1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zwei­fach erfuhr die fabel­haf­te Dana Inter­na­tio­nal, die 1998 beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Bir­ming­ham den mit wei­tem Abstand bedeut­sams­ten Sieg in der über sech­zig­jäh­ri­gen Geschich­te des Grand Prix errang, die ihr gebüh­ren­de Ehrung im gest­ri­gen ers­ten Semi­fi­na­le 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Inter­val Act auf­trat. Der für sei­ne 40 Len­ze erstaun­lich jung aus­se­hen­de Assi Azar, einer der über­flüs­si­ger­wei­se erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benann­te die offen­sicht­lich in den sel­ben Jung­brun­nen gefal­le­ne LGBTQI*-Ikone in sei­ner Anmo­de­ra­ti­on als sein per­sön­li­ches Idol. War es doch ihr sei­ner­zei­ti­ger Sieg, der dem damals Zwan­zig­jäh­ri­gen aus dem Ver­steck half und ihm die Kraft zum Com­ing Out gab. Zehn Jah­re spä­ter lis­te­te das US-ame­ri­ka­ni­sche Maga­zin OUT den Show­mas­ter, Fil­me­ma­cher und Akti­vis­ten als einen der “100 welt­weit ein­fluss­reichs­ten Schwu­len”. Doch auch für die tol­le letzt­jäh­ri­ge Euro­vi­si­ons­ge­win­ne­rin Net­ta Bar­zi­lai, wel­che den Rei­gen mit einem Remix von ‘Toy’ eröff­ne­te, war Dana laut Ein­spie­ler der Aus­gangs­punkt für ihre trotz aller Wid­rig­kei­ten als nicht den gän­gi­gen Schön­heits­idea­len ent­spre­chen­de Frau ver­folg­te Gesangs­kar­rie­re. Die ‘Diva’ selbst demons­trier­te mit einer Bear­bei­tung von ‘Just the Way you are’, dass sich selbst Bru­no-Mars-Songs ohne all zu gro­ßen Wür­ge­reiz anhö­ren las­sen, wenn eine Künst­le­rin ihres For­mats sie über­nimmt.

Quee­re Vor­bil­der sind so immens wich­tig. Ob vor zwan­zig Jah­ren, heu­te oder in der Zukunft. Dan­ke für alles, Dana Inter­na­tio­nal. Du bist und bleibst für immer eine Inspi­ra­ti­on.

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Rank & File 2019: Platz 31 – Wake up

Das Inter­es­se am, wie immer, wenn das wal­lo­ni­sche Fern­se­hen damit an der Rei­he ist, intern aus­ge­wähl­ten Bei­trag Bel­gi­ens ver­lor ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen bereits ganz zu Beginn des Pro­zes­ses, im Janu­ar 2019, als RTBF zwar den Namen des The-Voice-Vor­run­den­aus­schei­ders Eli­ot Vas­sa­mil­let bekannt­gab, alle zwei You­tube-Vide­os mit sei­nen bis­he­ri­gen Auf­trit­ten aber sper­ren ließ. Seit­her steht für mich fest, dass ich Bel­gi­en 2019 has­se; kom­me da, was wol­le. In sol­chen Din­gen bin ich nach­tra­gend.

Platz 31: Bel­gi­en – Eli­ot Vas­sa­mil­let: Wake up (Wach auf)

