Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: ich tra­ge die Non­kon­for­mis­ten-Uni­form

Die Sai­son 2017 hat ihre ers­te Vor­ent­schei­dungs­sen­sa­ti­on her­vor­ge­bracht: wie der uner­müd­li­che bri­ti­sche Per­len­tau­cher Roy Dela­ney berich­tet, sah sich das unter ande­rem mit Aram MP3 (→ AM 2014) pro­mi­nent besetz­te Panel der arme­ni­schen Euro­vi­si­ons-Cas­ting­show Depi Evra­tes­il (durch wel­che mich durch­zu­quä­len ich offen gesagt bis­lang nicht die nöti­ge maso­chis­ti­sche Ener­gie auf­brin­gen konn­te) ges­tern mit einem Teil­neh­mer namens Alex­an­der Pla­to kon­fron­tiert, offen­bar ein ent­fern­ter Nach­fah­re des berühm­ten grie­chi­schen Phi­lo­so­phen. Der trat im vor­schrifts­mä­ßi­gen, fast schon kli­schee­haf­ten Hips­ter-Ornat – haut­enge Jeans auf dro­gen­dün­nen Bein­chen, bärig behaar­te Brust, impo­sant gepfleg­ter Voll­bart, Haar­dutt, dicke Retro­bril­le – vor die Juro­ren und gab ein Mach­werk namens ‘Illu­si­on’ zum Bes­ten, das sich jeder Defi­ni­ti­on ent­zieht. Musi­ka­lisch viel­leicht am ehes­ten noch im Bereich Free Jazz anzu­sie­deln (Alex­an­der beschreibt es als “Rock­opern-Arie vol­ler Ernst­haf­tig­keit, Freu­de, Kum­mer und Sar­kas­mus”), begann er mit einer affek­tiert über­ak­zen­tu­ier­ten eng­li­schen Stro­phe, deren Inhalt sich auf­grund der knö­de­li­gen Beto­nung dem Ohr des Zuhö­rers wei­test­ge­hend ver­schloss. Im – nun­ja, Refrain kann man es eigent­lich nicht nen­nen – nächst­fol­gen­den Song­part ver­leg­te er sich dann aufs Scat­ten, wozu er mit weit auf­ge­ris­se­nen Augen und fin­ger­fuch­telnd ver­such­te, die abstim­mungs­be­rech­tig­ten Panel-Mit­glie­der zu sei­nen Guns­ten zu beschwö­ren. Mit Erfolg: auch wenn die­se deut­lich erkenn­bar nicht wuss­ten, wie ihnen gera­de geschieht und ob sie ange­sichts der sur­rea­len Dar­bie­tung vor ihnen laut lachen, nach der ver­steck­ten Kame­ra suchen, um Hil­fe schrei­en oder weg­ren­nen sol­len, drück­ten sie in einer Art kol­lek­ti­ver Mas­sen­hyp­no­se einer nach dem ande­ren auf den Knopf vor ihnen, mit dem sie ihre pla­to­ni­sche Lie­be zum Kan­di­da­ten bestä­tig­ten. Das arme­ni­sche Hips­ter-Bär­chen ist damit eine Run­de wei­ter – ob er nun ent­spre­chend nach­le­gen kann (für kom­men­den Sams­tag hat er bereits einen ‘Mono­lo­gue’ ange­droht) oder ob er sein Pul­ver mit die­sem denk­wür­di­gen Auf­tritt bereits ver­schos­sen hat, wird sich zei­gen. Wir sind jeden­falls um eine herr­lich bizar­re Epi­so­de rei­cher – herz­li­chen Dank und gro­ße Ver­beu­gung, Herr Pla­to!

