ESC 1965: Die Hit­ze der Jungs

Logo des Eurovision Song Contest 1965
Die Pop-Revo­lu­ti­on

Im zehn­ten Jahr sei­nes Bestehens schien der Euro­vi­si­on Song Con­test end­gül­tig bei sich ange­kom­men zu sein, die gröbs­ten Kin­der­krank­hei­ten eini­ger­ma­ßen aus­ge­merzt: unver­zeih­li­che archi­va­ri­sche Lücken durch eine feh­len­de Auf­zeich­nung der Live-Sen­dung wie noch 1956 und 1964 soll­ten künf­tig nicht mehr vor­kom­men; die Fra­ge, wer auf der Büh­ne die Sie­ges­tro­phäe über­reicht bekommt – Interpret/in oder → Komponist/in – sorg­te nicht mehr für Ver­wir­rung und pein­li­che Situa­tio­nen wie noch 1957; die Wer­tung unter­lag zwar noch stän­di­gen Ver­fah­rens­än­de­run­gen, hat­te sich aber als unver­zicht­ba­rer Teil der Sen­dung eta­bliert; die Zahl der teil­neh­men­den euro­päi­schen Staa­ten zeig­te einen erfreu­lich sta­bi­len Auf­wärts­trend von sie­ben im Anfangs­jahr zu aktu­ell 18 Natio­nen und die BBC hat­te 1963 ers­te Mei­len­stei­ne in Sachen Insze­nie­rung gesetzt, wel­che die im Jubi­lä­ums­jahr erst­ma­li­ge gast­ge­ben­de ita­lie­ni­sche TV-Anstalt RAI aller­dings nicht auf­griff. Viel­mehr wirk­te die Show aus Nea­pel extrem sta­tisch: alle Teilnehmer/innen muss­ten hin­ter einem klo­bi­gen Ste­reo-Mikro­fon Auf­stel­lung neh­men und durf­ten sich so gut wie nicht bewe­gen, wäh­rend die Kame­ras sie über­wie­gend vom Hals auf­wärts ein­fin­gen. Dazu kam eine Beleuch­tung, die so grell wirk­te, als habe sich die RAI für die Ver­an­stal­tung bei der NATO ein Dut­zend Rake­ten­such­schein­wer­fer aus­ge­lie­hen, mit denen man nicht nur das knapp 1.000 gela­de­ne Gäs­te fas­sen­de TV-Stu­dio, son­dern zur Not auch den Nacht­him­mel von ganz Nord­ita­li­en tag­hell hät­te illu­mi­nie­ren kön­nen.

Wegen irgend­wel­cher bescheu­er­ten Copy­right-Scher­gen gibt’s den ESC 1965 lei­der nicht kom­plett am Stück zu sehen, son­dern nur (in Tei­len) als Play­list. Wie oft muss ich es noch beto­nen: wir haben TV-Gebüh­ren bezahlt, die Show gehört uns! 

wei­ter­le­senESC 1965: Die Hit­ze der Jungs

IT 1965: Walk like a Man

Welch’ ein Höhen­flug: die 1964 erst­mals exe­ku­tier­te Idee der San-Remo-Macher, sich inter­na­tio­na­le Top-Stars zum euro­pa­weit berühm­ten Fes­ti­val ein­zu­la­den, wel­che dort die Zweit­va­ri­an­te der von hei­mi­schen Künst­lern vor­ge­stell­ten Lie­der san­gen, hat­te nicht nur den ohne­hin schon her­aus­ra­gen­den Gla­mour-Fak­tor der Gala noch ein­mal in unge­ahn­te Höhen getrie­ben, son­dern auch das musi­ka­li­sche Niveau der Lie­der gestärkt – und sogleich bei der Pre­miè­re des neu­en Kon­zepts für Ita­li­ens ers­ten Euro­vi­si­ons­sieg gesorgt! Kein Wun­der, dass die RAI das For­mat auch 1965 bei­be­hielt. Was aller­dings unter dem lan­des­ei­ge­nen San­ges­per­so­nal nicht auf unge­teil­te Zustim­mung stieß: eini­ge eta­blier­te San-Remo-Stars, wie z.B. Adria­no Cel­en­ta­no, blie­ben dem Wett­be­werb aus Pro­test fern. Auch der in der ver­gan­ge­nen Deka­de beim Fes­ti­val und dar­über hin­aus äußerst erfolg­rei­che Can­t­au­to­re Dome­ni­co Modug­no (→ IT 1958, 1959, 1966) fehl­te: sein Bei­trag hat­te die Vor­auswahl nicht über­lebt. Das glei­che Schick­sal ereil­te den Rent­ne­rin­nen­schwarm Clau­dio Vil­la (→ IT 1962, 1967). Dafür ging die Vor­jah­res­sie­ge­rin und Grand-Prix-Gewin­ne­rin Giglio­la Cin­quet­ti (→ IT 1964, 1974) wie­der an den Start: ihre aktu­el­le Bal­la­de ‘Ho biso­gno di veder­ti’ (deren Zweit­fas­sung nie­mand Gerin­ge­res als Con­nie Fran­cis sang!) zählt aller­dings lei­der nicht zu ihren stärks­ten Titeln, auch wenn es zu einer Final­teil­nah­me und einer Top-Ten-Plat­zie­rung in den hei­mi­schen Charts reich­te.

Der Bril­len­schlumpf fängt an: Nico­la di Bari gibt alles.

wei­ter­le­senIT 1965: Walk like a Man

IT 1964: Gib mir noch Zeit

Wel­che Bedeu­tung das San-Remo-Fes­ti­val zu sei­ner Blü­te­zeit weit über die Gren­zen Ita­li­ens hin­aus hat­te, ver­mag man sich heut­zu­ta­ge kaum noch vor­zu­stel­len. Eine leich­te Ahnung davon ver­mit­telt der Blick auf die Inter­pre­ten­lis­te des als Grand-Prix-Vor­ent­scheid genutz­ten Wett­be­werbs im Jah­re 1964. Da kam die aus­füh­ren­de Sen­de­an­stalt RAI näm­lich auf die gran­dio­se Idee, die Zweit­ver­sio­nen der im Semi­fi­na­le vor­ge­stell­ten 24 Lie­der von inter­na­tio­na­len Stars sin­gen zu las­sen, um den Duft der gro­ßen wei­ten Welt in die ohne­hin schon gla­mou­rö­se Ver­an­stal­tung zu holen. Und das Ver­rück­te: die ein­ge­la­de­nen Gäs­te kamen auch! So nahm bei­spiels­wei­se neben der Ita­lie­ne­rin Mil­va auch die Fran­zö­sin Fri­da Boc­ca­ra (→ FR 1969) die ‘Letz­te Stra­ßen­bahn nach Mit­ter­nacht’, zusätz­lich zum hei­mi­schen Swing-Sän­ger Nico­la Ariglia­no mach­te sich auch der deut­sche Rock’n’Roller Peter Kraus (‘Sugar Baby’) auf den Marsch der ’20 Kilo­me­ter nach Mor­gen’, und von dem herr­lich pit­to­res­ken Tou­ris­mus-Wer­be­schla­ger ‘Son­ne, Piz­za und Lie­be’ gab es eben­falls gleich zwei Ver­sio­nen.

Sole, Piz­za, Amo­re’ – was mehr will man von einem Ita­li­en-Urlaub? Nur war­um bei 1:20 Minu­ten die Frank­fur­ter Kai­ser­stra­ße Erwäh­nung fin­det, will mir nicht in den Kopf!

wei­ter­le­senIT 1964: Gib mir noch Zeit