Albanien

Beim Fes­ti­va­li i Kën­gës, dem tra­di­ti­ons­rei­chen alba­ni­schen Lie­der-Fes­ti­val mit fest­li­chen Roben, üppi­gem Orches­ter und aus ver­dien­ten Künst­lern des Vol­kes zusam­men­ge­setz­ter Jury bestimmt das Land der Ski­pe­ta­ren stets schon Ende Dezem­ber sei­nen Euro­vi­si­ons­bei­trag, der anschlie­ßend fast immer musi­ka­lisch kom­plett umge­krem­pelt und angli­fi­ziert wird. Es domi­niert die dis­so­nant krei­schen­de ein­zel­ne Dame.
Dabei seit: 2004; ESC-Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: keine.

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Gutes Kar­ma aus Tirana

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Gutes Kar­ma aus Tirana

Das Wichtigste erstmal vorweg: danke, RTSH! Wohl wissend um die Bedeutung des traditionsreichen albanischen Liederfestivals für das Seelenheil der Fans als erster nationaler Vorentscheid einer jeden Saison und als virtueller Weihnachtsbaum für die Grand-Prix-Familie, scheute der Sender keine Kosten und Mühen, inmitten einer grassierenden Pandemie eine spektakuläre Show über drei Abende zu fabrizieren und uns damit - nach dem Worst Case eines coronabedingt ausgefallenen Eurovision Song Contests - das so bitterlich herbeigesehnte Licht am Ende zwar nicht des Tunnels, aber eben des schlimmsten Jahres der Grand-Prix-Geschichte zu entzünden. Und wie dringend haben wir dieses benötigt! Die äußeren Umstände zwangen die…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vor­wärts in die Vergangenheit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vor­wärts in die Vergangenheit

Organisierte Eurovisionsfans können manchmal der übelste Menschenschlag auf diesem Planeten sein! Diesen Montag ging das mit 25 Teilnehmer:innen bestückte Semifinale des als albanische Vorentscheidung dienenden, traditionellen Festivali i Këngës über die Antenne. Das fand wegen Corona diesmal nicht im Kongresspalast zu Tirana statt, sondern auf dem mit einer imposanten Freilichtbühne bestückten Platz davor. Richtig: im Freien, mitten im Winter, bei, wie sich an den Dampfschwaden aus den Mündern der Interpret:innen unschwer erkennen ließ, knackiger Kälte! Und auch nicht wie sonst live, sondern als Aufzeichnung schon ein paar Tage vorab. Natürlich trat das Unvermeidliche ein und die Ergebnisse sickerten bereits am…
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Türk­vi­zyon 2020: Und täg­lich grüßt der Schnelldurchlauf

Türk­vi­zyon 2020: Und täg­lich grüßt der Schnelldurchlauf

Man hätte es ja ahnen können. Nicht umsonst heißt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Und von Recep bis Recap, dem englischen Wort für den Schnelldurchlauf, ist es nur ein Buchstabe. Dennoch erwies sich die gestern am frühen Abend nach über fünfjähriger Zwangspause und fünfstündiger Sendedauer zu Ende gegangene vierte Ausgabe der Türkvizyon selbst für den geduldigsten Eurovisionsfan, der schon durch die Stahlbäder des Festivali i Kënges, der Melodi pentru Europa und von San Remo gegangen ist, als extreme Geduldsprobe. Da das Einsammeln, Auszählen und wohl vor allem die grafische Darstellung der Jurystimmen beim Songcontest der Turkvölker sich um einige…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: vom ent­setz­li­chen, süßen und dra­ma­ti­schen Tod

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: vom ent­setz­li­chen, süßen und dra­ma­ti­schen Tod

