ESC 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

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Das Jahr der Show­trep­pe

Das zehn­jäh­ri­ge Jub­liäum des Euro­vi­si­on Song Con­tests nahm die EBU zum Anlass, im Früh­jahr 1966 bei den teil­neh­men­den TV-Anstal­ten Ide­en für die künf­ti­ge Gestal­tung des Wett­be­werbs zu sam­meln. Dabei zeig­ten sich regio­nal sehr unter­schied­li­che Schwer­punk­te, wie Gor­don Rox­burgh in der Fibel Songs for Euro­pe auf­lis­tet: so bestan­den die skan­di­na­vi­schen Sen­der dar­auf, dass der “musi­ka­li­schen Qua­li­tät” der Bei­trä­ge die abso­lu­te Prio­ri­tät ein­zu­räu­men sei. Die west­eu­ro­päi­schen Anstal­ten wie die ARD, das bel­gi­sche BRT, der ORF und das fran­zö­si­sche Fern­se­hen woll­ten vor allem die Teil­neh­mer­zahl von zuletzt 18 Natio­nen redu­zie­ren und schlu­gen ver­schie­de­ne For­ma­te für Semi­fi­na­le vor, wie sie sich aber erst 2004 durch­set­zen soll­ten. Die lin­gu­is­tisch zwie­ge­spal­te­nen Bel­gi­er votier­ten dabei für die Zutei­lung der Län­der anhand von Sprach­grup­pen, was ihnen selbst gleich zwei Start­plät­ze beschert hät­te: einen für Flan­dern in der nie­der­län­di­schen Vor­run­de, einen für Wal­lo­ni­en in der ungleich grö­ße­ren fran­zö­si­schen Grup­pe. Noch mehr Bei­trä­ge hät­te dies für die Schweiz bedeu­tet: einen für das deut­sche Semi, einen fürs fran­zö­si­sche und einen wei­te­ren fürs ita­lie­ni­sche. Die RAI woll­te den Wett­be­werb hin­ge­gen ger­ne über zwei oder gar drei Aben­de stre­cken, nicht unähn­lich dem eige­nen San-Remo-Fes­ti­val. Die BBC nahm Anstoß an der über­pro­por­tio­na­len Prä­senz Frank­reichs, das via Mona­co und Luxem­burg stets drei­fach ver­tre­ten war und sich im Jury­vo­ting gegen­sei­tig die Punk­te zuschau­feln konn­te. Das skan­di­na­vi­sche Ver­lan­gen nach “Qua­li­tät” konn­ten die Bri­ten nicht nach­voll­zie­hen: der Sie­ger­song wür­de schließ­lich stets anhand sei­nes “Pop-Appeals” bewer­tet.

Klei­ne Büh­ne, gro­ße Show: 1966, ein Mei­len­stein-Con­test.

Wei­ter­le­senESC 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

NO 1966: We’­re not gon­na take it

Sie hat­te ein klein wenig was von einem femi­nis­ti­schen Folk-Fes­ti­val, die nor­we­gi­sche Euro­vi­si­ons-Vor­ent­schei­dung Melo­di Grand Prix 1966. Was nicht nur dar­an lag, dass aus­schließ­lich Frau­en san­gen. Nein, auch der eine oder ande­re der ins­ge­samt fünf dort vor­ge­stell­ten Titel ver­ström­te einen lei­sen, leich­ten Hauch von Auf­leh­nung und Rebel­li­on, sei es durch sei­ne Instru­men­tie­rung, sei­nen Text oder sei­ne Inter­pre­ta­ti­on. Inter­es­san­ter­wei­se stamm­ten die­se Lie­der alle­samt aus der schöp­fe­ri­schen Hand eines ein­zel­nen Man­nes, näm­lich des nor­we­gi­schen Kom­po­nis­ten und ESC-Ver­tre­ters von 1964, Arne Ben­dik­sen. Was auch vor dem wei­te­ren Hin­ter­grund bemer­kens­wert erscheint, dass eine sen­der­ei­ge­ne Jury die­se fünf – in jeweils zwei unter­schied­lich instru­men­tier­ten Fas­sun­gen von zwei unter­schied­li­chen Sän­ge­rin­nen dar­ge­bo­te­nen – MGP-Titel aus ins­ge­samt 325 Ein­sen­dun­gen aus­ge­wählt hat­te und dabei gleich alle drei Vor­schlä­ge Ben­dik­sens beach­te­te. Ledig­lich der Eröff­nungs­song und mit 96 Sekun­den Lied­dau­er noch nicht ein­mal kür­zes­te Bei­trag des Abends, der von Wencke Myh­re in einem bezau­bern­den Geschenk­schlei­fen­kleid unter­nom­me­ne, musi­ka­lisch flot­te ‘Lør­dags­tripp’ (‘Sams­tags­aus­flug’), sowie die hoff­nungs­los alt­mo­disch-ver­staub­te Bal­la­de ‘Ung og forels­ket’ (‘Jung und ver­liebt’), die der Sen­der fol­ge­rich­tig Ani­ta Thallaug (→ NO 1963) zudach­te, zähl­ten nicht dazu. Thallaug inter­pre­tier­te in der ers­ten Lied-Run­de, die mit dem klei­nen Orches­ter, auch den in der anschlie­ßen­den Jury­wer­tung letzt­plat­zier­ten Song, das beat­be­tont-fröh­li­che ‘Vims’, mit dem sich die Sän­ge­rin aller­dings stimm­lich gering­fü­gig über­for­dert zeig­te.

Shake dat Ass: Frau Thallaug über­zeug­te eher tän­ze­risch als gesang­lich. Oh, und natür­lich durch die schmie­de­ei­ser­nen Locken.

Wei­ter­le­senNO 1966: We’­re not gon­na take it