DK 1966: Kann ich die Wurst mal sehen?

Dass auf Geheiß des däni­schen Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­chen Svend Peder­sen im Vor­jahr eine inter­ne Aus­wahl statt­fand mit Songs, die “Qua­li­tät” beinhal­ten soll­ten, und dass als deren Ergeb­nis in Nea­pel der wohl femi­nis­tischs­te Grand-Prix-Bei­trag die­ser Ära zu hören war, zeigt Nach­wir­kun­gen: der Wie­ner Dich­ter und Büch­ner-Preis­trä­ger Hans Carl Art­mann, bekannt für sei­ne Mund­art­ge­dich­te und sei­ne sur­rea­lis­ti­schen Erzäh­lun­gen, nahm als Sän­ger am 1966 wie­der als öffent­li­cher Vor­ent­scheid statt­fin­den­den Melo­di Grand Prix teil, dort aller­dings unter dem Künst­ler­na­men Ib Han­sen. Ob sein Lied ‘Lil­le Venin­de’ (‘Klei­ne Freun­din’) aller­dings hohen poe­ti­schen Ansprü­chen genüg­te, lässt sich nur schwer beur­tei­len: lei­der ist es in den Tie­fen des Net­zes nicht auf­zu­fin­den. Dafür stol­pert man dort über eine abso­lu­te Vor­ent­schei­dungs­per­le aus der Keh­le des alten Bekann­ten Gus­tav Winck­ler (→ DK 1957). Der MGP-Dau­er­gast wid­met sich in sei­nem Bei­trag einem bis dato beim Euro­vi­si­on Song Con­test noch nie­mals behan­del­ten The­ma (auch wenn sich sicher­lich das eine oder ande­re Lied schon mal in irgend­ei­ner Form der Flei­sches­lust wid­me­te): der ‘Sala­mi’ näm­lich! Oder han­delt es sich hier gar um einen Euphe­mis­mus? Schließ­lich sieht die Esels­wurst schon ziem­lich phal­lisch aus, wenn man sie nicht gera­de in Schei­ben schnei­det. Die däni­schen Juro­ren ver­moch­te die wurs­tig-ent­spannt swin­gen­de Jazz-Bal­la­de jedoch nicht zu über­zeu­gen: mit ledig­lich einem Gna­den­pünkt­chen ver­hun­ger­te Gus­tav auf dem letz­ten Platz. Da saßen wohl haupt­säch­lich Vege­ta­ri­er in der Jury!

Und als Getränk dazu gibt’s lecke­res Wurst­was­ser: der Winck­ler­gus­tav mit sei­ner Ode an den Flei­sches­rie­men (Audio).

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DK 1964: My own pri­va­te Grand Prix

