Aserbaidschan avisiert die anmutige Ambient-Aisel

Wie der Prinz-Blog heute Mittag unter Bezug auf eine äußerst dürre Pressemitteilung des aserbaidschanischen Senders Ictimai rapportierte, wird die 28jährige Jazzinterpretin Aisel das Land des Feuers in Lissabon vertreten. Und nein, es handelt sich hierbei nicht etwa um die Wiederkehr von Aysel Teymurzadə, die im Jahre 2009 als eine Hälfte des aserbaidschanischen Alliterations-Duos AySel & Arash mit dem Titel ‚Always‘ nach A-Benotungen fischte. Mitnichten! Die diesjährige Aysel (augenscheinlich am Kaspischen Meer ein ebenso häufig vorkommender Frauenname wie Sopho in Georgien) hört auf den Nachnamen Məmmədovadır und führt, um alle etwaigen Verwechslungen auszuschließen, im Künstlernamen das „I“ anstelle des „Y“. Ist also doch ganz einfach, oder? Dem von den Prinzen aufgestöberten Youtube-Kanal der bislang fast ausschließlich auf Jazz-Festivals Aufgetretenen nach zu urteilen, verfügt die ebenfalls als Komponistin Tätige außerdem über ein exzellentes Händchen für Ambient, so dass hinsichtlich des aserbaidschanischen Lieds für Lissabon durchaus mit etwas experimentelleren Sounds gerechnet werden darf. Außer natürlich, Ictimai TV kauft wieder in Schweden irgendwas von der Stange und lässt es Aisel singen. Wäre aber schade um das offensichtliche Talent. Wann und in welcher Form Aisels Beitrag ausgewählt wird, darüber schwieg sich die Meldung indes aus.

Aisel mit einer selbst komponierten Plinker-Plonker-Ballade. Beachtlich hierbei die exzellente Aussprache des Englischen, der eurovisionäre Einsatz der Windmaschine und der dekorative Gitarrist (Repertoirebeispiel).

Proben erstes Semi 2017: Schüttel Dein Haar, wildes Mädchen

Seit Sonntag haben die Pforten des Internationalen Ausstellungszentrums in Kiew ihre Pforten geöffnet für die 42 Delegationen des diesjährigen Eurovisionsjahrganges und für alle besonders unerschrockenen Schwurnalisten, die trotz der widrigen Umstände um die Vorbereitungen und den Ticketverkauf die Reise in die ukrainische Metropole antraten. Das erste Semifinale ist bereits einmal komplett durchgeprobt, für die Zurückgebliebenen offeriert der offizielle Youtube-Kanal der EBU allerdings, wie schon aus den Vorjahren gewohnt, lediglich kurze, frontal gefilmte Ausschnitte von den Auftritten. Was durchaus Sinn macht, denn eigentlich verfügt der erste Probendurchgang nur über eine sehr eingeschränkte Aussagekraft, geht es doch zunächst hauptsächlich um die richtigen Kameraeinstellungen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casual an, ohne Bühnengarderobe, niemand verausgabt sich stimmlich, es geht erst mal darum, ein Gefühl für die Bühne zu bekommen und einen Eindruck für das TV-Signal, die Delegationen haben noch die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren und letzte Änderungen vorzuschlagen. Dennoch bloggt die versammelte Fanschaft natürlich bereits fleißig aus der Halle, und so reicht es durchaus für erste Eindrücke aus zweiter Hand. So, wie zum Beispiel für die beruhigende Nachricht, dass man trotz allem Hin und Her im Vorfeld auch in Kiew an liebgewonnenen Traditionen festhält: bei der allerersten Probe am Sonntagmorgen, zur unchristlichen Stunde von 9 Uhr deutscher Zeit, gab es nach übereinstimmenden Berichten im Pressezentrum zunächst keinen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show stattfindet.

Diese Frage beantwortet sich von selbst!