Push! The! But­ton! Alex­an­der Pla­to in sei­ner bes­ten Dschun­gel­buch-Schlan­gen-Imi­ta­ti­on

Rus­si­sches Fern­se­hen sieht Ser­gey als Sie­ger

Es war eine erwart­ba­re Reak­ti­on, und sie kam prompt: in einer Pres­se­mel­dung erklär­te der musi­ka­li­sche Direk­tor des Fern­seh­sen­ders Rus­sia 1, Yuri Aksyu­ta, sei­nen eige­nen Kan­di­da­ten zum mora­li­schen Sie­ger des Euro­vi­si­on Song Con­test 2016. “Für mich sind die Ergeb­nis­se des Publi­kums ent­schei­dend, denn für die­ses wird die Musik gemacht. So gese­hen war es ein Sieg von Ser­gey Laza­rev,” so Aksyu­ta. Er warf den Jurys einen geziel­ten Boy­kott des rus­si­schen Bei­trags vor, denn wäh­rend Ser­gey aus jedem (!) ein­zel­nen Land Punk­te im Tele­vo­ting erhielt (ein­schließ­lich der Höchst­wer­tung aus Deutsch­land sowie aus der Ukrai­ne), ging er bei der Hälf­te der Jury­ab­stim­mun­gen leer aus. Unter den 21 orga­ni­sier­ten Laza­rev-Ver­ach­tern fan­den sich mit Est­land, Litau­en, Geor­gi­en und – wenig über­ra­schend – der Ukrai­ne vier ehe­ma­li­ge Sowjet­staa­ten sowie fünf wei­te­re Natio­nen, die sich einst hin­ter dem eiser­nen Vor­hang befan­den. Die rus­si­sche Jury aller­dings ver­hielt sich kei­nen Deut bes­ser: wäh­rend die Zuschau­er aus dem flä­chen­mä­ßig größ­ten Staat der Erde zehn Punk­te an Jama­la rüber­scho­ben, setz­ten sie die fünf Juro­ren, die am Diens­tag noch durch das Live­strea­ming ihrer Abstim­mung für Auf­se­hen gesorgt hat­ten, auf Null­di­ät. Etwas ver­söhn­li­cher äußer­te sich Ser­gey: Wie das Sprich­wort sagt, jeder liebt einen Gewin­ner! Ich gra­tu­lie­re Jama­la! Ich bin froh, dass das Publi­kum für Russ­land gestimmt hat, für mein Lied, und so emp­fin­de ich kei­ne Frus­tra­ti­on”. Er habe beson­ders den aus­tra­li­schen Bei­trag von Dami Im gemocht, die in der Jury­ab­stim­mung haus­hoch führ­te.

Sieg­te mit Ser­geys Segen: die fan­tas­ti­sche Jama­la (UA)

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EBU ver­warnt Arme­ni­en

Es gehört seit Jah­ren zum fes­ten Ritu­al beim Euro­vi­si­on Song Con­test: die Kab­be­lei­en zwi­schen den bei­den Teil­neh­mer­län­dern Arme­ni­en und Aser­bai­dschan. Mal hält die Punk­te­spre­che­rin ein Klemm­brett mit einem unlieb­sa­men Foto in die Kame­ra, mal fällt wäh­rend der Live-Über­tra­gung des kon­kur­rie­ren­den Bei­trags wie zufäl­lig das Bild aus, mal singt man vom Geno­zid, mal zitiert das Innen­mi­nis­te­ri­um Bür­ger des eige­nen Lan­des zum Ver­hör, die für das Lied des Geg­ners gestimmt haben – um nur eine zufäl­li­ge Aus­wahl zu tref­fen. Anlass der von bei­den Sei­ten mit der glei­chen Beharr­lich­keit und Lust geführ­ten, unschö­nen Ran­ge­lei­en sind die seit den Neun­zi­gern schwe­len­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen bei­der Natio­nen um die offi­zi­ell zu Aser­bai­dschan zäh­len­de, nach lang­jäh­ri­gem Bür­ger­krieg mit Ver­trei­bun­gen und zahl­lo­sen Toten auf bei­den Sei­ten aber fast aus­schließ­lich von Arme­ni­ern bewohn­te und de fac­to unab­hän­gi­ge Regi­on Berg­ka­ra­bach. Und exakt die Fah­ne die­ser nicht aner­kann­ten Repu­blik wedel­te die in Deutsch­land leben­de arme­ni­sche Sän­ge­rin Ive­ta Muku­chyan im gest­ri­gen ers­ten Semi­fi­na­le bei einem Kame­ra­schwenk in den Green Room wäh­rend des Schnell­durch­laufs durchs Bild. Natür­lich nur, um “Lie­bes­wel­len” an die Regi­on zu schi­cken und für die Ein­hal­tung der immer wie­der ver­letz­ten Waf­fen­ru­he zu wer­ben, wie sie in ihrer Pres­se­kon­fe­renz sag­te. Nee, ist klar. Selbst­re­dend ließ die aser­bai­dscha­ni­sche Dele­ga­ti­on die geziel­te Pro­vo­ka­ti­on nicht auf sich sit­zen und beschwer­te sich bei der EBU, die nun eine offi­zi­el­le Ver­war­nung aus­sprach, sich aber (wie über­ra­schend!) nicht zu einem sofor­ti­gen Aus­schluss des Lan­des durch­rin­gen konn­te.