Die War­nung gleich vor­weg: am bes­ten spa­ren Sie sich die Lek­tü­re die­ses Arti­kels, denn es gibt über den däni­schen Vor­ent­scheid von 1964 beim bes­ten Wil­len nichts Inter­es­san­tes zu erzäh­len. Von kei­nem ein­zi­gen der ins­ge­samt neun fast aus­schließ­lich von den satt­sam Bekann­ten gesun­ge­nen Bei­trä­ge des Melo­di Grand Prix exis­tiert ein beweg­ter Video­mit­schnitt. Selbst nicht vom Sie­ger­ti­tel ‘San­gen om dig’ (‘Lied über Dich’) von Bjørn Tid­mand. Denn augen­schein­lich ver­schlamp­te der ver­ant­wort­li­che Sen­der Dansk Radio (DR), dem dank des mit nor­we­gi­scher Hil­fe gescho­be­nen Vor­jah­res­sie­ges die Auf­ga­be zufiel, den Euro­vi­si­on Song Con­test 1964 zu ver­an­stal­ten, nicht nur die Auf­zeich­nung der inter­na­tio­na­len Show, son­dern auch die­je­ni­ge des eini­ge Wochen zuvor an glei­cher Stel­le, näm­lich im Fest­saal des inner­städ­ti­schen Ver­gnü­gungs­parks Tivo­li, abge­hal­te­nen MGP. Selbst das Ergeb­nis des per Post­kar­te durch­ge­führ­ten Zuschau­er­vo­tings (!) ist größ­ten­teils ver­schol­len – man weiß ledig­lich, dass Tid­mand knapp die Hälf­te aller rund 230.000 Ein­sen­dun­gen auf sich ver­ei­ni­gen konn­te. Und das für einen der­ar­tig tief­schla­fin­du­zie­ren­den, selbst für die frü­hen Sech­zi­ger ret­tungs­los alt­mo­di­schen Song! Das lässt für rest­li­chen Lie­der das Schlimms­te erah­nen, dar­un­ter wel­che mit so grau­en­vol­len Titeln wie ‘Mein pri­va­ter Grand Prix’ oder gar – Gott behü­te! – ‘Pol­ka beim Grand Prix’. Die weni­gen auf­find­ba­ren Audio­auf­zeich­nun­gen offen­ba­ren denn auch Lan­ge­wei­le pur. Am wenigs­ten uner­träg­lich klingt dabei noch das zweit­plat­zier­te ‘Der er en For­skel’ (‘Das ist ein Unter­schied’) der Schwes­tern Vivi­an & Berit Lar­sen, das dem musi­ka­li­schen Zeit­geist zwar eben­falls um gefühl­te vier­zig Jah­re hin­ter­her­hink­te, aber zumin­dest noch eini­ger­ma­ßen uptem­po­rär daher­kam. Vivi­an, die Dun­kel­haa­ri­ge der Bei­den, nahm in den Acht­zi­ger drei wei­te­re Male erfolg­los am MGP teil, dort als mitt­ler­wei­le ver­hei­ra­te­te Vivi­an Johan­sen. 1983 kon­kur­rier­te sie dabei gegen ihre eige­ne Toch­ter, Gry Johan­sen, die dann statt ihrer mit ‘Klo­den Drey­er’ zum ESC nach Mün­chen fuhr. Um auf den 1964er MGP zurück­zu­kom­men: die­ser lässt sich am tref­fends­ten mit dem Song­ti­tel des gera­de­zu unver­meid­li­chen Gus­tav Winck­ler (→ DK 1957) zusam­men­fas­sen: ‘Ugler i mosen’ (‘Da ist was faul’)!

Walz­te sei­nen Wal­zer auf unnö­ti­ge drei Minu­ten aus: der Björn.

Vor­ent­scheid DK 1964

Dansk Melo­di Grand Prix. Sams­tag, 15. Febru­ar 1964, aus dem Tivo­li in Kopen­ha­gen. Neun Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Bent Fabri­ci­us-Bjer­re.
#Interpret/inTitelPost­kar­tenPlatz
01Else + Pre­ben OxbølMit pri­va­te Grand Prix
02Bjørn Tid­mandSan­gen om dig102.1711
03Vivi­an + BeritDer er en For­skel2
04Raquel Ras­ten­niVi taler sam­me Sprog
05Otto Bran­den­burgStress
06Gre­the Mogen­senNat­tens Melo­di
07Gus­tav Wink­ler + Gre­the SønckUgler i mosen
08Dario Cam­peot­toShan­gri-la3
09Gre­the Thor­d­al + Fre­de­rikPol­ka i Grand Prix

