Not good to be back: Ukrai­ne ermit­telt gegen Scoo­ter

Die deut­schen Tech­no-Vete­ra­nen Scoo­ter (→ Vor­ent­scheid DE 2004) sind nach einem Auf­tritt auf der Krim in das Visier der ukrai­ni­schen Ermitt­lungs­be­hör­den gera­ten. Die Band spiel­te, wie bereits im Juni die­sen Jah­res ange­kün­digt, am ver­gan­ge­nen Frei­tag beim ZB-Fes­ti­val in der Nähe von Sewas­to­pol vor begeis­ter­ten Fans, was in der Ukrai­ne auf wenig Gegen­lie­be stieß. Wie die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet, bezeich­ne­te der Bot­schaf­ter des Lan­des, Andrej Mel­nyk, die aus Sicht des Lan­des “ille­ga­le” Ein­rei­se auf die seit 2014 von Russ­land annek­tier­te Krim als “Ver­bre­chen mit schwer­wie­gen­den recht­li­chen Fol­gen: Das ist kein Kava­liers­de­likt, son­dern eine gra­vie­ren­de Straf­tat, die welt­weit geahn­det wird”. Man wol­le daher die deut­schen Behör­den im Wege der Amts­hil­fe bit­ten, Front­mann H.P. Baxx­ter zu dem Vor­fall zu ver­neh­men. Es droh­ten, wie schon bei der rus­si­schen Ver­tre­te­rin beim dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­on Song Con­test, Julia Samo­yl­o­va, ein Ein­rei­se­ver­bot in die Ukrai­ne sowie – bei einem Ver­stoß der Band hier­ge­gen – bis zu acht Jah­ren Haft. Zudem habe Mel­nyk (und hier wird es irgend­wie put­zig) die Macher der RTL-Show Deutsch­land sucht den Super­star gebe­ten, Baxx­ter aus der Jury zu ent­fer­nen, weil er vor­sätz­lich gegen die Geset­ze eines ande­ren Lan­des ver­sto­ßen habe. Die sich selbst als “unpo­li­tisch” ver­ste­hen­de ‘Har­der! Fas­ter! Lou­der!’-Kapel­le hat­te trotz vor­he­ri­ger War­nun­gen sei­tens der Ukrai­ne im Vor­feld an ihrem Gig fest­ge­hal­ten: “Wir sehen das als rein musi­ka­li­schen Event, wir spie­len für unse­re Fans,” sag­ten sie bereits im Juni die­sen Jah­res auf ent­spre­chen­de Kri­tik.

Dürf­ten nach den neu­es­ten Regel­än­de­run­gen nun nicht mehr beim ESC antre­ten, falls die­ser mal wie­der in der Ukrai­ne statt­fän­de: Scoo­ter mit ihrem dama­li­gen Vor­ent­schei­dungs­bei­trag.

