Doppeldate am Dienstag: Belgien und Mazedonien nominieren

Für einen Sekundenbruchteil setzte heute mein Herz aus, als ich fälschlicherweise las, das belgische Fernsehen RTBF habe die unsterbliche Golden-Girls-Legende Blanche Devereaux, charakterliches Vorbild einer ganzen Tucken-Generation, als Eurovisionsvertreterin 2017 nominiert. Doch leider erwies sich das nur als Flüchtigkeitsfehler: Ellie Delvaux heißt die erst sechzehnjährige Sängerin, mit Künstlerinnennamen Blanche. Sie nahm, wie sollte es anders sein, an der aktuellen Staffel der Castingshow The Voice teil, wo sie allerdings nicht in die Endrunde kam. Dennoch engagierte sie der wallonische Sender vom Fleck weg. Ihr Beitrag für Kiew, von ihr selbst mitkomponiert, steht zwar schon fest, wurde aber noch nicht veröffentlicht, so dass wir für einen ersten Eindruck auf Videos mit Coverversionen balladesker Depressionslieder angewiesen sind, in denen die pausbäckige Elevin mit stark verhallter Leidensstimme und versteinerter Miene vor sich hin quäkt. Um im Grand-Prix-Vergleich zu bleiben: erinnert ein wenig an Anouk (‚Birds‘, → NL 2012), nur nicht ganz so fröhlich und lebensbejahend.

Ach, hätte sie es mal lieber für sich behalten: Blanche denkt laut nach (BE, Reptoirebeispiel)

Offen gestanden wäre sie mir lieber gewesen: die fantastische, leider viel zu früh verstorbene Rue McClanahan als Blanche

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Zweites Semifinale 2016: der sich den Wolf tanzt

Måns ist sehr enttäuscht“: das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte – im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper möglichst textilfrei der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und wie dankbar bin ich den Schweden dafür, dass sie mit solch einer Leichtigkeit durch diesen Abend führten und die Show mit einem wunderbaren Mini-Musical eröffneten, das uns in vier Minuten darüber aufklärte, was die Eurovision eigentlich ist und dabei so fachlich akkurat wie herrlich selbstironisch daherkam. Der Stimmauszählungs-Überbrückungsact ‚Man vs. Machine‘, eine Art Hommage an die Tanzszenen aus dem Achtzigerjahre-Streifen ‚Nummer 5 lebt‘, fiel gegen das bewegende Flüchtlingsballett vom Dienstag zwar etwas ab, ergab aber dennoch eine schöne Pausenunterhaltung. SVT: 12 Points!

Nicht nur Måns ist enttäuscht – ich ebenso: von der Größe seines, ähm, Wolfs!

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Kleiderkatastrophen und Gänsehaut: die Proben zum zweiten Semi 2016

Und weiter geht’s mit der noch ausstehenden Kommentierung zu den ersten Probedurchläufen des zweiten Semifinales. Der Lette Justs darf dieses mit seinem von der Vorjahresteilnehmerin Aminata geschriebenen Elektrokracher ‚Heartbeat‘ eröffnen, ebenso wie die Proben am Mittwoch. Dort gab er schon mal alles, was ihm zwar Lob bei den Bloggern eintrug, sich im dritten Durchgang dann aber stimmlich bemerkbar machte. Haushalten mit den Kräften ist hier die Devise! Leider müssen wir erneut auf den Riga-Biber verzichten, ansonsten gibt es eine visuell etwas aufgebügelte Version des Vorentscheidungsauftritts, was auch gut funktioniert. Nur die Paola-Gedächtnis-Föhnwelle von Justs stört mich nach wie vor. Kann man den nicht zwangsfrisieren? Gewagte modische Statements auch von Michał Szpak: der Pole absolvierte seine erste Probe in einer uniquen, ärmellosen, silbernen Jacke, die er in den folgenden Durchgängen ablegte, um uns mit einem schwarzen Tanktop zu erfreuen. Sieht man an unaufgepumpten, langhaarigen Dauerwellenträgern ja sonst eher selten! Lustig: drei seiner Backings sind als Violinistinnen getarnt, der ersten fehlte allerdings zunächst das Instrument, so dass sie einen kleinen Maraaya-Luftgeigen-Moment (SI 2015) improvisieren musste. Damit wir dem Schwulst seines Textes nicht entfliehen können, werden die Keywords von ‚Color of your Life‘ auf dem Bühnenhintergrund eingeblendet. Muss das denn sein?

Wer hat die Geige geklaut? (PL)

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Keine Sterne in Tel Aviv: die ersten ESC-Remixe sind da!

