DE 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Wencke Myhre, DE 1968
Die Auf­ge­trie­del­te

Auch 1968 blieb es hin­sicht­lich der Ermitt­lung des deut­schen Grand-Prix-Bei­tra­ges beim strikt inter­nen Aus­wahl­ver­fah­ren. Aller­dings bequem­te sich der zustän­di­ge Hes­si­sche Rund­funk nach den Plei­ten der letz­ten Jah­re mit ange­staub­ten Durch­hal­te­schla­gern end­lich zum längst über­fäl­li­gen Moder­ni­täts­sprung. Als Kom­po­nis­ten des aktu­el­len Bei­trags ver­pflich­te­te man den Easy-Lis­ten­ing-Geni­us Horst Jan­kow­ski, Schöp­fer des fabel­haf­ten, schwung­voll-pop­pi­gen Instru­men­tal­ti­tels ‘Schwarz­wald­fahrt’ (ein US-Hit im Jah­re 1965!). Er schrieb das nicht min­der schwung­vol­le und pop­pi­ge ‘Ein Hoch der Lie­be’; ver­pass­te dem Stück einen Text, in dem es, wie fast immer im Schla­ger, unter­schwel­lig ums Pop­pen ging; ver­zier­te den Refrain mit poly­glot­ten Ein­spreng­seln in eng­lisch, fran­zö­sisch und spa­nisch und bestand – Gip­fel der Inter­na­tio­na­li­tät – gegen alle ari­schen Wider­stän­de inner­halb der ARD dar­auf, dass die sehr popu­lä­re Nor­we­ge­rin Wencke Myh­re (‘Beiß nicht gleich in jeden Apfel’) den mal wie­der in Hans-Joa­chim Kulen­kampffs Sams­tags­abend­show EWG dem Publi­kum vor­ge­stell­ten Titel sin­gen soll­te.

Dreh Dich im Krei­sel der Zeit: Wencke Myh­re

Eine sehr wei­se Ent­schei­dung, denn nicht nur gab es beim Grand Prix end­lich mal wie­der mehr als → null Punk­te, auch die Plat­ten­käu­fer gou­tier­ten den fröh­li­chen Song: Rang 18 in den deut­schen und #17 in den öster­rei­chi­schen Charts. Nach den letz­ten vier Voll­flops mit eher grüb­le­ri­scher Ware eine sehr will­kom­me­ne Abwechs­lung! Wencke, die es 1983 noch­mals beim deut­schen Vor­ent­scheid ver­su­chen soll­te und den­sel­ben 1986 gar mode­rier­te, eröff­ne­te mit ihrer Teil­nah­me in Lon­don die deutsch-skan­di­na­vi­schen Jah­re beim Grand Prix: ihre bei­den Kol­le­gin­nen Siw Malmkvist (Schwe­den, → SE 1960, Vor­ent­scheid SE 1961, Vor­ent­scheid DE 1962), die noch im glei­chen Jahr mit dem nicht min­der fröh­li­chen ‘Har­le­kin’ den Deut­schen Schla­ger-Wett­be­werb gewann, und Git­te Hæn­ning (Däne­mark, → Vor­ent­scheid DK 1962), mit denen sie zwi­schen 2004 und 2007 prak­tisch pau­sen­los vor aus­ver­kauf­ten Häu­sern und fre­ne­tisch fei­ern­den Fans im Drei­er­pack auf­trat, folg­ten 1969 und 1973 und bescher­ten uns eben­falls respek­ta­ble Ergeb­nis­se beim euro­päi­schen Wett­sin­gen. “Die Skan­di­na­vie­rin­nen waren irgend­wie immer frei­er, nicht so ver­zopft”, nann­te ein­mal Chris­ti­an Bruhn (der Schöp­fer ihres größ­ten Hits ‘Lie­bes­kum­mer lohnt sich nicht’) den Grund für den Erfolg der nor­di­schen Sän­ge­rin­nen bei und für uns.