Grü­ße aus dem Som­mer­loch: Tony Mar­shall will zum ESC

All­jähr­lich kom­men sie zur nach­rich­ten­ar­men Zeit unter ihren Stei­nen her­vor­ge­kro­chen, die Unto­ten des Schla­ger­ge­schäfts, denen sich sonst kaum noch eine Büh­ne bie­tet, und geben eine so aus­sichts­lo­se wie öffent­li­che Bewer­bung für den Euro­vi­si­on Song Con­test ab. Nun reiht sich auch Tony Mar­shall in die­se Armee der Ver­zwei­fel­ten ein und bringt sich in Deutsch­lands wider­lichs­tem Schund­blatt, der Bild, in Posi­ti­on: “In den ver­gan­ge­nen Jah­ren haben wir uns nur bla­miert. Zwölf Punk­te ken­nen wir gar nicht mehr. Beim ESC geht es um das Lied. Dar­auf soll­ten wir uns besin­nen,” so ver­traut er der Sprin­ger-Gazet­te sein Geheim­re­zept für einen Grand-Prix-Erfolg an. Als Refe­renz muss sei­ne Teil­nah­me am deut­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid von 1976 her­hal­ten, wo er mit dem tat­säch­lich her­aus­ra­gen­den, selbst­be­züg­li­chen Chan­son ‘Der Star’, dem ein­zi­gen erträg­li­chen Song sei­nes umfang­rei­chen Port­fo­li­os, die Post­kar­ten­ab­stim­mung haus­hoch gewann – um dann schnö­de besie­gelt zu wer­den: nach einem *hüs­tel* anony­men Hin­weis aus dem Kon­kur­ren­ten­kreis, dass sein Lied bereits vor der offi­zi­el­len Vor­ent­schei­dung von einer Tin­gel­tan­gel­sän­ge­rin in einem baye­ri­schen Bier­zelt vor Publi­kum gesun­gen wur­de, muss­te die ARD den Bei­trag dis­qua­li­fi­zie­ren, es rück­ten die Les Hum­phries Sin­gers mit dem ers­ten aus einer lan­gen Rei­he von deut­schen Grand-Prix-Schla­gern aus der Feder von Ralph Sie­gel nach. Ein Erleb­nis, das Mar­shalls Kol­le­gin Corin­na May fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert spä­ter exakt so eben­falls durch­lei­den muss­te und das den Stim­mungs­sän­ger (‘Schö­ne Maid’) anschei­nend nach­hal­tig ver­bit­ter­te: “Das war für mich eine Rie­sen-Ent­täu­schung,” klagt er noch mehr als vier­zig Jah­re spä­ter. Mit Rie­sen-Ent­täu­schun­gen dürf­te sich der aus­ge­bil­de­te Opern­sän­ger, der seit Anbe­ginn sei­ner Schla­ger­kar­rie­re stets mit dem sel­ben räu­di­gen Mini­pli auf­tritt, gut aus­ken­nen: zuletzt lamen­tier­te er im Mai die­sen Jah­res dar­über, dass er sei­ne neu­es­te Sin­gle nicht im ZDF-Fern­seh­gar­ten vor­stel­len durf­te. Was der Main­zer Sen­der offi­zi­ell damit begrün­de­te, sei­ne “Musik­far­be” pas­se nicht in das *hüs­tel* “inter­na­tio­na­le und pop­pi­ge” For­mat der som­mer­sonn­täg­li­chen Rentner/innensedierung – faden­schei­ni­ger kann man das “wir wol­len Dich nicht” wohl kaum bemän­teln. Von Sei­ten des NDR gab es auf die jüngs­te Euro­vi­si­ons­be­wer­bung bis­lang noch kei­ne Reak­ti­on. Und dabei dürf­te es wohl auch blei­ben…

Wir waren mal Stars / die Kar­rie­re ist vor­bei: Tony Mar­shall mit sei­nem Vor­ent­schei­dungs­bei­trag von 1976.

Die Jury: Power to all my Friends?

Lang­jäh­ri­ge Leser/innen die­ses Blogs wer­den mit mei­ner bei­na­he schon ans Patho­lo­gi­sche gren­zen­den Ableh­nung der Jury beim Euro­vi­si­on Song Con­test ver­traut sein. Doch bekannt­lich ist der Kopf rund, damit das Den­ken sei­ne Rich­tung wech­seln kann, und nicht zuletzt der Sieg des Por­tu­gie­sen Sal­va­dor Sobral beim ESC 2017 in Kiew wirft ein neu­es Licht auf die Fra­ge, ob die Insti­tu­ti­on in einem gewis­sen, streng abge­grenz­ten Rah­men nicht sogar doch ihre Berech­ti­gung haben könn­te: bei den natio­na­len Vor­ent­schei­den näm­lich! Man mag es sich kaum aus­ma­len, aber Euro­pa hät­te den wun­der­bar ver­schro­be­nen Jazz-Schlumpf aus Lis­sa­bon nie­mals ken­nen­ge­lernt (und Por­tu­gal, das auf­grund sei­ner chro­nisch schlech­ten Ergeb­nis­se erst 2016 eine ein­jäh­ri­ge Schmoll­pau­se ein­leg­te, ver­mut­lich wei­te­re 53 Jah­re auf sei­nen ers­ten Euro­vi­si­ons­sieg gewar­tet), wäre es nach dem Wil­len des hei­mi­schen Publi­kums gegan­gen. Das näm­lich zog sowohl im ers­ten Semi als auch im Fina­le des dor­ti­gen Vor­ent­scheids Fes­ti­val da Cançāo das schau­der­haft anzu­schau­en­de und anzu­hö­ren­de Trio Viva la Diva mit dem rund­weg brech­reiz­er­re­gen­den Pope­ra-Titel ‘Nova Gló­r­ia’ dem so sanf­ten wie bezau­bern­den Lie­bes­seh­nen Sal­va­dors vor, was einen ein wenig an der geis­ti­gen, voll­ends aber an der geschmack­li­chen Zurech­nungs­fä­hig­keit der Por­tu­gie­sen zwei­feln lässt. Nur das beherz­te Ein­grei­fen der Juro­ren, wel­che den ent­setz­li­chen Diva-Driss vor­sichts­hal­ber auf den fünf­ten Platz abwer­te­ten, sicher­te den Gesamt­sieg Sobrals und muss im Hin­blick auf das End­ergeb­nis als die glück­lichs­te Ent­schei­dung bezeich­net wer­den, die jenes Organ jemals fäll­te.