Dan­kens­wer­ter­wei­se spiel­te mir der erst Ende Febru­ar 2019 vor­ge­stell­te Bei­trag in Sachen mei­ner Vor­ein­ge­nom­men­heit in die Hän­de: wie so vie­le aktu­el­le Pop­songs weckt ‘Wake up’ in den druck­voll-elek­tro­ni­schen Stro­phen die Erwar­tun­gen auf etwas rich­tig Gutes, um sie dann im Refrain auf das Bit­ters­te zu ent­täusch­ten. Eine har­te Voll­brem­sung legt der bel­gi­sche Bei­trag da näm­lich hin, sowohl was das voll­stän­dig her­aus­ge­nom­me­ne Tem­po angeht, als auch im Hin­blick auf die musi­ka­li­sche Fines­se. Rich­tig plump wirkt der Kehr­reim im Ver­gleich zu den auf ihn hin­füh­ren­den Tei­len des Lie­des. Dass der etwas sprö­de aus­se­hen­de, blut­jun­ge Bläss­ling Eli­ot uns dazu noch hun­dert­mal gehör­te Text­kli­schees auf­zählt, run­det das Bild ab und kata­pul­tiert das wal­lo­ni­sche Chan­son zu Recht an die obe­re Spit­ze der Kate­go­rie mei­ner dies­jäh­ri­gen Hass­lie­der. Gera­de noch mal Glück gehabt!

Die­sen Licht­strei­fen auf den Augen gab es zuletzt aber auch in den Acht­zi­gern, oder? Eli­ots Video­clip.

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Bel­gi­en 2019: Song zum Wach­wer­den gesucht

Heu­te prä­sen­tier­te der wal­lo­ni­sche Sen­der RTBF den Bei­trag Bel­gi­ens zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 in Tel Aviv. Der Inter­pret steht schon län­ger fest: der 18jährige Eli­ot Vas­sa­mil­let, der außer sei­ner wenig erfolg­rei­chen Teil­nah­me an The Voice Bel­gi­que bis­lang noch nicht wei­ter in Erschei­nung trat, singt die von Pierre Dumoulin (‘City Lights’) kom­po­nier­te Num­mer ‘Wake up’. Die beginnt recht viel­ver­spre­chend mit einer sphä­ri­schen, leicht düs­te­ren Elek­tro-Flä­che und zer­brech­lich-rau­em Gesang in der Stro­phe. Im Pre-Cho­rus zieht das Tem­po dann sogar noch ein biss­chen an und erweckt – pas­send zum Song­ti­tel – die in die­sem Jahr­gang bei­na­he schon beer­digt geglaub­te Hoff­nung auf einen rich­tig guten Pop­song wie­der zum Leben. Natür­lich nur, um sie im fol­gen­den Refrain auf das Bit­ters­te zu ent­täu­schen! Hier steigt der Kom­po­nist im Hin­blick auf Melo­die, musi­ka­li­sche Raf­fi­nes­se und Geschwin­dig­keit der­ma­ßen hart in die Eisen, dass man fast glaubt, das Quiet­schen der Rei­fen zu hören und den Ruck im Magen zu spü­ren. Das Spiel wie­der­holt sich dann noch ein paar Mal: auf rich­tig gei­le Pas­sa­gen folgt stets eine Voll­brem­sung und eine Gabe kom­po­si­to­ri­schen Vali­ums, die den ver­spro­che­nen Hal­lo-wach-Effekt kom­plett zunich­te macht. Erschwe­rend kommt hin­zu, dass unser Eli­ot dem ers­ten Ein­druck nach nicht unbe­dingt vor Cha­ris­ma sprüht. Ob sich in der Live-Insze­nie­rung also noch etwas ret­ten lässt, muss dahin­ge­stellt blei­ben.

Lei­det, wie fast alle zeit­ge­nös­si­schen Kom­po­si­tio­nen, unter einer ekla­tan­ten Refrain­schwä­che: der bel­gi­sche Bei­trag 2019.

