Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsi­che­rer die Zei­ten, um so mehr suchen die Men­schen fröh­lich stim­men­de Ablen­kung und Zer­streu­ung, so jeden­falls sug­ge­riert es das Ergeb­nis der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de des Euro­vi­si­on Song Con­tests 2017, das am gest­ri­gen Diens­tag­abend im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum zu Kiew über die Büh­ne ging. Bestimm­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs noch die schänd­li­chen Rän­ke­spie­le um das vom Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ver­häng­te Ein­rei­se­ver­bot gegen die rus­si­sche Reprä­sen­tan­tin Julia Samo­yl­o­va sowie die deut­lich ver­schärf­ten Sicher­heits­maß­nah­men rund um die Ver­an­stal­tung die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Wett­be­werbs und schu­fen damit ein mul­mi­ges Kli­ma, so setz­ten sich im gest­ri­gen Semi größ­ten­teils die­je­ni­gen Bei­trä­ge durch, die sich an eher uptem­po­rä­ren, aktu­el­len Sounds ori­en­tier­ten und show­tech­nisch alten Wein in neue Schläu­che gos­sen. Also irgend­wie beru­hi­gend Ver­trau­tes und Bewähr­tes boten. Von fast aus­nahms­los allen Teilnehmer/innen ein­heit­lich befolg­te Trends ver­stärk­ten dabei den uni­for­men Ein­druck die­ses Abends: so das bedau­er­li­cher­wei­se fast durch­gän­gig prak­ti­zier­te Ver­ste­cken der Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne; die Domi­nanz der Unschuld und Rein­heit sug­ge­rie­ren­den Far­be Weiß für die Gar­de­ro­be; das ger­ne genom­me­ne Ein­blen­den von Aus­schnit­ten der pro­fes­sio­nel­len Musik­vi­de­os oder von über­le­bens­gro­ßen Por­trät­fo­tos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hin­ter­grund sowie der gera­de­zu skla­visch befolg­te Mode­trend des Flan­king (die Kom­bi­na­ti­on von unsicht­ba­ren Snea­ker­so­cken und Hoch­was­ser­ho­sen zum Zwe­cke des kecken Her­zei­gens eines Strei­fens Bein­flei­sches in Höhe der Fes­seln).

Zwei­ein­vier­tel Stun­den vol­ler hoch­pro­fes­sio­nel­ler TV-Unter­hal­tung: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le 2017

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Euro­vi­si­on Death­match #5: Cry me a River

Im fünf­ten Zwei­kampf unse­res Leser/in­nen-Spiels wid­men wir uns einer bei vie­len Fans äußerst belieb­ten Spe­zi­es: der schrei­en­den Frau. Laut­stär­ke und lang­ge­zo­ge­ne Töne brin­gen nicht nur vie­le Juro­ren­her­zen zum Schmel­zen, son­dern sor­gen auch bei etli­chen Euro­vi­sio­nis­tas für Ohr­gas­men. Eine Tech­nik, die gera­de die Alba­ne­rin­nen beson­ders gut beherr­schen, und so soll­te es nicht ver­wun­dern, dass unse­re ers­te heu­ti­ge Kämp­fe­rin für das Land der Ski­pe­ta­ren antritt. Die in den USA leben­de Koso­va­rin behaup­tet in ihrer eth­no-ange­hauch­ten, hoch­dra­ma­ti­schen Bal­la­de ‘World’ zwar, des Kamp­fes müde zu sein und stellt die nicht ganz neue und nicht ganz unbe­rech­tig­te Fra­ge: “What’s this fight all for”? Doch so ganz möch­te man der 28jährigen die­se Anti­kriegs-Atti­tü­de nicht abneh­men. Wür­de sie sonst mit­ten im Song zu einem über zwan­zigs­ekün­di­gen, tech­nisch ein­wand­frei abge­lie­fer­ten Schrei anset­zen, bei dem man im Geis­te förm­lich erspü­ren kann, wie sich im Hin­ter­grund die Jury-Punk­te auf­ad­die­ren? Und auch den Spa­gat zwi­schen ihren unbe­lehr­bar auf das ver­meint­lich wett­be­werbs­fä­hi­ge­re Eng­lisch fixier­ten Lands­leu­ten und den Jahr für Jahr um Lan­des­sprach­lich­keit bet­teln­den inter­na­tio­na­len Grand-Prix-Fans meis­tert sie gran­di­os, in dem sie den angli­fi­zier­ten Text ein­fach mit alba­ni­schem Zun­gen­schlag into­niert und so bei­den Sei­ten ent­ge­gen­kommt. Cle­ver!

