba­ner die­se Num­mer durch einen plas­tik­tal­mi­haf­ten Remix und einen see­len­lo­sen eng­li­schen Text gründ­lich rui­nie­ren. Wie sie das ja immer machen.

Ein­mal um die Welt: Lin­di­ta liegt da was auf der See­le

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EBU lässt Vor­ent­schei­dungs­fans im Regen ste­hen

Vor­ges­tern began­nen mit dem Fes­ti­va­li i Kën­ges die für Euro­vi­ons­fans sowohl schöns­ten als auch anstren­gends­ten zwölf Wochen des Jah­res, die der Vor­ent­schei­dungs­sai­son näm­lich, da ver­dirbt uns die EBU die fest­lich-erwar­tungs­vol­le Stim­mung. Anders als in den Vor­jah­ren wol­le man näm­lich, so auf eurovision.tv in einem Neben­satz zu lesen, die diver­sen natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen nicht mehr auf der eige­nen Sei­te strea­men – ein Ange­bot, das von vie­len Fans in der Ver­gan­gen­heit sehr ger­ne genutzt wur­de, um die Shows bequem und weit­ge­hend ruck­el­frei mit­ver­fol­gen zu kön­nen. Begrün­dung für die mas­si­ve Ser­vice­ver­schlech­te­rung: fast alle natio­na­len Sen­der wür­den ihren Vor­ent­scheid mitt­ler­wei­le selbst im Netz strea­men oder hier­für Dritt­an­bie­ter wie You­tube nut­zen. Man wol­le sich daher dar­auf beschrän­ken, einen aktu­el­len Über­blick über die anste­hen­den Sen­dun­gen zu bie­ten und die ent­spre­chen­den Links ein­zu­stel­len. Wie gut das funk­tio­niert, bewies gleich zum Auf­takt das besag­te FiK: der vom alba­ni­schen Sen­der RT.SH bereit­ge­stell­te Live­stream puf­fer­te wäh­rend der Über­tra­gun­gen der bei­den Semis am Mitt­woch und Don­ners­tag der­ar­tig krass (das Bewegt­bild häng­te sich regel­mä­ßig nach zehn Sekun­den auf, das Neu­la­den dau­er­te hin­ge­gen stets min­des­tens eine Minu­te), dass man ihn sich direkt schen­ken konn­te. Ein hel­den­haf­ter Euro­vi­si­ons­fan mit Satel­li­ten­emp­fang griff dar­auf­hin zur Selbst­hil­fe und stell­te sei­nen TV-Feed bei You­tube ein, so dass wenigs­tens eine Hand­voll Gleich­ge­sinn­ter außer­halb der Sen­de­reich­wei­te des ski­pe­ta­ri­schen Rund­funks noch in den Genuss der Shows kamen. Wobei er wäh­rend der zahl­rei­chen Wer­be­pau­sen genö­tigt war, den Ton abzu­dre­hen, um zu ver­mei­den, von You­tube wegen Urhe­ber­rechts­ver­sto­ßes (es ging um einen als Spot-Unter­ma­lung genutz­ten Song von Maroon 5) gesperrt zu wer­den. Ein unwür­di­ges Trau­er­spiel!

Nicht nur die Ser­ben ver­fü­gen über sin­gen­de Kampf­les­ben mit frag­wür­di­gem Kla­mot­ten­ge­schmack: auch die Alba­ner kön­nen hier mit­hal­ten!

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Fes­ti­va­li i Kën­gës: mehr Demo­kra­tie wagen

