Schlagwort: Belgien

Das poli­tisch wie kul­tu­rell zwei­ge­teil­te Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na West­eu­ro­pas: im jähr­li­chen Wech­sel nomi­niert der eher des­in­ter­es­sier­te wal­lo­ni­sche Sen­der intern eine:n ehemalige:n Castingshow-Teilnehmer:in und hat damit oft Erfolg, wäh­rend die durch­weg euro­vi­si­ons­be­geis­ter­ten Fla­men ordent­li­che Vor­ent­schei­dun­gen abhal­ten, bei denen aller­dings meist nix raus­kommt. Außer, man bedient sich einer Fan­ta­sie­spra­che.
Dabei seit: 1956; Sie­ge: 1986; Rote Later­nen: 8; Nul­poin­ter: 2.

2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Bel­gi­en 2020: Let the Sky fall

Lange mussten wir auf den Song warten: am heutigen Morgen feierte der belgische Beitrag der bereits im Oktober vergangenen Jahres vom flämischen Sender Één intern nominierten Band Hooverphonic in einer Radioshow Premiere. Und seit heute Mittag steht auch ein Youtube-Video bereit. Doch zum Lied: 'Release me' sei diversen Verlautbarungen zufolge dem vor kurzem verstorbenen Vater des Bandleaders Alex Callier gewidmet, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung lyrisch allerdings als klassische Trennungsschmerzballade. Es folgt in dieser verwunderlichen Text-Bedeutungsschere dem letztjährigen Siegersong von Duncan Laurence, der zu 'Arcade', einer Betrachtung über Spielsucht, ja ebenfalls durch den Tod eines nahe stehenden Menschen inspiriert worden sein will. Und noch mehr verbindet beide Lieder:...
Der eine ESC-Song, den nie­mand mag
Diese Welt, Unsere Lieblinge

Der eine ESC-Song, den nie­mand mag

Bei Diskussionen mit anderen Grand-Prix-Fans oder dem Lesen von Kommentaren stellt man immer wieder erstaunt fest: selbst die scheußlichsten Eurovisionsbeiträge haben ihre Anhänger*innen. Aber es muss doch in der langen ESC-Geschichte mit ihren vielen musikalischen Missgriffen wenigstens einen einzigen Song geben, bei dem sich im Hinblick auf seine fehlende Attraktivität mal ausnahmslos alle einig sind? Dies herauszufinden, machte sich der selbst für einige Rohrkrepierer wie zum Beispiel 'Et cetera' von Sinéad Mulvey verantwortliche schwedische Komponist Jonas Gladnikoff mithilfe des internationalen Fan-Bords auf ESC Nation zur Aufgabe und veranstaltete dort ein Voting mit rund 70 Teilnehmer/innen über den am wenigsten gemochten Eurovisionstitel von 1956 bis heute. Und siehe da: es gibt ta...
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Schon wie­der Ers­ter: Één nomi­niert Hoo­ver­pho­nic für Rot­ter­dam

Die Belgier sind mal wieder die Ersten: vor wenigen Minuten präsentierte der flämische Sender Één die (intern ausgewählten) Repräsentant/innen des kulturell und sprachlich geteilten Frittenlandes. Das Trio Hooverphonic wird für Belgien im Mai 2020 die nicht all zu lange Reise in die benachbarten Niederlande antreten. Die Trip-Hop-Formation existiert in wechselnden Besetzungen bereits seit 1996 und feiert seither beständige Erfolge. Und auch, wenn sich ihre bis dato veröffentlichten zehn Studioalben außerhalb der eigenen Landesgrenzen ungerechterweise kaum verkauften, dürften etliche ihrer oftmals symphonisch daherkommenden Melodien vielen Kinobesucher*innen bekannt sein, fanden ihre Stücke doch bereits als Soundtrack in etlichen Blockbustern Verwendung. Ihr letztes Album 'Looking for Stars...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Schwules