Schwebt stets im Abend­kleid durch die koso­va­ri­schen Wäl­der: Lin­di­ta (AL)

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Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Nach­dem in den ver­gan­ge­nen Mona­ten inner­halb der nun­mehr abge­schlos­se­nen Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2017 nach und nach alle 43 Bei­trä­ge für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew aus­ge­wählt wur­den, tra­fen in der ver­gan­ge­nen Woche, rund um die Dead­line für das Ein­rei­chen der Lie­der bei der EBU, diver­se Remi­xe der bereits fest­ste­hen­den Titel ein, die es hier noch zu bespre­chen gilt. Dazu zählt natür­lich in ers­ter Linie die unver­meid­li­che Über­ar­bei­tung des alba­ni­schen Songs. Der hieß, als er Ende Dezem­ber 2016 das hei­mi­sche Fes­ti­va­li i Kën­ges gewann, noch ‘Botë’: eine hoch­dra­ma­ti­sche, ver­schwen­de­risch orches­trier­te Grand-Prix-Bal­la­de in Lan­des­spra­che, die von dem stimm­si­cher, prä­zi­se und mit Hin­ga­be dar­ge­bo­te­nen Gekrei­sche sei­ner Inter­pre­tin lebt, sowie von den sehr prä­sen­ten und ein­drucks­vol­len Chor­sän­ge­rin­nen, die Lin­di­tas laut­star­kes Kla­gen mit einer Art schmerz­voll-dunk­lem Grund­brum­men aufs Wun­der­bars­te kom­bi­nie­ren. Der nun prä­sen­tier­te, unver­meid­li­cher­wei­se ent­täu­schen­de ESC-Remix mischt letz­te­res bis an die unte­re Gren­ze der Wahr­nehm­bar­keit her­un­ter, hallt und don­nert dafür die Lead­stim­me gigan­tisch auf, was dem Lied ein wenig die Balan­ce nimmt. Als viel schlim­mer erweist sich jedoch die Sprach­wahl: wäh­rend Instru­men­tie­rung und Län­ge prak­tisch unver­än­dert blei­ben (‘Botë’ beach­te­te, extrem unge­wöhn­lich für einen alba­ni­schen Song, bereits in der FiK-Fas­sung die magi­sche → Drei-Minu­ten-Gren­ze), singt Frau Hami­li den Bei­trag in Kiew, wie üblich und wie bereits ange­kün­digt, unter dem neu­en Titel ‘World’ auf Eng­lisch.

Gleicht ertrinkt sie in ihrem eige­nen Echo: Lin­di­ta (AL)

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Alba­ni­ens Euro­vi­si­ons-Bote heißt Lin­di­ta