Siw im dro­gen­bun­ten Baby­stramp­ler beim Deut­schen Schla­ger-Wett­be­werb 1968

Was übri­gens nicht wei­ter ver­wun­dert. Denn nicht nur, dass die skan­di­na­vi­schen Län­der seit jeher gesell­schaft­lich deut­lich libe­ra­ler auf­ge­stellt sind, sie inves­tie­ren auch staat­li­cher­seits deut­lich mehr in die Nach­wuchs­för­de­rung als Deutsch­land. Wird der Musik­un­ter­richt an unse­ren Schu­len eher als Blüm­chen­fach wahr­ge­nom­men und den Kin­dern mit der obli­ga­to­ri­schen Block­flö­te der Spaß an der ver­meint­lich brot­lo­sen Kunst sys­te­ma­tisch aus­ge­trie­ben, so genießt er bei­spiels­wei­se in Schwe­den einen ganz ande­ren Stel­len­wert (und eine deut­lich höhe­re finan­zi­el­le För­de­rung). Am Wich­tigs­ten aber: der Blick über den Tel­ler­rand, der in ver­hält­nis­mä­ßig bevöl­ke­rungs­schwä­che­ren Län­dern bei­na­he auto­ma­tisch not­wen­dig ist. Und der dafür sorgt, dass inter­na­tio­na­le musi­ka­li­sche Trends dort sehr viel schnel­ler wahr­ge­nom­men und adap­tiert wer­den, wäh­rend die Deut­schen ten­den­zi­ell eher im eige­nen Saft schwit­zen. Gera­de in den Sech­zi­gern (und noch bis hin­ein in die Sieb­zi­ger) konn­te man das auch in den Charts sehen, wo es eng­lisch­spra­chi­ge Titel noch deut­lich schwe­rer hat­ten, in Deutsch­land Käu­fer zu fin­den, und oft­mals die deut­schen Cover­ver­sio­nen erfolg­rei­cher waren als die Ori­gi­na­le. Könn­ten Sie bei­spiels­wei­se aus dem Stand den Text von ‘Let your Love flow’ von den Bel­l­a­my Bro­thers rezi­tie­ren? Aber die Ein­deut­schung die­ses Titels, ‘Ein Bett im Korn­feld’ von Jür­gen Drews (→ DE 1976, Vor­ent­scheid 1990), die ken­nen Sie – ob Sie wol­len oder nicht – von vor­ne bis hin­ten aus­wen­dig, nicht wahr?

Noch drei Minu­ten bis zu den Nach­rich­ten: Zeit für eine Schwarz­wald­fahrt mit Horst Jan­kow­ski

Auch die Grö­ße des Mark­tes spielt eine wich­ti­ge – und in Sachen Grand Prix für uns eher nach­tei­li­ge – Rol­le. Wäh­rend die drei erwähn­ten Skan­di­na­vie­rin­nen den Löwen­an­teil ihres Ein­kom­mens als Schla­ger­sän­ge­rin­nen eben in Deutsch­land erziel­ten, und auch Bands wie Abba (→ SE 1974), a-ha (Nor­we­gen) oder Aqua (Däne­mark) stets über den Hei­mat­markt hin­aus den­ken und auf die inter­na­tio­na­le Ver­markt­bar­keit ihrer Songs ach­ten muss­ten, reich­ten die Plat­ten­um­sät­ze im dritt­größ­ten Musik­markt der Welt für deut­sche Inter­pre­ten locker aus, um gut davon leben zu kön­nen. Auch wenn das in Zei­ten von Spo­ti­fy mitt­ler­wei­le deut­lich schwie­ri­ger gewor­den ist: eine Hele­ne Fischer braucht die Märk­te jen­seits der deut­schen Gren­zen nicht und muss sich daher auch nicht nach den musi­ka­li­schen Befind­lich­kei­ten ande­rer Natio­nen rich­ten. Im Gegen­teil: sie bedient sich ja ger­ne kul­tu­rel­ler Ein­flüs­se von über­all her auf, dampf­strahlt sie dann und presst sie mit dem unver­zicht­ba­ren Dis­co­fox­beat ins enge deut­sche Schla­ger­kor­sett. Hei­mi­sche Acts aber, die inter­na­tio­na­le Trends set­zen (wie das immer­hin in den Acht­zi­gern und Neun­zi­gern noch im Bereich Tech­no und Euro­dance der Fall war), sucht man in der Regel ver­ge­bens. Horst Jan­kow­ski, um abschlie­ßend end­lich wie­der zum Vor­ent­scheid 1968 zurück­zu­kom­men, gehör­te zu den sel­te­nen Aus­nah­men.