1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zweifach erfuhr die fabelhafte Dana International, die 1998 beim Eurovision Song Contest in Birmingham den mit weitem Abstand bedeutsamsten Sieg in der über sechzigjährigen Geschichte des Grand Prix errang, die ihr gebührende Ehrung im gestrigen ersten Semifinale 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Interval Act auftrat. Der für seine 40 Lenze erstaunlich jung aussehende Assi Azar, einer der überflüssigerweise erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benannte die offensichtlich in den selben Jungbrunnen gefallene LGBTQI*-Ikone in seiner Anmoderation als sein persönliches Idol. War es doch ihr seinerzeitiger Sieg, der dem damals Zwanzigjährigen aus dem Versteck half und ihm die Kraft zum Coming Out gab. Zehn Jahre später listete das US-amerikanische Magazin OUT den Showmaster, Filmemacher...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 31 – Wake up

Das Interesse am, wie immer, wenn das wallonische Fernsehen damit an der Reihe ist, intern ausgewählten Beitrag Belgiens verlor ich zugegebenermaßen bereits ganz zu Beginn des Prozesses, im Januar 2019, als RTBF zwar den Namen des The-Voice-Vorrundenausscheiders Eliot Vassamillet bekanntgab, alle zwei Youtube-Videos mit seinen bisherigen Auftritten aber sperren ließ. Seither steht für mich fest, dass ich Belgien 2019 hasse; komme da, was wolle. In solchen Dingen bin ich nachtragend. Platz 31: Belgien - Eliot Vassamillet: Wake up (Wach auf) Dankenswerterweise spielte mir der erst Ende Februar 2019 vorgestellte Beitrag in Sachen meiner Voreingenommenheit in die Hände: wie so viele aktuelle Popsongs weckt 'Wake up' in den druckvoll-elektronischen Strophen die Erwartungen auf etwas richtig...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Bel­gi­en 2019: Song zum Wach­wer­den gesucht

Heute präsentierte der wallonische Sender RTBF den Beitrag Belgiens zum Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv. Der Interpret steht schon länger fest: der 18jährige Eliot Vassamillet, der außer seiner wenig erfolgreichen Teilnahme an The Voice Belgique bislang noch nicht weiter in Erscheinung trat, singt die von Pierre Dumoulin ('City Lights') komponierte Nummer 'Wake up'. Die beginnt recht vielversprechend mit einer sphärischen, leicht düsteren Elektro-Fläche und zerbrechlich-rauem Gesang in der Strophe. Im Pre-Chorus zieht das Tempo dann sogar noch ein bisschen an und erweckt - passend zum Songtitel - die in diesem Jahrgang beinahe schon beerdigt geglaubte Hoffnung auf einen richtig guten Popsong wieder zum Leben. Natürlich nur, um sie im folgenden Refrain auf das Bitterste zu enttäusc...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Inter­pre­ten­kür 2019: Es trollt so hart im Euro­land

Hut ab: niemand trollt die Eurovisionsgemeinde so genial wie San Marino! Ließ sich der chronisch klamme Sender des Miniaturstaates letztes Jahr noch von der ehemaligen österreichischen ESC-Teilnehmerin Zoë Straub eine crowdfunding-finanzierte öffentliche Vorentscheidung andrehen, bei der gewann, wer am meisten Geld sammelte, posaunte SMRTV an Silvester 2018 großspurig in die Landschaft, man arbeite derzeit hinter verschlossenen Türen "mit einem wunderbaren internationalen Künstler" an einem Beitrag für Tel Aviv. Und während sich die Fan-Bubble in den wildesten Spekulationen über mögliche Weltstars erging, brachte sich der wegen rassistischer Äußerungen im Sommer 2018 aus dem britischen Big-Brother-Haus geworfene, Schönheits-OP- und aufmerksamkeitssüchtige, gebürtige Brasilianer Rodrigo Alv...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Ganze 53 Jahre musste das kleine, geografisch etwas randständige und kulturell auf europäischer Ebene nicht unbedingt massenkompatible Portugal von seiner Erstteilnahme im Jahre 1964 bis zu seinem Eurovisionssieg 2017 warten. Ein verschrobener Barde namens Salvador Sobral holte bekanntlich den Pott und die Gastgeberschaft nach Lissabon, mit einer intimen, aus der Zeit gefallenen Trennungsschmerzballade in seiner Muttersprache. Mit "Musik, die wirklich etwas ausdrückt", wie es der lebensbedrohlich erkrankte Adelsspross, dem es nach einer Herztransplantation mittlerweile wieder besser geht, im Überschwang seiner Siegesansprache formulierte. Und nun das: ein Jahr später, im ersten Semifinale des in der portugiesischen Hauptstadt abgehaltenen 2018er Grand Prix, fliegen gleich zwei von insgesam...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben

Die Rück­kehr des Flat­ter­lap­pens: ers­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

So, höchste Zeit, dass dieser Blog aus seinem Dornröschenschlaf erwacht: am gestrigen Sonntag eröffnete das - angereisten Schwurnalisten zufolge viel zu kleine - Pressezentrum in der Lissabonner Altice-Arena zur Übertragung der ersten Kameraproben für das in acht Tagen angesetzte erste Semi des Eurovision Song Contest 2018. 19 Songs buhlen in diesem bekanntlich um einen der knappen zehn Plätze für das Finale. Und auch wenn diese hauptsächlich für die Kameraeinstellungen und den Soundcheck gedachten Proben noch keinen umfassenden Aufschluss über die endgültige Performance in den beiden Shows geben, in denen es zählt - nämlich dem Juryfinale am kommenden Montag und der TV-Show am 8. Mai, - so lässt sich doch zumindest ein Blick auf die Choreografie- und Outfit-Ideen der Delegationen erhasche...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

AU, HR, BE 2018: Und ich spür das Adre­na­lin

Gleich mehrere Nationen, deren jeweilige/r Eurovisionsvertreter/in bereits seit längerem feststehen, haben in den letzten Tagen endlich die dazugehörigen Songs gedroppt. Oder das eigentlich zu einem späteren Datum vorgehabt, was allerdings in Zeiten, da Leaken als Volkssport betrieben wird, zum Scheitern verurteilt ist. So tröpfelte beispielsweise der Beitrag Australiens bereits durch. Für Down Under tritt bekanntlich das Castingsternchen Jessica Mauboy an, die 2014 in Kopenhagen den Pausenact gab, der nach offizieller Geschichtsschreibung seitens der EBU als erfolgreiche Teilnahmebewerbung der Australier akzeptiert wurde. Seither hänge ihr Herz am ESC, so Jessica bei der diesjährigen Direktnominierung durch den Sender SBS. Ihr Lied 'We got Love' entstand laut Eurofire als Gemeinschaftspro...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

BE 2018: Sen­nek singt kein Shala­lie

Die Eurovisionssaison startet diesmal wirklich langsam: beinahe ist es schon Anfang Oktober, und jetzt erst steht die erste Teilnehmerin des Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon fest. Es handelt sich, wie heute Abend in einer TV-Show bekannt gegeben, um die vom flämischen Fernsehen intern ausgewählte und bislang nicht allzu bekannte Belgierin Laura Groeseneken. Die erzählt im Kurzinterview mit eurovision.tv denn sympathischerweise auch gleich mal, dass sie hauptberuflich bei IKEA arbeitet. Und tatsächlich führt der erste Link bei der Google-Suche auf ihr LinkedIn-Profil, das exakt diese Profession angibt, neben ihren Tätigkeiten als Vocal Coach und Komponistin. Über Bühnenerfahrung verfügt die 27jährige dennoch zuhauf: so tourte sie bereits als Begleitung des etablierten belgischen Sän...
2017, Die Zwanzigzehner, Diese Welt