DK 1963: Je ne sais pas pour­quoi

Acht Bei­trä­ge strit­ten um die Gunst einer zehn­köp­fi­gen Jury bei der däni­schen Vor­ent­schei­dung von 1963, dem Melo­di Grand Prix (MGP), von denen der letzt­plat­zier­te des Schau­spie­lers Pre­ben Mahrt kom­plett punk­te­frei aus­ging. Viel­leicht war er den Jury­mit­glie­dern ein­fach zu ‘Abs­trakt’? Ansons­ten bestand das Per­so­nal über­wie­gend aus alt­ge­dien­ten Namen: sowohl die hei­mi­sche Ver­tre­te­rin von 1957 und 1962, Bir­t­he Wil­ke, als auch der däni­sche ESC-Reprä­sen­tant von 1961, Dario Cam­peot­to, star­te­ten einen wei­te­ren Ver­such, wobei sich ers­te­re im Hin­blick auf die von ihrem Bei­trag aus­ge­hen­de, gepfleg­te Lan­ge­wei­le nicht ohne Grund selbst frag­te: ‘Pour­quoi’ (‘War­um’)? Das Tanz­or­ches­ter Melo­dy Mixers wid­me­te sich in sei­nem extrem flui­den Stück ‘Har­le­kin & Colum­bi­ne’ inhalt­lich dem Ver­an­stal­tungs­ort des MGP, dem Kopen­ha­ge­ner Innen­stadt-Ver­gnü­gungs­park Tivo­li. Git­te Hæn­ning (→ DE 1973), die im glei­chen Jahr ein Land wei­ter süd­lich mit ‘Ich will ’nen Cow­boy als Mann’ die Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le gewin­nen und einen Num­mer-Eins-Hit lan­den soll­te, kas­sier­te zu Hau­se für ihre ‘Lil­le sar­te Kvin­de’ (‘Klei­ne zar­te Frau’) nur halb so vie­le Punk­te wie das schluss­end­lich sieg­rei­che Ehe­paar Gre­the und Jør­gen Ing­mann mit ihrer jaz­zi­gen ‘Dan­se­vi­se’.

Call me again,” sang Gre­the mit­ten in ihrem däni­schen Text fle­hend. Das taten die nor­we­gi­schen Punk­te­rich­ter beim ESC dann auch.

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Dansk Melo­di Grand Prix 1962: Ich rede mit mir selbst

Ein Skan­dal erschüt­ter­te den Dansk Melo­di Grand Prix (DMGP) 1962, den däni­schen Vor­ent­scheid, in des­sen Mit­tel­punkt die fabel­haf­te und noch heu­te län­der­über­grei­fend heiß­ge­lieb­te Git­te Hæn­ning stand. Die im Hei­mat­land bereits als Kin­der­star popu­lä­re Sän­ge­rin soll­te mit dem sen­sa­tio­nel­len Swing-Knal­ler ‚Jeg snak­ker med mig selv‘ (‚Ich rede mit mir selbst‘) teil­neh­men, einem The­ma, das die nicht min­der fabel­haf­te Nina Hagen gute zwan­zig Jah­re spä­ter in Uni­ver­sel­les Radio noch­mals auf­grei­fen soll­te. Doch dann beging der fünf­fa­che DMGP-Mode­ra­tor und Lyrik­au­tor des Titels, Sejr Vol­mer-Søren­sen, den unver­zeih­li­chen Feh­ler, sel­bi­gen noch vor der Sen­dung wäh­rend der Pau­se in der Sen­der­kan­ti­ne vor sich hin zu sum­men. Was die sofor­ti­ge Dis­qua­li­fi­ka­ti­on des (den­noch in der Show prä­sen­tier­ten) Songs für den Wett­be­werb nach sich zog, denn es hät­te ja ein Juror anwe­send sein und sich beein­flus­sen las­sen kön­nen. Die gute Git­te durf­te zwar einen wei­te­ren von Sejr betex­te­ten Bei­trag vor­stel­len, den im Hin­blick auf sei­ne ein­schlaf­för­dern­den musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten mehr als tref­fend ‘Vug­ge­vi­se’ (‘Wie­gen­lied’) benann­ten Sie­ger­song des MGP 1962 näm­lich. Doch dies nur als des­sen Zweit­be­set­zung, denn eben­so wie bei den ande­ren skan­di­na­vi­schen Vor­ent­schei­dun­gen die­ses Jahr­gangs brach­te man in Däne­mark alle fünf Final­lie­der gleich dop­pelt zu Gehör, dar­ge­bo­ten jeweils in unter­schied­li­cher Orches­trie­rung und mit unter­schied­li­chen Künstler/innen.

