Namasté oweh: die Eurovisionsremixe 2017, Part 2

Nachdem in den vergangenen Monaten innerhalb der nunmehr abgeschlossenen Vorentscheidungssaison 2017 nach und nach alle 43 Beiträge für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew ausgewählt wurden, trafen in der vergangenen Woche, rund um die Deadline für das Einreichen der Lieder bei der EBU, diverse Remixe der bereits feststehenden Titel ein, die es hier noch zu besprechen gilt. Dazu zählt natürlich in erster Linie die unvermeidliche Überarbeitung des albanischen Songs. Der hieß, als er Ende Dezember 2016 das heimische Festivali i Kënges gewann, noch ‚Botë‘: eine hochdramatische, verschwenderisch orchestrierte Grand-Prix-Ballade in Landessprache, die von dem stimmsicher, präzise und mit Hingabe dargebotenen Gekreische seiner Interpretin lebt, sowie von den sehr präsenten und eindrucksvollen Chorsängerinnen, die Linditas lautstarkes Klagen mit einer Art schmerzvoll-dunklem Grundbrummen aufs Wunderbarste kombinieren. Der nun präsentierte, unvermeidlicherweise enttäuschende ESC-Remix mischt letzteres bis an die untere Grenze der Wahrnehmbarkeit herunter, hallt und donnert dafür die Leadstimme gigantisch auf, was dem Lied ein wenig die Balance nimmt. Als viel schlimmer erweist sich jedoch die Sprachwahl: während Instrumentierung und Länge praktisch unverändert bleiben (‚Botë‘ beachtete, extrem ungewöhnlich für einen albanischen Song, bereits in der FiK-Fassung die magische → Drei-Minuten-Grenze), singt Frau Hamili den Beitrag in Kiew, wie üblich und wie bereits angekündigt, unter dem neuen Titel ‚World‘ auf Englisch.

Gleicht ertrinkt sie in ihrem eigenen Echo: Lindita (AL)

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Estland 2017: Lost in the Semi

Zeitgleich zum Schweden-Schocker wählten die Esten am gestrigen Samstagabend ihre Vertreter für den Eurovision Song Contest 2017 in Kiew aus. Sie schicken zwei alte Bekannte: Koit Toome vertrat 1998 als damals Neunzehnjähriger das baltische Land bei der Meilenstein-Veranstaltung von Birmingham; bei Laura Põldvere handelt es sich neben Sloweniens Repräsentanten Omar Naber um die zweite Eurovisions-Wiederkehrerin, die beim Grand Prix 2005 bereits an gleicher Stelle – ebenfalls in Kiew – am Start war, seinerzeit als Teil der Girlgroup Suntribe. Gemeinsam präsentiert das Duo mit dem Titel ‚Verona‘ einen gefälligen, rhythmusbetonten Schlager für die Ü-50-Disco, der an manchen Stellen entfernt an die epochemachenden Werke von Modern Talking erinnert und in dem die beiden Protagonisten das Auseinanderbrechen ihrer Beziehung verarbeiten, die sie in einem Anflug von hormon- und alkoholinduziertem Größenwahn mit der tragischen Liebesgeschichte von Romeo und Julia vergleichen, die, wenngleich etliche Jähren zuvor, ebenfalls in dem namensgebenden norditalienischen Städtchen spielte. Welches als einer der möglichen Austragungsorte des Eurovision Song Contest 2018 in Frage kommt, ganz im Gegensatz zu Tallin. Denn wiewohl die vom estnischen Ralph Siegel, Sven Lõhmus, komponierte Nummer leicht ins Ohr geht und dank einer überzeugenden Hookline auch drin bleibt, dürften die auf musikalische Aktualität achtenden Juroren im Eurovisions-Semifinale den etwas aus der Zeit gefallenen estnischen Beitrag voraussichtlich killen. Leider.

Verkatert und planlos tappt der von Laura frisch verlassende Koit durch das Touristenstädtchen: Eure Chance, italienische OGAE-Fans! (EE)

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Dritter Supersamstag 2017: extrem heterosexuell

