Bela­rus 2019: Hit me Baby, one more Time

Das muss man dem weiß­rus­si­schen Sen­der BTRC wirk­lich las­sen: er schafft es, sei­ne natio­na­le Euro­vi­si­ons-Vor­ent­schei­dung jedes Jahr auf eine ande­re Wei­se absurd auf­zu­zie­hen und dabei die hohe Kunst der Schie­bung völ­lig unge­niert vor unser aller Augen zu zele­brie­ren. Dies­mal schloss man das Publi­kum zur Sicher­heit kom­plett vom Voting aus und leg­te das Schick­sal der zehn ange­tre­te­nen (bzw. aus­ge­wähl­ten) Kandidat/innen in die Hän­de einer sie­ben­köp­fi­gen Jury unter Mit­wir­kung von Kol­dun, die ihre Voten direkt im Anschluss an den Auf­tritt ver­teil­te. Zehn Punk­te durf­te jede/r Juror/in jedem Act maxi­mal geben, sie­ben waren offen­sicht­lich das Mini­mum: weni­ger als das erhielt ges­tern Abend nie­mand. 70 Zäh­ler konn­te man also höchs­tens errei­chen, und nach­dem gleich die zwei­te Kombattant/in, die erst 16jährige Zena (Zinai­da Kupri­ya­no­vich), ihres Zei­chens zwei­fa­che Juni­or-ESC-Teil­neh­mer/in und 2018 Mode­ra­to­rin des Kin­der­wett­be­werbs, 69 Punk­te abräum­te, hät­ten sich die rest­li­chen acht Konkurrent/innen die Mühe eigent­lich spa­ren kön­nen. Der Fair­ness hal­ber soll gesagt sein: die vor Selbst­be­wusst­sein nur so strot­zen­de Mini-Play­back-Show-Göre-spielt-Brit­ney-Spears-Dar­stel­le­rin Zena gewann mit ihrem unglaub­lich bil­li­gen Weg­werf-Uptem­pofet­zen ‘I like’ den Vor­ent­scheid völ­lig zu Recht!

Zena ver­fügt über ton­nen­wei­se Poten­ti­al. Car-Crash-Poten­ti­al. Den­noch war ‘I like’ das bes­te Ange­bot.

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Kar­tof­feln aus Minsk

Was täten Trash­fans nur ohne Weiß­russ­land? Jahr für Jahr schüt­tet der Sen­der BTRC sein schein­bar nie ver­sie­gen­des Füll­horn an Unglaub­lich­kei­ten über uns aus, wenn er – wie ver­gan­ge­nen Mon­tag Vor­mit­tag – zum Vor­sin­gen für das Euro­fest in sein Haupt­stadt­stu­dio lädt. Das ent­wi­ckelt sich immer mehr zum inter­na­tio­na­len Gip­fel­tref­fen der Müh­se­li­gen und Bela­de­nen: aus 16 Natio­nen tru­del­ten ins­ge­samt 113 Bewer­bun­gen in Minsk ein. In Per­so­na erschie­nen zur unsäg­lich frü­hen Stun­de von 10 Uhr aller­dings nur 73 Acts. So fehl­te bei­spiels­wei­se die rumä­ni­sche Dra­ma Queen Mihai Trăis­ta­riu, der sich aus Pro­test gegen eine nach­träg­lich ver­ge­be­ne Wild­card mit gro­ßem Getö­se vom hei­mi­schen Vor­ent­scheid zurück­ge­zo­gen hat­te und nun für Luka­schen­ko sin­gen woll­te, krank­heits­be­dingt: der Meis­ter lag mit der Grip­pe dar­nie­der. Dafür tauch­te in Minsk ein ande­rer Unto­ter der Grand-Prix-Geschich­te leib­haf­tig auf: Daz Sam­pson! Der erst 44jährige Teena­ge Life-Sän­ger, der einem rein optisch eine Ahnung davon ver­mit­tel­te, wie Die­ter Boh­len wohl ohne das gan­ze Face­lif­ting und Botox heu­te aus­sä­he, reis­te in Beglei­tung einer bil­lig auf­ge­bre­zel­ten Pink­haa­ri­gen an und gab einen ultra­tra­shi­gen Kir­mes­tech­no­schla­ger namens ‘Kin­ky Boots’ zum Bes­ten. Und man wuss­te beim Zuschau­en nicht, ob man sich vor Fremd­scham schüt­teln woll­te oder vor Lachen.

He’s a dir­ty old Man: Schul­mäd­chen-Lieb­ha­ber Daz Sam­pson.

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