1968 ein Hit: die Ein­deut­schung des bra­si­lia­ni­schen Titels ‘A ban­da’, gesun­gen von Fran­ce Gall (→ LU 1965). Und ohne den char­man­ten fran­zö­si­schen Akzent wäre der kar­ne­val­es­ke deut­sche Text wirk­lich uner­träg­lich.

Deut­sche Vor­ent­schei­dung 1968
Einer wird gewin­nen. Sams­tag, 16. März 1968, aus dem Sen­de­stu­dio des Hes­si­schen Rund­funks in Frank­furt am Main. Eine Teil­neh­me­rin, Mode­ra­ti­on: Hans-Joa­chim Kulen­kampff (Song­prä­sen­ta­ti­on im Rah­men der TV-Show).

DE 1967: Musst nicht wei­nen

Inge Brück, DE 1967
Die Christ­li­che

Auch in mei­nem Geburts­jahr woll­te sich kein kom­mer­zi­ell erfolg­rei­cher deut­scher Schla­ger­star mit einer Grand-Prix-Teil­nah­me die Kar­rie­re zugrun­de rich­ten, und so trug Hans-Otto Grü­ne­feldt, der dama­li­ge Unter­hal­tungs­chef des Hes­si­schen Rund­funks und Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che der ARD, der Sän­ge­rin Inge Brück auf, den deut­schen Bei­trag zu Gehör zu brin­gen. Deren ein­zi­ger Hit, der kes­se Schla­ger ‘Peter, komm heut Abend zum Hafen’, lag zwar bereits zehn Jah­re zurück. Doch sie konn­te 1966 mit dem dezent dra­ma­ti­schen ‘Frag den Wind’ das renom­mier­te Inter­na­tio­na­le Song­fes­ti­val in Rio de Janei­ro gewin­nen. Viel­leicht, so die Hoff­nung im Frank­fur­ter Funk­haus am Dorn­busch, gelän­ge ihr das­sel­be ja auch in Wien, wo der euro­päi­sche Wett­be­werb 1967 statt­fand.

Die Fri­sur: zu wis­sen, es ist Beton!

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ESC 1966: Zwin­gen kann man kein Glück