Es liegt einfach kein Trost in dieser Zeit: während sich das Katastrophenjahr 2020 quälend langsam dem bitter ersehnte Ende entgegenschleppt, flankiert von einem abgewählten US-Präsidenten, der sich wie ein trotziger Fünfjähriger im Zimmer verbarrikadiert und wütend "ich hab aber nicht verloren" schreit, sowie von einer Schar von Solidaritäts- und Realitätsverweigerern, die im Angesicht der unvermindert wütenden Corona-Pandemie "Oh, wie ist das schön"-singend durch deutsche Innenstädte ziehen und mit solchen als "Querdenker-Demos" apostrophierten Superspreader-Events den Tod weiterverbreiten, und zwar in seiner grausamen Variante; währenddessen also tauchten in der bunt glitzernden Gegenwelt des Eurovision Song Contest in den zurückliegenden Tagen bereits die…
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Türk­vi­zyon 2020: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Türk­vi­zyon 2020: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Höchste Zeit für ein Update zum Songcontest der Turkvölker, dem Türkvizyon Şarkı Yarışması, der nach knapp fünfjähriger Pause heuer wieder stattfindet. Und zwar, so verkündete es der für die Organisation zuständige türkische Musiksender TMB vor Kurzem, am Sonntag, dem 20. Dezember 2020 (zur Uhrzeit und den Übertragungskanälen ist noch nichts Näheres bekannt). Ein ursprünglich avisiertes Semifinale scheint damit vom Tisch, was die Vermutung nahelegt, dass nicht mehr all zu viele weitere zu den bis dato verkündeten 19 Partizipant:innen aus dem turksprachigen Kulturraum hinzustoßen werden. Wobei verlässliche Vorhersagen bei diesem traditionell chaotisch organisierten und kommunizierten Wettbewerb praktisch unmöglich sind. Deutschland, eines…
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World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit zahllosen Beteiligten, dessen schaurig-morbider Faszination man sich über geschlagene vier Stunden nicht zu entziehen vermochte, so lässt sich das gestrige deutsche Eurovisions-Halbfinale 2020 beschreiben. Mit welchem die ARD versuchte, trotz der seuchenbedingten Absage des offiziellen europaweiten Wettbewerbs wenigstens auf nationaler Ebene ein adäquates Ersatz-Event auf die Beine zu stellen, wofür der Senderverbund gar nicht oft genug gelobt werden kann. Grundsätzlich nicht verkehrt auch die Idee zur Zusammenarbeit mit Funk, der hauseigenen Youtube-Spielwiese, mit welcher die Öffentlich-Rechtlichen darauf reagieren, dass Zuschauer:innen unter 30 mittlerweile durch klassisches lineares Fernsehen praktisch nicht mehr zu erreichen sind. Zu Funk gehören…
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Dis­kus­si­on: Ent­zieht den Völ­kern das Stimmrecht!

Dis­kus­si­on: Ent­zieht den Völ­kern das Stimmrecht!

Noch keine zwei Tage ist die Eurovisionssaison 2020 alt und wird bereits vom ersten Voting-Skandal überschattet. Bekanntlich zog im gestrigen Finale des albanischen Festivali i Këngës das von vielen Fans favorisierte Pop-Sternchen Elvana Gjata mit ihrem hervorragend inszenierten Uptempo-Knaller 'Me tana' knapp den Kürzeren im hochspannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit ihrer einzigen ernst zu nehmenden Herausforderin, der Kosovarin Arilena Ara und ihrer erkennbar auf eine möglichst hohe Jury-Punktzahl hin optimierten Ballade 'Shaj'. Der Clou dabei: die alleine abstimmungsberechtigte, fünfköpfige FiK-Jury bestand diesmal aus drei internationalen Juroren (ja, alles Männer) und zwei skipetarischen Jurorinnen (ja, beides Frauen). Und die drei Herren - der…
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Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Liebe