Chart-Watch: Blan­che ist nicht alo­ne in the Dan­ger Zone

Fünf der sechsundzwanzig Finaltitel des Eurovision Song Contest 2017 haben es in die am gestrigen Freitagabend offiziell veröffentlichten deutschen Single-Top-100 geschafft. Den höchsten Einstieg konnte die Belgierin Blanche mit 'City Lights' auf Rang 38 verzeichnen, erstaunlicherweise gefolgt vom nach üblichen Maßstäben nicht sehr hitverdächtigen Siegertitel 'Amar pelos Dois' von Salvador Sobral, der auf Platz 43 notiert und damit doch ein paar Verkäufe (sprich: bezahlte Downloads oder Streams) generiert haben muss. Während der in Kiew zweitplatzierte Bulgare Kristian Kostov leer ausging, zogen die Bronzemedaillengewinner vom SunStroke Project mit 'Hey Mamma!' auf Platz 52 in die deutschen Top 100 ein. Ihre rumänischen Kollegen Ilinca und Alex Florea folgen sehr viel tiefer auf Rang 93. D...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Trickkleid, Unsere Lieblinge

Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denkwürdiger Abend der Verzauberung am gestrigen Samstag in Kiew. Ein Mann schaffte es, einem ganzen Kontinent den Kopf zu verdrehen und Millionen von Menschen tief in ihren Herzen berühren. Und das mit einer extrem zurückgenommenen Inszenierung und einem völlig aus der Zeit gefallenen Lied, das klang, als sei es für eine romantische Filmschnulze aus den Fünfzigerjahren geschrieben worden, bei dem man im eigenen Kopfkino die junge Audrey Hepburn mit tränenvernebeltem Blick durch das schwarzweiß fotografierte Lissabon spazieren sehen konnte. Salvador Sobral, so der Name des koboldhaften jungen Portugiesen, verweigerte sich als Einziger der 26 Finalacts der Nutzung der gigantischen, futuristisch aufgebrezelten Showbühne im Internationalen Ausstellungszentrum der ukrainischen Metro...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Lost in Vero­na: wen die Jurys 2017 im Semi kill­ten

"Wie unterschiedlich die Meinungen von Publikum und Jury sind, Wahnsinn!" entfuhr es einem erstaunten Peter Urban Samstagnacht während der Punktevergabe im Finale des Eurovision Song Contest 2017, wo sich mal wieder zeigte, dass die angeblichen Musikprofessionellen, die im sich übrigen hemmungslos dem → Nachbarschaftsvoting hingaben (sollten sie eigentlich nicht genau das einst verhindern?), auf einem völlig anderen Planeten leben als der Rest der Menschheit. Oder auch nur, dass eine zufällige Auswahl von gerade mal fünf Personen schon aus statistischer Notwendigkeit heraus immer nur zufällige, nicht repräsentative und damit völlig wertlose Ergebnisse hervorbringt. Immerhin waren sich die Jurys diesmal ausnahmsweise mit den Zuchauer/innen einig, was den verdienter Sieger des Jahrgangs angi...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Unsere Lieblinge

Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsicherer die Zeiten, um so mehr suchen die Menschen fröhlich stimmende Ablenkung und Zerstreuung, so jedenfalls suggeriert es das Ergebnis der ersten Qualifikationsrunde des Eurovision Song Contests 2017, das am gestrigen Dienstagabend im Internationalen Ausstellungszentrum zu Kiew über die Bühne ging. Bestimmten im Vorfeld dieses Jahrgangs noch die schändlichen Ränkespiele um das vom Gastgeberland Ukraine verhängte Einreiseverbot gegen die russische Repräsentantin Julia Samoylova sowie die deutlich verschärften Sicherheitsmaßnahmen rund um die Veranstaltung die öffentliche Wahrnehmung des Wettbewerbs und schufen damit ein mulmiges Klima, so setzten sich im gestrigen Semi größtenteils diejenigen Beiträge durch, die sich an eher uptemporären, aktuellen Sounds orientierten und showtechn...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #19: Dude sings like a Lady

