Schlagwort: Estland

That Esto­ni­an Cool” galt mal als Güte­sie­gel für die benei­dens­wer­te künst­le­ri­sche Expe­ri­men­tier­freu­de, wel­che die Eesti Laul eine Zeit­lang zum span­nends­ten Vor­ent­scheid Euro­pas mach­te. Lei­der belohn­ten die Est:innen die­se Qua­li­tät nie, und so regiert auch hier mitt­ler­wei­le schwe­di­sche Durch­schnitts­wa­re.
Dabei seit: 1993; Sie­ge: 2001; Rote Later­nen: eine.

2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Ach, Estland, was ist nur aus dir geworden? Einstmals das Zuhause der coolsten Vorentscheidung der Welt, hat sich die ehedem hochgelobte Eesti Laul - nicht zuletzt aufgrund jahrelanger, fortgesetzter schwerer Fehlentscheidungen der dortigen Jury - zu einer bedeutungslosen Ansammlung glatter, völlig nichtssagender Liedchen entwickelt. Noch nicht einmal mehr in den Semis findet sich irgendetwas Interessantes, wofür sich das Einschalten lohnen würde. Zum europäischen Hauptwettbewerb vermag der baltische Staat so natürlich ebenfalls nichts Wesentliches beizutragen. Stattdessen setzt man auf das Ewiggleiche: als direkten Nachfolger des schleimigen schwedischen Schönlings Victor Crone, aktuell noch beim Melodifestivalen im Rennen, und seines staubgrauen Songs 'Storm' schickt der Ostseeanrainerst...
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be strai­ght

Bevor heute in wenigen Minuten der nächste Supersamstag beginnt, gilt es noch etliche Perlen vom letzten Wochenende nachzuliefern, an welchem ich im Zuge des längsten Vorentscheidungstages der bisherigen Eurovisionshistorie aus arbeitskapazitären Gründen leider gezwungen war, etliche Vorrunden und Semis zu vernachlässigen. Den herbsten Verlust gab es dabei in der Ukraine zu beklagen. Dort hatten wir das seltene Vergnügen, einem knapp vierminütigen schamanistischen Ritual beiwohnen zu dürfen, zu dem uns Katya Chilly und ihr Geistheilerzirkel einluden. Der bestand aus einem pittoresk gekleideten Druiden, der völlig in sich versunken heilige Verse murmelte; drei Damen, die den, wenn man so will, entfernt an die weißen Schreigesänge der letztjährigen polnischen Vertreterinnen Tulia erinnernden...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 29 – Storm

Ach, Estland! Was ist nur aus der einst aufstrebenden, jungen Eurovisionsnation mit der beeindruckenden musikalischen Historie und dem Gespür für Coolness geworden? Was aus deiner früher mal vor feinsten Pop-Perlen geradezu überbordenden Vorentscheidung? Platz 29: Estland - Victor Crone: Storm (Sturm) Schon lange hat deine Eesti Laul ihre Stellung als unverpassbarer Pflichttermin für Grand-Prix-Connaisseure eingebüßt, dominiert dank jahrelanger Fehlentscheidungen der Jury und / oder des Publikums mittlerweile auch dort der Stumpfsinn. Und dieses Jahr ließest du dir, ehemals stolze Pop-Nation, dann sogar den fadesten Durchschnittsseich eines schmierlappigen schwedischen (!) Bryan-Adams-Imitatoren andrehen. 'Storm' tut niemandem weh, fordert nichts - erst recht keine Aufmerksamkeit - und...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Eesti Laul 2019: selbst­ver­lieb­te Schmacht­lap­pen

Was für ein Katastrophen-Samstag! In drei vier Ländern gingen gestern Abend Vorentscheidungsfinale über die Bühne, und in allen dreien vieren fielen derartig haarsträubende Fehlentscheidungen, dass es mal wieder an der Zeit ist, den abgegriffenen Spruch vom "schlimmsten Jahrgang aller Zeiten" aus der Mottenkiste zu holen, zu dem eingefleischte Grand-Prix-Fans in dieser Phase der Saison meist reflexartig greifen, den zurückzuweisen jedoch am heutigen Tage besonders schwierig erscheint. In Estland jedenfalls gewann im Superfinale der Eesti Laul ein schmierlappiger Sänger schwedischer Herkunft namens Victor Crone, eingefleischten Melodifestivalen-Guckern noch vertraut aus dem Jahrgang 2015, wo er die Lead Vocals für den Rapper Behrang Miri beisteuerte. Crones aktuelles Lied 'Storm' stammt unt...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Zwei­ter Super­sams­tag 2019: Wo sind die Kat­zen?