Wie Euro­voix heu­te berich­tet, soll das Publi­kum beim alba­ni­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid erst­ma­lig ein Mit­spra­che­recht erhal­ten. Das seit 2008 als natio­na­les Fina­le genutz­te, seit 55 Jah­ren bestehen­de und in Anleh­nung an das ita­lie­ni­sche San-Remo-Fes­ti­val gegrün­de­te Fes­ti­va­li i Kën­gës, bei dem bis­lang eine mit ver­dien­ten Künstler/innen des Vol­kes und Funk­tio­nä­ren besetz­te Jury das allei­ni­ge Sagen hat­te, öff­net sich damit erst­ma­lig der Vox popu­li. Wenn auch mit ganz behut­sa­men Baby­schrit­ten: in den bei­den Semis des FiK, in denen ins­ge­samt 24 Acts antre­ten, bestimmt ein aus hand­ver­le­se­nen Zuschauer/innen zusam­men­ge­setz­tes Panel drei Titel, die ins Fina­le ein­zie­hen dür­fen. Eine Pres­se­ju­ry wählt wei­te­re drei Fina­lis­ten, die ein­gangs erwähn­te Sen­der­ju­ry hin­ge­gen gan­ze acht. Schon klar, wer hier die Hosen anhat! Im Fina­le selbst gibt es einen 60/40-Split, und natür­lich zählt das Votum der “Pro­fes­sio­nel­len” auch hier mehr. So ganz schei­nen die RTSH-Ver­ant­wort­li­chen dem gemei­nen Plebs also noch nicht zu trau­en. Mit wem man als alba­ni­scher Grand-Prix-Fan schla­fen muss, um einen Platz in der Zuschau­er­ju­ry zu ergat­tern, dar­über schweigt sich der Sen­der indes aus. Ein offi­zi­el­ler Sen­de­ter­min steht eben­falls noch nicht fest, wobei die Show tra­di­tio­nell um Weih­nach­ten her­um über die Büh­ne geht. Wenn sich die Alba­ner jetzt noch über­win­den kön­nen, ihren Bei­trag in Lan­des­spra­che und ohne die meist kata­stro­pha­len musi­ka­li­schen Umbau­ar­bei­ten am aus­ge­wähl­ten Song gen Kiew zu schi­cken, könn­te es viel­leicht auch mal wie­der was wer­den…

Wer hat mein Lied so zer­stört, Ma? Ene­da Gebühr mit der Ori­gi­nal­fas­sung ihres ESC-Bei­trags von 2016

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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

Måns ist sehr ent­täuscht”: das war er, der Satz des Abends, gespro­chen vom deut­schen Kom­men­ta­tor Peter Urban, nach­dem Gast­ge­be­rin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auf­tritt des Weiß­rus­sen Ivan infor­mier­te, dass die­ser ursprüng­lich nackt und in Beglei­tung von Wöl­fen zu per­for­men gedach­te, was die EBU im Hin­blick auf die Regeln lei­der ver­bie­ten muss­te. Zum Miss­fal­len des komo­de­rie­ren­den Vor­jah­res­sie­gers, der gera­de hin­ter Petra die Büh­ne enter­te – im Adams­kos­tüm, lei­der mit einem stra­te­gisch plat­zier­ten Plü­sch­wolf vor dem Gemächt. Wie dank­bar bin ich dem Schwe­den dafür, dass er ein der­ge­stalt scham­los selbst­ver­lieb­ter, zei­ge­freu­di­ger Exhi­bi­tio­nist ist, der wirk­lich kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, sei­nen durch­trai­nier­ten Kör­per mög­lichst tex­tilfrei der Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. Und wie dank­bar bin ich den Schwe­den dafür, dass sie mit solch einer Leich­tig­keit durch die­sen Abend führ­ten und die Show mit einem wun­der­ba­ren Mini-Musi­cal eröff­ne­ten, das uns in vier Minu­ten dar­über auf­klär­te, was die Euro­vi­si­on eigent­lich ist und dabei so fach­lich akku­rat wie herr­lich selbst­iro­nisch daher­kam. Der Stimm­aus­zäh­lungs-Über­brü­ckungs­act ‘Man vs. Machi­ne’, eine Art Hom­mage an die Tanz­sze­nen aus dem Acht­zi­ger­jah­re-Strei­fen ‘Num­mer 5 lebt’, fiel gegen das bewe­gen­de Flücht­lings­bal­lett vom Diens­tag zwar etwas ab, ergab aber den­noch eine schö­ne Pau­sen­un­ter­hal­tung. SVT: 12 Points!

Nicht nur Måns ist ent­täuscht – ich eben­so: von der Grö­ße sei­nes, ähm, Wolfs!

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