Inter­pre­ten­kür 2019: Es trollt so hart im Euro­land

Hut ab: nie­mand trollt die Euro­vi­si­ons­ge­mein­de so geni­al wie San Mari­no! Ließ sich der chro­nisch klam­me Sen­der des Minia­tur­staa­tes letz­tes Jahr noch von der ehe­ma­li­gen öster­rei­chi­schen ESC-Teil­neh­me­rin Zoë Straub eine crowd­fun­ding-finan­zier­te öffent­li­che Vor­ent­schei­dung andre­hen, bei der gewann, wer am meis­ten Geld sam­mel­te, posaun­te SMRTV an Sil­ves­ter 2018 groß­spu­rig in die Land­schaft, man arbei­te der­zeit hin­ter ver­schlos­se­nen Türen “mit einem wun­der­ba­ren inter­na­tio­na­len Künst­ler” an einem Bei­trag für Tel Aviv. Und wäh­rend sich die Fan-Bub­ble in den wil­des­ten Spe­ku­la­tio­nen über mög­li­che Welt­stars erging, brach­te sich der wegen ras­sis­ti­scher Äuße­run­gen im Som­mer 2018 aus dem bri­ti­schen Big-Bro­ther-Haus gewor­fe­ne, Schön­heits-OP- und auf­merk­sam­keits­süch­ti­ge, gebür­ti­ge Bra­si­lia­ner Rodri­go Alves, auch bekannt als hoch­gra­dig tra­gi­sche “mensch­li­che Ken-Pup­pe”, selbst ins Gespräch, was man in San Mari­no genüss­lich weder bestä­tig­te noch demen­tier­te. Genau­so wenig wie die Behaup­tung der rus­si­schen Sän­ge­rin Darya­na Krai­eva, sie sei die Aus­er­wähl­te. Ges­tern nun ließ man die Kat­ze aus dem Sack. Und sie­he da: bei dem geheim­nis­um­wo­be­nen “inter­na­tio­na­len Künst­ler” han­delt es sich um einen im Wort­sin­ne alten Bekann­ten! Näm­lich um die tür­ki­sche TV-Per­sön­lich­keit Ser­hat Hacıpaşalıoğlu, der bereits 2016 die Winz-Repu­blik ver­trat. Zu Hil­fe: ich kann seit ges­tern nicht auf­hö­ren, zu lachen.

I want to pee insi­de your Mind”: Ser­hat will es noch­mal wis­sen!

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Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Gan­ze 53 Jah­re muss­te das klei­ne, geo­gra­fisch etwas rand­stän­di­ge und kul­tu­rell auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht unbe­dingt mas­sen­kom­pa­ti­ble Por­tu­gal von sei­ner Erst­teil­nah­me im Jah­re 1964 bis zu sei­nem Euro­vi­si­ons­sieg 2017 war­ten. Ein ver­schro­be­ner Bar­de namens Sal­va­dor Sobral hol­te bekannt­lich den Pott und die Gast­ge­ber­schaft nach Lis­sa­bon, mit einer inti­men, aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de in sei­ner Mut­ter­spra­che. Mit “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, wie es der lebens­be­droh­lich erkrank­te Adels­spross, dem es nach einer Herz­trans­plan­ta­ti­on mitt­ler­wei­le wie­der bes­ser geht, im Über­schwang sei­ner Sie­ges­an­spra­che for­mu­lier­te. Und nun das: ein Jahr spä­ter, im ers­ten Semi­fi­na­le des in der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt abge­hal­te­nen 2018er Grand Prix, flie­gen gleich zwei von ins­ge­samt ledig­lich drei Bei­trä­gen in Lan­des­spra­che raus, bei­des Bal­la­den. Statt­des­sen folgt ein Durch­marsch fröh­li­cher, größ­ten­teils stark cho­reo­gra­fier­ter und mit mehr oder min­der mas­si­ven Gim­micks arbei­ten­der Uptem­po­num­mern, von “Fast-Food-Pop”, wie Sobral es nen­nen wür­de. Als beken­nen­der Lieb­ha­ber von ‘Amar pelos Dois’ einer­seits und glü­hen­der Dance-Trash-Fan ande­rer­seits sage ich: gut, dass beim Grand Prix für bei­des Platz ist!

L’a­mour est bleu: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le des ESC 2018.

