Artur Garcia

Fes­ti­val da Can­ção 1969: Wer ein Kind macht, tut es zum Vergnügen

Fes­ti­val da Can­ção 1969: Wer ein Kind macht, tut es zum Vergnügen

Sie war eigentlich nicht die erste Wahl des Komponisten Nuno Nazareth Fernandes, die heutige portugiesische Eurovisionslegende Simone de Oliveira, die sich exakt diesen Ruf jedoch mit exakt diesem Lied erarbeitete. Mit 'Desfolhada portuguesa' nämlich, der 'Portugiesischen Entblätterung', dem ersten von noch vielen folgenden patriotischen Grand-Prix-Beiträgen der iberischen Nation, der mittlerweile so etwas wie einen Status als zweite Nationalhymne besitzt. Die erst wenige Tage vor dem Festival da Canção mit der Interpretation beauftragte Simone besingt darin die blonden Weizenfelder, den Königsmais, die Rindernelke, die grüne Kiefer, den blauen Himmel, das Meer, die aufsteigende Sonne, die alles verbrennende Hitze, den "dich küssenden"…
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Fes­ti­val da Can­ção 1967: Trom­meln dröh­nen heiser

Fes­ti­val da Can­ção 1967: Trom­meln dröh­nen heiser

Ein Jahr, nachdem die damalige Kolonialmacht Niederlande mit der von surinamischen Eltern abstammenden Milly Scott die erste schwarze Sängerin zum Eurovision Song Contest delegierte, dominierten Künstler aus der portugiesischen Kolonie Angola, welche wie das lateinamerikanische Surinam erst 1975 die Unabhängigkeit erlangte, das Festival da Canção 1967. Der portugiesischen Wikipedia zufolge soll dies gerüchtehalber einem Wunsch des ultrarechten Machthabers Salazar entsprochen haben, der damit die Anbindung des südafrikanischen Landes stärken wollte. Wohl aus diesem Grunde durften bei der regionalen Jury-Abstimmung diesmal auch ein paar Exil-Angolaner mitvoten, allerdings ohne, dass ihre Stimmen mit in die Auszählung flossen. Kulturelle Approbation ja, Mitbestimmung nein:…
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Fes­ti­val da Can­ção 1965: Weni­ger ist mehr

Fes­ti­val da Can­ção 1965: Weni­ger ist mehr

Sie muss nahezu unbegrenzt sein, die lusitanische Leidensbereitschaft. Oder aber das Land versetzt das Trinkwasser seiner Bewohner:innen mit Crystal Meth. Anders ist es nicht zu erklären, dass die südeuropäische Halbinsel zumindest in der ersten Hälfte dieses zweiten Festival da Canção (FdC) nicht in kollektiven, hundertjährigen Tiefschlaf verfiel. Aus der demütigenden Grand-Prix-Premiere der seinerzeitigen Diktatur beim Eurovision Song Contest 1964, von welchem man mit ganzen null Punkten wieder abreiste, hatte der Sender RTP nicht das Geringste gelernt: drei bereits im Vorjahr beim FdC präsente Sänger:innen, darunter der in Kopenhagen so glücklose António Calvário, interpretierten vor einer geschmackvoll zurückhaltenden Studiodekoration wie festgenagelt…
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Fes­ti­val da Can­ção 1964: auch mor­gen noch kraft­voll zubeißen

Fes­ti­val da Can­ção 1964: auch mor­gen noch kraft­voll zubeißen

Gute drei Jahre vor meiner Geburt begann sie: die lange Leidensgeschichte des westlichsten Landes Kontinentaleuropas beim Eurovision Song Contest, die erst 48 Teilnahmen und 53 Jahre später mit dem Sieg von Salvador Sobral ihr temporäres Ende finden sollte. Bis dahin erwies sich der von zahlreichen Roten Laternen und kümmerlichen Punktegaben gesäumte Weg als qualvoll und steinig. Schaut man sich das 1964 eigens zu diesem Zwecke, als nationale Vorentscheidung, aus der Taufe gehobene und bis zum heutigen Tag zu diesem Behufe verwendete Festival da Canção in voller Länge an, ahnt man, warum. Sechs Sänger:innen traten gegeneinander an bei der Premiere dieser…
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