San-Remo-Fes­ti­val 2020: Hun­de, wollt ihr ewig leben?

Auch im Jah­re 2020 hat­ten die Ita­lie­ner mal wie­der den Längs­ten. Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid aller Natio­nen näm­lich. Geschla­ge­ne fünf­ein­halb Stun­den (!) ließ man sich Zeit im Fina­le des 70. Fes­ti­val del­la Can­zo­ne Ita­lia­na di San­re­mo, bis end­lich der 39jährige Sin­ger-Song­wri­ter Anto­nio Dio­d­a­to mit der selbst­kom­po­nier­ten Sülz­bal­la­de ‘Fai Rumo­re’ (‘Lärm machen’) als Sie­ger des ligu­ri­schen Lie­der­wett­be­werbs und ita­lie­ni­scher Ver­tre­ter beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Rot­ter­dam fest­stand. Vor der Ver­kün­di­gung des End­ergeb­nis­ses des San-Remo-Super­fi­na­les gegen 2:30 Uhr (!) in der Nacht trieb es der Sen­der Rai mit einem mehr als sech­zig­mi­nü­ti­gen (!) Pau­sen­pro­gramm auf die Spit­ze, zu des­sen abso­lu­ten Tief­punk­ten der Auf­tritt eines pudel­fri­su­ri­gen Tenors gehör­te, der zwei Pop­klas­si­ker von Queen schän­de­te, deren Titel sich an die­ser Stel­le des Abends nur noch als absicht­li­che, dia­bo­li­sche Pro­vo­ka­ti­on der im Saal des Aris­ton-Thea­ters und vor den Bild­schir­men zuhau­se lang­mü­tig aus­har­ren­den Zuschauer:innen begrei­fen lie­ßen, näm­lich ‘The Show must go on’ und ‘Who wants to live fore­ver’. Ein der­ar­ti­ges Maß an tief­sit­zen­der Publi­kums­ver­ach­tung sucht euro­pa­weit wirk­lich sei­nes­glei­chen! Für pas­sio­nier­te Euro­vi­sio­nis­ti wog die Gedulds­pro­be um so schwe­rer, da der gest­ri­ge Super­sams­tag mit ins­ge­samt neun Ver­an­stal­tun­gen und dem Fina­le von Aus­tra­lia deci­des bereits um 10:30 Uhr vor­mit­tags begann und somit in eine prak­tisch sech­zehn­stün­di­ge, fast unun­ter­bro­che­ne Mara­thon­sit­zung mün­de­te, an deren ermü­de­tem Ende eine glei­cher­ma­ßen ermat­ten­de Ent­schei­dung stand.

Hält nicht, was der Song­ti­tel ver­spricht: Lärm erzeugt Dio­d­a­to höchs­tens durch das lau­te Schnar­chen der ein­ge­schlä­fer­ten Zuschauer:innen. (Der Live-Video­clip wur­de von der Rai depu­bli­ziert. Wer immer dafür die Ver­ant­wor­tung trägt, soll bit­te ster­ben.)

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