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Liebe

'Shaj' ('Schrei'), so heißt der albanische Eurovisionsbeitrag für den Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam. Und genau so klingt er. Dass man in Tirana nach dem letztjährigen, zaghaften Experiment mit einem moderat aufgefrischten Festivali i Këngës wieder zum klassischen Format mit verpflichtender Orchesterbegleitung und ausschließlichem Juryentscheid zurückkehrte, wies bereits den Weg: folgerichtig wählte man auch beim Beitrag ein altbekanntes Konzept, nämlich das der dissonant kreischenden Frau. Die heißt heuer Arilena Ara, stammt (wie Rona Nishliu) gebürtig aus dem Kosovo und gewann 2013 die Castingshow X-Factor. Die dort gelernten Lektionen beherzigte sie denn auch bei ihrem siegreichen FiK-Auftritt: es kommt nicht…
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Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2020

Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2020

Nichts geht doch über das lieb gewonnene Vorweihnachtsritual des Festivali i Këngës (FiK)! Bereits zum 58. Mal findet das traditionsreiche, wie der Eurovision Song Contest selbst am Vorbild des italienischen San-Remo-Festival geschulte Liederfest heuer statt und dient erneut als Vorentscheid für Rotterdam. Nach einem ebenso halbherzigen wie umstrittenen Modernisierungsversuch mittels einer Halbplaybackrunde kehrte der albanische Sender RTSH diesmal flugs zur altgewohnten Ausrichtungsform mit klassischem, großem Rundfunkorchester und zwei Qualifikationsrunden zu je zehn Kombattant/innen zurück. Ebenso traditionell auch die jeweils (!) fünfundvierzigminütige (!!) Verspätung, mit der beide (!!!) Semis sowohl am Donnerstag als auch am Freitag starteten und die RTSH mit…
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ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach…
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Zwei­tes ESC-Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Zwei­tes ESC-Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madonna wird am Samstag im Finale des Eurovision Song Contest 2019 auftreten. Die seit Monaten als Gerücht gestreute, in den letzten Tagen mit einem entweder unnötigen oder gefakten Drama um nicht unterschriebene Verträge gehypte und gestern bestätigte Nachricht, dass die EBU der amerikanischen Großmutter des Pop, die hierfür sogar noch eine von einem israelischen Industriellen finanzierte Millionengage einstreicht, in der zuschauerstärksten TV-Show der Welt kostenlos die Möglichkeit zur Bewerbung ihres neuesten Albums einräumt, nahm am gestrigen Donnerstagabend gefühlt ein Viertel der Sendezeit, mindestens jedoch der Moderation ein und degradierte die achtzehn im Kampf um den Finaleinzug angetretenen Acts zur bloßen…
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Rank and File 2019: Platz 11 – Kthe­ju Tokës

Rank and File 2019: Platz 11 – Kthe­ju Tokës

Sollte es im Mai 2019 zu einem außergewöhnlichen Anstieg des Meeresspiegels kommen, trifft daran nicht alleine die Klimaerwärmung die Schuld: Millionen von Exil-Albaner/innen dürften während des Eurovision Song Contests zuhause vor den Geräten sturzbachartige Tränenströme vergießen. Platz 11: Albanien - Jonida Maliqi: Ktheju Tokës (Kehre zurück) Denn das Land der Skipetaren setzt erneut auf Bewährtes: die traditionell bereits an Weihnachten 2018 beim FiK ausgewählte Jonida präsentiert sich als besonders goldglänzendes Exemplar der bereits vielfach erprobten Gattung der wehklagenden Witwe. Nur, dass sie keinen toten Gatten betrauert, sondern den zum Studieren und / oder Geldverdienen ins europäische Ausland abgewanderten Mann, den…
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Fes­ti­va­li i Kën­gës 2018: heim ins Reich