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Eurovision Deathmatch #7: Bis auf die Knochen

Hoch die Hände – Wochenende! Zum Ausklang der Arbeitswoche ist es mal wieder an der Zeit, beim Eurovision Deathmatch zwei reale Erzfeinde gegeneinander antreten zu lassen: die AAs nämlich, also Armenien und Aserbaidschan. Die unterhalten uns beim Eurovision Song Contest nun schon seit etlichen Jahren mit fortgesetzten kleineren und größeren Sticheleien, und auch ihre beide diesjährigen Repräsentantinnen schenken sich nichts in unserem heutigen Divenzweikampf. Beginnen wir (rein aus alphabetischen Gründen!) mit Artsvik Harutyunya aus dem Land der Aprikosen. Die Siegerin der armenischen Eurovisions-Castingshow Depi Evratesil umschmeichelt uns mit dem leicht hypnotischen, deutlich orientalisch gefärbten Elektro-Track ‚Fly with me‘, einer Einladung, der man gerne folgen mag. Auch an optischem Zucker sparte sie nicht: drei hinreißend bebartete Tänzer (neben drei quasiorientalisch mit Zipfelmützen verhüllten Tänzerinnen) begleiten die mit spektakulären Frisuren aufwartende Sängerin, die sich für die schwedophilen Fans gar noch das Melodifestivalen-Logo auf den zarten Oberkörper nähte. Ein starker Auftritt, der leider just in dem Moment endet, als man denkt, jetzt sei es genug des Vorspiels und der Song könnte endlich mal richtig losgehen.

Ofra Haza (IL 1983), reborn: Artsvik (AM)

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Aserbaidschan 2017: Them Bones

Auch die Erdöldiktatur vom Kaspischen Meer stellte gestern ihren Wettbewerbsbeitrag für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew vor. Der nennt sich ‚Skeletons‘, präsentiert sich als vielschichtiger, spannend gemachter, mittelschneller, düster-sphärischer Popsong aus bewährt aserischwedischer Gemeinschaftsproduktion, gesungen von der bereits im vergangenen Jahr intern ausgewählten Diana Hajiyeva alias DiHaj. Die präsentiert sich im dazugehörigen Videoclip als ziemlich unnahbar, was aber ganz gut zu dem Song passt, der mit einer verhalten-dunklen Strophe anfängt und im Refrain zu einem atmosphärisch dichten Chorgesang auffräst, wobei Diana und ihre Hintergrunddamen völlig verschiedene Lyrik-Linien übereinander singen, was mir sehr gut gefällt. Ein wenig irritiert indes die einleitende, grammatikalisch falsche Textzeile „I’m a Skeletons“, denn auch wenn Tijana ausschließlich aus Haut und Knochen besteht, fällt es schwer zu glauben, dass sie gleich mehrere Skelette in sich beherbergt. Oder spricht sie da auf einer spirituellen Ebene? Denn ebenso schwer fällt es, zu glauben, dass ein solcher Lapsus bei einer dermaßen internationalen, hochwertigen Produktion (vom gleichen Team, das bereits den furchtbaren, aber siegreichen Song ‚Running scared‘ [→ AZ 2011] verbrach) unbeabsichtigt durchgerutscht sein sollte. Hat man sich beim falschen Mehrzahl-S also etwas gedacht, was sich dem Rezensenten verschließt? Wer zur Aufklärung beitragen kann: bitte in die Kommentare!

Auf der Knochenjagd: DiHaj (AZ)

Kommt Aserbaidschan damit ins Finale?

  • Ja, und zwar zu Recht. Die Nummer ist echt gut! (54%, 37 Votes)
  • Ist das eine Scherzfrage? Es ist Aserbaidschan, also ja. (29%, 20 Votes)
  • Ich bin noch nicht überzeugt, dass das live auch so gut klingt. Also abwarten. (17%, 12 Votes)

Total Voters: 69

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Bring mir den Tschai: Aserbaidschan schickt Dihaj nach Kiew

Die nächste direkt nominierte Teilnehmerin des Eurovision Song Contest 2017 steht fest: der aserbaidschanische Sender ITV schickt die Sängerin Diana Hajiyva, besser bekannt unter ihrem Bühnennamen Dihaj, zum Wettsingen nach Kiew. Die aus der Hauptstadt Baku stammende Dihaj versuchte bereits 2011, ihre Heimat zu vertreten, unterlag in ihrer Vorrunde aber dem späteren Eurovisionssieger Eldar Quasimov. Verschiedenen ESC-Seiten zufolge habe sie 2016 als Backgroundsängerin für die aserbaidschanische Repräsentantin Samra auf bzw. hinter der Bühne des Globen gestanden – andere Quellen behaupten indes, sie sei kurzfristig durch die Schwedin Anna Engh ersetzt worden. A propos: spannend dürfte nun sein, ob ITV erneut einen Song von der Stange in IKEA-Land einkauft, wie es bislang Usus war. Denn Dihaj kann zu Hause bereits Erfolge vorweisen, allerdings mit gänzlich anderer Musik: es ist sphärisch-experimenteller Pop, mit dem sie bekannt wurde, eine Art Fusion von elektronischen, orientalischen, Ambient- und Jazz-Elementen, gesungen auf Aserbaidschanisch und Englisch. Auch optisch erinnert sie ein klein wenig an die legendäre albanische Sirene Rona Nishliu (→ 2012), die aus einer ähnlichen musikalischen Ecke kam. Schwer vorstellbar also, dass Dihaj sich abgelehnte Melfest-Ware andrehen lässt. Zudem wechselte gerade der Eurovisionsverantwortliche des Bakuer Senders, was ebenfalls für eine neue musikalische Ausrichtung des ESC-erfolgsverwöhnten Landes spricht. Können wir also 2017 auf außergewöhnliche Grand-Prix-Kost vom kaspischen Meer hoffen?

