Estland

That Esto­ni­an Cool” galt ein­mal als Güte­sie­gel für die benei­dens­wer­te künst­le­ri­sche Expe­ri­men­tier­freu­de, wel­che die Eesti Laul eine Zeit lang zum span­nends­ten Vor­ent­scheid Euro­pas mach­te. Lei­der belohn­ten die Est:innen die­se Qua­li­tät nie, und so regiert auch hier mitt­ler­wei­le dritt­klas­si­ge schwe­di­sche Durch­schnitts­wa­re. 2001 steu­er­te Est­land einen der drei uner­träg­lichs­ten ESC-Sie­ger­ti­tel der Geschich­te bei.
Dabei seit: 1993; Sie­ge: 2001; Rote Later­nen: eine. 

Eesti Laul 2022: Djan­go kauft heut kei­nen Fahrschein

Eesti Laul 2022: Djan­go kauft heut kei­nen Fahrschein

Es ging diesmal unfallfrei vonstatten in der Saku Suurhall zu Tallin: anders als noch im Semifinale der estnischen Eurovisionsvorentscheidung Eesti Laul 2022, wo die Rückkehrerin Elina Netšajeva während ihres Auftritts (Gott sei Dank verletzungsfrei) abstürzte, hielt im Finale die Stahlseilkonstruktion, an welcher die Popera-Diva sich für die hohen Jurynoten ihres Beitrags 'Remedy' in luftige Höhen hieven ließ. Fallen sollte die Sängerin am gestrigen Samstagspätnachmittag dennoch tief: ihr eher zäher Song landete im Jury-Ranking ganz hinten und stieß auch beim Publikum auf wenig Gegenliebe. Das traf im Übrigen sämtliche ehemaligen estnischen Eurovisionsvertreter:innen: im Gesamtranking noch hinter Elina schloss der im Vorfeld…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Flieg nicht so hoch, mein klei­ner Freund

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Flieg nicht so hoch, mein klei­ner Freund

Neben den vier Finalentscheidungen des vergangenen Supersamstages fanden in der zurückliegenden Woche quer durch Europa noch etliche Vorrunden statt, von denen an dieser Stelle das Wichtigste komprimiert zusammenfasst werden soll. Beginnen wir in Estland, wo am Donnerstag und am Samstag die beiden Halbfinale der Eesti Laul stattfanden, erstmals mit Live-Auftritten der 20 Überlebenden der vier bereits im vergangenen Jahr abgehaltenen und rein auf Videoclips basierenden Erstauswahlrunden. Jedenfalls größtenteils: einen kleineren Teil der Kombattant:innen hatte zwischenzeitlich die Seuche niedergestreckt, so dass auch hier ersatzweise der Clip zur Ausstrahlung gelangte. Ein unfairer Vorteil? Nicht unbedingt: auch bei den Live-Acts kamen so viel Chorstimmen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Komm in mir

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Komm in mir

Lebenserfahrene unter meinen Leser:innen werden sich vielleicht noch an Amanda Lear erinnern, die in den Siebzigerjahren eine Karriere als Discokönigin ('Follow me') machte und aufgrund ihrer extrem herben Stimme von der Skandalpresse eine Zeitlang fälschlicherweise als Transsexuelle gehandelt wurde, was damals absurderweise noch zum ungeheuerlich-pikanten Skandal taugte. Heutzutage braucht es dazu andere Ingredienzien: so wie zum Beispiel das Tragen eines Pelzmantels oder das (aus Jugendschutzgründe digital zensierte) Rauchen einer Zigarette in einem Musikvideo, wie es die im letzten Viertelfinale der Eesti Laul angetretene Namens- und Tiefsingvetterin der Lear, Amanda Hermiine Künnapas, tat. Die gab sich allerdings den absolut genialen Künstlerinnennamen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Shut up and vote with me

