Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Gan­ze 53 Jah­re muss­te das klei­ne, geo­gra­fisch etwas rand­stän­di­ge und kul­tu­rell auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht unbe­dingt mas­sen­kom­pa­ti­ble Por­tu­gal von sei­ner Erst­teil­nah­me im Jah­re 1964 bis zu sei­nem Euro­vi­si­ons­sieg 2017 war­ten. Ein ver­schro­be­ner Bar­de namens Sal­va­dor Sobral hol­te bekannt­lich den Pott und die Gast­ge­ber­schaft nach Lis­sa­bon, mit einer inti­men, aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de in sei­ner Mut­ter­spra­che. Mit “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, wie es der lebens­be­droh­lich erkrank­te Adels­spross, dem es nach einer Herz­trans­plan­ta­ti­on mitt­ler­wei­le wie­der bes­ser geht, im Über­schwang sei­ner Sie­ges­an­spra­che for­mu­lier­te. Und nun das: ein Jahr spä­ter, im ers­ten Semi­fi­na­le des in der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt abge­hal­te­nen 2018er Grand Prix, flie­gen gleich zwei von ins­ge­samt ledig­lich drei Bei­trä­gen in Lan­des­spra­che raus, bei­des Bal­la­den. Statt­des­sen folgt ein Durch­marsch fröh­li­cher, größ­ten­teils stark cho­reo­gra­fier­ter und mit mehr oder min­der mas­si­ven Gim­micks arbei­ten­der Uptem­po­num­mern, von “Fast-Food-Pop”, wie Sobral es nen­nen wür­de. Als beken­nen­der Lieb­ha­ber von ‘Amar pelos Dois’ einer­seits und glü­hen­der Dance-Trash-Fan ande­rer­seits sage ich: gut, dass beim Grand Prix für bei­des Platz ist!

L’amour est bleu: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le des ESC 2018.

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Die Rück­kehr des Flat­ter­lap­pens: ers­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

So, höchs­te Zeit, dass die­ser Blog aus sei­nem Dorn­rös­chen­schlaf erwacht: am gest­ri­gen Sonn­tag eröff­ne­te das – ange­reis­ten Schwur­na­lis­ten zufol­ge viel zu klei­ne – Pres­se­zen­trum in der Lis­sa­bon­ner Alti­ce-Are­na zur Über­tra­gung der ers­ten Kame­ra­pro­ben für das in acht Tagen ange­setz­te ers­te Semi des Euro­vi­si­on Song Con­test 2018. 19 Songs buh­len in die­sem bekannt­lich um einen der knap­pen zehn Plät­ze für das Fina­le. Und auch wenn die­se haupt­säch­lich für die Kame­ra­ein­stel­lun­gen und den Sound­check gedach­ten Pro­ben noch kei­nen umfas­sen­den Auf­schluss über die end­gül­ti­ge Per­for­mance in den bei­den Shows geben, in denen es zählt – näm­lich dem Jury­fi­na­le am kom­men­den Mon­tag und der TV-Show am 8. Mai, – so lässt sich doch zumin­dest ein Blick auf die Cho­reo­gra­fie- und Out­fit-Ide­en der Dele­ga­tio­nen erha­schen. Und da scheint sich in die­sem Jahr ein klei­ner Trend zurück zum Flat­ter­lap­pen zu ent­wi­ckeln, also zur Büh­nen­kla­mot­te mit lan­gen, kei­nem unmit­tel­ba­ren Beklei­dungs­zweck dien­li­chen Exten­si­ons, die man wun­der­bar effek­tiv im Sturm der Wind­ma­schi­ne wehen las­sen kann, um auch ohne LED-Wän­de etwas Dyna­mik in den Auf­tritt zu bekom­men.

Jeden Moment hebt sie ab: Aser­bai­dschans Aisel trotz der stür­mi­schen Hoch­see.

