BE 2018: Sen­nek singt kein Sha­la­lie

Die Euro­vi­si­ons­sai­son star­tet dies­mal wirk­lich lang­sam: bei­na­he ist es schon Anfang Okto­ber, und jetzt erst steht die ers­te Teil­neh­me­rin des Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon fest. Es han­delt sich, wie heu­te Abend in einer TV-Show bekannt gege­ben, um die vom flä­mi­schen Fern­se­hen intern aus­ge­wähl­te und bis­lang nicht all­zu bekann­te Bel­gie­rin Lau­ra Groese­ne­ken. Die erzählt im Kurz­in­ter­view mit eurovision.tv denn sym­pa­thi­scher­wei­se auch gleich mal, dass sie haupt­be­ruf­lich bei IKEA arbei­tet. Und tat­säch­lich führt der ers­te Link bei der Goog­le-Suche auf ihr Lin­kedIn-Pro­fil, das exakt die­se Pro­fes­si­on angibt, neben ihren Tätig­kei­ten als Vocal Coach und Kom­po­nis­tin. Über Büh­nen­er­fah­rung ver­fügt die 27jährige den­noch zuhauf: so tour­te sie bereits als Beglei­tung des eta­blier­ten bel­gi­schen Sän­gers Piet God­da­er ali­as Ozark Hen­ry durch Euro­pa, der 2013 mit dem cold­playes­ken Duett ‘I’m your Sacri­fice’ einen Spit­zen­rei­ter im Nach­bar­land hat­te und es damit auch in Ita­li­en in die Top Ten schaff­te. Der­zeit bas­telt die kla­vier­spie­len­de Lau­ra an ihrer Solo-Kar­rie­re und tritt dabei unter dem Namen Sen­nek auf. Eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr mit der hol­län­di­schen Schla­ger­tan­te Sien­ne­ke Pee­ters (→ NL 2010) dürf­te dabei selbst für Grand-Prix-Fans nicht bestehen, singt Sen­nek doch kei­ne Dreh­or­gel­schla­ger, son­dern selbst geschrie­be­nes, ein­schlä­fernd ent­kof­fe­inier­tes Geplät­scher, wie ihr aktu­el­ler Titel ‘Kalei­do­scope’ illus­triert. Für den Wett­be­werb in Por­tu­gal will sie ihr Lied selbst kom­po­nie­ren, und auch auf die­sem Feld kann sie bereits Meri­ten vor­wei­sen: so war sie krea­tiv an dem 2014er Titel ‘Gra­vi­ty’ der Band Hoo­ver­pho­nic betei­ligt, der als Wer­be­jing­le für ein Par­füm Bekannt­heit erlang­te. Als euro­vi­sio­nä­res Vor­bild nennt sie Jama­las düs­ter-arti­fi­zi­el­len 2016er Sie­ger­song ‘1944’. Und wenn es eines gibt, was sie nicht kann, so ver­rät sie im eurovision.tv-Interview, dann ist es tan­zen. Man kann also mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit davon aus­ge­hen, dass uns in die­sem Jahr aus Bel­gi­en kein fröh­li­cher Uptem­po­bei­trag erwar­tet. Ein wenig Geduld müs­sen wir indes auf­brin­gen: Sen­nek möch­te sich zum Kom­po­nie­ren Zeit las­sen. Recht so: gut Ding will Wei­le haben.

Zu die­sem Zeit­punkt knapp 400 Abru­fe und 25 Likes: Lau­ras im März 2017 ein­ge­stell­tes ‘Kalei­do­scope’ (Reper­toire­bei­spiel). Ein rich­tig gro­ßer Star ist Lau­ra also noch nicht…

Und? Ers­ter Ein­druck?