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Shut up and vote with me

Vielleicht ist es doch an der Zeit, dass Putins Armee in Tallinn einmarschiert und das baltische Land wieder heim ins Reich holt. Denn für eigenständige Entscheidungen sind die Est:innen noch immer nicht reif genug, wie sich heute Abend im dritten Semifinale der Eesti Laul 2022 erneut zeigte. Einen einzigen Song gab es im gesamten Line-up, der unbedingt eine Runde weiter gehört hätte: das die goldenen Zeiten der Neunzigerjahre wieder aufleben lassende 'Let's talk about' des extrem campen Russlandesten Aleksei Baruzdin alias Levvi, eine Kreuzung aus Sin with Sebastians CSD-Hymne 'Shut up (and sleep with me)' und Salt'n'Pepas gerappter Aufklärungsstunde 'Let's…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Emo­ti­ons­lo­se Ejakulation

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Emo­ti­ons­lo­se Ejakulation

Eine heimatsprachliche Woche fand am vergangenen Samstag statt beim zweiten Viertelfinale der Eesti Laul 2022: alle zehn Beiträge wurden auf estnisch gesungen. Was Landessprachennostalgiker:innen wohlig aufseufzen ließ, sorgte beim Blogbetreiber für Enttäuschung: genährt von der unwahrscheinlichen Ballung des Heimatidioms und insbesondere der Teilnahme der absoluten Eesti-Laul-Legende Meisterjaan, der uns bereits die unsterblichen Meisterwerke 'Unemati' und 'Parmupillihullus' schenkte, hoffte ich auf eine Rückkehr des so schmerzlich vermissten "Estonian Cool", dieser einzigartigen, genialen Schrägheit, wie sie nur das kleine Land am baltischen Meerbusen liefern kann. Und Jaan Tätte Juunior, so der bürgerliche Name des versponnenen Jünglings, lieferte. Mit 'Vahel lihtsalt' ('Manchmal einfach')…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Por­no mit dem Klempner

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Por­no mit dem Klempner

So früh wie noch nie ging gestern Abend, fast pünktlich zur Halbzeit zwischen dem letzten Eurovision Song Contest in Rotterdam und dem kommenden in Turin, die aktuelle Vorentscheidungssaison los. Im ersten Viertelfinale der Eesti Laul 2022 traten die ersten zehn von insgesamt 40 (!) ausgewählten Songs gegeneinander an, von denen die Zuschauer:innen per Televoting drei ins allerdings erst Anfang Februar 2022 terminierte Halbfinale weiterwählten und eine achtköpfige Jury zwei weitere. Falls sich der estnische Sender von der Vervierfachung des Angebots eine breitere musikalische Palette versprach, so trat dies jedenfalls bei der Auftaktsendung nicht ein. Vielmehr manifestierte sich bei der gestrigen…
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Spa­ni­scher Pri­vat­sen­der kapert die Vorentscheidungssaison

Spa­ni­scher Pri­vat­sen­der kapert die Vorentscheidungssaison

Hardcore-Grand-Prix-Fans wissen es schon längst: so großartig das Finale und die beiden Semis des Eurovision Song Contest auch sein mögen - das wahre Vergnügen liegt in den nationalen Vorentscheiden! Hier tummeln sich noch die richtig durchgedrehten Beiträge, finden die wahren Abstimmungsdramen statt, lassen sich die Juror:innen praktisch noch direkt bei der Bestechlichkeit zuschauen und manifestieren sich die Mentalitätsunterschiede der europäischen Nationen in der Präsentation ihrer möglichen Eurovisionseinreichungen und der darum gestrickten Shows. Wer einmal dem hypnotischen Sog des fünftägigen San-Remo-Festivals oder der beständig zwischen Höhenrausch und Höllenqual changierenden O Melodi pentru Europa verfiel, weiß, wovon ich rede! Nun setzt sich…
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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2021: When you know the Lips to sync

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2021: When you know the Lips to sync