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AZ 2018: der Hacker­an­griff

Viel war in den zurück­lie­gen­den Mona­ten in den Medi­en die Rede von rus­si­schen Hacker­an­grif­fen auf den Wes­ten. Sei es ein mög­li­ches Ein­drin­gen ins Regie­rungs­netz, wie vom Spie­gel vor weni­gen Tagen gemel­det, oder die viel erns­te­re Mani­pu­la­ti­on der US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len Ende 2017, mit denen Putin, so die Theo­rie, den ihm wohl­ge­son­ne­nen (weil finan­zi­ell mit ihm ver­strick­ten) Geschäfts­mann Donald Trump im Wei­ßen Haus instal­lier­te, um die letz­ten Res­te der west­li­chen Demo­kra­tie zu unter­gra­ben. Was das alles mit dem Euro­vi­si­on Song Con­test zu tun hat? Nun, auch die russ­land­freund­li­che Dik­ta­tur der Əliy­evs am Kas­pi­schen Meer benennt nun ganz offen ihre kri­mi­nel­len Zie­le: “I tear down the Fire­walls” droht die vom aser­bai­dscha­ni­schen Fern­se­hen intern aus­ge­wähl­te Aysel Mam­ma­do­va ali­as Aisel neben aller­lei harm­lo­sem lin­gu­is­ti­schen Unfug in ihrem heu­te vor­ge­stell­ten Grand-Prix-Lied ‘X my Heart’. Gewis­ser­ma­ßen als musi­ka­li­scher Virus in Form eines Ohr­wurms will sie also über uns kom­men, die kau­ka­si­sche Kil­le­rin, unse­re Schutz­sys­te­me lahm­le­gen und uns so ver­wund­bar machen.

Vie­len Dank für die Blu­men: Aisel beschenkt ihr Kind­heits-Ich.

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Aser­bai­dschan: Song­prä­sen­ta­ti­on

Bereits im Novem­ber 2017 nomi­nier­te das aser­bai­dscha­ni­sche Staats­fern­se­hen die Sän­ge­rin Aysel Mam­ma­do­va als Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­tin des Lan­des des Feu­ers. Die trat bis­lang vor allem auf Jazz­fes­ti­vals auf. Ihr Lied für Lis­sa­bon mit dem sel­ten däm­li­chen Titel ‘X my Heart’ (lies: ‘Cross my Heart’) dürf­te jedoch ver­mut­lich weni­ger die Amar-pelos-Dois-Schie­ne bedie­nen, stammt er doch, wie auch der mol­da­wi­sche Kon­kur­renz­bei­trag, aus der Feder von San­dra Bjur­man (‘Run­ning sca­red’, AZ 2011), mit Unter­stüt­zung der Grie­chen Dimi­tris Kon­to­pou­los und Fokas Evan­ge­li­nos (Cho­reo­gra­fie), also dem Team, das unter ande­rem bereits für Ser­gey Laza­rews Tel­e­vo­ting-Sie­ger­ti­tel ‘You are the only One’ ver­ant­wort­lich zeich­ne­te. Heu­te gegen Mit­tag soll der in Athen gedreh­te Video­clip mit dem Titel, um den schon sehr viel Gewe­se gemacht wur­de, end­lich der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt wer­den. Wenn er nicht schon vor­her durch­si­ckert.

So plin­ker-plon­ke­rig dürf­te Aysels ESC-Song wohl nicht aus­fal­len (Reper­toire­bei­spiel).

You­tube-Kanal eurovision.tv

Aser­bai­dschan avi­siert die anmu­ti­ge Ambi­ent-Aisel

Wie der Prinz-Blog heu­te Mit­tag unter Bezug auf eine äußerst dür­re Pres­se­mit­tei­lung des aser­bai­dscha­ni­schen Sen­ders Ictimai rap­por­tier­te, wird die 28jährige Jazz­in­ter­pre­tin Aisel das Land des Feu­ers in Lis­sa­bon ver­tre­ten. Und nein, es han­delt sich hier­bei nicht etwa um die Wie­der­kehr von Aysel Tey­murz­adə, die im Jah­re 2009 als eine Hälf­te des aser­bai­dscha­ni­schen Alli­te­ra­ti­ons-Duos AySel & Arash mit dem Titel ‘Always’ nach A-Beno­tun­gen fisch­te. Mit­nich­ten! Die dies­jäh­ri­ge Aysel (augen­schein­lich am Kas­pi­schen Meer ein eben­so häu­fig vor­kom­men­der Frau­en­na­me wie Sopho in Geor­gi­en) hört auf den Nach­na­men Məm­mədo­va­dır und führt, um alle etwai­gen Ver­wechs­lun­gen aus­zu­schlie­ßen, im Künst­ler­na­men das “I” anstel­le des “Y”. Ist also doch ganz ein­fach, oder? Dem von den Prin­zen auf­ge­stö­ber­ten You­tube-Kanal der bis­lang fast aus­schließ­lich auf Jazz-Fes­ti­vals Auf­ge­tre­te­nen nach zu urtei­len, ver­fügt die eben­falls als Kom­po­nis­tin Täti­ge außer­dem über ein exzel­len­tes Händ­chen für Ambi­ent, so dass hin­sicht­lich des aser­bai­dscha­ni­schen Lieds für Lis­sa­bon durch­aus mit etwas expe­ri­men­tel­le­ren Sounds gerech­net wer­den darf. Außer natür­lich, Ictimai TV kauft wie­der in Schwe­den irgend­was von der Stan­ge und lässt es Aisel sin­gen. Wäre aber scha­de um das offen­sicht­li­che Talent. Wann und in wel­cher Form Aisels Bei­trag aus­ge­wählt wird, dar­über schwieg sich die Mel­dung indes aus.