Logo Eurovision Song Contest 1966
Das Jahr der Show­trep­pe

Das zehn­jäh­ri­ge Jub­liäum des Euro­vi­si­on Song Con­tests nahm die EBU zum Anlass, im Früh­jahr 1966 bei den teil­neh­men­den TV-Anstal­ten Ide­en für die künf­ti­ge Gestal­tung des Wett­be­werbs zu sam­meln. Dabei zeig­ten sich regio­nal sehr unter­schied­li­che Schwer­punk­te, wie Gor­don Rox­burgh in der Fibel Songs for Euro­pe auf­lis­tet: so bestan­den die skan­di­na­vi­schen Sen­der dar­auf, dass der “musi­ka­li­schen Qua­li­tät” der Bei­trä­ge die abso­lu­te Prio­ri­tät ein­zu­räu­men sei. Die west­eu­ro­päi­schen Anstal­ten wie die ARD, das bel­gi­sche BRT, der ORF und das fran­zö­si­sche Fern­se­hen woll­ten vor allem die Teil­neh­mer­zahl von zuletzt 18 Natio­nen redu­zie­ren und schlu­gen ver­schie­de­ne For­ma­te für Semi­fi­na­le vor, wie sie sich aber erst 2004 durch­set­zen soll­ten. Die lin­gu­is­tisch zwie­ge­spal­te­nen Bel­gi­er votier­ten dabei für die Zutei­lung der Län­der anhand von Sprach­grup­pen, was ihnen selbst gleich zwei Start­plät­ze beschert hät­te: einen für Flan­dern in der nie­der­län­di­schen Vor­run­de, einen für Wal­lo­ni­en in der ungleich grö­ße­ren fran­zö­si­schen Grup­pe. Noch mehr Bei­trä­ge hät­te dies für die Schweiz bedeu­tet: einen für das deut­sche Semi, einen fürs fran­zö­si­sche und einen wei­te­ren fürs ita­lie­ni­sche. Die RAI woll­te den Wett­be­werb hin­ge­gen ger­ne über zwei oder gar drei Aben­de stre­cken, nicht unähn­lich dem eige­nen San-Remo-Fes­ti­val. Die BBC nahm Anstoß an der über­pro­por­tio­na­len Prä­senz Frank­reichs, das via Mona­co und Luxem­burg stets drei­fach ver­tre­ten war und sich im Jury­vo­ting gegen­sei­tig die Punk­te zuschau­feln konn­te. Das skan­di­na­vi­sche Ver­lan­gen nach “Qua­li­tät” konn­ten die Bri­ten nicht nach­voll­zie­hen: der Sie­ger­song wür­de schließ­lich stets anhand sei­nes “Pop-Appeals” bewer­tet.

Klei­ne Büh­ne, gro­ße Show: 1966, ein Mei­len­stein-Con­test.

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DE 1966: Vor­wärts und nie zurück

Margot Eskens, DE 1966
Die Preu­ßi­sche

Kar­rie­re­zer­stö­ren­de → Null-Punk­te-Resul­ta­te zu ersin­gen, dar­auf lie­ßen sich Mit­te der Sech­zi­ger die wenigs­ten deut­schen Schla­ger­stars noch ein, und so hat­te der Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che des Hes­si­schen Rund­funks, Hans-Otto Grü­ne­feld, lang­sam ernst­haf­te Pro­ble­me, noch Sänger/innen für den Grand Prix zu fin­den. Aber eine woll­te – eine, die man vor drei Jah­ren zuguns­ten von Hei­di Brühl (→ DE 1963) fal­len gelas­sen hat­te. Und auch dies­mal, so kol­por­tiert es Jan Fed­der­sen in sei­ner Grand-Prix-Bibel ‘Ein Lied kann eine Brü­cke sein’, woll­ten die ARD-Obe­ren viel lie­ber die Nie­der­län­de­rin Cor­ry Brok­ken (→ NL 1956, 1957, 1958) impor­tie­ren, in Deutsch­land zuletzt mit dem tod­trau­ri­gen Trä­nen­zie­her ‘La Mam­ma’ sehr erfolg­reich. Doch die erin­ner­te sich ver­mut­lich noch mit Grau­en an die rüden Umgangs­for­men der Frank­fur­ter (nach ihrem Sieg beim ESC 1957 hat­te ihr der dama­li­ge hr-Direk­tor zunächst eine Tro­phäe über­reicht, nur um sie ihr kurz dar­auf wie­der zu ent­rei­ßen und an ihren → Kom­po­nis­ten aus­zu­hän­di­gen, wel­cher der wirk­li­che Gewin­ner sei, wie man ihr auf Deutsch beschied) und sag­te dan­kend ab.