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Chart-Watch: Blan­che ist nicht alo­ne in the Dan­ger Zone

Fünf der sechs­und­zwan­zig Final­ti­tel des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 haben es in die am gest­ri­gen Frei­tag­abend offi­zi­ell ver­öf­fent­lich­ten deut­schen Sin­gle-Top-100 geschafft. Den höchs­ten Ein­stieg konn­te die Bel­gie­rin Blan­che mit ‘City Lights’ auf Rang 38 ver­zeich­nen, erstaun­li­cher­wei­se gefolgt vom nach übli­chen Maß­stä­ben nicht sehr hit­ver­däch­ti­gen Sie­ger­ti­tel ‘Amar pelos Dois’ von Sal­va­dor Sobral, der auf Platz 43 notiert und damit doch ein paar Ver­käu­fe (sprich: bezahl­te Down­loads oder Streams) gene­riert haben muss. Wäh­rend der in Kiew zweit­plat­zier­te Bul­ga­re Kris­ti­an Kostov leer aus­ging, zogen die Bron­ze­me­dail­len­ge­win­ner vom Sun­Stro­ke Pro­ject mit ‘Hey Mam­ma!’ auf Platz 52 in die deut­schen Top 100 ein. Ihre rumä­ni­schen Kol­le­gen Ilin­ca und Alex Flo­rea fol­gen sehr viel tie­fer auf Rang 93. Dazwi­schen reich­te es für die mit dem vor­letz­ten Platz heim­ge­kehr­te deut­sche Ver­tre­te­rin Levina Lueen, die bereits nach dem hei­mi­schen Vor­ent­scheid Unser Song 2017 für genau eine Woche auf Platz 28 in die Charts ein­zog, zu einer kur­zen Rück­kehr auf Rang 88. Gibt es so etwas wie Mit­leids­käu­fe? Kei­ne Notie­rung war hin­ge­gen für den im Vor­feld des Wett­be­werbs lan­ge Zeit als kla­rer Sie­ger vor­her­ge­sag­ten Ita­lie­ner Fran­ces­co Gab­ba­ni und sein ‘Occidentali’s Kar­ma’ zu ver­zeich­nen, das vie­le bereits als euro­päi­schen Som­mer­hit 2017 gehan­delt hat­ten. Sein Auf­tritt im ARD-Mor­gen­ma­ga­zin Anfang die­ser Woche mit einer ent­kof­fe­inier­ten, von ihm selbst am Kla­vier beglei­te­ten Unplug­ged-Ver­si­on dürf­te da ver­mut­lich auch nichts mehr ret­ten: in den Tief­schlaf geklim­per­te Men­schen kau­fen kei­ne Musik­stü­cke! In den Mid-Week-Charts lagen die fünf Euro­vi­si­ons­ti­tel übri­gens jeweils um eini­ges höher, wor­aus sich schlie­ßen lässt, dass es sich – wie schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren – nur um ein kur­zes Stroh­feu­er han­delt, also ein­ma­li­ge Käu­fe direkt im Anschluss an die TV-Show ver­gan­ge­nen Sams­tag, und dass die Hit­pa­ra­de nächs­te Woche bereits wie­der berei­nigt sein dürf­te von allen Grand-Prix-Ein­flüs­sen. Am meis­ten pro­fi­tier­te indes die deut­sche Schla­ger­kö­ni­gin Hele­ne Fischer vom ESC: die im wie immer völ­lig unsäg­li­chen Grand-Prix-Rah­men­pro­gramm des Ers­ten vor­ge­stell­ten drei Lie­der aus ihrem neu­en Album stie­gen alle­samt hoch ein, der Titel ‘Herz­be­ben’ sogar auf Rang 18. Und zum Schluss noch ein kur­zer Blick zu den Nach­barn: der öster­rei­chi­sche Char­mer Nathan Trent schaff­te es im Hei­mat­land auf Rang 72 der Charts, die schwei­ze­ri­sche Band Time­bel­le zu Hau­se auf Platz 80.