Ist uns gera­de noch­mal erspart geblie­ben, und den Por­tu­gie­sen damit ein erneu­tes Aus­schei­den im Semi: Viva la Diva. Dan­ke, Jury!

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Dem Arsch von Kiew droht der Knast

Wer ver­gan­ge­ne Sams­tag­nacht wäh­rend der Wer­tungs­pau­se beim Fina­le des 62. Euro­vi­si­on Song Con­test in Kiew gera­de kurz mit der Stimm­ab­ga­be, dem Plau­dern mit Freun­den oder dem Geträn­kenach­schub beschäf­tigt war oder auch nur kurz blin­zel­te, ver­pass­te womög­lich die ärger­lich-unter­halt­sams­ten fünf Sekun­den der gesam­ten Show: wäh­rend die Vor­jah­res­sie­ge­rin Jama­la gera­de ihre spek­ta­ku­lär lang­wei­li­ge und musi­ka­lisch erstaun­lich farb­lo­se neue Sin­gle ‘I belie­ve in U’ vor­stell­te, enter­te ein mit der aus­tra­li­schen Flag­ge umhüll­ter Mann urplötz­lich die Satel­li­ten­büh­ne, umtän­zel­te kurz die ukrai­ni­sche Sän­ge­rin (die sich nichts anmer­ken ließ und ihren Auf­tritt pro­fes­sio­nell wei­ter durch­zog), um dann über­ra­schend blank­zu­zie­hen und sei­nen Aller­wer­tes­ten in die Kame­ra zu stre­cken. So schnell, wie er kam, war er auch wie­der weg: nur Sekun­den spä­ter zog ihn die Secu­ri­ty von der Büh­ne. Noch in der Nacht stell­te sich her­aus, dass es sich nicht, wie zunächst ver­mu­tet, um einen Fan-Hoo­li­gan aus Down Under han­del­te (wie auch, ein ech­ter Grand-Prix-Fan wür­de so etwas Affi­ges nie­mals tun!), son­dern um einen pro­fes­sio­nel­len Stö­rer. Vita­lii Sedi­uk heißt der Mann, ein ehe­ma­li­ger ukrai­ni­scher TV-Jour­na­list, der sei­ne mas­si­ve Pro­fil­neu­ro­se aus­lebt, in dem er welt­weit nichts Böses ahnen­de Pro­mi­nen­te beläs­tigt und für Tumul­te bei gla­mou­rö­sen Ver­an­stal­tun­gen sorgt. Er ver­grub unter ande­rem schon sein Gesicht im Schritt von Leo­nar­do DiCa­prio und ver­such­te, Kim Kar­da­shi­ans extra­or­di­nä­ren Hin­tern zu küs­sen. Nun dro­hen ihm bis zu fünf Jah­re Haft, wie unter ande­rem der Spie­gel unter Bezug auf die Nach­rich­ten­agen­tur dpa kol­por­tiert. Der von der inter­na­tio­na­len Bla­ma­ge erbos­te ukrai­ni­sche Innen­mi­nis­ter bezeich­ne­te den offen­bar sozi­al gestör­ten Mann bereits als “Schan­de des Lan­des”. Bei Sedi­uk han­delt es sich nicht um den ers­ten Euro­vi­si­ons­flit­zer: bereits 2010 enter­te der Spa­ni­er Jau­me Mar­quet wäh­rend des Auf­tritts sei­nes Lands­man­nes Dani­el Diges beim ESC in Oslo die Büh­ne und füg­te sich für weni­ge Tak­te in die Har­le­kin-Cho­reo­gra­phie des ibe­ri­schen Wal­zers ‘Algo Peque­ñi­to’ ein, ohne aller­dings irgend­wel­che Kör­per­tei­le zu ent­blö­ßen. Mar­quet kam sei­ner­zeit mit einer mil­den Geld­bu­ße davon.