Chart­watch 1966: Wencke Myh­re (→ DE 1968), die Sie­ge­rin der Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le 1966, mit ihrem Num­mer-Eins-Mons­ter­hit ‘Beiß nicht gleich in jeden Apfel’. Die Copy­right­kla­ge von Apple ist schon in der Post!

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DE 1965: Dann der Schlag ins Gesicht

Ulla Wiesner, DE 1965
Die Ver­zag­te

Nur zu ger­ne zie­hen Euro­vi­si­ons­fans heut­zu­ta­ge über die man­geln­de Unter­hal­tungs­kom­pe­tenz der ARD her – und der Haus­herr die­ses Blogs wäscht da sei­ne Hän­de kei­nes­falls in Unschuld. Auch die eher einer freund­li­chen Über­nah­me durch Ste­fan Raab (→ DE 2000) gleich­kom­men­de “Koope­ra­ti­on” des Ers­ten mit Pro­Sie­ben bei den deut­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dun­gen von 2010 bis 2012 (im Wirt­schafts-Neu­sprech hie­ße so etwas “Joint-Ven­ture unter Abga­be der unter­neh­me­ri­schen Füh­rung”) könn­te man als (aller­dings im End­ergeb­nis sehr erfolg­rei­chen) kon­zep­tio­nel­len Offen­ba­rungs­eid inter­pre­tie­ren, wenn man möch­te. Doch so neu ist das alles nicht: bereits in den Sech­zi­gern tat sich das öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen, nament­lich der damals feder­füh­ren­de Hes­si­sche Rund­funk unter sei­nem Unter­hal­tungs­chef Hans-Otto Grü­ne­feld, aus­ge­spro­chen schwer mit dem Wett­be­werb der leich­ten Muse.

Chart-Watch 1965: Nur der brei­te ame­ri­ka­ni­sche Akzent der jugend­lich-fri­schen Inter­pre­tin ret­te­te den musi­ka­lisch wie text­lich brä­sig-bie­de­ren Sie­ger­ti­tel der Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le 1965 vor der abso­lu­ten Uner­träg­lich­keit. Einen Num­mer-2-Hit konn­te Peg­gy March den­noch erzie­len. Unbe­zahl­bar: das Gesicht der unter­le­ge­nen Kon­kur­ren­tin Git­te Hæn­ning.

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DE 1964: Ist die Ent­täu­schung groß

Nora Nova, DE 1964
Die GSD-Beam­tin

Kein Jahr ver­lief wie das ande­re beim deut­schen Vor­ent­scheid, jeden­falls in den frü­hen Sech­zi­gern: nach den gla­mou­rö­sen Schla­ger­fest­spie­len (1962), deren dies­jäh­ri­ge Sie­ge­rin Siw Malmkvist (→ SE 1961, DE 1969) mit ihrem Wett­be­werbs­bei­trag ‘Lie­bes­kum­mer lohnt sich nicht’ die deutsch­spra­chi­ge Hit­sin­gle des Jah­res lie­fer­te, und der One-Women-Show mit Hei­di Brühl (→ DE 1963) fand dies­mal in Frank­furt am Main wie­der eine klas­si­sche Vor­ent­schei­dung mit meh­re­ren Interpret/innen statt, erst­mals unter dem dann fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert lang gül­ti­gen Rubrum “Ein Lied für…”, gefolgt vom Namen des Aus­tra­gungs­or­tes (in die­sem Fall also: Ein Lied für Kopen­ha­gen). Das unbe­frie­di­gen­de Abschnei­den der bei­den deut­schen Super­stars Con­ny Fro­boess (→ DE 1962) und Hei­di Brühl hat­te das Image des Con­tests in der deut­schen Pop-Sze­ne aller­dings nach­hal­tig beschä­digt. Eta­blier­te, zeit­ge­mä­ße Namen blei­ben fern, ledig­lich fünf alt­ge­dien­te Schlagersänger/innen, die ihren Zenit schon lan­ge über­schrit­ten hat­ten, lie­ßen sich für die Sen­dung zusam­men­trei­ben. Und eine New­co­me­rin.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht!