Wie in einer der inflationär ausgestrahlten nachmittäglichen Zoo-Sendungen in den dritten Programmen der ARD ging es stellenweise zu beim gestrigen zweiten, ausschließlich aus Semis bestehenden Supersamstag der Eurovisionssaison 2019. So beispielsweise in Lettland, wo das zweite Pusfināls der Supernova stattfand, die bekanntlich keine solche ist ohne den legendären Riga-Biber alias Mārtiņš Kozlovskis, ein Schauspieler und Comedian, der in den vergangenen Jahren, im Kostüm des die Kanäle der lettischen Hauptstadt heimsuchenden Nagers steckend, für skurrile Unterhaltung in den Werbepausen sorgte. Diesmal allerdings nahm er am Wettbewerb teil, unter seinem Musiker-Namen Kozmens und in Begleitung der Band Dziļi Violets (Deep Purple). Ihr Beitrag 'Tautasdziesma' versuchte, alle Antworten zu ber...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Brehms Tier­le­ben

Echte Eurovisionsfans befinden sich - getreu des Mottos: nach dem ESC ist vor dem ESC - bereits seit vergangenem Mai gedanklich im Jahr 2019. Seit heute stimmt dann auch der offizielle Kalender wieder mit dem Empfinden überein. Höchste Zeit also für einen Überblick über die Geschehnisse in den 42 in Tel Aviv teilnehmenden Nationen, die mir in den letzten Wochen durchgerutscht sind. Dabei scheint, dass das gackernde Huhn vom letzten Jahr so manch anderes lustiges Getier inspirierte: dabei sind unter anderem singende Katzen und ironische Hyänen.  Den Auftakt aber macht eine halbe Göttin. Sagt sie zumindest von sich selbst. Sie, das ist die ehemalige X-Factor-Zweite Srbuhi Sargsian, besser bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Srbuk. Die 24jährige wurde von ArmTV als Eurovisionsrepräsentan...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Eesti Laul 2019 mit Künst­ler-Crowd­fun­ding

Kreative Wege zur Refinanzierung der Eurovisionsteilnahme geht das estnische Fernsehen: wie gut informierte Quellen berichten, kassiert der Sender ERT künftig von jedem, der einen Beitrag zur dortigen Vorentscheidung Eesti Laul einreichen möchte, einen Teilnahmebeitrag in Höhe von 25 bzw. 50 €. Da üblicherweise so um die 300 Vorschläge zusammenkommen, dürften sich die Einnahmen hieraus schnell auf rund 10.000 € läppern. Dieses Geld bekommt im Anschluss der Sieger des Vorentscheids ausgehändigt - allerdings zweckgebunden: es dient als Budget für das Staging beim Eurovision Song Contest, aus dem sich der Sender finanziell komplett zurückzieht. Im Gegensatz zu früheren Jahren steht die Eesti Laul künftig auch wieder ausländischen Komponist/innen offen, allerdings zahlen diese das höhere Schut...
2018, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Trickkleid

Trick­kleid­dra­ma um Eli­na Netša­je­va

Exakt einen Monat vor dem ersten Semifinale des Eurovision Song Contest 2018 entspannt sich ein Finanzierungsproblem rund um die Teilnahme der estnischen Popera-Diva Elina Netšajeva. Die trat beim heimischen Vorentscheid Eesti Laul bekanntlich in einem Projektionskleid auf, also einem Dress mit einem textilreichen grauen Unterteil, das als Leinwand für sehr eindrückliche, aufgespielte Visuals fungiert und das einen nicht unerheblichen Teil zum beeindruckenden audiovisuellen Gesamtkonzept beitrug. Das wollte Elina in Lissabon eigentlich so beibehalten, was aber am Geld scheitern könnte: wie der estnische Delegationsleiter Mart Normet nach einem Bericht von Wiwibloggs vorrechnet, summieren sich die geschätzten Kosten für die Miete leistungsstarker Projektoren während der Eurovisionswochen in...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

EE 2018: Ein Furz, ja?