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Fina­le 2017: Gift im Instru­ment

Es war ein denk­wür­di­ger Abend der Ver­zau­be­rung am gest­ri­gen Sams­tag in Kiew. Ein Mann schaff­te es, einem gan­zen Kon­ti­nent den Kopf zu ver­dre­hen und Mil­lio­nen von Men­schen tief in ihren Her­zen berüh­ren. Und das mit einer extrem zurück­ge­nom­me­nen Insze­nie­rung und einem völ­lig aus der Zeit gefal­le­nen Lied, das klang, als sei es für eine roman­ti­sche Film­schnul­ze aus den Fünf­zi­ger­jah­ren geschrie­ben wor­den, bei dem man im eige­nen Kopf­ki­no die jun­ge Audrey Hepburn mit trä­nen­ver­ne­bel­tem Blick durch das schwarz­weiß foto­gra­fier­te Lis­sa­bon spa­zie­ren sehen konn­te. Sal­va­dor Sobral, so der Name des kobold­haf­ten jun­gen Por­tu­gie­sen, ver­wei­ger­te sich als Ein­zi­ger der 26 Final­ac­ts der Nut­zung der gigan­ti­schen, futu­ris­tisch auf­ge­bre­zel­ten Show­büh­ne im Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­zen­trum der ukrai­ni­schen Metro­po­le und sang statt­des­sen inmit­ten des andäch­tig schwei­gen­den, von sei­ner inti­men Dar­bie­tung eben­so wie die Fernsehzuschauer/innen tief ergrif­fe­nen Hal­len­pu­bli­kums auf der klei­nen Satel­li­ten­büh­ne ste­hend sei­ne zer­brech­li­che, hauch­zar­te Tren­nungs­schmerz­bal­la­de ‘Amar pelos Dois’, ein fle­hen­des Abschieds­lied an sei­ne Ver­flos­se­ne, in wel­cher er in poe­ti­schen Wor­ten sei­ne Trau­er, sei­ne noch immer sanft glim­men­de Hoff­nung auf eine Rück­kehr der Gelieb­ten und sei­ne Ent­schlos­sen­heit, sei­ne Lie­be nie­mals ster­ben zu las­sen, vor uns aus­goß. Was ich im Übri­gen nur weiß, weil ich die Über­set­zung sei­nes in Lan­des­spra­che ver­fass­ten Song­tex­tes gegoo­gelt habe. Doch die Sprach­bar­rie­re spiel­te kei­ne Rol­le: auch ohne ein Wort zu ver­ste­hen, konn­te man die mit dem Lied ver­bun­de­nen Emo­tio­nen füh­len, ja gera­de­zu mit Hän­den grei­fen. Die Bild­re­gie des ver­an­stal­ten­den Sen­ders blen­de­te im Anschluss an sei­nen Auf­tritt in den Green Room, wo sich die arme­ni­sche Teil­neh­me­rin Arts­vik Haru­tyun­yan gera­de ein Trän­chen aus dem Auge wisch­te und damit wohl auf den Punkt brach­te, was wir alle (oder jeden­falls alle mit einem offe­nen Her­zen) in die­sem Moment emp­fan­den. Es war eine sel­te­ner Moment der Über­wäl­ti­gung, ein Sieg der “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt,” wie der por­tu­gie­si­sche Adels­spross sag­te, als man ihn am Ende des Abends zur Repri­se auf die Büh­ne hol­te.

Jackett frisst Künst­ler: Hut­zel­männ­chen Sal­va­dor über­zeug­te den­noch (PT)

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Euro­vi­si­on Death­match #3: I heard it all befo­re