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DE 1963: Das geht mir viel zu schnell

Heidi Brühl, DE 1963
Die Zicki­ge

Die Idee, die vom Süd­west­funk aus der Tau­fe geho­be­nen und von gleich vier ARD-Lan­des­sen­dern gemein­schaft­lich ver­an­stal­te­ten Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le als Grand-Prix-Vor­ent­scheid zu nut­zen, hat­te 1962 Moder­ni­tät und Glanz in die Ver­an­stal­tung gebracht – und mit ‘Zwei klei­ne Ita­lie­ner’ für einen fri­schen, kom­mer­zi­ell über­aus erfolg­rei­chen deut­schen Bei­trag gesorgt, den erfolg­reichs­ten die­ses Dez­en­ni­ums gar. Wür­de man die­ses rund­um gelun­ge­ne Expe­ri­ment also fort­set­zen, wie es jede mensch­li­che Logik gebie­tet? Weit gefehlt! Denn Hans-Otto Grü­ne­feldt, der Unter­hal­tungs­chef des Hes­si­schen Rund­funks und dama­li­ge Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­che der ARD, woll­te ja gera­de kei­ne Hits, son­dern ein “anspruchs­vol­les” Lied. Noch dazu beleg­te die auf die­sem Wege aus­ge­wähl­te Con­ny Fro­boess im Wett­be­werb in Luxem­burg nur einen (aus dama­li­ger Sicht) ent­täu­schen­den sechs­ten Platz, und man wünsch­te sich doch so drin­gend den Sieg!

Ein Mil­lio­nen­sel­ler: der Sie­ger­ti­tel der Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le 1963.

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DE 1962: Der Weg des Was­sers wird es uns wei­sen

Conny Froboess, DE 1962
Die Mul­ti­kul­tu­rel­le

Nicht nur für den Euro­vi­si­on Song Con­test bil­de­te das im ligu­ri­schen Kur­ort San Remo statt­fin­den­de Fes­ti­val del­la Can­zo­ne Ita­lia­na einst das Vor­bild. Wie in vie­len ande­ren euro­päi­schen Natio­nen, die sich eben­falls von den Ita­lie­nern für eige­ne Schla­ger­fes­ti­vals inspi­rie­ren lie­ßen, fan­den in den Sech­zi­ger­jah­ren auch in deut­schen Kur­städ­ten gedie­ge­ne Wett­be­wer­be der leich­ten Muse statt. So hat­te das von Radio Luxem­burg gegrün­de­te Deut­sche Schla­ger­fes­ti­val im hes­si­schen Wies­ba­den bereits 1960 als Vor­ent­scheid gedient, aller­dings nur ein­ma­lig. 1961 hob der Süd­west­funk in Kon­kur­renz hier­zu die Deut­schen Schla­ger­fest­spie­le aus der Tau­fe, an deren Erst­aus­ga­be unter ande­rem Lys Assia (→ Vor­ent­scheid DE 1956, CH 1956, 1957, 1958, Vor­ent­scheid CH 2012, 2013), Nora Nova (→ DE 1964) und Inge Brück (→ DE 1967) teil­nah­men. Die zwei­te Aus­ga­be die­ser Ver­an­stal­tung soll­te nun 1962 wie­der­um als Grand-Prix-Vor­ent­scheid fun­gie­ren. Ent­spre­chend groß zog die ARD die Show auf: in vier TV-Vor­run­den mit ins­ge­samt 24 Bei­trä­gen qua­li­fi­zier­ten sich jeweils drei Sänger/innen für die End­run­de im mon­dä­nen Baden-Baden.

Herr­lichs­ter Schla­ger­kitsch, lei­der nur in der Audio­fas­sung: der wun­der­bar weh­lei­dig into­nie­ren­de Jim­my Maku­lis.

