UK 1963: Der Tag am Meer

Der sei­ner­zei­ti­ge Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che der BBC, der TV-Unter­hal­tungs­chef Tom Slo­an, nahm sich, wie Gor­don Rox­burgh in sei­nem Buch Songs for Euro­pe berich­tet, die Zuschau­er­kri­tik über das schlech­te Niveau der direkt durch die Indus­trie kom­mis­sio­nier­ten Bei­trä­ge im bri­ti­schen Vor­ent­scheid von 1962 sehr zu Her­zen. In einem Inter­view mit der Pro­gramm­zeit­schrift Radio Times leg­te er gleich zwei drän­gen­de Pro­ble­me offen: “Ich den­ke, das Wett­be­werbs­ele­ment hält vie­le Musik­ver­le­ger davon ab, ihr bes­tes Mate­ri­al ein­zu­rei­chen, weil die Gefahr besteht, dass es in der natio­na­len Abstim­mung ver­liert. Außer­dem kon­zen­trie­ren sich die Plat­ten­fir­men natür­lich vor allem auf Songs, die auf das kauf­kräf­ti­ge jugend­li­che Publi­kum zie­len, und weni­ger auf sol­che, die den natio­na­len Jurys in den teil­neh­men­den Län­dern gefal­len könn­ten”. Damit umschrieb er den auch vom BBC-Publi­kum bemän­gel­ten Zustand, dass das Feld im Vor­jahr haupt­säch­lich aus schnel­le­ren, tanz­ba­ren Titeln bestand und die von den kon­ser­va­ti­ven, meist aus älte­ren Wür­den­trä­gern bestehen­den → Jurys klar bevor­zug­ten Bal­la­den Man­gel­wa­re waren. Er erwäg­te kurz, gar kei­nen Vor­ent­scheid abzu­hal­ten, son­dern intern aus­zu­wäh­len, ent­schied sich dann aber doch für einen offe­nen Wett­be­werb. Aller­dings bat er dies­mal nicht die Labels um Bei­trä­ge, son­dern bestell­te die Lie­der direkt bei füh­ren­den, hand­ver­le­se­nen Kom­po­nis­ten. Die jedoch erwie­sen sich als noch zart besai­te­ter, wenn es dar­um ging, sich der Kon­kur­renz zu stel­len: nicht nur, dass Slo­an kaum eta­blier­te Inter­pre­ten bekam, auch vom Mate­ri­al her kam A Song for Euro­pe (ASFE) 1963 noch schwach­brüs­ti­ger daher als bereits im Vor­jahr.

Mana mana – dap di de dippi… Ron­nie und die Snouts beim Euro­vi­si­on Song Con­test 1963.

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A Song for Euro­pe 1961: Kon­kur­renz belebt das Geschäft

Inde­pen­dent Tele­vi­si­on (ITV), der im Jah­re 1955 als Regio­nal­sen­der­ket­te ins Leben geru­fe­ne kom­mer­zi­el­le Gegen­spie­ler der BBC, kam 1961 auf der Suche nach attrak­ti­ven Unter­hal­tungs­for­ma­ten auf eine nahe­lie­gen­de Idee: mit dem ITV Song Con­test, der sich sehr deut­lich am For­mat der bri­ti­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung ori­en­tier­te, ver­such­te man, den Erfolg der öffent­lich-recht­li­chen Sen­dung für sich zu kopie­ren. Im Gegen­satz zur BBC konn­te ITV, das sich des Öfte­ren (erfolg­los) um die ESC-Lizenz bewarb, jedoch kei­nen Start­platz beim Grand Prix anbie­ten. Statt­des­sen wink­ten Geld­prei­se. Eini­ge bekann­te Künst­ler lie­ßen sich abwer­ben, so bei­spiels­wei­se der in Anspie­lung auf sei­nen frü­he­ren Beruf als “sin­gen­der Bus­fah­rer” bekann­te Matt Mon­ro, der im Vor­jahr mit ‘Por­trait of my Love’ sei­nen ers­ten Top-Drei-Hit in den bri­ti­schen Charts hat­te. Sein Bei­trag zum ITV-Wett­be­werb hieß ‘My Kind of Girl’, er lan­de­te mit der Lob­prei­sung der bei­den wich­tigs­ten weib­li­chen Qua­li­tä­ten – gutes Aus­se­hen und Koch­küns­te – einen Num­mer-Fünf-Hit auf der Insel und erreich­te Platz 18 in den US-ame­ri­ka­ni­schen Bill­board-Charts. Noch grö­ße­re Bekannt­heit erlang­te der sexis­ti­sche Song in den Staa­ten aller­dings in der Cover­ver­si­on der Rat-Pack-Legen­de Dean Mar­tin.

Der ist doch betrun­ken, oder? Dean Mar­tin mit dem Matt-Mon­ro-Song ‘My Kind of Girl’.

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