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Die Rück­kehr des Flat­ter­lap­pens: ers­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

So, höchs­te Zeit, dass die­ser Blog aus sei­nem Dorn­rös­chen­schlaf erwacht: am gest­ri­gen Sonn­tag eröff­ne­te das – ange­reis­ten Schwur­na­lis­ten zufol­ge viel zu klei­ne – Pres­se­zen­trum in der Lis­sa­bon­ner Alti­ce-Are­na zur Über­tra­gung der ers­ten Kame­ra­pro­ben für das in acht Tagen ange­setz­te ers­te Semi des Euro­vi­si­on Song Con­test 2018. 19 Songs buh­len in die­sem bekannt­lich um einen der knap­pen zehn Plät­ze für das Fina­le. Und auch wenn die­se haupt­säch­lich für die Kame­ra­ein­stel­lun­gen und den Sound­check gedach­ten Pro­ben noch kei­nen umfas­sen­den Auf­schluss über die end­gül­ti­ge Per­for­mance in den bei­den Shows geben, in denen es zählt – näm­lich dem Jury­fi­na­le am kom­men­den Mon­tag und der TV-Show am 8. Mai, – so lässt sich doch zumin­dest ein Blick auf die Cho­reo­gra­fie- und Out­fit-Ide­en der Dele­ga­tio­nen erha­schen. Und da scheint sich in die­sem Jahr ein klei­ner Trend zurück zum Flat­ter­lap­pen zu ent­wi­ckeln, also zur Büh­nen­kla­mot­te mit lan­gen, kei­nem unmit­tel­ba­ren Beklei­dungs­zweck dien­li­chen Exten­si­ons, die man wun­der­bar effek­tiv im Sturm der Wind­ma­schi­ne wehen las­sen kann, um auch ohne LED-Wän­de etwas Dyna­mik in den Auf­tritt zu bekom­men.

Jeden Moment hebt sie ab: Aser­bai­dschans Aisel trotz der stür­mi­schen Hoch­see.

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AU, HR, BE 2018: Und ich spür das Adre­na­lin

Gleich meh­re­re Natio­nen, deren jeweilige/r Eurovisionsvertreter/in bereits seit län­ge­rem fest­ste­hen, haben in den letz­ten Tagen end­lich die dazu­ge­hö­ri­gen Songs gedroppt. Oder das eigent­lich zu einem spä­te­ren Datum vor­ge­habt, was aller­dings in Zei­ten, da Lea­ken als Volks­sport betrie­ben wird, zum Schei­tern ver­ur­teilt ist. So tröp­fel­te bei­spiels­wei­se der Bei­trag Aus­tra­li­ens bereits durch. Für Down Under tritt bekannt­lich das Cas­ting­stern­chen Jes­si­ca Mau­boy an, die 2014 in Kopen­ha­gen den Pau­se­nact gab, der nach offi­zi­el­ler Geschichts­schrei­bung sei­tens der EBU als erfolg­rei­che Teil­nah­me­be­wer­bung der Aus­tra­li­er akzep­tiert wur­de. Seit­her hän­ge ihr Herz am ESC, so Jes­si­ca bei der dies­jäh­ri­gen Direkt­no­mi­nie­rung durch den Sen­der SBS. Ihr Lied ‘We got Love’ ent­stand laut Euro­fire als Gemein­schafts­pro­duk­ti­on der Inter­pre­tin mit den Kom­po­nis­ten Antho­ny Egi­zii und David Musu­me­ci, die bereits die Bei­trä­ge von Dami Im (→ AU 2016) und Isiah Fire­b­race (→ AU 2017) ver­bra­chen. Merkt man lei­der: gegen den aus belang­lo­sen Text­kli­schees und tau­send Mal gehör­ten Pop-Frag­men­ten lieb­los zusam­men­ge­schus­ter­ten Mid­tem­po­song wirkt sogar Ella End­lichs ‘Atem­los’-Abklatsch ‘Adre­na­lin’ (→ Vor­ent­scheid DE 2016), an des­sen stump­fen Schla­ger­beat es stel­len­wei­se erin­nert, wie ein Feu­er­werk der Ori­gi­na­li­tät.

So, nach viel Hin und Her wur­de das offi­zi­el­le Video nun am Don­ners­tag doch ver­öf­fent­licht. Enjoy. (AU).