Könnte jeden David-Lynch-Film untermalen: Dihaj (Repertoirebeispiel)

Türkvizyon 2016: Seyran singt für Deutschland

Kaum ist der Eurovision Song Contest 2016 abgeschlossen, geht auch schon die Türkvizyons-Saison los. Und das erste Land, das seinen Teilnehmer für den osmanischen Liederwettbewerb benennt, ist *Trommelwirbel* Deutschland! Wie der verantwortliche Kölner Sender Düğün TV gestern Abend bekannt gab, vertritt uns der 36jährige Seyran Ismayilkhanov. Der in Baku geborene Seyran, der an der Musikakademie in Moskau studierte, lebt seit 2005 in Köln. Er nahm mehrfach an Eurovisionsvorentscheidungen in Aserbaidschan teil und versuchte es auch schon in der Schweiz. Das Multitalent spricht, singt und komponiert auf aserbaidschanisch, russisch, türkisch, englisch und deutsch: vor kurzem erschien sein Album Nur die Liebe zählt‘ mit selbstgeschriebenen Popschlagern, darunter so schönen Titeln wie ‚Sex auf dem Dach‘. Sein (noch nicht bekannt gegebener) Türkvizyonsbeitrag stammt allerdings von Volkan Gücer, der auch den letztjährigen deutschen Beitrag von Derya Kaptan schrieb. Deutschland nimmt seit 2014 an der Türkvizyon teil, bislang mit eher mäßigem Erfolg.

So klingt Seyran auf deutsch…

…und so auf türkisch.

EBU verwarnt Armenien

Es gehört seit Jahren zum festen Ritual beim Eurovision Song Contest: die Kabbeleien zwischen den beiden Teilnehmerländern Armenien und Aserbaidschan. Mal hält die Punktesprecherin ein Klemmbrett mit einem unliebsamen Foto in die Kamera, mal fällt während der Live-Übertragung des konkurrierenden Beitrags wie zufällig das Bild aus, mal singt man vom Genozid, mal zitiert das Innenministerium Bürger des eigenen Landes zum Verhör, die für das Lied des Gegners gestimmt haben – um nur eine zufällige Auswahl zu treffen. Anlass der von beiden Seiten mit der gleichen Beharrlichkeit und Lust geführten, unschönen Rangeleien sind die seit den Neunzigern schwelenden Auseinandersetzungen beider Nationen um die offiziell zu Aserbaidschan zählende, nach langjährigem Bürgerkrieg mit Vertreibungen und zahllosen Toten auf beiden Seiten aber fast ausschließlich von Armeniern bewohnte und de facto unabhängige Region Bergkarabach. Und exakt die Fahne dieser nicht anerkannten Republik wedelte die in Deutschland lebende armenische Sängerin Iveta Mukuchyan im gestrigen ersten Semifinale bei einem Kameraschwenk in den Green Room während des Schnelldurchlaufs durchs Bild. Natürlich nur, um „Liebeswellen“ an die Region zu schicken und für die Einhaltung der immer wieder verletzten Waffenruhe zu werben, wie sie in ihrer Pressekonferenz sagte. Nee, ist klar. Selbstredend ließ die aserbaidschanische Delegation die gezielte Provokation nicht auf sich sitzen und beschwerte sich bei der EBU, die nun eine offizielle Verwarnung aussprach, sich aber (wie überraschend!) nicht zu einem sofortigen Ausschluss des Landes durchringen konnte.