Schrieb ihren Song nur für den Frie­den mit Aser­bai­dschan, sagt Ive­ta

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Von Wöl­fen und Lum­pen­sä­cken: die Pro­ben zum ers­ten Semi 2016

In Stock­holm gin­gen heu­te die ers­ten Pro­ben­durch­gän­ge für die bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den zu Ende. Seit Mon­tag üben die Teilnehmer/innen aller 42 Natio­nen ihre Auf­trit­te erst­mals auf der ech­ten Euro­vi­si­ons­büh­ne. Noch nicht immer im spä­te­ren Büh­nenout­fit und oft­mals mit stimm­lich ange­zo­ge­ner Hand­brem­se – in der ers­ten Run­de geht es haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­r­a­po­si­tio­nen und Büh­nen­hin­ter­grün­de und ums letz­te Fei­len an den Cho­reo­gra­fi­en. Die von den inter­na­tio­na­len Blog­gern vor Ort natür­lich schon flei­ßig ver­brei­te­ten ers­ten Ein­drü­cke sind daher mit Vor­sicht zu genie­ßen, zumal es für zu Hau­se Geblie­be­ne wie mich nur kur­ze Drei­ßigs­ekün­der zu sehen und zu beur­tei­len gibt. Den­noch will, ja muss ich mich an eine ers­te Beur­tei­lung wagen. In die­sem Pos­ting nun zuerst alle Acts des ers­ten Semi­fi­na­les. Auf die Minu­te pünkt­lich los ging es am Mon­tag mit der ers­ten Pro­be von Sandhja Kui­va­lai­nen. Die Fin­nin trat in einem eng­an­lie­gen­den, offen gesagt wenig vor­teil­haf­ten, schul­ter­frei­en Ein­tei­ler auf, umrahmt von fünf schwarz­ge­klei­de­ten, weib­li­chen Backings, die sie alle um Haup­tes­län­ge über­rag­ten. Was optisch leich­te Remi­nis­zen­zen an Mari­ja Šerif­o­vić (RS 2007) und die Beau­ty Queens her­vor­rief. Musi­ka­lisch eher nicht: ‘Sing it away’ ist ein net­ter, flot­ter Pop­song, fällt live aller­dings deut­lich zur Stu­dio­ver­si­on ab. So wie wohl auch die Final­chan­cen der Fin­nen.

Das Proll-Out­fit tau­schen die Grie­chen sicher noch gegen etwas Pas­sen­de­res

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Arme­ni­en 2016: Style over Sub­s­tan­ce