Sie ist eingetreten, die einerseits erwartete und andererseits undenkbare Katastrophe. Mit, wie man hört, 70% der Anrufe und der vollen Jury-Unterstützung schickt mein einstmals geliebtes Estland, der kleine, heldenhafte Baltenstaat, die Nation des unnachahmlichen "Estonian Cool" das vielleicht schlimmste Machwerk aus der furchtbarsten Musikgattung der Welt zum Eurovision Song Contest 2018. Die Sopranistin Elina Netšajeva (englische Schreibweise: Nechayeva), im Vorjahr noch Moderatorin des Eesti-Laul-Semis, gewann gestern mit dem pompösen Popera-Stück 'La Forza' den Vorentscheid ihres Heimatlandes und spaltet nun die Fan-Nation in zwei erbittert sich gegenüberstehende Lager: während (erstaunlich viele) Menschen mit einer chronischen Geschmacksbehinderung bereits die Hotelzimmer für Tallinn...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 1: schö­nes Haar ist Dir gege­ben

Es war ein Abend der endlosen eurovisionären Überforderung, der gestrige Supersamstag, an dem gleich acht Vorrunden und ein nationales Finale gleichzeitig um die Aufmerksamkeit des Grand-Prix-Fans rangen. Darunter mit den Semis der slowenischen EMA und der Eesti Laul diejenigen aus gleich zwei meiner liebsten Perlen-vor-die-Säue-Ländern, in denen jedes Jahr die allerschönsten Lieder unter die Räder kommen und stattdessen (fast) immer der größte Mist zum Song Contest geschickt wird. Die Esten trugen ihre Finalchancen ja bereits vergangenen Samstag zu Grabe (und vergaben gestern eine weitere Gelegenheit), in Ljubljana hingegen rettete man zu meinem großen Erstaunen gleich mehrere vielversprechende Titel ins EMA-Finale. Dennoch musste die Hälfte der 16 im EMA-Semi vorgestellten Songs draußen ...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Vier­ter Super­sams­tag 2018: ent­mün­digt die Esten!

Reihenweise fanden am gestrigen Supersamstag neben den abschließenden Entscheidungen in Dänemark und Italien noch Semifinale quer durch Europa statt, bei denen sich die abstimmungsberechtigten Zuschauer/innen und Juror/innen mal wieder von ihrer schlechtesten Seite zeigten und eine katastrophale Fehlentscheidung nach der anderen trafen. Am wenigstens ausgeprägt erstaunlicherweise diesmal in Schweden, wo sich das zweite Semifinale des allgemein beliebten Melodifestivalen musikalisch noch schwächer präsentierte als das eigentlich schon unterirdische erste vom vorvergangenen Samstag. Mit den Augenschmäusen Limaoo und Samir & Victor wählten die Skandinavier/innen drei kernige Knaben mit träshigen Titeln ins Finale weiter, wogegen sich natürlich nicht das Geringste einwenden lässt. In die W...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Lost in Vero­na: wen die Jurys 2017 im Semi kill­ten

"Wie unterschiedlich die Meinungen von Publikum und Jury sind, Wahnsinn!" entfuhr es einem erstaunten Peter Urban Samstagnacht während der Punktevergabe im Finale des Eurovision Song Contest 2017, wo sich mal wieder zeigte, dass die angeblichen Musikprofessionellen, die im sich übrigen hemmungslos dem → Nachbarschaftsvoting hingaben (sollten sie eigentlich nicht genau das einst verhindern?), auf einem völlig anderen Planeten leben als der Rest der Menschheit. Oder auch nur, dass eine zufällige Auswahl von gerade mal fünf Personen schon aus statistischer Notwendigkeit heraus immer nur zufällige, nicht repräsentative und damit völlig wertlose Ergebnisse hervorbringt. Immerhin waren sich die Jurys diesmal ausnahmsweise mit den Zuchauer/innen einig, was den verdienter Sieger des Jahrgangs angi...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Unsere Lieblinge