"Celebrate Diversity" - "Feiert die Vielfalt" ist das ansprechende Motto des Eurovision Song Contest 2017. Die beiden Landesvertreter/innen, die heute in unserem Leser/innenspiel in den Ring steigen, tragen hierzu besonders bei. Sie treten mit Songs an, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch eint sie - neben ihrer Jugend - eine gemeinsame Besonderheit, die ich mal keck als Transgender-Gesang bezeichnen will: eine Stimmlage, die vordergründig nicht sofort mit dem biologischen Geschlecht des Interpreten harmonieren will. Es beginnt - Ladies first - die Belgierin Ellie Delveaux, die sich den so gar nicht zu ihrem zarten Alter von nur 16 Lenzen passenden Künstlerinnennamen Blanche zulegte, für nicht mehr ganz so taufrische Fans wie mich natürlich für immer untrennbar mit der männer...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Bel­gi­en 2017: Serious for the Win­ter Time

Bereits gestern Abend sickerte der für heute Mittag zur offiziellen Veröffentlichung angekündigte belgische Beitrag zum Eurovision Song Contest 2017 durch, und seitdem sind die internationalen Fans völlig aus dem Häuschen. Und das zu Recht: 'City Lights', so der Titel des Songs der vom wallonischen Senders RTBF bereits vor ewigen Zeiten intern bestimmten Vertreterin Ellie Delvaux alias Blanche, befördert nicht von ungefähr Assoziation zu Loïc Nottets ebenfalls hoch gehandeltem Meisterwerk 'Rhythm inside' (→ BE 2015) und überzeugt auf ganzer Linie. Das balladesk beginnende, dann aber durch einen so unaufdringlichen wie treibenden Rhythmus unterlegte, atmosphärisch dichte Stück verfügt über eine geradezu hypnotische Qualität, die zum einen vom vokalen Wechselspiel der Interpretin herrührt, d...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Dop­pel­da­te am Diens­tag: Bel­gi­en und Maze­do­ni­en nomi­nie­ren

Für einen Sekundenbruchteil setzte heute mein Herz aus, als ich fälschlicherweise las, das belgische Fernsehen RTBF habe die unsterbliche Golden-Girls-Legende Blanche Devereaux, charakterliches Vorbild einer ganzen Tucken-Generation, als Eurovisionsvertreterin 2017 nominiert. Doch leider erwies sich das nur als Flüchtigkeitsfehler: Ellie Delvaux heißt die erst sechzehnjährige Sängerin, mit Künstlerinnennamen Blanche. Sie nahm, wie sollte es anders sein, an der aktuellen Staffel der Castingshow The Voice teil, wo sie allerdings nicht in die Endrunde kam. Dennoch engagierte sie der wallonische Sender vom Fleck weg. Ihr Beitrag für Kiew, von ihr selbst mitkomponiert, steht zwar schon fest, wurde aber noch nicht veröffentlicht, so dass wir für einen ersten Eindruck auf Videos mit Coverversione...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

"Måns ist sehr enttäuscht": das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte - im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper möglichst textilfrei der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und wie...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben

Klei­der­ka­ta­stro­phen und Gän­se­haut: die Pro­ben zum zwei­ten Semi 2016

Und weiter geht's mit der noch ausstehenden Kommentierung zu den ersten Probedurchläufen des zweiten Semifinales. Der Lette Justs darf dieses mit seinem von der Vorjahresteilnehmerin Aminata geschriebenen Elektrokracher 'Heartbeat' eröffnen, ebenso wie die Proben am Mittwoch. Dort gab er schon mal alles, was ihm zwar Lob bei den Bloggern eintrug, sich im dritten Durchgang dann aber stimmlich bemerkbar machte. Haushalten mit den Kräften ist hier die Devise! Leider müssen wir erneut auf den Riga-Biber verzichten, ansonsten gibt es eine visuell etwas aufgebügelte Version des Vorentscheidungsauftritts, was auch gut funktioniert. Nur die Paola-Gedächtnis-Föhnwelle von Justs stört mich nach wie vor. Kann man den nicht zwangsfrisieren? Gewagte modische Statements auch von Michał Szpak: der Pole a...
2016, Die Zwanzigzehner

Kei­ne Ster­ne in Tel Aviv: die ers­ten ESC-Remi­xe sind da!

