“Wie der Philosoph schon sagt: es steckt eine Frau im Rock eines jeden großen Mannes”: schöner hätte Gastgeberin Petra Mede (ich bleibe dabei: ein Glücksgriff für den Grand Prix) den letzten Auftritt des heutigen Abends, Rumäniens Transsylvestie-Star Cezar, nicht abmoderien können. Ein wunderschön runder Eurovisionsabend liegt hinter uns, mit einem wunderschön runden Ergebnis: 90% verdiente Finalisten, das findet sich selten in einer Qualifikationsrunde. Ärgern dürften sich nur die Verschwörungstheoretiker: mit Mazedonien und Albanien schieden heute auch noch die letzten Balkanstaaten aus, der Balkanblock ist damit Geschichte und hat als Ausrede für schlechte Westergebnisse ausgedient.
Schlagwort-Archiv: Armenien
Sechster Probentag in Malmö: zweites Semi, die Chancen
Ein langer Tag liegt vor uns: in Malmö proben heute die 17 Semifinalisten der zweiten Qualifikationsrunde vom Donnerstag zum zweiten Mal. Wie die Blogger berichten und meine Facebook-Meldungen mir bestätigen, trudeln immer mehr Fans in Malmö ein, das EuroFanCafé und der EuroClub füllen sich und die ersten bizarren Musikwünsche werden gespielt. Auch die deutsche Delegation landete heute in Schweden. Wenden wir uns aber nun den Teilnehmern des zweiten Semis und ihren Finalchancen zu, basierend auf dem heutigen Probentag.
EuroClub-Track des Tages: ‘Hullu yö’ (FI 1991)
Vierter Probentag in Malmö: von Blut und Alkohol
‘Alcohol is free’ ist nicht nur der Titel des griechischen Beitrags, es war auch das gelebte Motto der irischen Party am gestrigen Abend, was bei etlichen Malmö-Bloggern heute früh für personelle Ausfälle und dicke Schädel sorgte, wie zu lesen war. Glücklicherweise waren es auch die Griechen, die als erste heute früh probten und mit ihrem Energie- und Testosteronlevel die Sinne belebten. Leider verzichteten Koza Mostra an ihrem ersten Probentag – noch, wie ich hoffe! – auf die sexy Kilts, dafür brachten sie beleuchtbare Instrumente mit, die bei abgedunkelter Bühne während des Breaks für einen schönen visuellen Effekt sorgen. Natürlich dürfen auch ein paar Sirtakischritte nicht fehlen und am Ende streicht sich Rebetiko-Opa Aghatonos in Anleihe an den Videoclip noch mal über seinen Walroßbart. Perfekt!
Um die Vengaboys zu zitieren: Boom boom, I want you in my Room
Essenzielles aus Italien!
So, und damit steht nun auch der letzte Beitrag für den Eurovision Song Contest 2013 fest. Es ist ein Lied, welches wir bereits kennen: ‘L’Essenziale’, den Siegertitel des San-Remo-Festivals 2013, wird Marco Mengoni in Malmö zu Gehör bringen. Und auch, wenn ein Teil von mir sich laut schreiend auf dem Boden wälzen und sich die Haare ausreißen möchte, weil auch der allerletzte verfügbare Platz nun mit noch einer Ballade belegt wurde, so freut sich klammheimlich der andere Teil, der sich bei der Siegerreprise dann im Zweifel doch viel lieber von einem rehäugigen Ragazzo mit Mafiabärtchen ansülzen lassen möchte als von einem unerträglichen Nell&Icki-Abklatsch aus dem Kaukasus oder einer missionarischen russischen Whitney-Hohloch-Imitatorin.
Don’t call it Koteletten!
Armenien und der Planet Eurovision
Welchen Sinn macht es, eine Rockband zum Eurovision Song Contest zu schicken, die nicht rockt? Das blieb nicht das einzige Rätsel beim heutigen Eurostuhl (ich muss immer wieder drüber schmunzeln, auch wenn ich mich damit des billigen Fäkalhumores schuldig mache), dem Song-Entscheid Armeniens. Angetreten war die Band The Dorians, die Hardrocklegenden wie Led Zeppelin und Black Sabbath zu ihren Vorbildern zählt. Allerdings nicht unter ihrem Namen, sondern als “Begleitung” ihres Frontsängers Gor Sujyan. Und streckenweise verbreiteten die kernigen Jungs um Gor herum auch mimisch den Eindruck, als sei ihnen die Eurovisionsteilnahme ziemlich unangenehm oder sie von den vier vorgetragenen Songalternativen genau so gelangweilt wie der Zuschauer.
Bei 1:18 schaut der Gitarrist leicht genervt….
Boit du Champagne: drei neue Künstler für Malmö
Als hätten sie sich verabredet, direktnominierten gestern Abend gleich drei Länder ihre Kandidaten für den Eurovision Song Contest 2013. Und weil sie den mit Abstand schönsten Namen hat, beginnen wir mit der französischen Vertreterin: Amandine Bourgeois (nein, das habe ich mir nicht ausgedacht. Die heißt wirklich so!) gewann 2008 eine Castingshow und veröffentlichte seither zwei Alben, Presseberichten zufolge allerdings ohne all zu großen Erfolg. Ihr Song für Malmö heißt ‘L’Enfer et moi’ (‘Die Hölle und ich’) und nach einer kleinen Youtube-Recherche beabsichtigt sie wohl, uns durch Langeweile zu foltern.