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Warum macht ihr so etwas, liebe Bühnenbildverantwortliche? Warum versteckt ihr in diesem Jahr praktisch alle die Chorsänger/innen hinter der Bühne? Schon im ersten Semifinale 2017 am vergangenen Dienstag irritierte es maßlos, wenn man mit den Augen lediglich eine einzelne, völlig verloren im Farbenwirbel des Backdrops verschwindende Person auf der Bühne sah, gleichzeitig jedoch mit den Ohren wahre Choräle erschallen hörte und das völlig überforderte, bedauernswerte Gehirn diese beiden sich gegenseitig widersprechenden Sinneswahrnehmungen irgendwie zusammen bekommen sollte, ohne dabei zu implodieren. Bei der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde dann, erneut ausgetragen in der nur mäßig besetzten Internationalen Ausstellungshalle zu Kiew, erneut bestückt mit der irgendwo zwischen Raumschi...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch, Unsere Lieblinge

Euro­vi­si­on Death­match #15: Mar­le­en, eine von uns bei­den muss nun gehn

Der Samstag: Zeit für hemmungsloses Tanzvergnügen! Und da wir uns hier beim Eurovision Song Contest befinden, heißt das natürlich: Schlagerdisco! Gleich zwei Schlagerpärchen beliefern uns in diesem Jahr mit rettungslos altmodischem, herrlich campem, gnadenlos tanzbarem Schlagerspaß und geben gerade den Lebenserfahreneren unter uns (*hüstel*) den Glauben an den Grand Prix zurück. Anfangen möchte ich mit den estnischen Rückkehrern Koit Toome (→ EE 1998) und Laura Põldvere (→ EE 2005, ebenfalls in Kiew), die heuer gemeinsam die Eesti Laul gewannen und sich - in schlauer Vorahnung hinsichtlich des potentiellen Siegers des diesjährigen Contests - zum gemeinsamen romantischen Sommerurlaub auf den Spuren von Romeo und Julia ins italienische 'Verona' begaben. Keine gute Idee: wie es manchmal so is...
2017, Die Zwanzigzehner, Remixe

Namas­té oweh: die Euro­vi­si­ons­re­mi­xe 2017, Part 2

Nachdem in den vergangenen Monaten innerhalb der nunmehr abgeschlossenen Vorentscheidungssaison 2017 nach und nach alle 43 Beiträge für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew ausgewählt wurden, trafen in der vergangenen Woche, rund um die Deadline für das Einreichen der Lieder bei der EBU, diverse Remixe der bereits feststehenden Titel ein, die es hier noch zu besprechen gilt. Dazu zählt natürlich in erster Linie die unvermeidliche Überarbeitung des albanischen Songs. Der hieß, als er Ende Dezember 2016 das heimische Festivali i Kënges gewann, noch 'Botë': eine hochdramatische, verschwenderisch orchestrierte Grand-Prix-Ballade in Landessprache, die von dem stimmsicher, präzise und mit Hingabe dargebotenen Gekreische seiner Interpretin lebt, sowie von den sehr präsenten und eindrucksvolle...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Est­land 2017: Lost in the Semi