Hat noch am ehes­ten Chan­cen auf ein Cross­over ins ech­te Pop-Leben: Blan­che (BE)

Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

Wei­ter­le­senFina­le 2017: Gift im Instru­ment

Lost in Vero­na: wen die Jurys 2017 im Semi kill­ten

Wie unter­schied­lich die Mei­nun­gen von Publi­kum und Jury sind, Wahn­sinn!” ent­fuhr es einem erstaun­ten Peter Urban Sams­tag­nacht wäh­rend der Punk­te­ver­ga­be im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017, wo sich mal wie­der zeig­te, dass die angeb­li­chen Musik­pro­fes­sio­nel­len, die im sich übri­gen hem­mungs­los dem → Nach­bar­schafts­vo­ting hin­ga­ben (soll­ten sie eigent­lich nicht genau das einst ver­hin­dern?), auf einem völ­lig ande­ren Pla­ne­ten leben als der Rest der Mensch­heit. Oder auch nur, dass eine zufäl­li­ge Aus­wahl von gera­de mal fünf Per­so­nen schon aus sta­tis­ti­scher Not­wen­dig­keit her­aus immer nur zufäl­li­ge, nicht reprä­sen­ta­ti­ve und damit völ­lig wert­lo­se Ergeb­nis­se her­vor­bringt. Immer­hin waren sich die Jurys dies­mal aus­nahms­wei­se mit den Zuchauer/innen einig, was den ver­dien­ter Sie­ger des Jahr­gangs anging, den wun­der­bar ver­schro­be­nen por­tu­gie­si­schen Jazz-Schlumpf Sal­va­dor Sobral. Und das ist ja schon ein deut­li­cher Fort­schritt im Ver­gleich mit den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Auch in den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den stimm­ten sie übri­gens mit den Televoter/innen beim ers­ten Rang über­ein, der jeweils an – kei­ne Über­ra­schung – Sal­va­dor (ers­tes Semi) und den bul­ga­ri­schen Wun­der­kna­ben Kris­ti­an Kostov (zwei­tes Semi) fiel. Dort aller­dings, wo es um Leben und Tod ging, also um den Final­ein­zug, sah die Sache schon wie­der ganz anders aus: selbst­re­dend ver­hin­der­ten die dia­bo­li­schen Pro­fi-Wer­ter/in­nen auch in die­sem Jahr wie­der erfolg­reich den Ein­zug eini­ger Publi­kums­lieb­lin­ge in die Sams­tags-Show, allen vor­ne­weg – wie bereits ver­mu­tet – den der Modern-Tal­king-Epi­go­nen Koit Too­me (→ EE 1998) und Lau­ra Põld­ve­re (→ EE 2005). Das von sei­nem Bezie­hungs­en­de am Urlaubs­ort ‘Vero­na’ sin­gen­de est­ni­sche Schla­ger­pär­chen erhielt im zwei­ten Semi­fi­na­le 69 Punk­te von den Televoter/innen und kam damit auf einen so soli­den wie ver­dien­ten sechs­ten Rang. Die hoch­nä­si­gen Schnepf/innen von der Jury, die sich wohl zu fein waren, sich mit den Mas­sen im Sound des groß­ar­tigs­ten Musik­jahr­zehnts zu suh­len, konn­ten gera­de mal mage­re 16 Pünkt­chen (Rang 17) erüb­ri­gen und tor­pe­dier­ten das bal­ti­sche Geschmacks-U-Boot damit erfolg­reich. Sterbt und schmort in der Höl­le, alle­samt!

Grin­sen ver­mut­lich trotz des Semi-Aus noch immer: Koit & Lau­ra (EE)