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BE 2018: Sen­nek singt kein Sha­la­lie

Die Euro­vi­si­ons­sai­son star­tet dies­mal wirk­lich lang­sam: bei­na­he ist es schon Anfang Okto­ber, und jetzt erst steht die ers­te Teil­neh­me­rin des Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon fest. Es han­delt sich, wie heu­te Abend in einer TV-Show bekannt gege­ben, um die vom flä­mi­schen Fern­se­hen intern aus­ge­wähl­te und bis­lang nicht all­zu bekann­te Bel­gie­rin Lau­ra Groese­ne­ken. Die erzählt im Kurz­in­ter­view mit eurovision.tv denn sym­pa­thi­scher­wei­se auch gleich mal, dass sie haupt­be­ruf­lich bei IKEA arbei­tet. Und tat­säch­lich führt der ers­te Link bei der Goog­le-Suche auf ihr Lin­kedIn-Pro­fil, das exakt die­se Pro­fes­si­on angibt, neben ihren Tätig­kei­ten als Vocal Coach und Kom­po­nis­tin. Über Büh­nen­er­fah­rung ver­fügt die 27jährige den­noch zuhauf: so tour­te sie bereits als Beglei­tung des eta­blier­ten bel­gi­schen Sän­gers Piet God­da­er ali­as Ozark Hen­ry durch Euro­pa, der 2013 mit dem cold­playes­ken Duett ‘I’m your Sacri­fice’ einen Spit­zen­rei­ter im Nach­bar­land hat­te und es damit auch in Ita­li­en in die Top Ten schaff­te. Der­zeit bas­telt die kla­vier­spie­len­de Lau­ra an ihrer Solo-Kar­rie­re und tritt dabei unter dem Namen Sen­nek auf. Eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr mit der hol­län­di­schen Schla­ger­tan­te Sien­ne­ke Pee­ters (→ NL 2010) dürf­te dabei selbst für Grand-Prix-Fans nicht bestehen, singt Sen­nek doch kei­ne Dreh­or­gel­schla­ger, son­dern selbst geschrie­be­nes, ein­schlä­fernd ent­kof­fe­inier­tes Geplät­scher, wie ihr aktu­el­ler Titel ‘Kalei­do­scope’ illus­triert. Für den Wett­be­werb in Por­tu­gal will sie ihr Lied selbst kom­po­nie­ren, und auch auf die­sem Feld kann sie bereits Meri­ten vor­wei­sen: so war sie krea­tiv an dem 2014er Titel ‘Gra­vi­ty’ der Band Hoo­ver­pho­nic betei­ligt, der als Wer­be­jing­le für ein Par­füm Bekannt­heit erlang­te. Als euro­vi­sio­nä­res Vor­bild nennt sie Jama­las düs­ter-arti­fi­zi­el­len 2016er Sie­ger­song ‘1944’. Und wenn es eines gibt, was sie nicht kann, so ver­rät sie im eurovision.tv-Interview, dann ist es tan­zen. Man kann also mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit davon aus­ge­hen, dass uns in die­sem Jahr aus Bel­gi­en kein fröh­li­cher Uptem­po­bei­trag erwar­tet. Ein wenig Geduld müs­sen wir indes auf­brin­gen: Sen­nek möch­te sich zum Kom­po­nie­ren Zeit las­sen. Recht so: gut Ding will Wei­le haben.

Zu die­sem Zeit­punkt knapp 400 Abru­fe und 25 Likes: Lau­ras im März 2017 ein­ge­stell­tes ‘Kalei­do­scope’ (Reper­toire­bei­spiel). Ein rich­tig gro­ßer Star ist Lau­ra also noch nicht…

Und? Ers­ter Ein­druck?