Vor weni­gen Minu­ten stell­te eurovision.tv das Video des arme­ni­schen Bei­trags ‘Love­Wa­ve’ online. Der wird bekannt­lich von der bereits ver­gan­ge­nen Okto­ber intern bestimm­ten, in Ham­burg auf­ge­wach­se­nen Ive­ta Muku­chyan inter­pre­tiert, die 2012 – natür­lich – an The Voice of Ger­ma­ny teil­nahm. In good old Ger­ma­ny wur­de auch das Video für ihren Titel pro­du­ziert, in dem das in Ber­lin leben­de schwe­di­sche Model Ben Dah­l­haus eine deko­ra­ti­ve Rol­le spielt. Und dass ich mich mit die­sen gan­zen Neben­säch­lich­kei­ten auf­hal­te, deu­tet auf ein Pro­blem hin, dass ich mit dem Bei­trag habe: mir fehlt in dem Song das Lied. Es beginnt ganz viel­ver­spre­chend mit flüs­tern­dem Sprech­ge­sang über mil­de düs­te­ren elek­tro­ni­schen Klän­gen, gefolgt von einer völ­lig unmerk­li­chen Stro­phe, einem gekri­sche­nen “Uhuhu” und jeder Men­ge aggres­si­ven Geschrei­es als Refrain. Sowie, als akus­ti­sches Erken­nungs­zei­chen eines jeden arme­ni­schen Bei­trags, einer dezent ein­ge­streu­ten Duduk (die­se kla­gen­de Flö­te im Hin­ter­grund). Das Gan­ze gestal­tet sich als drei­mi­nü­ti­ge Klang­col­la­ge, auch nach mehr­ma­li­gem Lau­schen bleibt nichts davon im Gehör­gang hän­gen. Lie­ße sich der Titel nicht als pseu­do­krea­ti­ves Eng­lisch iden­ti­fi­zie­ren, könn­te ich noch nicht mal sagen, wel­che Spra­che Ive­ta ver­wen­det. Nicht, weil ihre Aus­spra­che schlecht wäre, son­dern schlicht, weil nichts an dem Song mei­ne Auf­merk­sam­keit für län­ger als drei Sekun­den zu hal­ten ver­mag. Ver­mut­lich wird die Num­mer bei Jün­ge­ren gera­de des­we­gen ihre Anhän­ger­schaft fin­den – als lebens­er­fah­re­ne­rer Mensch, der zumin­dest die Ahnung einer Melo­die braucht, bin ich für die­sen Sound lei­der ver­lo­ren.

Schafft Arme­ni­en mit Love­Wa­ve den Final­ein­zug?

  • Es ist Arme­ni­en: natür­lich kommt das wei­ter! (37%, 46 Votes)
  • Na klar. Der Song ist gut, viel­schich­tig, zeit­ge­mäß, gut inter­pre­tiert. (35%, 43 Votes)
  • Even­tu­ell müs­sen die Jurys das ret­ten. Hängt auch von ihrer Live-Aus­strah­lung ab. (28%, 34 Votes)

Total Voters: 123

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Frau Losco kann sich nicht ent­schei­den

Sie macht es sich aber auch wirk­lich schwer, die mal­te­si­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin Ira Losco. Beim Vor­ent­scheid bereits mit gleich zwei Bei­trä­gen ange­tre­ten, schwirr­ten direkt nach ihrem dor­ti­gen Sieg Gerüch­te durch die Gegend, sie kön­ne den Titel ihres Songs ‘Cha­me­le­on’ wört­lich neh­men und ihn durch einen ande­ren erset­zen (die Sta­tu­ten des Mal­ta­song las­sen die­se Mög­lich­keit aus­drück­lich zu). Nun eska­liert die Lage: wie der Sen­der TVM heu­te bekannt gab, neh­me sie zur Zeit ins­ge­samt neun wei­te­re Lie­der auf, sowie einen Remix ihres Sie­ger­ti­tels. Und zwar, wie ihr Pro­du­zent heu­te auf Face­book durch­si­ckern ließ, zusätz­lich zu den 16 Titeln, die sie bereits für ihr neu­es Album in der Pipe­line hat (und von denen kei­ner in die Euro­vi­si­ons­wahl kam). Da lei­det jemand ent­we­der unter einem schwe­ren Fall von Arbeits­sucht oder stirbt gera­de vor (berech­tig­ter) Angst, schlech­ter abzu­schnei­den als bei der ers­ten Euro­vi­si­ons­teil­nah­me 2002. Die zehn Songs sol­len nun durch eine inter­na­tio­na­le Jury mit Mit­glie­dern aus zehn Län­dern sowie ein­hei­mi­sche Exper­ten auf Herz und Nie­ren geprüft wer­den, um den bes­ten zu fin­den. Eine neue öffent­li­che Vor­ent­schei­dung fin­det aber nicht statt. Anders läuft es in Maze­do­ni­en: dort steht die intern aus­ge­wähl­te Inter­pre­tin Kalio­pi, wie Frau Losco eine Con­test-Rück­keh­re­rin (MK 2012), bereits seit gerau­mer Zeit fest. Und seit Mitt­woch ken­nen wir auch den Titel ihres wie immer gemein­sam mit ihrem Exmann Romeo Grill geschrie­be­nen Bei­trags, näm­lich ‘Dona’. Nur auf das Lied selbst müs­sen wir noch war­ten, bis zum 7. März 2016. Bereits fünf Tage vor­her prä­sen­tiert Ive­ta Muku­chyan den arme­ni­schen Bei­trag ‘Love­Wa­ve’. Freu­en kön­nen wir uns bereits auf den in Deutsch­land gedreh­ten Video­clip: in dem spielt neben Ive­ta näm­lich auch das schwe­di­sche Hips­ter-Top­mo­del Ben Dah­l­haus mit.