Es war mal wieder ein Abend der eurovisionären Überforderung gestern: neben den gleich drei finalen Entscheidungen in Ungarn, Malta und Polen liefen zeitgleich noch fünf (!) weitere Vorrunden und Semis. Und in den meisten von ihnen fielen ähnlich deprimierende Fehlentscheidungen. Das begann bereits im schwedischen Växjö, wo das bislang schwächste Viertelfinale des Melodifestivalen mit durch die Bank völlig egalen Beiträgen über die Bühne ging und wo die wunderbare, quirlige Krista Siegfrids (→ FI 2013) mit dem wunderbaren, quirligen Mello-Schlager ‚Snurra min jord‘, fraglos dem einzigen guten Song des gesamten Abends, unfassbarerweise auf dem letzten Platz landete. Und das trotz vorschriftsmäßiger Choreografie mit Hologramm und Haarschüttelbeuge, schwedischer Sprache, des für deutsche Ohren lustigen Liedtitels und der kristatypischen Fabelhaftigkeit des gesamten Packages. Warum, oh Schweden, warum? Ich kann eigentlich nur zwei mögliche Erklärungen hierfür finden, und beide sind gleichermaßen betrüblich: entweder seid ihr generell finninnenfeindlich oder ihr leidet schlichtweg unter kollektiver Geschmacksverirrung. Stattdessen schicktet ihr mit Oweh Thörnqvist und seinem schrecklichen ‚Boogieman Blues‘ einen schätzungsweisen hundertjährigen Tattergreis Direkt till Globen (DTG) ins Mello-Finale, der ohne den eigens für ihn als Stütze auf die Bühne gestellten Barhocker wohl noch während seines Auftrittes stumpf umgeklappt wäre. Warum, oh Schweden, warum? Immerhin vermochte mich Eure zweite DTG-Wahl etwas zu besänftigen: der menschgewordene Schleimpropfen Robin Bengtsson, der sich in der Wertungspause von Mello-Moderator David Lindgren abschlecken lassen musste, präsentierte mit ‚I can’t go on‘ einen zwar komplett unoriginellen, aber von Robin und seiner Brechreiz-Yuppies-Begleitbande zumindest herausragend vorgetanzten, uptemporären Schwedenschlager. Euer Glück, dass wenigstens er passieren durfte, sonst hieße es heute Abend zur Strafe ohne Essen ins Bett!

Erfreulich: dank fleißigen Jod-Konsums schnurrt Krista wie ein neugeborenes Kätzchen (SE)

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Zweiter Supersamstag 2017: Rotzgören und schlechte Lover

Was für ein Abend: insgesamt sieben Vorentscheidungsrunden liefen am gestrigen Samstagabend parallel zueinander, davon zwei Finale (nämlich in Italien und Spanien). Den Auftakt machte mal wieder das Gastgeberland Ukraine, wo sich weitere acht Semifinalisten dem Jury-Trio aus Vorjahressiegerin Jamala, Andrij Danylko (der Mann hinter der Bühnenfigur Verka Serdutschka [→ UA 2007]) und einem TV-Produzenten stellen mussten. Das kegelte mit seiner Stimmmacht einen der Publikumsfavoriten heraus, den Sänger Ruslan Kuznetsov, umstrittener Gewinner der Wildcard-Vorrunde im Internet und Zweitplatzierter im Televoting. Umstritten deswegen, weil das ukrainische Fernsehen ihm und ein paar Mitstreitern im November 2016 Manipulationsversuche vorwarf und all seine bis dato angesammelten Stimmen annullierte. Innerhalb weniger Tage hatte er diese aber wieder zusammen und zog ins Semi ein – umsonst. Zu den damaligen Schummlern soll auch die Gothic-Punk-Band Aghiazma gehört haben, die gestern Abend ebenfalls antrat, allerdings mit einem anderen Beitrag als in der Wildcard-Runde. Sie scheiterten sowohl an der Jury als auch an den Zuschauer/innen, und das ist eine gute Nachricht für Epileptiker/innen, denn die Lichtshow der sechs Tokio-Hotel-Epigonen war durchaus geeignet, bei entsprechend disponierten Menschen Anfälle auszulösen. Trotzdem schade um den Song: ‚Synthetic Sun‘ überzeugte durch einen guten Schub und sehr ordentlich bratzende Hardrock-Gitarren. Außerdem präsentierte sich das lustig frisierte und geschminkte Satanisten-Sextett im Jury-Interview außergewöhnlich sympathisch: ich habe keine Ahnung, über was der Moderator und Jamala endlos mit ihnen scherzten, aber es muss sehr witzig gewesen sein – und die Aghiazma-Leadsängerin sehr schlagfertig, jedenfalls der Publikumsreaktion nach zu urteilen.

Schicker Halsmuff! (UA)

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Erstes Semifinale 2016: Auf in den Kampf!