Knap­pe vier Stun­den Sen­de­zeit für 14 Wett­be­werbs­bei­trä­ge, unzäh­li­ge Pau­sen­acts, end­lo­ses Ges­ab­bel, gefühlt vier­hun­dert Wer­be­un­ter­bre­chun­gen und tech­ni­sche Pan­nen bis zum Abwin­ken: das alba­ni­sche Fern­se­hen RT.SH erin­ner­te uns heu­te Abend mit der 55. Aus­ga­be des Fes­ti­va­li i Kën­ges, der ski­pe­ta­ri­schen Vari­an­te des San Remo Fes­ti­val und ers­ten Grand-Prix-Vor­auswahl der lau­fen­den Sai­son mal wie­der dar­an, war­um die Vor­ent­schei­dun­gen von jen­seits des frü­he­ren Eiser­nen Vor­hangs einen der­art legen­dä­ren Ruf genie­ßen. Hier bil­de­ten Gedulds­pro­ben und unfrei­wil­li­ge Lacher, Freud und Leid ein untrenn­ba­res Kon­glo­me­rat, eine wun­der­ba­re Tor­tur, die ich um kei­nen Preis der Welt hät­te ver­mis­sen wol­len. Und am Ende gewann mal wie­der eine sich lei­den­schaft­lich ver­aus­ga­ben­de Sän­ge­rin mit einer star­ken (und stark hall­un­ter­füt­ter­ten) Stim­me und einer hoch­dra­ma­ti­schen Bal­la­de. Nicht zu Unrecht übri­gens! Lin­di­ta Hali­mi heißt die 27jährige gebür­ti­ge Koso­va­rin, die 2006 den alba­ni­schen Wett­be­werb Top Fest gewann und dadurch in der Hei­mat zum Star wur­de, 2013 in die USA aus­wan­der­te, vor zwei Jah­ren den drit­ten Platz beim FiK beleg­te und 2016 an der aktu­el­len Staf­fel von Ame­ri­can Idol teil­nahm. Ihr Song ‘Botë’ (‘Welt’) beginnt ver­hal­ten, stei­gert sich aber rasch zu einem gei­gen­ge­schwän­ger­ten, von mäch­ti­gen Drum­beats auf­ge­peitsch­ten und im Refrain haupt­säch­lich vom Chor getra­ge­nen Schmacht­fet­zen, zu dem sich die zier­li­che Lin­di­ta in einem kur­ven­be­to­nen­den Kleid die See­le aus dem zar­ten Leib schreit. Aber nicht so ohren­be­täu­bend schrill, wie vie­le ihrer Vor­gän­ge­rin­nen das taten, son­dern durch­aus hand­werk­lich fili­gran. Ein viel­ver­spre­chen­der Sai­son­auf­takt also, auch wenn nun zu befürch­ten steht sicher ist, dass die Alba­ner die­se Num­mer durch einen plas­tik­tal­mi­haf­ten Remix und einen see­len­lo­sen eng­li­schen Text gründ­lich rui­nie­ren. Wie sie das ja immer machen.

Ein­mal um die Welt: Lin­di­ta liegt da was auf der See­le

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EBU lässt Vor­ent­schei­dungs­fans im Regen ste­hen

Vor­ges­tern began­nen mit dem Fes­ti­va­li i Kën­ges die für Euro­vi­ons­fans sowohl schöns­ten als auch anstren­gends­ten zwölf Wochen des Jah­res, die der Vor­ent­schei­dungs­sai­son näm­lich, da ver­dirbt uns die EBU die fest­lich-erwar­tungs­vol­le Stim­mung. Anders als in den Vor­jah­ren wol­le man näm­lich, so auf eurovision.tv in einem Neben­satz zu lesen, die diver­sen natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen nicht mehr auf der eige­nen Sei­te strea­men – ein Ange­bot, das von vie­len Fans in der Ver­gan­gen­heit sehr ger­ne genutzt wur­de, um die Shows bequem und weit­ge­hend ruck­el­frei mit­ver­fol­gen zu kön­nen. Begrün­dung für die mas­si­ve Ser­vice­ver­schlech­te­rung: fast alle natio­na­len Sen­der wür­den ihren Vor­ent­scheid mitt­ler­wei­le selbst im Netz strea­men oder hier­für Dritt­an­bie­ter wie You­tube nut­zen. Man wol­le sich daher dar­auf beschrän­ken, einen aktu­el­len Über­blick über die anste­hen­den Sen­dun­gen zu bie­ten und die ent­spre­chen­den Links ein­zu­stel­len. Wie gut das funk­tio­niert, bewies gleich zum Auf­takt das besag­te FiK: der vom alba­ni­schen Sen­der RT.SH bereit­ge­stell­te Live­stream puf­fer­te wäh­rend der Über­tra­gun­gen der bei­den Semis am Mitt­woch und Don­ners­tag der­ar­tig krass (das Bewegt­bild häng­te sich regel­mä­ßig nach zehn Sekun­den auf, das Neu­la­den dau­er­te hin­ge­gen stets min­des­tens eine Minu­te), dass man ihn sich direkt schen­ken konn­te. Ein hel­den­haf­ter Euro­vi­si­ons­fan mit Satel­li­ten­emp­fang griff dar­auf­hin zur Selbst­hil­fe und stell­te sei­nen TV-Feed bei You­tube ein, so dass wenigs­tens eine Hand­voll Gleich­ge­sinn­ter außer­halb der Sen­de­reich­wei­te des ski­pe­ta­ri­schen Rund­funks noch in den Genuss der Shows kamen. Wobei er wäh­rend der zahl­rei­chen Wer­be­pau­sen genö­tigt war, den Ton abzu­dre­hen, um zu ver­mei­den, von You­tube wegen Urhe­ber­rechts­ver­sto­ßes (es ging um einen als Spot-Unter­ma­lung genutz­ten Song von Maroon 5) gesperrt zu wer­den. Ein unwür­di­ges Trau­er­spiel!