Alles auf­ge­ben? Kommt für Frau Losco (im Bild als Hafen­hu­re) nicht in Fra­ge

The Voice-Stern­chen Ive­ta Muku­chyan ver­tritt Arme­ni­en

Wie escu­ni­ted soeben ver­mel­det, heißt die Reprä­sen­tan­tin Arme­ni­ens beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 in Stock­holm Ive­ta Muku­chyan. Die kennt der eine oder ande­re deut­sche TV-Zuschau­er viel­leicht noch aus der zwei­ten Staf­fel der Cas­ting­show The Voice of Ger­ma­ny, wo die in Jere­wan Gebo­re­ne und zeit­wei­lig in Ham­burg Auf­ge­wach­se­ne 2012 teil­nahm und – neben ihrem guten Aus­se­hen – vor allem durch das Hin­met­zeln des Lore­en-Sie­ger­songs ‘Eupho­ria’ Auf­merk­sam­keit erreg­te. Ive­ta schied im Ver­lauf der Staf­fel aus. Zwei Jah­re zuvor hat­te sie bereits an der arme­ni­schen Vari­an­te von DSDS teil­ge­nom­men. Die 29jährige wur­de in einer inter­nen Aus­wahl bestimmt, ihr Song soll zu einem spä­te­ren Zeit­punkt bekannt gege­ben wer­den. Trotz der unrühm­li­chen Ver­gan­gen­heit als Cas­ting-Stern­chen lässt Ive­tas letz­te Sin­gle ‘Ser­jo – Ari Yar’ aber hof­fen: auf einen kna­cki­gen Song, eine beein­dru­cken­de Büh­nen­prä­senz und eine stim­mi­ge Cho­reo­gra­fie.

Fan­tas­ti­sche Haa­ro­gra­phie: Ive­ta Muku­chyan (AM) weiß, wie’s geht! (Reper­toire­bei­spiel)

Die Vil­la­ge Peop­le sind in Wien: ers­te Pro­ben ers­tes Semi 2015

Seit Mon­tag Mit­tag sind die Spie­le offi­zi­ell eröff­net: in der Wie­ner Stadt­hal­le prob­ten ges­tern und heu­te die 16 Teilnehmer/innen des ers­ten Semi­fi­na­les am kom­men­den Diens­tag. Und obgleich es sich um den aller­ers­ten, tech­ni­schen Durch­lauf han­del­te, der haupt­säch­lich zum Fin­den der rich­ti­gen Kame­ra­ein­stel­lun­gen und Beleuch­tung dien­te, berich­te­ten die zahl­reich in Wien bereits auf­ge­schla­ge­nen Schwur­na­lis­ten natür­lich aus­führ­lich über jedes noch so klei­ne Detail und erstell­ten umge­hend neue Pro­gno­sen. Wenn nicht gera­de kon­tro­vers über den Auf­re­ger des Tages debat­tiert wur­de: so rüs­tet die Wie­ner Stadt­ver­wal­tung der­zeit 120 Fuß­gän­ger­am­peln mit mit neu­en Sym­bo­len aus: händ­chen­hal­tend gemein­sam war­ten­de bzw. lau­fen­de Pär­chen – dar­un­ter auch gleich­ge­schlecht­li­che – sol­len für höhe­re eine Auf­merk­sam­keit der gefähr­de­ten Pas­san­ten sor­gen, ange­sichts des bevor­ste­hen­den Life Balls (Aids­hil­fe-Bene­fiz), des Song Con­tests und dem für Juni ter­mi­ni­n­er­ten CSD aber auch für Tole­ranz wer­ben. Und prompt füh­len sich die hete­ro­se­xu­el­len Euro­vi­si­ons­fans dis­kri­mi­niert, weil der Grand Prix damit in die Nähe einer schwu­len Ver­an­stal­tung gerückt wür­de (ach was!). Dabei mach­te gleich der ers­te Star­ter des ers­ten Semis klar, wes­sen Par­ty das hier ist!