Wenn wir aus der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde für den Eurovision Song Contest 2021 eine einzige zentrale Erkenntnis ableiten können, dann die, was für eine von Anfang an hirnrissige Idee der EBU es doch war, erstmalig in der Grand-Prix-Geschichte das Teilplayback zuzulassen, also Chorstimmen vom Band. Vonseiten der Schweden, die das beim Melodifestivalen schon seit geraumer Zeit praktizieren, seit Jahren beharrlich gepusht, musste nun Corona und die Möglichkeit für die Delegationen, die Anzahl der Personen auf der Bühne und damit das Ansteckungsrisiko zu verringern, als langersehnte Ausrede herhalten, diesen Unfug "probeweise" auch beim europäischen Wettbewerb durchzusetzen. Gerade am gestrigen, musikalisch im…
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Eesti Laul 2021: Der dop­pel­te Koit

Eesti Laul 2021: Der dop­pel­te Koit

Warum es vielleicht nicht die beste Idee ist, im Jahr 1 nach dem seuchenbedingt ausgefallenen Eurovision Song Contest zwar eine pro forma offene nationale Vorentscheidung zu veranstalten, dazu aber auch den Vorjahressieger einzuladen, belegt das (erwartbare) Ergebnis der Eesti Laul-Finales vom vergangenen Samstag. Der schon 2020 aus unerfindlichen Gründen vom heimischen Publikum ausgewählte schleimige Schönling Uku Suviste setzte sich nämlich auch dieses Mal in beiden Abstimmungsrunden des estnischen Auswahlverfahrens durch und kann sich nun zu Recht 'The lucky One' nennen. Dabei gab sich die neunköpfige internationale Jury extra Mühe und verfrachtete ihn auf den achten Platz in ihrem Ranking. Dank…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: der dop­pel­te Uku

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: der dop­pel­te Uku

Trotz der in diesem Jahr coronabedingt deutlich reduzierten Zahl an nationalen Vorentscheidungen ballte es sich am gestrigen langen Supersamstag dank der mangelnden Abstimmungsbereitschaft der einzelnen Rundfunkstationen mal wieder gewaltig: neben drei Finalrunden gingen ebenso viele Halbfinale über die Bühne, für deren Aufarbeitung ich mich daher schwerpunktmäßig auf die ausgeschiedenen Titel beschränken muss. Den Auftakt machte das zweite Semi der Eesti Laul, mit welcher der Sender bei der ersten Runde noch hilfreich auf den Donnerstag ausgewichen war. Warum nicht auch mit dieser, ETV? Die erfreulichste Mitteilung zuerst: kein Weiterkommen gab es für die Rockband Alabama Watchdog und ihren gleichnamigen, transphoben und…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: No Woman, no cry

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: No Woman, no cry

Das Patriarchat regiert mit eiserner Faust beim Eesti Laul: im ersten Semi des estnischen Vorentscheids 2021 fielen heute Abend ausnahmslos alle angetretenen Frauen gnadenlos durch, ins Finale kamen nur Männer weiter. Nun befanden sich unter ihnen mit den früheren Teilnehmern Koit Toome (der seine Sülzballade sehr unpassend in einer legeren Jeansjacke vortrug) und dem schätzungsweise 75jährigen Heiner-Bremer-Double Ivo Linna zwar zwei sehr bekannte Namen. Doch auch Tatjana Mihhailova-Saar (unter Freunden: Tanja), die Vertreterin von 2014, versuchte es erneut - und scheiterte gnadenlos. Dabei konnte ihr durch und durch belangloses, fröhliches Popschlagerchen 'Best Night ever' zumindest mit einer hübschen Hairography aufwarten…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: vom ent­setz­li­chen, süßen und dra­ma­ti­schen Tod

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: vom ent­setz­li­chen, süßen und dra­ma­ti­schen Tod