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Ers­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Je unsi­che­rer die Zei­ten, um so mehr suchen die Men­schen fröh­lich stim­men­de Ablen­kung und Zer­streu­ung, so jeden­falls sug­ge­riert es das Ergeb­nis der ers­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de des Euro­vi­si­on Song Con­tests 2017, das am gest­ri­gen Diens­tag­abend im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum zu Kiew über die Büh­ne ging. Bestimm­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs noch die schänd­li­chen Rän­ke­spie­le um das vom Gast­ge­ber­land Ukrai­ne ver­häng­te Ein­rei­se­ver­bot gegen die rus­si­sche Reprä­sen­tan­tin Julia Samo­yl­o­va sowie die deut­lich ver­schärf­ten Sicher­heits­maß­nah­men rund um die Ver­an­stal­tung die öffent­li­che Wahr­neh­mung des Wett­be­werbs und schu­fen damit ein mul­mi­ges Kli­ma, so setz­ten sich im gest­ri­gen Semi größ­ten­teils die­je­ni­gen Bei­trä­ge durch, die sich an eher uptem­po­rä­ren, aktu­el­len Sounds ori­en­tier­ten und show­tech­nisch alten Wein in neue Schläu­che gos­sen. Also irgend­wie beru­hi­gend Ver­trau­tes und Bewähr­tes boten. Von fast aus­nahms­los allen Teilnehmer/innen ein­heit­lich befolg­te Trends ver­stärk­ten dabei den uni­for­men Ein­druck die­ses Abends: so das bedau­er­li­cher­wei­se fast durch­gän­gig prak­ti­zier­te Ver­ste­cken der Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne; die Domi­nanz der Unschuld und Rein­heit sug­ge­rie­ren­den Far­be Weiß für die Gar­de­ro­be; das ger­ne genom­me­ne Ein­blen­den von Aus­schnit­ten der pro­fes­sio­nel­len Musik­vi­de­os oder von über­le­bens­gro­ßen Por­trät­fo­tos der Künstler/innen auf der LED-Wand im Hin­ter­grund sowie der gera­de­zu skla­visch befolg­te Mode­trend des Flan­king (die Kom­bi­na­ti­on von unsicht­ba­ren Snea­ker­so­cken und Hoch­was­ser­ho­sen zum Zwe­cke des kecken Her­zei­gens eines Strei­fens Bein­flei­sches in Höhe der Fes­seln).

Zwei­ein­vier­tel Stun­den vol­ler hoch­pro­fes­sio­nel­ler TV-Unter­hal­tung: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le 2017

Wei­ter­le­senErs­tes Semi­fi­na­le 2017: no more Dra­ma

Euro­vi­si­on Death­match #19: Dude sings like a Lady

Cele­bra­te Diver­si­ty”“Fei­ert die Viel­falt” ist das anspre­chen­de Mot­to des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017. Die bei­den Landesvertreter/innen, die heu­te in unse­rem Leser/innenspiel in den Ring stei­gen, tra­gen hier­zu beson­ders bei. Sie tre­ten mit Songs an, die unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten, und doch eint sie – neben ihrer Jugend – eine gemein­sa­me Beson­der­heit, die ich mal keck als Trans­gen­der-Gesang bezeich­nen will: eine Stimm­la­ge, die vor­der­grün­dig nicht sofort mit dem bio­lo­gi­schen Geschlecht des Inter­pre­ten har­mo­nie­ren will. Es beginnt – Ladies first – die Bel­gie­rin Ellie Del­veaux, die sich den so gar nicht zu ihrem zar­ten Alter von nur 16 Len­zen pas­sen­den Künst­le­rin­nen­na­men Blan­che zuleg­te, für nicht mehr ganz so tau­fri­sche Fans wie mich natür­lich für immer untrenn­bar mit der män­ner­ver­schlin­gen­den Mit­be­woh­ne­rin der lus­ti­gen, in Mia­mi behei­ma­te­ten Alters-WG der Gol­den Girls ver­bun­den. Schon mal der ers­te inne­re Wider­spruch, zu dem noch etli­che hin­zu­kom­men: das Video zu ihrem fan­tas­ti­schen Elek­tro-Track ‘City Lights’ spielt in einer her­un­ter­ge­kom­me­nen, unwirt­li­chen Beton­ku­lis­se, die irgend­wo im Nie­mands­land zu ste­hen scheint – nur nicht in der hell illu­mi­nier­ten Groß­stadt, deren Neon­be­leuch­tung Blan­che im Titel besingt. Ein ele­gant durch die Kulis­se schwe­ben­der Licht­ball sorgt für Span­nung und macht das Set­ting über­haupt erst aus­halt­bar – sein Sinn erschließt sich aller­dings genau so wenig wie der des kryp­ti­schen Tex­tes, bei dem nie so ganz klar wird, ob die Inter­pre­tin hier eine Bezie­hung the­ma­ti­siert (und falls ja, ob die­se am Beginn, am Ende oder irgend­wo dazwi­schen steht) oder ein apo­ka­lyp­ti­sches Sze­na­rio. Für die meis­te Gän­se­haut sorgt aber ihre äußerst dunk­le Stim­me, die, um im Gol­den-Girls-Ver­gleich zu blei­ben, tat­säch­lich zu der eher mas­ku­lin wir­ken­den Doro­thy pas­sen wür­de als zur Süd­staa­ten-Schön­heit Blan­che. Sie steht in reiz­vol­lem Kon­trast zum atmo­sphä­risch schwe­ben­den, trei­ben­den Musik­bett und ver­leiht ihrem Song eine gera­de­zu hyp­no­ti­sche, nun­ja: Tie­fe.