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2018: heim ins Reich

Das erste Lied für den Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv steht fest, traditionellerweise bestimmt beim vorweihnachtlichen Festivali i Këngës. Und es stammt mal wieder von einer kreischenden Frau, nichts Ungewöhnliches also für Albanien. Allerdings singt Jonida Maliqi mit zwar kräftiger, aber keinesfalls dissonanter Stimme, so wie man es von den Skipetarinnen sonst gewohnt ist. Die 36jährige, die erstmalig im zarten Alter von 13 beim albanischen Liederfestival auftrat (das damals noch nicht als Vorentscheid fungierte, da das Land seinerzeit noch nicht an der Eurovision teilnahm), überzeugte optisch mit vorzüglichen Simone-Thomalla-Lippen, einer Mireille-Mathieu-Perücke und der anmutig aristokratischen Ausstrahlung einer ägyptischen Pharaonin.…
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Stö­run­gen im Betriebs­ab­lauf: die FiK-Semis 2018

Stö­run­gen im Betriebs­ab­lauf: die FiK-Semis 2018

Die Deutsche Bahn hat offenbar heimlich, still und leise das Management des albanischen Staatssenders Radio Televizione Shqiptar (RTSH) übernommen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass das gestrige zweite Semifinale des traditionsreichen Festivali i Këngës (FiK) aufgrund nicht näher spezifizierter "technischer Schwierigkeiten" mit einer satten dreiviertel Stunde Verspätung startete, die RTSH zur besonderen Freude der erwartungsfroh sich vor den Bildschirmen und Internetbrowsern Europas versammelt habenden Vorentscheidungsfans mit einer Dauerschleife der immergleichen fünf Programmtrailer überbrückte. Der animierte Tannenzapfen aus dem "Frohes Fest"-Spot wird nicht nur mich noch die nächsten Jahre in meinen Alpträumen verfolgen! Doch dem passionierten Eurovisionsenthusiasten ist keine Prüfung zu schwer,…
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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheimvertrag mit dem Karma? Oder wie schafft Israel es sonst, seine Eurovisionssiege mit einer derartigen mathematischen Präzision in Abständen von jeweils exakt 20 Jahren über die Grand-Prix-Geschichte zu verteilen? Und das auch noch mit einem jeweils ziemlich ähnlichen Konzept: 1978 schaffte es Izhar Cohen auf dem Höhepunkt der Discowelle mit einem tanzbaren, von der universalen Liebe unter den Menschen handelnden Kinderlied namens 'A Ba Ni Bi' und einer sensationellen Marge-Simpson-Frisur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämpferischen Transsexuellen Dana International mit dem Tanzflächenfüller 'Diva' der bis heute wichtigste, weil ein…
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Ers­tes ESC-Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Ers­tes ESC-Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Ganze 53 Jahre musste das kleine, geografisch etwas randständige und kulturell auf europäischer Ebene nicht unbedingt massenkompatible Portugal von seiner Erstteilnahme im Jahre 1964 bis zu seinem Eurovisionssieg 2017 warten. Ein verschrobener Barde namens Salvador Sobral holte bekanntlich den Pott und die Gastgeberschaft nach Lissabon, mit einer intimen, aus der Zeit gefallenen Trennungsschmerzballade in seiner Muttersprache. Mit "Musik, die wirklich etwas ausdrückt", wie es der lebensbedrohlich erkrankte Adelsspross, dem es nach einer Herztransplantation mittlerweile wieder besser geht, im Überschwang seiner Siegesansprache formulierte. Und nun das: ein Jahr später, im ersten Semifinale des in der portugiesischen Hauptstadt abgehaltenen 2018er Grand Prix, fliegen gleich…
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<span class="caps">AL</span> 2018: Sce­nes from a Mall