Mit dem schwedischen Melodifestivalen, traditionell immer nur wenige Tage vor dem offiziellen Abgabetermin aller Beiträge bei der EBU terminiert, ging gestern Abend die Vorentscheidungssaison für den Eurovisionsjahrgang 2016 zu Ende. Noch aber wartet die Welt mit angehaltenem Atem auf zwei offene Beiträge und zwei ESC-Versionen bereits gewählter Titel. Während bereits seit geraumer Zeit feststeht, dass die Albanerin Enada Tarifa ihr in der Originalfassung sterbensschönes ‚Përrallë‘ in Stockholm in einer (noch nicht veröffentlichen) anglifizierten Version als ‚Fairytale Love‘ verhunzt, stieg in Rom noch immer kein weißer Rauch auf: ob die San-Remo-Zweite Francesca Miechelin ‚Nessun Grade di Separazione‘, wie von den Fans erhofft, in Landessprache singt oder ebenso den Fehler begeht, auf Englisch zu setzen, ist weiterhin offen. Genau so wie die Frage, für welchen Ersatztitel sich Ira Losco entschieden hat: erst am 17. März 2016, also kommenden Donnerstag, soll der Nachfolger für das von der Interpretin selbst nicht als konkurrenzfähig erachtete ‚Chameleon‘ das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Bereits morgen hingegen lüftet Bulgarien den Schleier über dem Lied für Wiederkehrerin Poli Genova. Unterdessen treffen bereits die ersten ESC-Remixe ein, nachfolgend im Überblick vorgestellt.

Die Lolitas auf der Suche nach dem Mitternachtsgold (GE)

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Belgien: gib As keine Chance

Das ist auch mal ein interessantes Konzept: nehme fünf junge Sänger/innen für eine öffentliche Vorentscheidung, lasse sie an zwei verschiedenen Abenden mit denselben Songs auftreten, führe beim Finale ein kompliziertes, dreiteiliges Abstimmungsverfahren mit internationalen Jurys, SMS-Voting und Superfinale durch – und sorge dafür, dass dennoch die von vorneherein vom Sender favorisierte Kandidatin gewinnt. So geschehen gerade in Belgien, wo Laura Tesoro beim Eurosong das Ticket nach Stockholm lösen konnte – für die Qualifikationsrunde, denn dass sie es mit ihrer hauptsächlich auf dem prägenden Riff von Queens Klassiker ‚Another One bites the Dust‘ aufbauenden Popnummer ‚What’s the Pressure‘ bis zum Grand Final am Samstag schafft, halte ich für ausgeschlossen. Zwar überzeugt die junge Künstlerin mit mädchenhaft-kyliesker Ausstrahlung und fünf locker synchron tanzenden Backings mit fantastischen Afros. Und auch der Songauftakt ihres Beitrags klingt zunächst viel versprechend, wenn auch, wie bereits beschrieben, arg bekannt – um allerdings nach 30 Sekunden in ausgelutschte 70s-Revival-Ware nach dem Vorbild der KMGs (BE 2007) umzuschlagen.

Extrapunkte gibt’s für die fantastische Schulter-Action: Laura Teroso

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Beißt Belgien ins Gras?

Erstmalig kamen beim belgischen Eurosong heute Abend alle fünf Vorentscheidungsbeiträge zur Aufführung. In den vorangegangenen Runden wärmten sich die Interpret/innen aus dem flämischen Teil des Landes noch mit Eurovisionsklassikern auf. Bis zum Finale am nächsten Sonntag soll noch an den Arrangements (und am Auftritt) gefeilt werden, und das scheint auch bitter nötig, konnte doch keiner der fünf Songs, die sich allesamt in zeitgeistiger Belanglosigkeit verlieren, auf Anhieb wirklich begeistern. Das als Stimmungsbild durchgeführte Televoting gewann erstaunlicherweise Laura Tesoro, deren elektropoppiges ‚What’s the Pressure‘ mit dem prägenden Riff aus Queens ‚Another One bites the Dust‘ vielversprechend eröffnet, spätestens im Refrain aber auf Sub-KMGs-Standard (BE 2007) zurückfällt. Außerdem wird die Sängerin stimmlich dem Lied nicht wirklich Herr. Sehr deutliche Anleihen an der Bühnenpräsentation des letztjährigen belgischen Vertreters Loïc Nottet nahm der junge Adil Aarab, dessen nachdenkliches und verspieltes ‚In our Nature‘ als Gesamtpaket noch am ehesten zu überzeugen vermochte, auch wenn es zwischendrin ebenfalls leicht schwächelte. Die weiteren Wettbewerbsbeiträge: das beim Singen speichelfädenziehende Schweinchengesicht Tom Frantzis mit dem dudelfunkfreundlichen ‚I’m not lost‘, Astrid Destuyver mit der unrunden Elektroballade ‚Everybody aches‘ und die angemessen verhärmt wirkende Amaryllis Uitterlinden mit dem unentschieden zwischen Elektrostampfer und Streicherballade hin und her schwankenden Entzugslied ‚Kick the Habit‘. In einer Woche stimmt neben dem Publikum auch eine Jury gleichberechtigt mit. Heute sah es nicht so aus, als ob sie aus etwas auswählten könnten, das in Stockholm Finalchancen besitzt.