Schrieb ihren Song nur für den Frieden mit Aserbaidschan, sagt Iveta

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Erstes Semifinale 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte „Welcome, Europe!“ die ersten Takte von ‚The Final Countdown‘ der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die „Peinlichkeit“ entschuldigten! Auch, was das schwedische Fernsehen an Rahmenprogramm auf die Beine stellte, konnte sich sehen lassen, von der Eröffnungsnummer, als ein Chor aus den Kindern von Stepford das Morbid-Düstere in Måns Zelmerlöws Vorjahres-Siegerlied ‚Heroes‘ erst so richtig herausarbeitete, bis hin zu dem als Pausenact eingesetzten Ballett der ‚Grey People‘ zum Thema Flucht, das einem beim Zuschauen stellenweise den Atem stocken ließ, weil es so artifizielle und dennoch tief unter die Haut gehende Bilder für die Tragödie fand, die sich weiterhin täglich vor unseren Toren abspielt. Danke für diesen Appell ans kollektive Gewissen!

Die perfekte Sprache gefunden, um das wichtige Thema an diesem Abend nicht vergessen zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Respekt, SVT!  

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Von Wölfen und Lumpensäcken: die Proben zum ersten Semi 2016

In Stockholm gingen heute die ersten Probendurchgänge für die beiden Qualifikationsrunden zu Ende. Seit Montag üben die Teilnehmer/innen aller 42 Nationen ihre Auftritte erstmals auf der echten Eurovisionsbühne. Noch nicht immer im späteren Bühnenoutfit und oftmals mit stimmlich angezogener Handbremse – in der ersten Runde geht es hauptsächlich um die richtigen Kamerapositionen und Bühnenhintergründe und ums letzte Feilen an den Choreografien. Die von den internationalen Bloggern vor Ort natürlich schon fleißig verbreiteten ersten Eindrücke sind daher mit Vorsicht zu genießen, zumal es für zu Hause Gebliebene wie mich nur kurze Dreißigsekünder zu sehen und zu beurteilen gibt. Dennoch will, ja muss ich mich an eine erste Beurteilung wagen. In diesem Posting nun zuerst alle Acts des ersten Semifinales. Auf die Minute pünktlich los ging es am Montag mit der ersten Probe von Sandhja Kuivalainen. Die Finnin trat in einem enganliegenden, offen gesagt wenig vorteilhaften, schulterfreien Einteiler auf, umrahmt von fünf schwarzgekleideten, weiblichen Backings, die sie alle um Haupteslänge überragten. Was optisch leichte Reminiszenzen an Marija Šerifović (RS 2007) und die Beauty Queens hervorrief. Musikalisch eher nicht: ‚Sing it away‘ ist ein netter, flotter Popsong, fällt live allerdings deutlich zur Studioversion ab. So wie wohl auch die Finalchancen der Finnen.

Das Proll-Outfit tauschen die Griechen sicher noch gegen etwas Passenderes

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[UPD] Die Türkvizyon reist nicht mehr

Wie Eurovoix heute unter Bezugnahme auf eine Meldung des türkischen Musiksenders TMB verkündete, soll die vierte Ausgabe des osmanischen Gegenentwurfs zum Eurovision Song Contest im Dezember 2016 in der Türkei stattfinden. Man erwarte bis zu 30 Teilnehmer/innen, wobei die spannende Frage bleibt, ob die russischen Teilrepubliken, die 2015 auf Weisung Putins stornieren mussten, diesmal dabei sind. Ursprünglich war die Ausrichtung der 2013 erstmals veranstalteten Türkvizyon mit dem jährlich weiterwandernden Titel der Kulturhauptstadt der türkischen Welt, verliehen von der Kulturorganisation Türksoy, verknüpft. Weswegen die ersten beiden Ausgaben des Wettbewerbs auch folgerichtig in Eskişehir (Anatolien, Türkei) und Kasan (Tatarstan, Russland) stattfanden. 2015 wurde die Türkvizyon allerdings aus ungenannten Gründen von Mery (Turkmenistan) nach Istanbul verlegt. In diesem Jahr trägt das aserbaidschanische Städtchen Şəki den Titel der Kulturhauptstadt der türkischen Welt. Weswegen man die Türkvizyon und ihre Kinderausgabe, die Bala Türkvizyon, nicht dort oder, wie direkt im Anschluss an das Finale 2015 verkündet, in Baku ausrichtet, ist nicht bekannt. Auch das genaue Austragungsdatum und der Ort stehen noch nicht fest.