Es liegt einfach kein Trost in dieser Zeit: während sich das Katastrophenjahr 2020 quälend langsam dem bitter ersehnten Ende entgegenschleppt, flankiert von einem abgewählten US-Präsidenten, der sich wie ein trotziger Fünfjähriger im Zimmer verbarrikadiert und wütend "ich hab aber nicht verloren" schreit, sowie von einer Schar von Solidaritäts- und Realitätsverweigerern, die im Angesicht der unvermindert wütenden Corona-Pandemie "Oh, wie ist das schön"-singend durch deutsche Innenstädte ziehen und mit solchen als "Querdenker-Demos" apostrophierten Superspreader-Events den Tod weiterverbreiten, und zwar in seiner grausamen Variante; währenddessen also tauchten in der bunt glitzernden Gegenwelt des Eurovision Song Contest in den zurückliegenden Tagen bereits die…
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World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit zahllosen Beteiligten, dessen schaurig-morbider Faszination man sich über geschlagene vier Stunden nicht zu entziehen vermochte, so lässt sich das gestrige deutsche Eurovisions-Halbfinale 2020 beschreiben. Mit welchem die ARD versuchte, trotz der seuchenbedingten Absage des offiziellen europaweiten Wettbewerbs wenigstens auf nationaler Ebene ein adäquates Ersatz-Event auf die Beine zu stellen, wofür der Senderverbund gar nicht oft genug gelobt werden kann. Grundsätzlich nicht verkehrt auch die Idee zur Zusammenarbeit mit Funk, der hauseigenen Youtube-Spielwiese, mit welcher die Öffentlich-Rechtlichen darauf reagieren, dass Zuschauer:innen unter 30 mittlerweile durch klassisches lineares Fernsehen praktisch nicht mehr zu erreichen sind. Zu Funk gehören…
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Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Ach, Estland, was ist nur aus dir geworden? Einstmals das Zuhause der coolsten Vorentscheidung der Welt, hat sich die ehedem hochgelobte Eesti Laul - nicht zuletzt aufgrund jahrelanger, fortgesetzter schwerer Fehlentscheidungen der dortigen Jury - zu einer bedeutungslosen Ansammlung glatter, völlig nichtssagender Liedchen entwickelt. Noch nicht einmal mehr in den Semis findet sich irgendetwas Interessantes, wofür sich das Einschalten lohnen würde. Zum europäischen Hauptwettbewerb vermag der baltische Staat so natürlich ebenfalls nichts Wesentliches beizutragen. Stattdessen setzt man auf das Ewiggleiche: als direkten Nachfolger des schleimigen schwedischen Schönlings Victor Crone, aktuell noch beim Melodifestivalen im Rennen, und seines staubgrauen Songs 'Storm'…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Bevor heute in wenigen Minuten der nächste Supersamstag beginnt, gilt es noch etliche Perlen vom letzten Wochenende nachzuliefern, an welchem ich im Zuge des längsten Vorentscheidungstages der bisherigen Eurovisionshistorie aus arbeitskapazitären Gründen leider gezwungen war, etliche Vorrunden und Semis zu vernachlässigen. Den herbsten Verlust gab es dabei in der Ukraine zu beklagen. Dort hatten wir das seltene Vergnügen, einem knapp vierminütigen schamanistischen Ritual beiwohnen zu dürfen, zu dem uns Katya Chilly und ihr Geistheilerzirkel einluden. Der bestand aus einem pittoresk gekleideten Druiden, der völlig in sich versunken heilige Verse murmelte; drei Damen, die den, wenn man so will, entfernt an…
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ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

ESC-Fina­le 2019: Song Con­test is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach…
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Ers­tes ESC-Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Ers­tes ESC-Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zweifach erfuhr die fabelhafte Dana International, die 1998 beim Eurovision Song Contest in Birmingham den mit weitem Abstand bedeutsamsten Sieg in der über sechzigjährigen Geschichte des Grand Prix errang, die ihr gebührende Ehrung im gestrigen ersten Semifinale 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Interval Act auftrat. Der für seine 40 Lenze erstaunlich jung aussehende Assi Azar, einer der überflüssigerweise erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benannte die offensichtlich in den selben Jungbrunnen gefallene LGBTQI*-Ikone in seiner Anmoderation als sein persönliches Idol. War es doch ihr seinerzeitiger Sieg, der dem damals Zwanzigjährigen aus dem Versteck half und ihm die…
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Rank and File 2019: Platz 29 – Storm