Nicht nur die Ser­ben ver­fü­gen über sin­gen­de Kampf­les­ben mit frag­wür­di­gem Kla­mot­ten­ge­schmack: auch die Alba­ner kön­nen hier mit­hal­ten!

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Fes­ti­va­li i Kën­gës: mehr Demo­kra­tie wagen

Wie Euro­voix heu­te berich­tet, soll das Publi­kum beim alba­ni­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid erst­ma­lig ein Mit­spra­che­recht erhal­ten. Das seit 2008 als natio­na­les Fina­le genutz­te, seit 55 Jah­ren bestehen­de und in Anleh­nung an das ita­lie­ni­sche San-Remo-Fes­ti­val gegrün­de­te Fes­ti­va­li i Kën­gës, bei dem bis­lang eine mit ver­dien­ten Künstler/innen des Vol­kes und Funk­tio­nä­ren besetz­te Jury das allei­ni­ge Sagen hat­te, öff­net sich damit erst­ma­lig der Vox popu­li. Wenn auch mit ganz behut­sa­men Baby­schrit­ten: in den bei­den Semis des FiK, in denen ins­ge­samt 24 Acts antre­ten, bestimmt ein aus hand­ver­le­se­nen Zuschauer/innen zusam­men­ge­setz­tes Panel drei Titel, die ins Fina­le ein­zie­hen dür­fen. Eine Pres­se­ju­ry wählt wei­te­re drei Fina­lis­ten, die ein­gangs erwähn­te Sen­der­ju­ry hin­ge­gen gan­ze acht. Schon klar, wer hier die Hosen anhat! Im Fina­le selbst gibt es einen 60/40-Split, und natür­lich zählt das Votum der “Pro­fes­sio­nel­len” auch hier mehr. So ganz schei­nen die RTSH-Ver­ant­wort­li­chen dem gemei­nen Plebs also noch nicht zu trau­en. Mit wem man als alba­ni­scher Grand-Prix-Fan schla­fen muss, um einen Platz in der Zuschau­er­ju­ry zu ergat­tern, dar­über schweigt sich der Sen­der indes aus. Ein offi­zi­el­ler Sen­de­ter­min steht eben­falls noch nicht fest, wobei die Show tra­di­tio­nell um Weih­nach­ten her­um über die Büh­ne geht. Wenn sich die Alba­ner jetzt noch über­win­den kön­nen, ihren Bei­trag in Lan­des­spra­che und ohne die meist kata­stro­pha­len musi­ka­li­schen Umbau­ar­bei­ten am aus­ge­wähl­ten Song gen Kiew zu schi­cken, könn­te es viel­leicht auch mal wie­der was wer­den…

Wer hat mein Lied so zer­stört, Ma? Ene­da Gebühr mit der Ori­gi­nal­fas­sung ihres ESC-Bei­trags von 2016

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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