Run­de 3 im Zwei­kampf der Grand-Prix-Teil­neh­mer/in­nen 2017. Dies­mal schi­cken wir zwei Künstler/innen in die töd­li­che Schlacht, die es in Sachen musi­ka­li­scher Ori­gi­na­li­tät nicht all zu genau neh­men: Zypern gegen Deutsch­land oder der Zwei­kampf der “Pla­gi­at!”-Titel lau­tet unse­re heu­ti­ge Aus­lo­sung. Für die son­ni­ge Mit­tel­meer­in­sel tritt der 28jährige Hovig Demir­jan an, Sohn arme­ni­scher und zypri­scher Eltern, der – wie so vie­le Ande­re – erst­ma­lig durch eine Teil­nah­me an einer Cas­ting­show (in sei­nem Fal­le: X Fac­tor Ella­da) ins Ram­pen­licht trat. Der optisch durch­aus ker­ni­ge, dafür stimm­lich nicht unbe­dingt beson­ders geseg­ne­te Sän­ger bedien­te sich für sei­nen Euro­vi­si­ons­bei­trag ‘Gra­vi­ty’ unver­kenn­bar am 2016er Mons­ter­hit ‘Human’ von Rag’n’Bone Man. Dabei steht das brand­ak­tu­el­le Klang­ge­rüst dem Titel sehr gut, ins­be­son­de­re die cha­rak­te­ris­ti­schen, ver­schlepp­ten Beats ver­lei­hen dem mit ledig­lich 75 BPM eigent­lich extrem lang­sa­men Song (zum Ver­gleich: die por­tu­gie­si­sche Bal­la­de ‘Amar pelos Deus’ ist mit 92 Schlä­gen pro Minu­te deut­lich schnel­ler) einen ordent­li­chen Schub. Text­lich kann Hovig mit sei­nem gro­ßen Vor­bild aller­dings nicht mit­hal­ten: han­delt ‘Human’ von gro­ßen The­men wie mensch­li­cher Ambi­va­lenz, Schuld und der Über­for­de­rung durch die Kom­pli­ziert­heit der Welt, so reiht der Zyp­rer in ‘Gra­vi­ty’ ledig­lich Kli­schees anein­an­der – und kriegt noch nicht mal das Sujet rich­tig auf die Rei­he: “Let me be your wings / When you’re fly­ing high / I’m gon­na rai­se you up till you touch the sky,” beginnt der Refrain, “I’ll catch you when you fall / When you’re fal­ling free / Let me be, be your gra­vi­ty”. Nun ist die Schwer­kraft mei­nen rudi­men­tä­ren Phy­sik-Kennt­nis­sen zufol­ge doch eigent­lich genau das, was uns am Flie­gen hin­dert. Und was dafür sorgt, dass wir stür­zen und uns beim Fal­len weh tun. Wenn Hovig unse­re Schwin­gen sein und unse­ren Sturz abfe­dern möch­te – ist er dann nicht das genaue Gegen­teil des­sen, was er besingt?

Hat im Unter­richt wie­der nicht rich­tig zuge­hört: Hovig (CY)

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Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Nach­dem in den ver­gan­ge­nen Mona­ten inner­halb der nun­mehr abge­schlos­se­nen Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2017 nach und nach alle 43 Bei­trä­ge für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew aus­ge­wählt wur­den, tra­fen in der ver­gan­ge­nen Woche, rund um die Dead­line für das Ein­rei­chen der Lie­der bei der EBU, diver­se Remi­xe der bereits fest­ste­hen­den Titel ein, die es hier noch zu bespre­chen gilt. Dazu zählt natür­lich in ers­ter Linie die unver­meid­li­che Über­ar­bei­tung des alba­ni­schen Songs. Der hieß, als er Ende Dezem­ber 2016 das hei­mi­sche Fes­ti­va­li i Kën­ges gewann, noch ‘Botë’: eine hoch­dra­ma­ti­sche, ver­schwen­de­risch orches­trier­te Grand-Prix-Bal­la­de in Lan­des­spra­che, die von dem stimm­si­cher, prä­zi­se und mit Hin­ga­be dar­ge­bo­te­nen Gekrei­sche sei­ner Inter­pre­tin lebt, sowie von den sehr prä­sen­ten und ein­drucks­vol­len Chor­sän­ge­rin­nen, die Lin­di­tas laut­star­kes Kla­gen mit einer Art schmerz­voll-dunk­lem Grund­brum­men aufs Wun­der­bars­te kom­bi­nie­ren. Der nun prä­sen­tier­te, unver­meid­li­cher­wei­se ent­täu­schen­de ESC-Remix mischt letz­te­res bis an die unte­re Gren­ze der Wahr­nehm­bar­keit her­un­ter, hallt und don­nert dafür die Lead­stim­me gigan­tisch auf, was dem Lied ein wenig die Balan­ce nimmt. Als viel schlim­mer erweist sich jedoch die Sprach­wahl: wäh­rend Instru­men­tie­rung und Län­ge prak­tisch unver­än­dert blei­ben (‘Botë’ beach­te­te, extrem unge­wöhn­lich für einen alba­ni­schen Song, bereits in der FiK-Fas­sung die magi­sche → Drei-Minu­ten-Gren­ze), singt Frau Hami­li den Bei­trag in Kiew, wie üblich und wie bereits ange­kün­digt, unter dem neu­en Titel ‘World’ auf Eng­lisch.