Schwu­ler geht’s nim­mer: der Bahn­hofs­stri­cher und die Bul­len

Wei­ter­le­senDie Vil­la­ge Peop­le sind in Wien: ers­te Pro­ben ers­tes Semi 2015

Arme­ni­en spielt mit dem Schat­ten

Wel­che Hin­ter­grund­ge­sprä­che wohl die­ser Mel­dung vor­aus­gin­gen? “Um das Kon­zept einer Hym­ne des Frie­dens, der Lie­be und der Einig­keit zu stär­ken,” so das fast schon iro­ni­sche Zitat in der offi­zi­el­len Mit­tei­lung der EBU, ände­re das arme­ni­sche Fern­se­hen “auf eige­nen Wunsch” den Titel sei­nes Bei­trags von ‘Don’t deny’ zu ‘Face the Shadow’. Damit sol­le jeg­li­chem Ver­dacht eines poli­ti­schen Inhalts begeg­net wer­den, wes­we­gen die EBU-Len­kungs­grup­pe das Ansin­nen freu­dig begrü­ße. Der Song beschäf­tigt sich bekann­ter­ma­ßen mit dem Völ­ker­mord von 1915, der eine Mas­sen­aus­wan­de­rung von Arme­ni­ern in alle Welt zufol­ge hat­te, wes­we­gen sich die Genea­lo­gy (Ahnen­for­schung) benann­te Grup­pe auch aus sechs Exil­ha­ja­sta­nern zusam­men­setzt. Der eng­li­sche, im Refrain haupt­säch­lich aus der unmiss­ver­ständ­li­chen For­de­rung ‘Don’t deny’ (‘Leug­ne nicht’) bestehen­de Lied­text bleibt indes unver­än­dert. Nun ist die Auf­for­de­rung, sich dem Schat­ten (der dunk­len Ver­gan­gen­heit) zu stel­len, nicht viel unpo­li­ti­scher als der nach­drück­lich vor­ge­tra­ge­ne Wunsch, (den Geno­zid) nicht wei­ter zu leug­nen. Als rei­ne Spe­ku­la­ti­on muss aber gel­ten, dass es sich beim nun gefun­de­nen Titel um einen Kom­pro­miss zwi­schen den mut­maß­lich beschwer­de­füh­ren­den Aser­bai­dscha­nern, der von poli­ti­schen Ver­stri­ckun­gen unbe­hel­ligt blei­ben wol­len­den EBU und den sen­dungs­be­wuss­ten Arme­ni­ern han­deln könn­te. Ich ver­mu­te, das wird nicht die letz­te Mit­tei­lung zum The­ma gewe­sen sein…


Die Spie­le sind eröff­net!

Arme­ni­en 2015: die Lie­der­leug­nung

Don’t deny’‘Leug­ne nicht’, so heißt der arme­ni­sche Bei­trag für Wien, wie wir bereits schon seit eini­ger Zeit wis­sen. Im Eng­li­schen lässt sich “to deny” auch mit “ver­wei­gern” über­set­zen, und wenn hier jemand etwas ver­wei­gert, dann die Arme­ni­er: uns einen rich­ti­gen Song näm­lich! Das gan­ze Pro­jekt dient bekannt­lich der The­ma­ti­sie­rung des von den Osma­nen ver­üb­ten und bis heu­te von der Tür­kei ver­leug­ne­ten Völ­ker­mords an den Arme­ni­ern vor exakt ein­hun­dert Jah­ren. Dass die Tür­ken (und natür­lich ihre Brü­der, die Aser­bai­dscha­ner) sich nach wie vor wei­gern, die dama­li­gen Vor­fäl­le als Geno­zid anzu­er­ken­nen, bringt die Kau­ka­si­er zur Weiß­glut. Und so wol­len sie die Euro­vi­si­ons­büh­ne zur Auf­klä­rung nut­zen – und ord­nen die­sem drän­gen­den Bedürf­nis gar den Wunsch nach einem Euro­vi­si­ons­sieg unter.

Papa don’t pray: ein Con­test­lied wie eine Kund­ge­bung

Wei­ter­le­senArme­ni­en 2015: die Lie­der­leug­nung