AL 2018: Sce­nes from a Mall

Recht früh in der Nacht zum Heiligen Abend fiel in Albanien die Entscheidung, und sie fiel passend: wie als Nachwehe zum bis nur wenige Stunden zuvor noch europaweit vorherrschenden weihnachtlichen Geschenkebeschaffungsstress handelt der von einer Jury ausgewählte Siegersong des 56. Festivali i Këngës (FiK) von einer der typischen Einkaufsstätten für die Gaben an die Lieben, der 'Mall' nämlich. Ein drogendürres Männchen mit dunklen Knopfaugen und dem fantastischen Namen Eugent Bushpepa singt das schon spektakulär unspektakuläre Midtempo-Softrock-Stück, das in Wahrheit natürlich kein schnödes Shoppingcenter, sondern die 'Sehnsucht' thematisiert und welches auch bei den Zuschauer/innen im Kongresspalast zu Tirana den langanhaltendsten Saalapplaus ernten…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Histo­ry Book on the Shelf

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Histo­ry Book on the Shelf

Eine Schneise der Verwüstung, anders lässt es sich nicht bezeichnen, schlug die allein entscheidungsberechtigte Jury gestern mitten in der Nacht in den albanischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2018. Seit Donnerstag laufen, wie wohlinformierte Eurovisionistas wissen, im Kongresspalast zu Tirana die beiden Vorrunden des Festivali i Këngës, das traditionell die Saison eröffnet und heute Abend mit dem Finale sein Ende findet. 22 Acts traten in den beiden Semis an und stellten 22 Lieder vor, von denen selbst der leidensbereiteste Grand-Prix-Fan tatsächlich nicht ein einziges zwingend ein zweites Mal hören müsste. Wahnsinnig zähe, schmerzhaft dissonant gekrischene Balladen und unerträglich dröge Midtempo-Softrockstücke…
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Ers­tes ESC-Semi 2017: no more Drama

Ers­tes ESC-Semi 2017: no more Drama

Je unsicherer die Zeiten, um so mehr suchen die Menschen fröhlich stimmende Ablenkung und Zerstreuung, so jedenfalls suggeriert es das Ergebnis der ersten Qualifikationsrunde des Eurovision Song Contests 2017, das am gestrigen Dienstagabend im Internationalen Ausstellungszentrum zu Kiew über die Bühne ging. Bestimmten im Vorfeld dieses Jahrgangs noch die schändlichen Ränkespiele um das vom Gastgeberland Ukraine verhängte Einreiseverbot gegen die russische Repräsentantin Julia Samoylova sowie die deutlich verschärften Sicherheitsmaßnahmen rund um die Veranstaltung die öffentliche Wahrnehmung des Wettbewerbs und schufen damit ein mulmiges Klima, so setzten sich im gestrigen Semi größtenteils diejenigen Beiträge durch, die sich an eher uptemporären, aktuellen Sounds orientierten…
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Euro­vi­si­on Death­match #5: Cry me a River

Im fünften Zweikampf unseres Leser/innen-Spiels widmen wir uns einer bei vielen Fans äußerst beliebten Spezies: der schreienden Frau. Lautstärke und langgezogene Töne bringen nicht nur viele Jurorenherzen zum Schmelzen, sondern sorgen auch bei etlichen Eurovisionistas für Ohrgasmen. Eine Technik, die gerade die Albanerinnen besonders gut beherrschen, und so sollte es nicht verwundern, dass unsere erste heutige Kämpferin für das Land der Skipetaren antritt. Die in den USA lebende Kosovarin behauptet in ihrer ethno-angehauchten, hochdramatischen Ballade 'World' zwar, des Kampfes müde zu sein und stellt die nicht ganz neue und nicht ganz unberechtigte Frage: "What’s this fight all for"? Doch so ganz…
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Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Nachdem in den vergangenen Monaten innerhalb der nunmehr abgeschlossenen Vorentscheidungssaison 2017 nach und nach alle 43 Beiträge für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew ausgewählt wurden, trafen in der vergangenen Woche, rund um die Deadline für das Einreichen der Lieder bei der EBU, diverse Remixe der bereits feststehenden Titel ein, die es hier noch zu besprechen gilt. Dazu zählt natürlich in erster Linie die unvermeidliche Überarbeitung des albanischen Songs. Der hieß, als er Ende Dezember 2016 das heimische Festivali i Kënges gewann, noch 'Botë': eine hochdramatische, verschwenderisch orchestrierte Grand-Prix-Ballade in Landessprache, die von dem stimmsicher, präzise und mit Hingabe dargebotenen Gekreische seiner…
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Fes­ti­va­li i Kën­ges 2016: Alba­ni­ens Euro­vi­si­ons-Bote heißt Lindita