Måns ist sehr ent­täuscht”: das war er, der Satz des Abends, gespro­chen vom deut­schen Kom­men­ta­tor Peter Urban, nach­dem Gast­ge­be­rin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auf­tritt des Weiß­rus­sen Ivan infor­mier­te, dass die­ser ursprüng­lich nackt und in Beglei­tung von Wöl­fen zu per­for­men gedach­te, was die EBU im Hin­blick auf die Regeln lei­der ver­bie­ten muss­te. Zum Miss­fal­len des komo­de­rie­ren­den Vor­jah­res­sie­gers, der gera­de hin­ter Petra die Büh­ne enter­te – im Adams­kos­tüm, lei­der mit einem stra­te­gisch plat­zier­ten Plü­sch­wolf vor dem Gemächt. Wie dank­bar bin ich dem Schwe­den dafür, dass er ein der­ge­stalt scham­los selbst­ver­lieb­ter, zei­ge­freu­di­ger Exhi­bi­tio­nist ist, der wirk­lich kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, sei­nen durch­trai­nier­ten Kör­per mög­lichst tex­tilfrei der Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. Und wie dank­bar bin ich den Schwe­den dafür, dass sie mit solch einer Leich­tig­keit durch die­sen Abend führ­ten und die Show mit einem wun­der­ba­ren Mini-Musi­cal eröff­ne­ten, das uns in vier Minu­ten dar­über auf­klär­te, was die Euro­vi­si­on eigent­lich ist und dabei so fach­lich akku­rat wie herr­lich selbst­iro­nisch daher­kam. Der Stimm­aus­zäh­lungs-Über­brü­ckungs­act ‘Man vs. Machi­ne’, eine Art Hom­mage an die Tanz­sze­nen aus dem Acht­zi­ger­jah­re-Strei­fen ‘Num­mer 5 lebt’, fiel gegen das bewe­gen­de Flücht­lings­bal­lett vom Diens­tag zwar etwas ab, ergab aber den­noch eine schö­ne Pau­sen­un­ter­hal­tung. SVT: 12 Points!

Nicht nur Måns ist ent­täuscht – ich eben­so: von der Grö­ße sei­nes, ähm, Wolfs!

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Alba­ni­en mas­sa­kriert sein Mär­chen

Kaum tade­le ich die Alba­ner, dass sie noch immer nicht die anglo­ter­ri­fi­zier­te Fas­sung ihres Euro­vi­si­ons­bei­trags abge­lie­fert haben, da kommt der Sen­der mit dem Video von ‘Fai­ry­ta­le’ um die Ecke. So heißt die ehe­mals ergrei­fend schö­ne Bal­kan­bal­la­de ‘Për­ral­lë’ jetzt, und das Adria-Land inves­tier­te erkenn­bar viel Mühe und Geld, aus dem stol­zen Song­schwan ein bil­li­ges Plas­tik­ent­chen zu machen. Es gelang: alles, was ‘Për­ral­lë’ groß und edel mach­te – die schwel­ge­ri­schen Gei­gen, der dra­ma­ti­sche Lied­auf­bau, Ene­da Tarifas geschmack­vol­les Abend­kleid vom FiK-Auf­tritt – wur­de her­aus­ope­riert und durch Tal­mi ersetzt. Sei es die bei­na­he quä­ki­ge Instru­men­tie­rung, der durch­lau­fen­de und äußerst unpas­sen­de Plas­tik­beat oder die Flur­schä­den, die das (immer­hin recht tadel­lo­se) Eng­lisch anrich­te­te. Im Clip setz­te man die Sän­ge­rin vor Win­ter­wald­ku­lis­se auf einen von prol­lig dicken, gol­de­nen Ket­ten gehal­te­nen Grill­rost bzw. vor eine direkt aus einem Acht­zi­ger­jah­re-Video impor­tier­te Uhren­sze­ne­rie, was wohl Mär­chen­land-Asso­zia­tio­nen aus­lö­sen soll: Ziel ver­fehlt. Die beim FiK noch so über­aus ele­gan­te Ene­da wirkt nun, als müs­se sie aus finan­zi­el­ler Not her­aus Wer­bung für in Ban­gla­desch pro­du­zier­te Dis­coun­ter-Mode machen. Dabei muss ich zuge­ste­hen, dass die Alba­ner in der Ver­gan­gen­heit schon weit­aus schlim­me­re Mas­sa­ker an ihren Bei­trä­gen anrich­te­ten als in die­sem Jahr, in dem zumin­dest die Melo­die des Ursprungs­lie­des noch zu erah­nen ist. Den­noch tut es mir in der See­le weh, was man die­sem Lied antat.

Youd­diph (RU 1994) hat ange­ru­fen und will ihr Trick­kleid zurück

Zum Ver­gleich, weil schon eine gan­ze Wei­le her: das alba­ni­sche Ori­gi­nal. Hört und weint.

Wel­che Fas­sung fan­dest Du bes­ser: die alba­ni­sche oder die eng­li­sche?