Selbst­ge­sprä­che sind meist die intel­li­gen­tes­ten Dis­kus­sio­nen, wuss­te die klu­ge Git­te schon 1962 (nur Audio).

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ESC 1961: Stand up for your Love Rights

Logo des Eurovision Song Contest 1961
Das Jahr der schwu­len Eman­zi­pa­ti­on

Schon zum zwei­ten Mal in der noch jun­gen Grand-Prix-Geschich­te gas­tier­te der Wett­be­werb 1961 in Can­nes. Und erneut prä­sen­tier­te das fran­zö­si­sche Fern­se­hen die sel­be Eröff­nungs­se­quenz wie schon 1959. Sowie die sel­be Mode­ra­to­rin, Jac­que­line Jou­bert, die so viel Mas­ca­ra auf­ge­legt hat­te, dass sie stän­dig ange­strengt gen Him­mel schau­en muss­te, damit ihr die Augen­li­der nicht zusam­men­papp­ten. Ledig­lich auf die cha­rak­te­ris­ti­schen Dreh­ge­stel­le ver­zich­te­te man. Statt­des­sen ver­sam­mel­ten sich die 16 Teilnehmer/innen zum Auf­takt der erst­mals an einem Sams­tag aus­ge­strahl­ten Sen­dung auf einer opu­len­ten Show­trep­pe und stell­ten sich artig nach­ein­an­der per­sön­lich vor. Was für die Zuschauer/innen den unschätz­ba­ren Vor­teil bot, die Inter­pre­ten­na­men zur Abwechs­lung in feh­ler­frei­er Aus­spra­che hören zu kön­nen. Im Anschluss san­gen sie dann ihre Lied­chen, die alle ziem­lich gleich und alle gleich lang­wei­lig klan­gen.

Schlaf­los in Stutt­gart? Hier naht Hil­fe: der ESC 1961.

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Dansk Melo­di Grand Prix 1961: Jet Air­li­ner

Die fünf­te Aus­ga­be der däni­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung Melo­di Grand Prix (DMGP) erwies sich als Vete­ra­nen­tref­fen: sämt­li­che (!) bis­he­ri­gen Grand-Prix-Reprä­sen­tan­t/in­nen des Lan­des ver­such­ten es erneut. Dabei gin­gen Gus­tav Winck­ler, Raquel Ras­ten­ni und Katy Bødt­ger kom­plett leer aus: sie erhiel­ten von der zehn­köp­fi­gen Jury, von der jedes Mit­glied aller­dings nur jeweils drei Punk­te zu ver­tei­len hat­te, alle­samt nichts. Bes­ser schlu­gen sich da schon der DMGP-Wie­der­keh­rer Otto Bran­den­burg, der für sein sanf­tes Wie­gen­lied ‘God­nat, lil­le du’ zumin­dest drei Zäh­ler kas­sie­ren konn­te, sowie der in Por­tu­gal gebo­re­ne, schon früh mit sei­nen Eltern nach Däne­mark gezo­ge­ne Jazz-Musi­ker Pedro Biker, der anschlie­ßend eine Kar­rie­re als Radio- und TV-Mode­ra­tor sowie 1970 einen Hit und hei­mat­li­chen Ever­green mit der däni­schen Cover­ver­si­on von Burt Bacha­rachs ‘Rain­drops keep fal­ling on my Head’ hin­leg­te, aller­dings nur drei Jah­re spä­ter das Zeit­li­che seg­ne­te. Hier, bei sei­nem ers­ten TV-Auf­tritt, konn­te Pedro, der kein biss­chen aus­sah wie ein Biker, mit ‘Min Gui­tar og jeg’ einen drit­ten Rang lan­den.

Wer raucht und flie­gen­de Tötungs­ma­schi­nen steu­ert, also weder das eige­ne Leben ach­tet noch das von ande­ren, dem wer­fen sich die Damen an den Hals, so die sub­ti­le Pro­pa­gan­da­aus­sa­ge von Bir­t­he Wil­kes Film­auf­tritt (Reper­toire­bei­spiel).

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