Fes­ti­va­li i Kën­ges 2016: Alba­ni­ens Euro­vi­si­ons-Bote heißt Lindita

Knappe vier Stunden Sendezeit für 14 Wettbewerbsbeiträge, unzählige Pausenacts, endloses Gesabbel, gefühlt vierhundert Werbeunterbrechungen und technische Pannen bis zum Abwinken: das albanische Fernsehen RT.SH erinnerte uns heute Abend mit der 55. Ausgabe des Festivali i Kënges, der skipetarischen Variante des San Remo Festival und ersten Grand-Prix-Vorauswahl der laufenden Saison mal wieder daran, warum die Vorentscheidungen von jenseits des früheren Eisernen Vorhangs einen derart legendären Ruf genießen. Hier bildeten Geduldsproben und unfreiwillige Lacher, Freud und Leid ein untrennbares Konglomerat, eine wunderbare Tortur, die ich um keinen Preis der Welt hätte vermissen wollen. Und am Ende gewann mal wieder eine sich leidenschaftlich verausgabende Sängerin…
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Strea­ming: <span class="caps">EBU</span> lässt Vor­ent­schei­dungs­fans im Regen stehen

Strea­ming: EBU lässt Vor­ent­schei­dungs­fans im Regen stehen

Vorgestern begannen mit dem Festivali i Kënges die für Eurovionsfans sowohl schönsten als auch anstrengendsten zwölf Wochen des Jahres, die der Vorentscheidungssaison nämlich, da verdirbt uns die EBU die festlich-erwartungsvolle Stimmung. Anders als in den Vorjahren wolle man nämlich, so auf eurovision.tv in einem Nebensatz zu lesen, die diversen nationalen Vorentscheidungen nicht mehr auf der eigenen Seite streamen - ein Angebot, das von vielen Fans in der Vergangenheit sehr gerne genutzt wurde, um die Shows bequem und weitgehend ruckelfrei mitverfolgen zu können. Begründung für die massive Serviceverschlechterung: fast alle nationalen Sender würden ihren Vorentscheid mittlerweile selbst im Netz streamen oder hierfür…
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Fes­ti­va­li i Kën­gës: mehr Demo­kra­tie wagen

Fes­ti­va­li i Kën­gës: mehr Demo­kra­tie wagen

Wie Eurovoix heute berichtet, soll das Publikum beim albanischen Eurovisionsvorentscheid erstmalig ein Mitspracherecht erhalten. Das seit 2008 als nationales Finale genutzte, seit 55 Jahren bestehende und in Anlehnung an das italienische San-Remo-Festival gegründete Festivali i Këngës, bei dem bislang eine mit verdienten Künstler/innen des Volkes und Funktionären besetzte Jury das alleinige Sagen hatte, öffnet sich damit erstmalig der Vox populi. Wenn auch mit ganz behutsamen Babyschritten: in den beiden Semis des FiK, in denen insgesamt 24 Acts antreten, bestimmt ein aus handverlesenen Zuschauer/innen zusammengesetztes Panel drei Titel, die ins Finale einziehen dürfen. Eine Pressejury wählt weitere drei Finalisten, die eingangs erwähnte Senderjury hingegen…
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Zwei­tes ESC-Semi 2016: der sich den Wolf tanzt

Zwei­tes ESC-Semi 2016: der sich den Wolf tanzt

"Måns ist sehr enttäuscht": das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte - im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper…
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