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Chart-Watch: Blan­che ist nicht alo­ne in the Dan­ger Zone

Fünf der sechs­und­zwan­zig Final­ti­tel des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 haben es in die am gest­ri­gen Frei­tag­abend offi­zi­ell ver­öf­fent­lich­ten deut­schen Sin­gle-Top-100 geschafft. Den höchs­ten Ein­stieg konn­te die Bel­gie­rin Blan­che mit ‘City Lights’ auf Rang 38 ver­zeich­nen, erstaun­li­cher­wei­se gefolgt vom nach übli­chen Maß­stä­ben nicht sehr hit­ver­däch­ti­gen Sie­ger­ti­tel ‘Amar pelos Dois’ von Sal­va­dor Sobral, der auf Platz 43 notiert und damit doch ein paar Ver­käu­fe (sprich: bezahl­te Down­loads oder Streams) gene­riert haben muss. Wäh­rend der in Kiew zweit­plat­zier­te Bul­ga­re Kris­ti­an Kostov leer aus­ging, zogen die Bron­ze­me­dail­len­ge­win­ner vom Sun­Stro­ke Pro­ject mit ‘Hey Mam­ma!’ auf Platz 52 in die deut­schen Top 100 ein. Ihre rumä­ni­schen Kol­le­gen Ilin­ca und Alex Flo­rea fol­gen sehr viel tie­fer auf Rang 93. Dazwi­schen reich­te es für die mit dem vor­letz­ten Platz heim­ge­kehr­te deut­sche Ver­tre­te­rin Levina Lueen, die bereits nach dem hei­mi­schen Vor­ent­scheid Unser Song 2017 für genau eine Woche auf Platz 28 in die Charts ein­zog, zu einer kur­zen Rück­kehr auf Rang 88. Gibt es so etwas wie Mit­leids­käu­fe? Kei­ne Notie­rung war hin­ge­gen für den im Vor­feld des Wett­be­werbs lan­ge Zeit als kla­rer Sie­ger vor­her­ge­sag­ten Ita­lie­ner Fran­ces­co Gab­ba­ni und sein ‘Occidentali’s Kar­ma’ zu ver­zeich­nen, das vie­le bereits als euro­päi­schen Som­mer­hit 2017 gehan­delt hat­ten. Sein Auf­tritt im ARD-Mor­gen­ma­ga­zin Anfang die­ser Woche mit einer ent­kof­fe­inier­ten, von ihm selbst am Kla­vier beglei­te­ten Unplug­ged-Ver­si­on dürf­te da ver­mut­lich auch nichts mehr ret­ten: in den Tief­schlaf geklim­per­te Men­schen kau­fen kei­ne Musik­stü­cke! In den Mid-Week-Charts lagen die fünf Euro­vi­si­ons­ti­tel übri­gens jeweils um eini­ges höher, wor­aus sich schlie­ßen lässt, dass es sich – wie schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren – nur um ein kur­zes Stroh­feu­er han­delt, also ein­ma­li­ge Käu­fe direkt im Anschluss an die TV-Show ver­gan­ge­nen Sams­tag, und dass die Hit­pa­ra­de nächs­te Woche bereits wie­der berei­nigt sein dürf­te von allen Grand-Prix-Ein­flüs­sen. Am meis­ten pro­fi­tier­te indes die deut­sche Schla­ger­kö­ni­gin Hele­ne Fischer vom ESC: die im wie immer völ­lig unsäg­li­chen Grand-Prix-Rah­men­pro­gramm des Ers­ten vor­ge­stell­ten drei Lie­der aus ihrem neu­en Album stie­gen alle­samt hoch ein, der Titel ‘Herz­be­ben’ sogar auf Rang 18. Und zum Schluss noch ein kur­zer Blick zu den Nach­barn: der öster­rei­chi­sche Char­mer Nathan Trent schaff­te es im Hei­mat­land auf Rang 72 der Charts, die schwei­ze­ri­sche Band Time­bel­le zu Hau­se auf Platz 80.

Hat noch am ehes­ten Chan­cen auf ein Cross­over ins ech­te Pop-Leben: Blan­che (BE)

Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

Wei­ter­le­senFina­le 2017: Gift im Instru­ment