Gleicht ertrinkt sie in ihrem eige­nen Echo: Lin­di­ta (AL)

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NDR holt pro­fes­sio­nel­le Hil­fe für Levina

Es ist ein rund­her­aus löb­li­cher Schritt: wie der Prinz-Blog ges­tern berich­te­te, hat der NDR für die pro­fes­sio­nel­le Insze­nie­rung des deut­schen Euro­vi­si­ons­auf­tritts in Kiew einen Meis­ter sei­nes Fachs beauf­tragt: den öster­rei­chi­schen Cho­reo­gra­fen Mar­vin Diet­mann näm­lich. Der zeich­ne­te bereits 2014 für das her­aus­ra­gen­de Sta­ging von Con­chi­ta Wursts ‘Rise like a Phoe­nix’ ver­ant­wort­lich, das er effek­tiv und hoch­wer­tig in Sze­ne setz­te und damit einen nicht uner­heb­li­chen Anteil an dem Sieg der Grand-Prix-Iko­ne für sich rekla­mie­ren kann. Diet­mann, der die fünf deut­schen Kandidat/innen bereits im Vor­feld von Unser Song 2017 ken­nen­lern­te, soll nun für unse­re Ver­tre­te­rin Levina Lueen ein Sta­ging kon­zi­pie­ren, mit dem wir nach Mög­lich­keit inter­na­tio­nal posi­tiv im Gedächt­nis blei­ben. Dass der Sen­der die Wich­tig­keit des Büh­nen­bil­des und der Song­prä­sen­ta­ti­on über­haupt aner­kennt und auch bereit ist, dafür Geld in die Hand zu neh­men (denn ein so erfah­re­ner und viel­ge­buch­ter Cho­reo­graf ist sicher­lich nicht für Pea­nuts zu bekom­men), ver­dient Aner­ken­nung. Das gilt in ähn­li­cher Wei­se eben­so für das heu­te vor­ge­stell­te Musik­vi­deo zum deut­schen Wett­be­werbs­bei­trag ‘Per­fect Life’, auch wenn die­ses für den Erfolg in Kiew eine nur unter­ge­ord­ne­te Rol­le spielt. Den­noch ist es erfreu­lich, dass man den frü­her ger­ne gemach­ten Feh­ler ver­mied, direkt im Anschluss an die Vor­ent­schei­dung in der glei­chen Nacht und im glei­chen Stu­dio noch schnell ein ent­spre­chend lieb­los hin­ge­rotzt wir­ken­des Video her­un­ter­zu­kur­beln, wie bei­spiels­wei­se sei­ner­zeit bei Lena (→ DE 2010). Oder sich den Auf­wand gleich ganz zu spa­ren und den Live-Mit­schnitt vom Vor­ent­schei­dungs­auf­tritt bei der EBU als offi­zi­el­les Prä­sen­ta­ti­ons­vi­deo ein­zu­rei­chen, wäh­rend viel klei­ne­re und finanz­schwä­che­re Län­der auf­wän­dig pro­du­zier­te Clips her­stel­len lie­ßen, was bei mir stets für natio­na­le Beschä­mung sorg­te. Ob es (auch) mit einem Wech­sel der betreu­en­den Plat­ten­fir­ma (von Uni­ver­sal zu Sony) zu tun hat, dass man sich in Ham­burg dies­mal mehr Mühe gibt?

Setzt nicht zwin­gend neue Maß­stä­be, wirkt aber zumin­dest ange­nehm unpein­lich: das offi­zi­el­le Musik­vi­deo zum deut­schen Bei­trag 2017, ‘Per­fect Life’

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Deutsch­land 2017: hel­lo last Place, my old Fri­end