Ganz allein in der Gefah­ren­zo­ne: Blan­che schreckt so schnell nichts (BE)

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Bel­gi­en 2017: Serious for the Win­ter Time

Bereits ges­tern Abend sicker­te der für heu­te Mit­tag zur offi­zi­el­len Ver­öf­fent­li­chung ange­kün­dig­te bel­gi­sche Bei­trag zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 durch, und seit­dem sind die inter­na­tio­na­len Fans völ­lig aus dem Häus­chen. Und das zu Recht: ‘City Lights’, so der Titel des Songs der vom wal­lo­ni­schen Sen­ders RTBF bereits vor ewi­gen Zei­ten intern bestimm­ten Ver­tre­te­rin Ellie Delva­ux ali­as Blan­che, beför­dert nicht von unge­fähr Asso­zia­ti­on zu Loïc Not­tets eben­falls hoch gehan­del­tem Meis­ter­werk ‘Rhythm insi­de’ (→ BE 2015) und über­zeugt auf gan­zer Linie. Das bal­la­desk begin­nen­de, dann aber durch einen so unauf­dring­li­chen wie trei­ben­den Rhyth­mus unter­leg­te, atmo­sphä­risch dich­te Stück ver­fügt über eine gera­de­zu hyp­no­ti­sche Qua­li­tät, die zum einen vom voka­len Wech­sel­spiel der Inter­pre­tin her­rührt, die mit ver­schie­de­nen Stimm­la­gen, von dun­kel­ge­färbt-andro­gyn bis zu hell und lieb­lich, mit und gegen sich selbst singt (es bleibt, wie beim kroa­ti­schen Kol­le­gen Jac­ques Hou­dek, die Fra­ge, ob das auch mit einer Backing­sän­ge­rin unter Live-Bedin­gun­gen so gut funk­tio­niert); zum ande­ren vom unbe­stimmt-düs­te­ren Text, der von Gefah­ren­zo­nen, Stür­men und Ver­lust berich­tet und dabei offen lässt, ob es um eine Bezie­hung geht oder ein apo­ka­lyp­ti­sches Stim­mungs­bild der aktu­el­len Lage in Euro­pa gezeich­net wer­den soll. Jeden­falls löst der bel­gi­sche Bei­trag, auch wenn ihm im letz­ten Drit­tel noch ein biss­chen zusätz­li­che musi­ka­li­sche Dyna­mik fehlt, gera­de ein Erd­be­ben in den Wett­bü­ros aus und dürf­te mit Sicher­heit um eine vor­de­ren Platz in Kiew mit­spie­len.

