Super­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell

Ein wei­te­res natio­na­les Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le ging ges­tern Abend noch über die Büh­ne, das ich vor lau­ter Super­sams­tags­stress bei­na­he über­se­hen hät­te. Die let­ti­sche Super­no­va macht das einem aber auch leicht: die mit sofor­ti­ger See­krank­heit indu­zie­ren­den, stüm­per­haf­ten Kame­ra­schwenks gefilm­ten Shows (ein­schließ­lich der bei­den vor­ge­schal­te­ten Semis) lau­fen schließ­lich stets par­al­lel zu ande­ren, wesent­lich inter­es­san­te­ren For­ma­ten. Ein­schließ­lich der bei­na­he unend­li­chen Euro­vi­zi­jos im bal­ti­schen Nach­bar­land Litau­en, das zwar stets zu ähn­lich aus­sichts­lo­sen Ergeb­nis­sen gelangt, auf dem lan­gen Weg dort­hin aber zumin­dest den deut­lich gru­se­li­ge­ren musi­ka­li­schen Irr­sinn auf­tischt. Das let­ti­sche Fern­se­hen LTV scheint hin­ge­gen aus einem sehr begrenz­ten Pool von sehr mäßig begab­ten Talen­ten zu fischen, und so han­del­te es sich bei gleich drei der ins­ge­samt acht dies­jäh­ri­gen Super­no­va-Finalist/innen um bereits hin­läng­lich bekann­te Namen. Neben der ent­setz­lich zurech­ton­du­lier­ten Saman­ta Tīna, die in ‘Cut­ting the Wire’ in ermü­den­der Wei­se die erwart­ba­ren Rei­me “Fire, Desi­re” auf­tisch­te und allen­falls mit den ein­lei­ten­den Wor­ten “What the Fuck” für einen kur­zen “Das hat sie gera­de nicht gesagt!”-Moment sorg­te, durf­ten auch Edgars Krei­lis und der ewi­ge Mar­kus Riva nicht feh­len.

Es kos­tet sicher ver­dammt viel, so bil­lig aus­zu­se­hen: Mar­kus Riva.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Euro­pa wird fal­len

Neben dem Fina­le der fran­zö­si­schen Vor­ent­schei­dung Desti­na­ti­on Euro­vi­si­on wähl­ten ges­tern Abend auch die Malteser/innen ihre Reprä­sen­tan­tin für Tel Aviv aus. Das noto­risch grand-prix-begeis­ter­te Eiland bedien­te sich in die­sem Jahr erst­ma­lig des bri­ti­schen Cas­ting­show-For­ma­tes X-Fac­tor, das sich für den Sen­der TVM als Ein­schalt­quo­ten­er­folg her­aus­stell­te, aber auch für Kon­tro­ver­sen sorg­te: ver­gan­ge­nen Okto­ber kri­ti­sier­te die mal­te­si­sche Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te Hele­na Dal­li die Show und den Sen­dert öffent­lich, weil ein Vor­run­den­teil­neh­mer dort unwi­der­spro­chen Wer­bung für die ethisch ver­werf­li­che, wis­sen­schaft­lich wider­leg­te und seit 2016 auf der Insel ille­ga­le Kon­ver­si­ons­the­ra­pie machen durf­te, die ihn von sei­ner “sünd­haf­ten” Homo­se­xua­li­tät “geheilt” habe. “Jun­ge Men­schen, die schwul sind, brau­chen weder Ver­ge­bung noch Hei­lung,” sag­te Dal­li im Par­la­ment, “sie brau­chen Ver­ständ­nis”. Kor­rekt! Das Fina­le von X-Fac­tor jeden­falls gewann die knapp 18jährige Michae­la Pace, die bereits 2017 an der mal­te­si­schen Vor­ent­schei­dung teil­nahm. Ihr Lied für Tel Aviv muss nun erst gefun­den wer­den, ihre leicht krat­zi­ge, dun­kel tim­brier­te Stim­me lässt jedoch befürch­ten, dass es auf eine depri­mie­ren­de Bal­la­de hin­aus­läuft.

So ‘Shal­low’ (‘Ober­fläch­lich’) wie ihr Cover-Song wirkt auch die voll ins bis­he­ri­ge mal­te­si­sche Inter­pre­tin­nen­sche­ma pas­sen­de X-Fac­tor-Gewin­ne­rin Michae­la Pace.

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