Rank and File 2019: Platz 29 – Storm

Ach, Estland! Was ist nur aus der einst aufstrebenden, jungen Eurovisionsnation mit der beeindruckenden musikalischen Historie und dem Gespür für Coolness geworden? Was aus deiner früher mal vor feinsten Pop-Perlen geradezu überbordenden Vorentscheidung? Platz 29: Estland - Victor Crone: Storm (Sturm) Schon lange hat deine Eesti Laul ihre Stellung als unverpassbarer Pflichttermin für Grand-Prix-Connaisseure eingebüßt, dominiert dank jahrelanger Fehlentscheidungen der Jury und / oder des Publikums mittlerweile auch dort der Stumpfsinn. Und dieses Jahr ließest du dir, ehemals stolze Pop-Nation, dann sogar den fadesten Durchschnittsseich eines schmierlappigen schwedischen (!) Bryan-Adams-Imitatoren andrehen. 'Storm' tut niemandem weh, fordert nichts - erst recht…
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Eesti Laul 2019: selbst­ver­lieb­te Schmachtlappen

Eesti Laul 2019: selbst­ver­lieb­te Schmachtlappen

Was für ein Katastrophen-Samstag! In drei vier Ländern gingen gestern Abend Vorentscheidungsfinale über die Bühne, und in allen dreien vieren fielen derartig haarsträubende Fehlentscheidungen, dass es mal wieder an der Zeit ist, den abgegriffenen Spruch vom "schlimmsten Jahrgang aller Zeiten" aus der Mottenkiste zu holen, zu dem eingefleischte Grand-Prix-Fans in dieser Phase der Saison meist reflexartig greifen, den zurückzuweisen jedoch am heutigen Tage besonders schwierig erscheint. In Estland jedenfalls gewann im Superfinale der Eesti Laul ein schmierlappiger Sänger schwedischer Herkunft namens Victor Crone, eingefleischten Melodifestivalen-Guckern noch vertraut aus dem Jahrgang 2015, wo er die Lead Vocals für den Rapper Behrang…
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Zwei­ter Super­sams­tag 2019: Wo sind die Katzen?

Zwei­ter Super­sams­tag 2019: Wo sind die Katzen?

Wie in einer der inflationär ausgestrahlten nachmittäglichen Zoo-Sendungen in den dritten Programmen der ARD ging es stellenweise zu beim gestrigen zweiten, ausschließlich aus Semis bestehenden Supersamstag der Eurovisionssaison 2019. So beispielsweise in Lettland, wo das zweite Pusfināls der Supernova stattfand, die bekanntlich keine solche ist ohne den legendären Riga-Biber alias Mārtiņš Kozlovskis, ein Schauspieler und Comedian, der in den vergangenen Jahren, im Kostüm des die Kanäle der lettischen Hauptstadt heimsuchenden Nagers steckend, für skurrile Unterhaltung in den Werbepausen sorgte. Diesmal allerdings nahm er am Wettbewerb teil, unter seinem Musiker-Namen Kozmens und in Begleitung der Band Dziļi Violets (Deep Purple). Ihr Beitrag 'Tautasdziesma'…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Brehms Tierleben

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Brehms Tierleben

Echte Eurovisionsfans befinden sich - getreu des Mottos: nach dem ESC ist vor dem ESC - bereits seit vergangenem Mai gedanklich im Jahr 2019. Seit heute stimmt dann auch der offizielle Kalender wieder mit dem Empfinden überein. Höchste Zeit also für einen Überblick über die Geschehnisse in den 42 in Tel Aviv teilnehmenden Nationen, die mir in den letzten Wochen durchgerutscht sind. Dabei scheint, dass das gackernde Huhn vom letzten Jahr so manch anderes lustiges Getier inspirierte: dabei sind unter anderem singende Katzen und ironische Hyänen.  Den Auftakt aber macht eine halbe Göttin. Sagt sie zumindest von sich selbst. Sie,…
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Eesti Laul 2019 mit Künstler-Crowdfunding