Tani­ta Tika­rams Stim­me, gefan­gen im Kör­per von Sien­eke (NL 2010): das ist Bel­gi­ens Blan­che

Bel­gi­en ist sicher im Fina­le. Spielt es auch um den Sieg mit?

  • Ja und ja. Ein her­vor­ra­gen­des und zeit­ge­mä­ßes Pop­stück. Ein Sieg ist zumin­dest nicht aus­zu­schlie­ßen. (35%, 84 Votes)
  • Ich wäre mir da nicht so sicher. Da hängt viel von der Live-Prä­sen­ta­ti­on ab, das kann noch gehö­rig in die Hose gehen. Abwar­ten. (28%, 66 Votes)
  • Den Sieg kann Fran­ces­co Gab­ba­ni bis­lang kei­ner weg­neh­men, auch Blan­che nicht. Für einen vor­de­ren Final­platz reicht es aber alle­mal. (27%, 65 Votes)
  • Ich kann die Fas­zi­na­ti­on nicht nach­voll­zie­hen. Das ist ziem­lich flach und zün­det nicht. Ich sehe es noch nicht mal im Fina­le. (9%, 22 Votes)

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Dop­pel­da­te am Diens­tag: Bel­gi­en und Maze­do­ni­en nomi­nie­ren

Für einen Sekun­den­bruch­teil setz­te heu­te mein Herz aus, als ich fälsch­li­cher­wei­se las, das bel­gi­sche Fern­se­hen RTBF habe die unsterb­li­che Gol­den-Girls-Legen­de Blan­che Devereaux, cha­rak­ter­li­ches Vor­bild einer gan­zen Tucken-Genera­ti­on, als Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin 2017 nomi­niert. Doch lei­der erwies sich das nur als Flüch­tig­keits­feh­ler: Ellie Delva­ux heißt die erst sech­zehn­jäh­ri­ge Sän­ge­rin, mit Künst­le­rin­nen­na­men Blan­che. Sie nahm, wie soll­te es anders sein, an der aktu­el­len Staf­fel der Cas­ting­show The Voice teil, wo sie aller­dings nicht in die End­run­de kam. Den­noch enga­gier­te sie der wal­lo­ni­sche Sen­der vom Fleck weg. Ihr Bei­trag für Kiew, von ihr selbst mit­kom­po­niert, steht zwar schon fest, wur­de aber noch nicht ver­öf­fent­licht, so dass wir für einen ers­ten Ein­druck auf Vide­os mit Cover­ver­sio­nen bal­la­des­ker Depres­si­ons­lie­der ange­wie­sen sind, in denen die paus­bä­cki­ge Ele­vin mit stark ver­hall­ter Lei­dens­stim­me und ver­stei­ner­ter Mie­ne vor sich hin quäkt. Um im Grand-Prix-Ver­gleich zu blei­ben: erin­nert ein wenig an Anouk (‘Birds’, → NL 2012), nur nicht ganz so fröh­lich und lebens­be­ja­hend.

Ach, hät­te sie es mal lie­ber für sich behal­ten: Blan­che denkt laut nach (BE, Rep­toire­bei­spiel)

Offen gestan­den wäre sie mir lie­ber gewe­sen: die fan­tas­ti­sche, lei­der viel zu früh ver­stor­be­ne Rue McCla­nahan als Blan­che

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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