Aisel mit einer selbst kom­po­nier­ten Plin­ker-Plon­ker-Bal­la­de. Beacht­lich hier­bei die exzel­len­te Aus­spra­che des Eng­li­schen, der euro­vi­sio­nä­re Ein­satz der Wind­ma­schi­ne und der deko­ra­ti­ve Gitar­rist (Reper­toire­bei­spiel).

Pro­ben ers­tes Semi 2017: Schüt­tel Dein Haar, wil­des Mäd­chen

Seit Sonn­tag haben die Pfor­ten des Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trums in Kiew ihre Pfor­ten geöff­net für die 42 Dele­ga­tio­nen des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­ons­jahr­gan­ges und für alle beson­ders uner­schro­cke­nen Schwur­na­lis­ten, die trotz der wid­ri­gen Umstän­de um die Vor­be­rei­tun­gen und den Ticket­ver­kauf die Rei­se in die ukrai­ni­sche Metro­po­le antra­ten. Das ers­te Semi­fi­na­le ist bereits ein­mal kom­plett durch­ge­probt, für die Zurück­ge­blie­be­nen offe­riert der offi­zi­el­le You­tube-Kanal der EBU aller­dings, wie schon aus den Vor­jah­ren gewohnt, ledig­lich kur­ze, fron­tal gefilm­te Aus­schnit­te von den Auf­trit­ten. Was durch­aus Sinn macht, denn eigent­lich ver­fügt der ers­te Pro­ben­durch­gang nur über eine sehr ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft, geht es doch zunächst haupt­säch­lich um die rich­ti­gen Kame­ra­ein­stel­lun­gen. Ein Teil der Künstler/innen tritt noch casu­al an, ohne Büh­nen­gar­de­ro­be, nie­mand ver­aus­gabt sich stimm­lich, es geht erst mal dar­um, ein Gefühl für die Büh­ne zu bekom­men und einen Ein­druck für das TV-Signal, die Dele­ga­tio­nen haben noch die Mög­lich­keit, Din­ge aus­zu­pro­bie­ren und letz­te Ände­run­gen vor­zu­schla­gen. Den­noch bloggt die ver­sam­mel­te Fan­schaft natür­lich bereits flei­ßig aus der Hal­le, und so reicht es durch­aus für ers­te Ein­drü­cke aus zwei­ter Hand. So, wie zum Bei­spiel für die beru­hi­gen­de Nach­richt, dass man trotz allem Hin und Her im Vor­feld auch in Kiew an lieb­ge­won­ne­nen Tra­di­tio­nen fest­hält: bei der aller­ers­ten Pro­be am Sonn­tag­mor­gen, zur unchrist­li­chen Stun­de von 9 Uhr deut­scher Zeit, gab es nach über­ein­stim­men­den Berich­ten im Pres­se­zen­trum zunächst kei­nen Ton. Wie jedes Jahr, ganz egal, wo die Show statt­fin­det.

Die­se Fra­ge beant­wor­tet sich von selbst!

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Euro­vi­si­on Death­match #7: Bis auf die Kno­chen