Zeitgleich zum Schweden-Schocker wählten die Esten am gestrigen Samstagabend ihre Vertreter für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew aus. Sie schicken zwei alte Bekannte: Koit Toome vertrat 1998 als damals Neunzehnjähriger das baltische Land bei der Meilenstein-Veranstaltung von Birmingham; bei Laura Põldvere handelt es sich neben Sloweniens Repräsentanten Omar Naber um die zweite Eurovisions-Wiederkehrerin, die beim Grand Prix 2005 bereits an gleicher Stelle - ebenfalls in Kiew - am Start war, seinerzeit als Teil der Girlgroup Suntribe. Gemeinsam präsentiert das Duo mit dem Titel 'Verona' einen gefälligen, rhythmusbetonten Schlager für die Ü-50-Disco, der an manchen Stellen entfernt an die epochemachenden Werke von Modern Talking erinnert und in dem die beiden Protagonisten das Ausein...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Trickkleid, Unsere Lieblinge

Drit­ter Super­sams­tag 2017: extrem hete­ro­se­xu­ell

Es war mal wieder ein Abend der eurovisionären Überforderung gestern: neben den gleich drei finalen Entscheidungen in Ungarn, Malta und Polen liefen zeitgleich noch fünf (!) weitere Vorrunden und Semis. Und in den meisten von ihnen fielen ähnlich deprimierende Fehlentscheidungen. Das begann bereits im schwedischen Växjö, wo das bislang schwächste Viertelfinale des Melodifestivalen mit durch die Bank völlig egalen Beiträgen über die Bühne ging und wo die wunderbare, quirlige Krista Siegfrids (→ FI 2013) mit dem wunderbaren, quirligen Mello-Schlager 'Snurra min jord', fraglos dem einzigen guten Song des gesamten Abends, unfassbarerweise auf dem letzten Platz landete. Und das trotz vorschriftsmäßiger Choreografie mit Hologramm und Haarschüttelbeuge, schwedischer Sprache, des für deutsche Ohre...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Zwei­ter Super­sams­tag 2017: Rotz­gö­ren und schlech­te Lover

Was für ein Abend: insgesamt sieben Vorentscheidungsrunden liefen am gestrigen Samstagabend parallel zueinander, davon zwei Finale (nämlich in Italien und Spanien). Den Auftakt machte mal wieder das Gastgeberland Ukraine, wo sich weitere acht Semifinalisten dem Jury-Trio aus Vorjahressiegerin Jamala, Andrij Danylko (der Mann hinter der Bühnenfigur Verka Serdutschka [→ UA 2007]) und einem TV-Produzenten stellen mussten. Das kegelte mit seiner Stimmmacht einen der Publikumsfavoriten heraus, den Sänger Ruslan Kuznetsov, umstrittener Gewinner der Wildcard-Vorrunde im Internet und Zweitplatzierter im Televoting. Umstritten deswegen, weil das ukrainische Fernsehen ihm und ein paar Mitstreitern im November 2016 Manipulationsversuche vorwarf und all seine bis dato angesammelten Stimmen annullierte...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Jurys sind Wichser, Trickkleid

Ers­tes Semi­fi­na­le 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte "Welcome, Europe!" die ersten Takte von 'The Final Countdown' der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die "Peinlichkeit" entschuldigten! Auch, was da...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Est­land 2016: vom Bes­ten das Schlech­tes­te

Die Esten sind ein erstaunliches Volk: da stellten sie gestern, mal wieder, die mit Abstand beste Vorentscheidung aller 43 teilnehmenden Nationen auf die Beine, gespickt mit fantastischen Liedern und hervorragenden Darbietungen. Und dann schafften sie es, die besten davon auf der Strecke zu lassen und ihr Superfinale lediglich mit einem unsympathisch blasierten James-Bond-Imitatoren und zwei gesanglich gehandicappten Frauen in Leuchtkostümen zu bestücken. Gewonnen hat, um es vorweg zu nehmen, der Junge-Union-Sprecher (und, wie sollte es anders sein, aktuelle Estland-sucht-den-Superstar-Sieger) Jüri Pootsmann mit dem vom Vorjahresvertreter Stig Rästa mitkomponierten 'Play' - tatsächlich kein schlechter Song, wenn man während der drei Minuten die Augen schließt. Pootsmann erwies sich im erst...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: der Maul­trom­me­lirr­sinn am Super­sams­tag