Eesti Laul 2019 mit Künstler-Crowdfunding

Kreative Wege zur Refinanzierung der Eurovisionsteilnahme geht das estnische Fernsehen: wie gut informierte Quellen berichten, kassiert der Sender ERT künftig von jedem, der einen Beitrag zur dortigen Vorentscheidung Eesti Laul einreichen möchte, einen Teilnahmebeitrag in Höhe von 25 bzw. 50 €. Da üblicherweise so um die 300 Vorschläge zusammenkommen, dürften sich die Einnahmen hieraus schnell auf rund 10.000 € läppern. Dieses Geld bekommt im Anschluss der Sieger des Vorentscheids ausgehändigt - allerdings zweckgebunden: es dient als Budget für das Staging beim Eurovision Song Contest, aus dem sich der Sender finanziell komplett zurückzieht. Im Gegensatz zu früheren Jahren steht die Eesti…
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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheimvertrag mit dem Karma? Oder wie schafft Israel es sonst, seine Eurovisionssiege mit einer derartigen mathematischen Präzision in Abständen von jeweils exakt 20 Jahren über die Grand-Prix-Geschichte zu verteilen? Und das auch noch mit einem jeweils ziemlich ähnlichen Konzept: 1978 schaffte es Izhar Cohen auf dem Höhepunkt der Discowelle mit einem tanzbaren, von der universalen Liebe unter den Menschen handelnden Kinderlied namens 'A Ba Ni Bi' und einer sensationellen Marge-Simpson-Frisur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämpferischen Transsexuellen Dana International mit dem Tanzflächenfüller 'Diva' der bis heute wichtigste, weil ein…
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Ers­tes ESC-Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Ers­tes ESC-Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Ganze 53 Jahre musste das kleine, geografisch etwas randständige und kulturell auf europäischer Ebene nicht unbedingt massenkompatible Portugal von seiner Erstteilnahme im Jahre 1964 bis zu seinem Eurovisionssieg 2017 warten. Ein verschrobener Barde namens Salvador Sobral holte bekanntlich den Pott und die Gastgeberschaft nach Lissabon, mit einer intimen, aus der Zeit gefallenen Trennungsschmerzballade in seiner Muttersprache. Mit "Musik, die wirklich etwas ausdrückt", wie es der lebensbedrohlich erkrankte Adelsspross, dem es nach einer Herztransplantation mittlerweile wieder besser geht, im Überschwang seiner Siegesansprache formulierte. Und nun das: ein Jahr später, im ersten Semifinale des in der portugiesischen Hauptstadt abgehaltenen 2018er Grand Prix, fliegen gleich…
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Trick­kleid­dra­ma um Eli­na Netšajeva

Trick­kleid­dra­ma um Eli­na Netšajeva

Exakt einen Monat vor dem ersten Semifinale des Eurovision Song Contest 2018 entspannt sich ein Finanzierungsproblem rund um die Teilnahme der estnischen Popera-Diva Elina Netšajeva. Die trat beim heimischen Vorentscheid Eesti Laul bekanntlich in einem Projektionskleid auf, also einem Dress mit einem textilreichen grauen Unterteil, das als Leinwand für sehr eindrückliche, aufgespielte Visuals fungiert und das einen nicht unerheblichen Teil zum beeindruckenden audiovisuellen Gesamtkonzept beitrug. Das wollte Elina in Lissabon eigentlich so beibehalten, was aber am Geld scheitern könnte: wie der estnische Delegationsleiter Mart Normet nach einem Bericht von Wiwibloggs vorrechnet, summieren sich die geschätzten Kosten für die Miete leistungsstarker Projektoren…
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