Nachtrag (23.04.2016): Wie eurovoix heute unter Bezugnahme auf das türkische Portal Eurovisiondream berichtet, soll die Türkvizyon 2016 am selben Ort stattfinden wie schon 2015: im Kemal Beyatli Kulturzentum in Istanbul. Bleibt zu hoffen, dass die Halle diesmal rechtzeitig geblockt werden kann, so dass die Bühnenarbeiten noch vor den Proben fertig werden…

Der Siegertitel der Türkviyzon 2015

Aserbaidschan 2016: fifty Shades of meh

Heute Vormittag stellte auch das aserbaidschanische Fernsehen endlich seinen Beitrag für Stockholm vor. Er kommt – man möchte sagen: natürlich! – auch von dort. ‚Miracle‘, so der Titel, entstammt der Klangwerkstatt eines schwedischen Produzententeams und steuert eine weitere Portion dessen zum Festmenü bei, was sich schon so überreichlich auf der musikalischen Speisekarte befindet: eine sehr gut gemachte, sehr eingängige Midtempoballade, von der intern ausgewählten Səmra Rəhimli zumindest in der Studiofassung makellos dargeboten. Ein Stück, das man wunderbar nebenbei hören kann, das keinesfalls stört oder aufregt, für das ich weder eine tiefe Abneigung noch eine besondere Begeisterung empfinden kann. Oder anders ausgedrückt: kompetente Langeweile, so wie circa 95% der diesjährigen Beiträge. ‚Miracle‘ gehört im Meer des Midtemposeichs immerhin zu den besseren Songs, bietet es doch einen angenehmen Schub und eine saftige Hookline. Es dürfte dem Land am Kaspischen Meer berechtiger Weise ein erneutes Top-Ten-Ergebnis bescheren. Und steigert gleichzeitig doch nur meine nostalgische Sehnsucht nach der guten alten Zeit™, als der Grand Prix noch vor schrägen, abgefahrenen, kitschigen, peinlichen, unmodernen Nummern nur so barst, die ich allesamt mehr in mein Herz geschlossen habe als das diesjährige Feld des zeitgemäß Sicheren, der 50 Shades of meh™.

Wunder gibt es immer wieder. Dies gehört nicht dazu

Im Finale ist Aserbaidschan natürlich eh. Aber spielt Semra auch um den Sieg mit?

  • Nein. Das ist ganz gut, aber es hebt sich kein bisschen aus dem Immergleichen des 2016er Feldes heraus. Das geht unter. (56%, 44 Votes)
  • Ja, sicher. Das ist perfekt produzierter Schwedenpop und gehört zu den besten Beiträgen des Jahrgangs. (44%, 35 Votes)

Total Voters: 79

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Aserbaidschan: und noch ein The-Voice-Gewächs!

Ah, wie ich diese scheibchenweise Verkündigungen hasse! Heute gab das aserbaidschanische Fernsehen seine Vertreterin für Stockholm bekannt: wie schon seit Tagen spekuliert, handelt es sich um die 21jährige Səmra Rəhimli, die bereits 2012 erfolglos an der Vorauswahl der Erdöldiktatur am Kaspischen Meer teilnahm. Zwischenzeitlich tourte sie durch verschiedene Staffeln der Castingshow The Voice, sowohl in der Türkei als auch in ihrem Heimatland, wo sie erst vor wenigen Tagen als Vierte im Finale abschloss. Wie mehr und mehr Länder sparte sich auch das aserbaidschanische Fernsehen in diesem Jahr die kosten- und arbeitsintensive Mühe, eine eigene Vorentscheidung auf die Beine zu stellen, denn wie die Beispiele aus Deutschland, Polen oder Großbritannien zeigen, gewinnen auch dort stets die jeweils antretenden Castingshow-Vertreter/innen, so dass es alle anderen Konkurrent/innen erst gar nicht mehr versuchen brauchen. Warum also interessierte The-Voice-Finalist/innen nicht gleich intern zum ESC nominieren? Das spart Zeit und Geld. Səmras Song heißt, hoch originell, ‚Miracle‘ (es sollte mich verwundern, wenn er nicht aus schwedischer Feder stammte) und soll dieses Wochenende vorgestellt werden. Bis dahin vergnügen wir uns zur Einstimmung mit dem Auftritt der aserbaidschanischen Nachtigall vom Vorentscheid 2012, als sie Tina Karols ‚Show me your Love‘ schlachtete.

Auə əuə əuə əuə!