Vermutlich geht es in dieser Nummer nicht um Amadine, denn…
…die klingt leider eher so!
Armenien, nein danke: keine Aprikosenkerne im Euroclub
Wie der deutsche DJ DouzePoints gerade im Prinz-Blog berichtet, ist es im Bakuer Euroclub – der extra für die Eurovision unweit der Crystal Hall errichteten Eurovisionsdisco für die Delegationen und Akkreditierten – nicht gestattet, armenische Titel aufzulegen. Nachdem DouzePoints, dem diese angeblich bereits publizierte Regel nicht bekannt gewesen sei, in seinem heutigen DJ-Set unter anderem einen Remix von Eva Rivas ‘Apricot Stone’ spielte, sei eine halbe Stunde später der Clubchef bei ihm aufgekreuzt und wies darauf hin, das dies im Euroclub strikt untersagt sei: “sonst bekommen wir ein richtiges Problem”. So viel zu den Zusagen der aserbaidschanischen Regierung, auch die armenische Delegation sei in Baku herzlich willkommen. Dass die Einheimischen Musik des mit ihnen verfeindeten Landes nicht gerne hören, mag ja verständlich sein – das Abspielen aber im Euroclub, der praktisch offizieller Bestandteil der Veranstaltung ist und von den Grand-Prix-Teilnehmern und Journalisten aufgesucht wird, zu untersagen, ist schlichtweg Zensur und stellt in meinen Augen einen politischen Skandal dar.
Wein nicht um mich, Armenien
Lange zierte sich das mit dem Gastgeberland verfeindete Armenien. Heute Morgen gab die EBU bekannt, dass in Baku nur 42 Nationen gegeneinander antreten werden – das Land der Aprikose habe die EBU offiziell über seinen Rückzug vom Eurovision Song Contest 2012 informiert. Die zeigte sich in einem Pressestatement “zutiefst enttäuscht”, schließlich habe man alles getan, um die Teilnahme des sich mit Aserbaidschan in einem eingefrorenen Krieg um Berg-Karabach befindliche Land zu ermöglichen. Gründe für den Rückzug wurden keine genannt, es existiert aber ein Boykottaufruf armenischer Künstler, der sich auf einen umstrittenen Todesfall von Ende Januar 2012 im Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen bezieht. Ob dies den Ausschlag gab oder ob Armenien nie ernsthaft eine Teilnahme vorhatte und einfach nur bis zum letzten Moment Aufmerksamkeit erregen wollte, bleibt Spekulation. Möglicherweise wollte man auch nur verhindern, dass sich weiterhin ungefragt Künstler wie Lucia Moon als mögliche armenische Vertreter ins Gespräch bringen, die der große Roy Delaney in seinem Blog zu Recht als “leicht beängstigende Frau von der Nachtapotheke bei ihrem Karaokeauftritt in einer leeren Bar um vier Uhr morgens” bezeichnet. Ob es sich um das letzte Wort in dieser Angelegenheit handelt, bleibt abzuwarten. Die Mitteilung der EBU klang aber danach.
Lucia Moon, eine in Karabach geborene, in den USA lebende Sängerin, die angeblich für Armenien singen wollte
Armenien ist draußen. Das ist...
- ...bedauerlich. (42%, 39 Votes)
- ...verständlich. (34%, 31 Votes)
- ...hoffentlich endlich das letzte Wort in der Saga. (17%, 16 Votes)
- ...enttäuschend. (11%, 10 Votes)
- ...vermutlich noch nicht das letzte Wort. (4%, 4 Votes)
Total Voters: 92
Loading ...Do I have to sing again? (ESC Finale 2010)

Das Jahr des Akkordeons
Die Wachablösung ist vollzogen, die Ära Siegel beendet: 28 Jahre, nach dem eine blockflötenhafte junge Saarländerin im Kommunionskleid Europa überzeugen konnte, dass Deutschland nicht mehr den totalen Krieg will, sondern nur noch “ein bißchen Frieden”, verdrehte eine charmante Hannoveranerin einem ganzen Kontinent den Kopf, in dem sie bewies, dass Deutsche auch lässig sein können. Im Gegensatz zu den Fluten von hörbar auf den vermuteten Jurygeschmack hin produzierten, saft- und kraftlosen Seichtballaden oder den mit viel Geld und Aufwand zu Tode choreografierten Bühnenspektakeln vermittelte Lena Mayer-Landrut glaubwürdig den Eindruck, einen Sieg gar nicht erzwingen zu wollen.
Too scared to lose my Fun (ESC Semi 2 2010)

Das Jahr des Akkordeons
Ich weiß, ich wiederhole mich, aber: das habt Ihr nun davon, liebe Juryfreunde! Kaum knackte das diabolische Bevormundungsgremium auch noch die Qualifikationsrunden, waren wir wieder genau dort angekommen, von wo der Wettbewerb einst in eine knapp zehnjährige Hochphase zeitgenössischer Popmusik aufbrach. Es ist wieder 1996! Und wir sind zurück beim Eurovision Schnarch Contest, wo es keine Rolle spielt, wie beschissen man singt und wie sehr man die Töne versemmelt, Hauptsache man hat eine lahme, tödlich einschläfernde Ballade am Start! Oder war es doch der Eurovision Horror Contest? Denn nach dem fachgerechten Würgen zarten Frauenhälse im ersten Semi lautete das Leitthema dieser Runde nun “Zombies”.