Mit dem schwedischen Melodifestivalen, traditionell immer nur wenige Tage vor dem offiziellen Abgabetermin aller Beiträge bei der EBU terminiert, ging gestern Abend die Vorentscheidungssaison für den Eurovisionsjahrgang 2016 zu Ende. Noch aber wartet die Welt mit angehaltenem Atem auf zwei offene Beiträge und zwei ESC-Versionen bereits gewählter Titel. Während bereits seit geraumer Zeit feststeht, dass die Albanerin Enada Tarifa ihr in der Originalfassung sterbensschönes 'Përrallë' in Stockholm in einer (noch nicht veröffentlichen) anglifizierten Version als 'Fairytale Love' verhunzt, stieg in Rom noch immer kein weißer Rauch auf: ob die San-Remo-Zweite Francesca Miechelin 'Nessun Grade di Separazione', wie von den Fans erhofft, in Landessprache singt oder ebenso den Fehler begeht, auf Eng...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Bel­gi­en: gib As kei­ne Chan­ce

Das ist auch mal ein interessantes Konzept: nehme fünf junge Sänger/innen für eine öffentliche Vorentscheidung, lasse sie an zwei verschiedenen Abenden mit denselben Songs auftreten, führe beim Finale ein kompliziertes, dreiteiliges Abstimmungsverfahren mit internationalen Jurys, SMS-Voting und Superfinale durch - und sorge dafür, dass dennoch die von vorneherein vom Sender favorisierte Kandidatin gewinnt. So geschehen gerade in Belgien, wo Laura Tesoro beim Eurosong das Ticket nach Stockholm lösen konnte - für die Qualifikationsrunde, denn dass sie es mit ihrer hauptsächlich auf dem prägenden Riff von Queens Klassiker 'Another One bites the Dust' aufbauenden Popnummer 'What's the Pressure' bis zum Grand Final am Samstag schafft, halte ich für ausgeschlossen. Zwar überzeugt die junge Künst...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Beißt Bel­gi­en ins Gras?

Erstmalig kamen beim belgischen Eurosong heute Abend alle fünf Vorentscheidungsbeiträge zur Aufführung. In den vorangegangenen Runden wärmten sich die Interpret/innen aus dem flämischen Teil des Landes noch mit Eurovisionsklassikern auf. Bis zum Finale am nächsten Sonntag soll noch an den Arrangements (und am Auftritt) gefeilt werden, und das scheint auch bitter nötig, konnte doch keiner der fünf Songs, die sich allesamt in zeitgeistiger Belanglosigkeit verlieren, auf Anhieb wirklich begeistern. Das als Stimmungsbild durchgeführte Televoting gewann erstaunlicherweise Laura Tesoro, deren elektropoppiges 'What's the Pressure' mit dem prägenden Riff aus Queens 'Another One bites the Dust' vielversprechend eröffnet, spätestens im Refrain aber auf Sub-KMGs-Standard (BE 2007) zurückfällt. Außerd...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

A Touch too much: das Fina­le 2015

Okay, ich geb's zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen ("Dreieinhalb", wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanim...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Punk is dead: ers­tes Semi 2015

Gleich vorneweg ein Wort der Vorwarnung: vermutlich sehe ich dieses Jahr einen komplett anderen Contest als ein Großteil meiner Leser/innen. Denn ich bin seit langem erstmals wieder vor Ort, und bekanntlich sind die Eindrücke in der Halle stets völlig andere als die zu Hause an den Flachbildschirmen. So hörte ich, zumindest schon mal heute im ersten Semifinale, beispielsweise nur satten, vollen Sound und weitestgehend fehlerfreien Gesang - dies also zur Erklärung, falls das an den Rundfunkempfängern anders herüberkam. Dann ein weiteres Wort der Vorwarnung: ich bin stocksauer! Auf Europa! Und zwar, weil die fantastischen Finnen nicht weiterkamen. Nein, 'Aina Mun Pitää' wird als Song vermutlich keine Aufnahme in die Playlist meiner zehn Lieblingstitel aller Zeiten finden. Aber der Mut der Fi...