Måns ist sehr ent­täuscht”: das war er, der Satz des Abends, gespro­chen vom deut­schen Kom­men­ta­tor Peter Urban, nach­dem Gast­ge­be­rin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auf­tritt des Weiß­rus­sen Ivan infor­mier­te, dass die­ser ursprüng­lich nackt und in Beglei­tung von Wöl­fen zu per­for­men gedach­te, was die EBU im Hin­blick auf die Regeln lei­der ver­bie­ten muss­te. Zum Miss­fal­len des komo­de­rie­ren­den Vor­jah­res­sie­gers, der gera­de hin­ter Petra die Büh­ne enter­te – im Adams­kos­tüm, lei­der mit einem stra­te­gisch plat­zier­ten Plü­sch­wolf vor dem Gemächt. Wie dank­bar bin ich dem Schwe­den dafür, dass er ein der­ge­stalt scham­los selbst­ver­lieb­ter, zei­ge­freu­di­ger Exhi­bi­tio­nist ist, der wirk­lich kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, sei­nen durch­trai­nier­ten Kör­per mög­lichst tex­tilfrei der Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. Und wie dank­bar bin ich den Schwe­den dafür, dass sie mit solch einer Leich­tig­keit durch die­sen Abend führ­ten und die Show mit einem wun­der­ba­ren Mini-Musi­cal eröff­ne­ten, das uns in vier Minu­ten dar­über auf­klär­te, was die Euro­vi­si­on eigent­lich ist und dabei so fach­lich akku­rat wie herr­lich selbst­iro­nisch daher­kam. Der Stimm­aus­zäh­lungs-Über­brü­ckungs­act ‘Man vs. Machi­ne’, eine Art Hom­mage an die Tanz­sze­nen aus dem Acht­zi­ger­jah­re-Strei­fen ‘Num­mer 5 lebt’, fiel gegen das bewe­gen­de Flücht­lings­bal­lett vom Diens­tag zwar etwas ab, ergab aber den­noch eine schö­ne Pau­sen­un­ter­hal­tung. SVT: 12 Points!

Nicht nur Måns ist ent­täuscht – ich eben­so: von der Grö­ße sei­nes, ähm, Wolfs!

Wei­ter­le­senZwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

Klei­der­ka­ta­stro­phen und Gän­se­haut: die Pro­ben zum zwei­ten Semi 2016

Und wei­ter geht’s mit der noch aus­ste­hen­den Kom­men­tie­rung zu den ers­ten Pro­be­durch­läu­fen des zwei­ten Semi­fi­na­les. Der Let­te Justs darf die­ses mit sei­nem von der Vor­jah­res­teil­neh­me­rin Ami­na­ta geschrie­be­nen Elek­tro­kra­cher ‘Heart­beat’ eröff­nen, eben­so wie die Pro­ben am Mitt­woch. Dort gab er schon mal alles, was ihm zwar Lob bei den Blog­gern ein­trug, sich im drit­ten Durch­gang dann aber stimm­lich bemerk­bar mach­te. Haus­hal­ten mit den Kräf­ten ist hier die Devi­se! Lei­der müs­sen wir erneut auf den Riga-Biber ver­zich­ten, ansons­ten gibt es eine visu­ell etwas auf­ge­bü­gel­te Ver­si­on des Vor­ent­schei­dungs­auf­tritts, was auch gut funk­tio­niert. Nur die Pao­la-Gedächt­nis-Föhn­wel­le von Justs stört mich nach wie vor. Kann man den nicht zwangs­fri­sie­ren? Gewag­te modi­sche State­ments auch von Mich­ał Szpak: der Pole absol­vier­te sei­ne ers­te Pro­be in einer uni­quen, ärmel­lo­sen, sil­ber­nen Jacke, die er in den fol­gen­den Durch­gän­gen ableg­te, um uns mit einem schwar­zen Tank­top zu erfreu­en. Sieht man an unauf­ge­pump­ten, lang­haa­ri­gen Dau­er­wel­len­trä­gern ja sonst eher sel­ten! Lus­tig: drei sei­ner Backings sind als Vio­li­nis­tin­nen getarnt, der ers­ten fehl­te aller­dings zunächst das Instru­ment, so dass sie einen klei­nen Mar­aa­ya-Luft­gei­gen-Moment (SI 2015) impro­vi­sie­ren muss­te. Damit wir dem Schwulst sei­nes Tex­tes nicht ent­flie­hen kön­nen, wer­den die Key­words von ‘Color of your Life’ auf dem Büh­nen­hin­ter­grund ein­ge­blen­det. Muss das denn sein?

Wer hat die Gei­ge geklaut? (PL)

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