Das wird jetzt vielleicht nicht auf ungeteilte Zustimmung bei all meinen Leser/innen stoßen und beschreibt auch das Gegenteil meiner eigenen Empfindungen von vor einem Jahr, aber nach der ersten Qualifikationsrunde 2016 aus dem Stockholmer Globen (der immer noch aussieht wie ein Schneller Brüter) am Dienstagabend muss ich sagen: von mir aus können die Schweden gerne jedes Jahr gewinnen. Solange sie Petra Mede weiter moderieren lassen: locker, flockig, eigenironisch, herrlich! Am schönsten der Gag, als auf die Worte „Welcome, Europe!“ die ersten Takte von ‚The Final Countdown‘ der gleichnamigen schwedischen Achtzigerjahre-Rockband ertönten, live von besagter Kapelle intoniert, die Petra und Måns aber schnell wieder abwürgten und sich flugs für die „Peinlichkeit“ entschuldigten! Auch, was das schwedische Fernsehen an Rahmenprogramm auf die Beine stellte, konnte sich sehen lassen, von der Eröffnungsnummer, als ein Chor aus den Kindern von Stepford das Morbid-Düstere in Måns Zelmerlöws Vorjahres-Siegerlied ‚Heroes‘ erst so richtig herausarbeitete, bis hin zu dem als Pausenact eingesetzten Ballett der ‚Grey People‘ zum Thema Flucht, das einem beim Zuschauen stellenweise den Atem stocken ließ, weil es so artifizielle und dennoch tief unter die Haut gehende Bilder für die Tragödie fand, die sich weiterhin täglich vor unseren Toren abspielt. Danke für diesen Appell ans kollektive Gewissen!

Die perfekte Sprache gefunden, um das wichtige Thema an diesem Abend nicht vergessen zu lassen, ohne belehrend zu wirken. Respekt, SVT!  

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Estland 2016: vom Besten das Schlechteste

Die Esten sind ein erstaunliches Volk: da stellten sie gestern, mal wieder, die mit Abstand beste Vorentscheidung aller 43 teilnehmenden Nationen auf die Beine, gespickt mit fantastischen Liedern und hervorragenden Darbietungen. Und dann schafften sie es, die besten davon auf der Strecke zu lassen und ihr Superfinale lediglich mit einem unsympathisch blasierten James-Bond-Imitatoren und zwei gesanglich gehandicappten Frauen in Leuchtkostümen zu bestücken. Gewonnen hat, um es vorweg zu nehmen, der Junge-Union-Sprecher (und, wie sollte es anders sein, aktuelle Estland-sucht-den-Superstar-Sieger) Jüri Pootsmann mit dem vom Vorjahresvertreter Stig Rästa mitkomponierten ‚Play‘ – tatsächlich kein schlechter Song, wenn man während der drei Minuten die Augen schließt. Pootsmann erwies sich im ersten Wahlgang als absoluter Juryliebling und gewann dort, wie auch im hundertprozentigen Televoting im Superfinale, ebenso die Mehrheit der Zuschauerstimmen (44%). Man scheint in Estland also auf eine arrogante Ausstrahlung zu stehen, wie es sich ja auch schon 2015 zeigte (und womit man ja auch da schon nicht unbedingt schlecht fuhr).

Schon die affigen Schuhe würden mich auf die ‚Stop‘-Taste drücken lassen: Jüri Pootsmann

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Perlen der Vorentscheidungen: der Maultrommelirrsinn am Supersamstag

Ein weiterer ereignisreicher Supersamstag liegt hinter uns. Neben der Entscheidung in Island liefen in fünf Ländern weitere Vorrunden. Im Gastgeberland des ESC 2016, Schweden, war es bereits die dritte, und noch immer nichts dabei, das mich besonders berührt hätte. Selbstredend flogen die beiden einzigen Beiträge des gestrigen Melodifestivalen, die mich nicht komplett zu Tode langweilten, unisono raus. Nämlich zum einen den ursprünglich unter dem Titel ‚Love take me higher‘ für Alcazar geschriebenen Schwedenschlager ‚Kom ut som en stjärna‘, stattdessen nun dargeboten von Drag-Act After Darkvom dem allerdings das pinke Kleid und der ohrenzermürbend schiefe Gesang als eindrücklichste Erinnerung bleibt. Sowie zum anderen das tanzbare Penisverherrlichungslied ‚You carved your Name‘, das mit so schönen Textzeilen aufwartete wie „Gonna bring you to your Knees“ oder „‚cause it’s bigger than it seems“, zu denen sich Interpret Swingfly dann auch unablässig ans Gemächt griff. Die EBU-Oberzensorin Sara Yuen, die 2003 dem Österreicher Alf Poier solcherlei Anzüglichkeiten noch strikt verbot, dürfte bei diesem Anblick wohl in Ohnmacht gefallen sein. Swingflys ein wenig prollig wirkende, für den kraftvollen Refrain zuständige Duettpartnerin Helena Gutarra machte übrigens schon mit so hübschen Hits wie ‚Dicksuckin‘ von 2013 auf sich aufmerksam. Subtil!