Hoch die Hän­de – Wochen­en­de! Zum Aus­klang der Arbeits­wo­che ist es mal wie­der an der Zeit, beim Euro­vi­si­on Death­match zwei rea­le Erz­fein­de gegen­ein­an­der antre­ten zu las­sen: die AAs näm­lich, also Arme­ni­en und Aser­bai­dschan. Die unter­hal­ten uns beim Euro­vi­si­on Song Con­test nun schon seit etli­chen Jah­ren mit fort­ge­setz­ten klei­ne­ren und grö­ße­ren Sti­che­lei­en, und auch ihre bei­de dies­jäh­ri­gen Reprä­sen­tan­tin­nen schen­ken sich nichts in unse­rem heu­ti­gen Diven­zwei­kampf. Begin­nen wir (rein aus alpha­be­ti­schen Grün­den!) mit Arts­vik Haru­ty­un­ya aus dem Land der Apri­ko­sen. Die Sie­ge­rin der arme­ni­schen Euro­vi­si­ons-Cas­ting­show Depi Evra­tes­il umschmei­chelt uns mit dem leicht hyp­no­ti­schen, deut­lich ori­en­ta­lisch gefärb­ten Elek­tro-Track ‘Fly with me’, einer Ein­la­dung, der man ger­ne fol­gen mag. Auch an opti­schem Zucker spar­te sie nicht: drei hin­rei­ßend bebar­te­te Tän­zer (neben drei qua­sio­ri­en­ta­lisch mit Zip­fel­müt­zen ver­hüll­ten Tän­ze­rin­nen) beglei­ten die mit spek­ta­ku­lä­ren Fri­su­ren auf­war­ten­de Sän­ge­rin, die sich für die schwe­do­phi­len Fans gar noch das Melo­di­fes­ti­va­len-Logo auf den zar­ten Ober­kör­per näh­te. Ein star­ker Auf­tritt, der lei­der just in dem Moment endet, als man denkt, jetzt sei es genug des Vor­spiels und der Song könn­te end­lich mal rich­tig los­ge­hen.

Ofra Haza (IL 1983), reborn: Arts­vik (AM)

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Aser­bai­dschan 2017: Them Bones

Auch die Erd­öl­dik­ta­tur vom Kas­pi­schen Meer stell­te ges­tern ihren Wett­be­werbs­bei­trag für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew vor. Der nennt sich ‘Ske­le­tons’, prä­sen­tiert sich als viel­schich­ti­ger, span­nend gemach­ter, mit­tel­schnel­ler, düs­ter-sphä­ri­scher Pop­song aus bewährt ase­rischwe­di­scher Gemein­schafts­pro­duk­ti­on, gesun­gen von der bereits im ver­gan­ge­nen Jahr intern aus­ge­wähl­ten Dia­na Hajiy­e­va ali­as DiHaj. Die prä­sen­tiert sich im dazu­ge­hö­ri­gen Video­clip als ziem­lich unnah­bar, was aber ganz gut zu dem Song passt, der mit einer ver­hal­ten-dunk­len Stro­phe anfängt und im Refrain zu einem atmo­sphä­risch dich­ten Chor­ge­sang auf­fräst, wobei Dia­na und ihre Hin­ter­grund­da­men völ­lig ver­schie­de­ne Lyrik-Lini­en über­ein­an­der sin­gen, was mir sehr gut gefällt. Ein wenig irri­tiert indes die ein­lei­ten­de, gram­ma­ti­ka­lisch fal­sche Text­zei­le “I’m a Ske­le­tons”, denn auch wenn Tija­na aus­schließ­lich aus Haut und Kno­chen besteht, fällt es schwer zu glau­ben, dass sie gleich meh­re­re Ske­let­te in sich beher­bergt. Oder spricht sie da auf einer spi­ri­tu­el­len Ebe­ne? Denn eben­so schwer fällt es, zu glau­ben, dass ein sol­cher Lap­sus bei einer der­ma­ßen inter­na­tio­na­len, hoch­wer­ti­gen Pro­duk­ti­on (vom glei­chen Team, das bereits den furcht­ba­ren, aber sieg­rei­chen Song ‘Run­ning sca­red’ [→ AZ 2011] ver­brach) unbe­ab­sich­tigt durch­ge­rutscht sein soll­te. Hat man sich beim fal­schen Mehr­zahl-S also etwas gedacht, was sich dem Rezen­sen­ten ver­schließt? Wer zur Auf­klä­rung bei­tra­gen kann: bit­te in die Kom­men­ta­re!

Auf der Kno­chen­jagd: DiHaj (AZ)

Kommt Aser­bai­dschan damit ins Fina­le?