Der Flachleger: Adil Aarab

A Touch too much: das Finale 2015

Okay, ich geb’s zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen („Dreieinhalb“, wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanimationen, viel zu viele Balladen (der unheilvolle Einfluss der Jurys), zu viel Pomp, zu viel Schwermut (als ständig wiederkehrende Themen dominierten Krieg, innere Dämonen und dunkle Geheimnisse), zu viel clevere Choreografie, zu viel Politik, zu viel beschworene heile Welt und Gemeinschaftsgefühl. Jedes davon für sich genommen großartig, gut gemacht, unterhaltsam und erfreulich, und doch blieb in der Summe eine so merkwürdige wie unbestimmte Mischung aus Übersättigung und leichter Enttäuschung. Vielleicht durch nichts so gut illustriert wie durch den offiziellen Siegertitel.

Wieso trug das Zeichentrickmännchen eine Hitlerfrisur? War das der besungene „Dämon“ in Monzis Seele? (SE)

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Punk is dead: erstes Semi 2015

Gleich vorneweg ein Wort der Vorwarnung: vermutlich sehe ich dieses Jahr einen komplett anderen Contest als ein Großteil meiner Leser/innen. Denn ich bin seit langem erstmals wieder vor Ort, und bekanntlich sind die Eindrücke in der Halle stets völlig andere als die zu Hause an den Flachbildschirmen. So hörte ich, zumindest schon mal heute im ersten Semifinale, beispielsweise nur satten, vollen Sound und weitestgehend fehlerfreien Gesang – dies also zur Erklärung, falls das an den Rundfunkempfängern anders herüberkam. Dann ein weiteres Wort der Vorwarnung: ich bin stocksauer! Auf Europa! Und zwar, weil die fantastischen Finnen nicht weiterkamen. Nein, ‚Aina Mun Pitää‘ wird als Song vermutlich keine Aufnahme in die Playlist meiner zehn Lieblingstitel aller Zeiten finden. Aber der Mut der Finnen, so etwas Authentisches (alleine schon das Staging!) und Anderes zu schicken, hätte unbedingt belohnt werden müssen. Building Bridges, my Ass! Sollte sich in den nächsten Tagen herausstellen, dass die Jurys die Punks von PKN auf dem Gewissen, könnt Ihr Euch bereits jetzt auf einen weiteren ellenlangen Rant einstellen.

Die Vier hatten echten Spaß auf der Bühne (FI)

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Die Village People sind in Wien: erste Proben erstes Semi 2015

Seit Montag Mittag sind die Spiele offiziell eröffnet: in der Wiener Stadthalle probten gestern und heute die 16 Teilnehmer/innen des ersten Semifinales am kommenden Dienstag. Und obgleich es sich um den allerersten, technischen Durchlauf handelte, der hauptsächlich zum Finden der richtigen Kameraeinstellungen und Beleuchtung diente, berichteten die zahlreich in Wien bereits aufgeschlagenen Schwurnalisten natürlich ausführlich über jedes noch so kleine Detail und erstellten umgehend neue Prognosen. Wenn nicht gerade kontrovers über den Aufreger des Tages debattiert wurde: so rüstet die Wiener Stadtverwaltung derzeit 120 Fußgängerampeln mit mit neuen Symbolen aus: händchenhaltend gemeinsam wartende bzw. laufende Pärchen – darunter auch gleichgeschlechtliche – sollen für höhere eine Aufmerksamkeit der gefährdeten Passanten sorgen, angesichts des bevorstehenden Life Balls (Aidshilfe-Benefiz), des Song Contests und dem für Juni termininerten CSD aber auch für Toleranz werben. Und prompt fühlen sich die heterosexuellen Eurovisionsfans diskriminiert, weil der Grand Prix damit in die Nähe einer schwulen Veranstaltung gerückt würde (ach was!). Dabei machte gleich der erste Starter des ersten Semis klar, wessen Party das hier ist!

Schwuler geht’s nimmer: der Bahnhofsstricher und die Bullen

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Hoffnung ist Abwesenheit von Wissen (CZ, BE 2015)

Zwei bereits längere Zeit feststehende Beiträge zum Eurovision Song Contest 2015 erblickten gestern erstmals das Licht der Öffentlichkeit. Beginnen wir mit Tschechien, denn hier waren meine Erwartungen am höchsten. Hatte der Sender ČT doch die auch hierzulande als Gastsängerin von Oomph! und anderen Bands bekannte Marta Jandová und den Rocksänger Václav „Noid“ Bárta nominiert, dessen bisheriges Portfolio auf einen düsteren, atmosphärischen Kracher hoffen ließ. Wie das bei hohen Erwartungen immer ist: sie müssen zwangsläufig enttäuscht werden. Nun ist ‚Hope never dies‘ kein schlechter Song: Noids sexy tiefe Stimme und Martas engagierter Gesang ergänzen sich perfekt, dramatische Geigen und eine ordentliche Percussion heben die Rockballade ein wenig aus dem Meer der getragenen Langeweile dieses Jahrgangs heraus. Fraglos dürfte der Beitrag für das beste tschechische Eurovisionsergebnis sorgen.


Der Schöne und das Biest (CZ)

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