Verteilt es wie eine Tropenkrankheit: Swingfly (SE)

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Supersamstag 2016: Rettet die Schlagerdiven

Er geht als Abend der Überforderung ein in die Annalen der Eurovisionsforschung, der gestrige Samstag: in zehn Ländern gleichzeitig liefen Grand-Prix-Vorentscheidungen. Darunter drei Finale, von denen eines, nämlich das italienische San-Remo-Festival, ohne Ergebnis zu Ende ging, weil die dortigen Sieger einen Kümmert pullten und das angebotene Ticket nach Stockholm erst mal ausschlugen, sich dann aber doch Bedenkzeit ausboten. Befassen wir uns hier nun aber zunächst mit sechs der sieben Nationen, in denen Vorrunden stattfanden (Island wird von mir, wie angekündigt, mit Nichtachtung gestraft). Die meisten Eurovisionsfans entschieden sich angesichts des massiven Überangebotes wohl für das beliebteste Format, nämlich das schwedische Melodifestivalen, von dem die zweite Vorrunde über die Bühne ging. Und mit einem noch schlechteren musikalischen Aufgebot enttäuschte als die erste vor einer Woche. So richtete sich der Fokus auf das Rahmenprogramm, in dem die schwedische Siegerin von 1999 und erfolglose Titelverteidigerin von 2008, Charlotte Perrelli, einen witzigen (und vorbehaltlos zu unterstützenden) Aufruf zur Rettung der bedauerlicherweise langsam aussterbenden Spezies der Schlagerdiva zu Gehör brachte. Und zwar zur Killermelodie von Helene Fischers ‚Atemlos‘! Damit adelt sie den Titel zur neuen Kampfhymne aller europäischen Schlagerfans. Grandios!

„Rettet Schlagerdiven“, fordert Charlotte. Wo kann ich unterschreiben? (SE)

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Perlen der Vorentscheidungen: Champagner für die Disco-Cowboys

Vor wenigen Tagen veröffentlichte das finnische Fernsehen YLE auf einen Schlag alle 18 Beiträge für die drei Vorrunden der Uuden Musiikin Kilpailu (UMK), inklusive dazugehöriger, in einem eigenen Youtube-Kanal bereit gestellter, professionell produzierter Musikvideos (und ja, ich schäme mich dafür, dass der ungleich finanzstärkere öffentlich-rechtliche Sender meines Landes nicht mal das hinbekommt). Einziger mir bekannter Name im Line-Up ist Tapio Huuska alias Cristal Snow, der 2008 schon mal am finnischen Vorentscheid teilnahm. Er hat mit ‚Love is blind‘ eine klassische Liebesballade mit cleveren Textzeilen wie „You look like Jesus / but you taste like Sin“ im Gepäck, für die ich wirklich gerne entflammen würde. Zumal sie eine schwule Liebesgeschichte erzählt, was das dazugehörige Video auch ansprechend illustriert. Aber leider wirkt die Nummer, bis auf die wirklich gelungene, herausragende Rückung, doch ein bisschen lauwarm; ihr heterosexuelles Kitsch-Pendant ‚Good enough‘ von Annica Milán und Kimmo Blom kommt sowohl musikalisch als auch mit seinem düster-romantischen Bonnie-und-Clyde-Video deutlich eindrucksvoller daher. Und liegt auch in den ersten Wettquoten (!) höher.

Im Garten der Liebe: Cristal Snow (FI)

Auch Juliane Werdings ‚Geh nicht in die Stadt (heut‘ Nacht)‘ würde sich ideal als Soundtrack zu diesem Clip eignen: Annica & Kimmo (FI)

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A Touch too much: das Finale 2015

Okay, ich geb’s zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen („Dreieinhalb“, wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanimationen, viel zu viele Balladen (der unheilvolle Einfluss der Jurys), zu viel Pomp, zu viel Schwermut (als ständig wiederkehrende Themen dominierten Krieg, innere Dämonen und dunkle Geheimnisse), zu viel clevere Choreografie, zu viel Politik, zu viel beschworene heile Welt und Gemeinschaftsgefühl. Jedes davon für sich genommen großartig, gut gemacht, unterhaltsam und erfreulich, und doch blieb in der Summe eine so merkwürdige wie unbestimmte Mischung aus Übersättigung und leichter Enttäuschung. Vielleicht durch nichts so gut illustriert wie durch den offiziellen Siegertitel.

Wieso trug das Zeichentrickmännchen eine Hitlerfrisur? War das der besungene „Dämon“ in Monzis Seele? (SE)

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