Ein weiterer ereignisreicher Supersamstag liegt hinter uns. Neben der Entscheidung in Island liefen in fünf Ländern weitere Vorrunden. Im Gastgeberland des ESC 2016, Schweden, war es bereits die dritte, und noch immer nichts dabei, das mich besonders berührt hätte. Selbstredend flogen die beiden einzigen Beiträge des gestrigen Melodifestivalen, die mich nicht komplett zu Tode langweilten, unisono raus. Nämlich zum einen den ursprünglich unter dem Titel 'Love take me higher' für Alcazar geschriebenen Schwedenschlager 'Kom ut som en stjärna', stattdessen nun dargeboten von Drag-Act After Dark, vom dem allerdings das pinke Kleid und der ohrenzermürbend schiefe Gesang als eindrücklichste Erinnerung bleibt. Sowie zum anderen das tanzbare Penisverherrlichungslied 'You carved your Name', das mit ...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

Super­sams­tag 2016: Ret­tet die Schla­ger­di­ven

Er geht als Abend der Überforderung ein in die Annalen der Eurovisionsforschung, der gestrige Samstag: in zehn Ländern gleichzeitig liefen Grand-Prix-Vorentscheidungen. Darunter drei Finale, von denen eines, nämlich das italienische San-Remo-Festival, ohne Ergebnis zu Ende ging, weil die dortigen Sieger einen Kümmert pullten und das angebotene Ticket nach Stockholm erst mal ausschlugen, sich dann aber doch Bedenkzeit ausboten. Befassen wir uns hier nun aber zunächst mit sechs der sieben Nationen, in denen Vorrunden stattfanden (Island wird von mir, wie angekündigt, mit Nichtachtung gestraft). Die meisten Eurovisionsfans entschieden sich angesichts des massiven Überangebotes wohl für das beliebteste Format, nämlich das schwedische Melodifestivalen, von dem die zweite Vorrunde über die Bühne...
2016, Deutsche Vorentscheidung, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Cham­pa­gner für die Dis­co-Cow­boys

Vor wenigen Tagen veröffentlichte das finnische Fernsehen YLE auf einen Schlag alle 18 Beiträge für die drei Vorrunden der Uuden Musiikin Kilpailu (UMK), inklusive dazugehöriger, in einem eigenen Youtube-Kanal bereit gestellter, professionell produzierter Musikvideos (und ja, ich schäme mich dafür, dass der ungleich finanzstärkere öffentlich-rechtliche Sender meines Landes nicht mal das hinbekommt). Einziger mir bekannter Name im Line-Up ist Tapio Huuska alias Cristal Snow, der 2008 schon mal am finnischen Vorentscheid teilnahm. Er hat mit 'Love is blind' eine klassische Liebesballade mit cleveren Textzeilen wie "You look like Jesus / but you taste like Sin" im Gepäck, für die ich wirklich gerne entflammen würde. Zumal sie eine schwule Liebesgeschichte erzählt, was das dazugehörige Video a...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

A Touch too much: das Fina­le 2015

Okay, ich geb's zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen ("Dreieinhalb", wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanim...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben, Schwules

Die Vil­la­ge Peop­le sind in Wien: ers­te Pro­ben ers­tes Semi 2015

Seit Montag Mittag sind die Spiele offiziell eröffnet: in der Wiener Stadthalle probten gestern und heute die 16 Teilnehmer/innen des ersten Semifinales am kommenden Dienstag. Und obgleich es sich um den allerersten, technischen Durchlauf handelte, der hauptsächlich zum Finden der richtigen Kameraeinstellungen und Beleuchtung diente, berichteten die zahlreich in Wien bereits aufgeschlagenen Schwurnalisten natürlich ausführlich über jedes noch so kleine Detail und erstellten umgehend neue Prognosen. Wenn nicht gerade kontrovers über den Aufreger des Tages debattiert wurde: so rüstet die Wiener Stadtverwaltung derzeit 120 Fußgängerampeln mit mit neuen Symbolen aus: händchenhaltend gemeinsam wartende bzw. laufende Pärchen - darunter auch gleichgeschlechtliche - sollen für höhere eine Aufmerks...