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Deut­scher Vor­ent­scheid 1961: Der Bembel des Todes

Lale Andersen, DE 1961
Die Ele­gan­te

Ins noble Kur­haus der im Speck­gür­tel der deut­schen Finanz­me­tro­po­le Frank­furt am Main lie­gen­den Bon­zen­ge­mein­de Bad Hom­burg vor der Höhe (Stadtslo­gan: “Tra­di­ti­on und Cham­pa­gner­luft”) lud der Hes­si­sche Rund­funk (hr) 1961 zur Vor­ent­schei­dung. Dabei bedien­te man sich äußer­lich des­sel­ben For­mats wie bereits im Vor­jahr, näm­lich eines öffent­li­chen Wett­be­werbs unter dem Rubrum Schla­ger­pa­ra­de. Doch die­ser einen gla­mou­rö­sen Auf­marsch ech­ter oder zumin­dest poten­ti­el­ler Hits sug­ge­rie­ren­de Sen­de­ti­tel ent­pupp­te sich gegen­über dem Publi­kum als gro­be Täu­schung. Denn in die­sem Jahr über­nahm der hr-Unter­hal­tungs­chef Hans-Otto Grü­ne­feldt das deut­sche Grand-Prix-Zep­ter (sowie den Vor­sitz des sen­der­ei­ge­nen Aus­wahl­ko­mi­tees für die Bei­trä­ge). Und der Mann woll­te “anspruchs­vol­le Chan­sons”, bloß nichts Moder­nes und um Got­tes Wil­len kei­ne Hits! So klan­gen die drei­zehn zuge­las­se­nen Lie­der der dies­jäh­ri­gen Aus­wahl dann auch: durch die Bank weg drö­ge und ein­schlä­fernd bis zum Geht­nicht­mehr.

Heinz will uns ein Gedicht auf­sa­gen (Reper­toire­bei­spiel)!

wei­ter­le­senDeut­scher Vor­ent­scheid 1961: Der Bembel des Todes

Deut­scher Vor­ent­scheid 1960: Dal­li, dal­li!

Wyn Hoop, DE 1960
Der Lang­wei­ler

Nach­dem die Direkt­no­mi­nie­rung der inter­na­tio­nal bekann­ten Kess­ler-Zwil­lin­ge als deut­sche Ver­tre­te­rin­nen durch die ARD beim Euro­vi­si­on Song Con­test 1959 nicht das erhoff­te Ergeb­nis gebrach­te hat­te, fand in die­sem Jahr zur Ermitt­lung des hei­mi­schen Grand-Prix-Bei­trags mit der Schla­ger­pa­ra­de wie­der eine öffent­li­che Vor­ent­schei­dung statt. Für das For­mat ori­en­tier­te sich der ver­an­stal­ten­de Hes­si­sche Rund­funk (hr) vage an dem im Vor­jahr von der ältes­ten kom­mer­zi­el­len Hör­funk­sta­ti­on Euro­pas, dem Radio Luxem­burg, ins Leben geru­fe­nen Deut­schen Schla­ger-Fes­ti­val und wähl­te sogar den­sel­ben Ver­an­stal­tungs­ort, die Rhein-Main-Hal­len in der hes­si­schen Lan­des- und Rent­ner/in­nen-Haupt­stadt. Wobei der hr an die­sem Abend zumin­dest auf der Büh­ne den Alters­durch­schnitt Wies­ba­dens erheb­lich senk­te.

Kannst Du Beef­steak machen / Streu­sel­ku­chen backen?”: Sexy Rexy pfleg­te arg kon­ven­tio­nel­le Vor­stel­lun­gen von der Rol­len­ver­tei­lung in der Ehe. Mit die­ser komö­di­an­ti­schen Num­mer hat­ten er und Con­ny Fro­boess Anfang 1960 einen Top-20-Hit (Reper­toire­bei­spiel).

wei­ter­le­senDeut­scher Vor­ent­scheid 1960: Dal­li, dal­li!