Der NDR lernt es ein­fach nie. Zehn Kom­bi­na­tio­nen von Künstler/in und Song wären bei Unser Song 2017 heu­te Abend theo­re­tisch mög­lich gewe­sen, mit zwei­en davon hät­ten wir unter Umstän­den in Kiew mehr als null Punk­te holen kön­nen: ‘Wild­fire’ in der fröh­li­chen Uptem­po­ver­si­on von Feli­cia Lu Kür­biß, die sie aber erst gar nicht vor­stel­len durf­te, weil sie sich den fal­schen Cover-Song für die Vor­stel­lungs­run­de aus­ge­sucht hat­te, und ‘Per­fect Life’ in der Fas­sung von von Axel Fei­ge. Bei­de blie­ben auf­grund des abso­lut alber­nen Aus­wahl­ver­fah­rens jedoch unter­wegs auf der Stre­cke. Statt­des­sen bestritt Levina Lueen allei­ne mit bei­den Titeln das völ­lig anti­kli­ma­ti­sche Super­fi­na­le, und dass es am Ende mit 69% der abge­ge­be­nen Zuschau­er­stim­men ‘Per­fect Life’ wur­de, spiel­te dann schon kei­ne Rol­le mehr. Denn bei aller berech­tig­ten Begeis­te­rung über die wirk­lich her­vor­ra­gen­de stimm­li­che Leis­tung der blon­den Bon­ne­rin (die natür­lich auch des­we­gen so glänz­te, weil die drei ande­ren Küken, die wie aus der Mini Play­back Show ent­lie­hen wirk­ten, ihr nicht das Was­ser rei­chen konn­ten): musi­ka­lisch ebne­te sie bei­de Songs, sowohl den ursprüng­lich flot­ten Pop­ti­tel ‘Wild­fire’ als auch das als kan­ti­ge Bond-Bal­la­de gedach­te ‘Per­fect Life’, zu ein­heit­li­chem, töd­lich lang­wei­li­gen Mid­tem­pos­eich ein, der mich per­sön­lich null erreich­te. Den ers­ten inter­na­tio­na­len Fan-Reak­tio­nen in den ein­schlä­gi­gen Foren zufol­ge übri­gens auch die Men­schen außer­halb Deutsch­lands nicht. Wir kön­nen uns also schon mal auf ein neu­er­li­ches Ren­dez­vous mit unse­rem alt­be­kann­ten Freund, dem letz­ten Platz im Fina­le, ein­stel­len.

Per­fek­tes Hin­ter­grund­ge­du­del fürs Ein­kaufs­ra­dio, aber kein ESC-Sie­ger: der deut­sche Bei­trag 2017

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War­um ich mich nicht auf Unser Song 2017 freue

In knapp vier­ein­halb Stun­den ist es soweit: um 20:15 Uhr heu­te Abend star­tet im Ers­ten die deut­sche Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung, Unser Song 2017. Und man kann dem NDR nicht vor­wer­fen, dass er nicht ver­sucht hät­te, das Inter­es­se zu wecken: seit Tagen wird die Euro­vi­si­ons­app bewor­ben, mit der aus­län­di­sche Grand-Prix-Fans ein Stim­mungs­bild erzeu­gen sol­len, wel­cher der fünf poten­ti­el­len Vertreter/innen und wel­cher der von der sen­der­ei­ge­nen Song­fin­dungs­kom­mis­si­on aus­ge­wähl­ten zwei poten­ti­el­len Euro­vi­si­ons­bei­trä­gen inter­na­tio­nal am bes­ten ankommt. Auf der offi­zi­el­len Sen­der­sei­te sind Aus­schnit­te von den gest­ri­gen Gene­ral­pro­ben zu sehen, so dass wir uns schon mal einen Ein­druck ver­schaf­fen kön­nen. Seit heu­te ste­hen alle zehn Ver­sio­nen in der Stu­dio­fas­sung auf Spo­ti­fy zum Anhö­ren bereit. Die Cover-Songs für die Vor­stel­lungs­run­de stell­ten die Fan­tas­ti­schen Fünf in die­ser Woche schon mal im ARD-Moma vor. Vor­ent­schei­dung also auf allen Kanä­len. Und den­noch gab es im Vor­feld der natio­na­len Song­aus­wahl sel­ten so wenig media­len Wie­der­hall, vor allem aber so wenig Vor­freu­de bei mir per­sön­lich auf die Sen­dung. Ich schau mir das heu­te Abend gewis­ser­ma­ßen aus pro­fes­sio­nel­ler Ver­pflich­tung an, also weil ich muss. Aber auch wenn ich ungern den nör­ge­li­gen Spiel­ver­der­ber gebe: Lust drauf habe ich über­haupt kein biss­chen. Wor­an liegt das? Der Ver­such einer Ana­ly­se.

Die fabel­haf­te Con­chi­ta wirbt für die Euro­vi­si­on-App

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