  • Ja, und zwar zu Recht. Die Num­mer ist echt gut! (54%, 37 Votes)
  • Ist das eine Scherz­fra­ge? Es ist Aser­bai­dschan, also ja. (29%, 20 Votes)
  • Ich bin noch nicht über­zeugt, dass das live auch so gut klingt. Also abwar­ten. (17%, 12 Votes)

Total Voters: 69

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Bring mir den Tschai: Aser­bai­dschan schickt Dihaj nach Kiew

Die nächs­te direkt nomi­nier­te Teil­neh­me­rin des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 steht fest: der aser­bai­dscha­ni­sche Sen­der ITV schickt die Sän­ge­rin Dia­na Hajiy­va, bes­ser bekannt unter ihrem Büh­nen­na­men Dihaj, zum Wett­sin­gen nach Kiew. Die aus der Haupt­stadt Baku stam­men­de Dihaj ver­such­te bereits 2011, ihre Hei­mat zu ver­tre­ten, unter­lag in ihrer Vor­run­de aber dem spä­te­ren Euro­vi­si­ons­sie­ger Eldar Qua­si­mov. Ver­schie­de­nen ESC-Sei­ten zufol­ge habe sie 2016 als Back­ground­sän­ge­rin für die aser­bai­dscha­ni­sche Reprä­sen­tan­tin Sam­ra auf bzw. hin­ter der Büh­ne des Glo­ben gestan­den – ande­re Quel­len behaup­ten indes, sie sei kurz­fris­tig durch die Schwe­din Anna Engh ersetzt wor­den. A pro­pos: span­nend dürf­te nun sein, ob ITV erneut einen Song von der Stan­ge in IKEA-Land ein­kauft, wie es bis­lang Usus war. Denn Dihaj kann zu Hau­se bereits Erfol­ge vor­wei­sen, aller­dings mit gänz­lich ande­rer Musik: es ist sphä­risch-expe­ri­men­tel­ler Pop, mit dem sie bekannt wur­de, eine Art Fusi­on von elek­tro­ni­schen, ori­en­ta­li­schen, Ambi­ent- und Jazz-Ele­men­ten, gesun­gen auf Aser­bai­dscha­nisch und Eng­lisch. Auch optisch erin­nert sie ein klein wenig an die legen­dä­re alba­ni­sche Sire­ne Rona Nish­liu (→ 2012), die aus einer ähn­li­chen musi­ka­li­schen Ecke kam. Schwer vor­stell­bar also, dass Dihaj sich abge­lehn­te Mel­fest-Ware andre­hen lässt. Zudem wech­sel­te gera­de der Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che des Baku­er Sen­ders, was eben­falls für eine neue musi­ka­li­sche Aus­rich­tung des ESC-erfolgs­ver­wöhn­ten Lan­des spricht. Kön­nen wir also 2017 auf außer­ge­wöhn­li­che Grand-Prix-Kost vom kas­pi­schen Meer hof­fen?

Könn­te jeden David-Lynch-Film unter­ma­len: Dihaj (Reper­toire­bei­spiel)

Türk­vi­zyon 2016: Sey­ran singt für Deutsch­land

Kaum ist der Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 abge­schlos­sen, geht auch schon die Türk­vi­zyons-Sai­son los. Und das ers­te Land, das sei­nen Teil­neh­mer für den osma­ni­schen Lie­der­wett­be­werb benennt, ist *Trom­mel­wir­bel* Deutsch­land! Wie der ver­ant­wort­li­che Köl­ner Sen­der Düğün TV ges­tern Abend bekannt gab, ver­tritt uns der 36jährige Sey­ran Ismay­ilkha­nov. Der in Baku gebo­re­ne Sey­ran, der an der Musik­aka­de­mie in Mos­kau stu­dier­te, lebt seit 2005 in Köln. Er nahm mehr­fach an Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen in Aser­bai­dschan teil und ver­such­te es auch schon in der Schweiz. Das Mul­ti­ta­lent spricht, singt und kom­po­niert auf aser­bai­dscha­nisch, rus­sisch, tür­kisch, eng­lisch und deutsch: vor kur­zem erschien sein Album Nur die Lie­be zählt’ mit selbst­ge­schrie­be­nen Pop­schla­gern, dar­un­ter so schö­nen Titeln wie ‘Sex auf dem Dach’. Sein (noch nicht bekannt gege­be­ner) Türk­vi­zyonsbei­trag stammt aller­dings von Vol­kan Gücer, der auch den letzt­jäh­ri­gen deut­schen Bei­trag von Derya Kap­tan schrieb. Deutsch­land nimmt seit 2014 an der Türk­vi­zyon teil, bis­lang mit eher mäßi­gem Erfolg.

So klingt Sey­ran auf deutsch…

…und so auf tür­kisch.