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Von blon­dier­ten Bar­bies und toten Schla­ger­di­ven

So, ein ver­reg­ne­ter Sonn­tag­nach­mit­tag, noch ein paar Minu­ten bis zum Beginn des rumä­ni­schen Vor­ent­schei­dungs­fi­na­les: kurz Zeit also, über eini­ge Phä­no­me­ne der letz­ten Tage zu sin­nie­ren. Begin­nen wir zunächst mit dem schein­bar merk­wür­di­gen Abstim­mungs­ver­hal­ten in eini­gen Län­dern und den dazu­ge­hö­ri­gen Hin­ter­grün­den. Da ist das all­ge­mein uner­war­te­te und scho­ckie­ren­de Ergeb­nis in Polen, wo die Zuschauer/innen eine zot­te­li­ge Jack-Spar­row-Kopie wähl­ten und den von vie­len Fans bereits als mög­li­chen Sie­ger­ti­tel des ESC 2016 gehan­del­ten Song ‘Cool me down’ von Mar­ga­ret ver­schmäh­ten. Was viel­leicht weni­ger ver­wun­dert, wenn man sich vor Augen führt, dass der Sen­der TVP beim gest­ri­gen Tele­vo­ting pro Anschluss ledig­lich einen Anruf wer­te­te. Sicher­lich fai­rer im Hin­blick auf ein reprä­sen­ta­ti­ves, weni­ger von anruf­freu­di­gen Tee­nies ver­zerr­tes Resul­tat, bedeu­te­te dies eben auch, dass die älte­ren (und kon­ser­va­ti­ve­ren) Zuschauer/innen, die nicht mehr in dem sel­ben Maße Musik kau­fen wie ihre Kin­der und damit die Charts nicht mehr bestim­men, in einem stär­ke­ren Umfang über das Ergeb­nis ent­schie­den. Und die konn­ten mit einer “blon­dier­ten Bar­bie in Unter­wä­sche”, wie sie sich in man­chen Kom­men­ta­ren Luft mach­ten, nichts anfan­gen. Sicher­lich half Mich­ał Szpak auch der Umstand, erst im vori­gen Jahr an der pol­ni­schen Aus­ga­be des Super­star teil­ge­nom­men zu haben.

Kam bei kon­ser­va­ti­ven Polen nicht gut an: Krach­tasche Mar­ga­ret (PL) (Live­auf­tritt ist der­zeit wegen irgend­wel­cher elen­der Cont­ent­wich­ser gesperrt. Sterbt!)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: mund­ge­schäl­te Bana­nen aus Isra­el

Frü­her ein­mal stand das eng­li­sche Wört­chen “gay” sowohl für “schwul”, als auch – im Ori­gi­nal­sin­ne – für “fröh­lich”. Das scheint lan­ge her: mitt­ler­wei­le hat sich bei vie­len Berufs­ho­mos lei­der eine nerv­tö­ten­de Humor­lo­sig­keit breit gemacht, wie sich am Bei­spiel der gera­de lau­fen­den israe­li­schen Vor­ent­schei­dung Rising Star zeigt. Dort kam der jun­ge Künst­ler Maor Gam­liel eine Run­de wei­ter, mit einem Song, der sich nach mei­nem Emp­fin­den in freund­schaft­lich-necken­der Wei­se über einen Schrank­schwu­len lus­tig macht. ‘Moshi­ko’, so der Name des titel­ge­ben­den Homos, “liebt Ärsche”, “treibt kei­nen Sport”, hält sich aber stän­dig im Umklei­de­raum auf, “lässt die Sei­fe fal­len”, “schält Bana­nen mit dem Mund” und soll­te sich end­lich outen, for­dert Maor. Denn, auch so heißt es im Song­text, “schwul ist cool” und es “gibt kein falsch oder rich­tig”. Letz­te­res sah der israe­li­sche Schwu­len- und Les­ben­ver­band jedoch anders und rief zu offi­zi­el­len Beschwer­den über die Aus­strah­lung des Titels im Fern­se­hen auf. Erfolg­reich: 200 Kla­gen gin­gen bei der zustän­di­gen Pro­gramm­be­hör­de ein, die den Fall nun prüft, wie die bri­ti­schen Pink News heu­te berich­ten.

Lus­tig oder ver­let­zend? Maor sorgt für Kon­tro­ver­sen

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